24.01.2010

Singlekultur, eine moderne Marotte?

(Die beiden Absätze sind zwei einzelne Beiträge aus einem Xing-Thread mit obigem Titel.)

Ich habe so lange und oft als Singel gelebt - meine ganz eigene Meinung dazu: Ich finde mich in meinem Singleleben dämlich und unfähig. Es ist für mich dann so: "Es kann doch nicht sein, dass ich nur 'das' kann. Nur mich bzw nur mit mir können. Wie lächerlich ist das denn?" (Alles subjektiv - will da niemandem was mitgeben/anhängen). Nö, ich will gerade wegen seiner schieren Unmöglichkeit das Miteinander leben. Ich will in den Bezug, den mühsamen, anstrengenden, unberechenbaren, verletzenden. Ich will in diese Nordwand des Seins, scheissegal, was dann Scheitern immer wieder bedeutet. Denn allein der Gruppeneffekt (2 ergeben mehr als die Summe ihrer Teile) fördert aus mir Dinge zu Tage, die ich alleine nicht schöpfen kann. Mein grösstes Unvermögen scheint nun sogar langsam zu verfliegen, und das macht mich sowas von glücklich, mein Unvermögen, fürs Vaterwerden bis vor kurzem überhaupt ein Gefühl entwickeln zu können. Der Teflon zu dem Thema schwindet, angefixt aus Gesprächen und bewegt durch ganz eigene Umstände, gibt es da diesen Sprössling einer Empfindung in mir, eine Verwegenheit, ein Liebhaben und ein Ja zu mir selbst. Nö, meine Lieben, mein Singelsein ist einzig dazu da, ein neues Angebot zu schnüren und mich fit zu machen, fürs nächste Draufeinlassen. Und weiss Gott, ich möchte nicht eine einzige Wand vermissen, in welcher ich doch immer und immer so viel mehr auf mich und aufs Leben schauen musste und konnte und durfte. Ich danke all jenen, die mit mir das Lieben und Leben versuchten.

Jona - sich seinen Schuh schnürend....Aufbruch...

(...)
 
Dear XY ... vielmehr ist es mir ein Anliegen, nachts aufzustehen, in die Küche zu schleichen, Milch warm zu machen, eine grosse Tasse zu wählen, vielleicht eine mit einem lieben Wort drauf, mit warmen Farben, mit einem lachenden Gesicht drauf, so eine unmögliche aber notwendige, du weisst schon, und dann die Milch reinzugeben, ergänzend mit zwei grossen Löffeln Honig, den ich verrühre. Auf dem Rückweg ein trockenes Pyjamaoberteil schnappen, Taschentücher, Hustenbonbons, Eukalyptussalbe ... um dann an den Ort zurückzukehren, wo die hustende Rotznase versucht, die Nacht zu vergessen, kurzatmig und mit roten Augen.

Ich mag diesen andern Sinn in all den Dingen, Geschenken, Taten und Stunden, der darin ist, wenn mit wem. Ich habe mal jemandem erklärt, dass wenn ich auch Englisch kann, mein gesamtes Wissen nun in doppeltem Volumen anbietbar wird, einmal in Deutsch und einmal in Englisch und wie mir das Raum und Optionen erweitert ... und so erlebe ich das im Miteinander. Alles was ich habe und bin wird mir doppelt. Jeder materielle Wahnsinn erfährt eine teilweise Legitimation, jedes Wissen und Können eine Schöpfung und jede Minute des Lebens seine Potentierung im Andern - ...

... - und von dessen Anteilen, die mir geschenkt werden und die sich mir eröffnen hab ich ja noch gar nicht geschrieben.

Jona Jakob

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