16.04.2010

Eindrücke von HB-Treffen beim Verein Mensa

Quantentheorie als Stammtisch-Thema

http://www.derwesten.de/wr/westfalen/Quantentheorie-als-Stammtisch-Thema-id2859207.html

Dortmund. Zwei Prozent der Bevölkerung sind hochbegabt. Sie haben einen Intelligenzquotienten, der über 130 liegt. Rund 1,6 Millionen Menschen wären das in Deutschland. Über 8000 von ihnen sind inzwischen Mitglieder im deutschen Ableger des Vereins Mensa, der sein Jahrestreffen in Dortmund abhält.

Es geht wuselig zu in der Hotellobby am Rande der Dortmunder Innenstadt. Menschen kommen an, rufen sich Grüße zu. Das Spielezimmer ist gefragt, ab dem Nachmittag wartet dann ein pralles Programm, das vom Kartrennen über die Brauereiführung bis hin zum anspruchsvollen Vortrag keine Wünsche offen lässt.

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INFO Teffen in 60 Städten
Wer Mitglied im Verein Mensa werden möchte, muss in einem normierten Test nachweisen, dass der Intelligenzquotient (IQ) höher liegt als bei 98 Prozent der Bevölkerung.
Mensa bietet diese Tests an. Das genaue Ergebnis erfährt nur der jeweilige Teilnehmer. Der Verein bekommt lediglich einen Hinweis, ob jemend die Voraussetzung für eine Mitgliedschaft erfüllt oder nicht. Regelmäßige Mensa-Treffen gibt es inzwischen in 60 deutschen Städten. Informationen im Internet: http://www.mensa.de/  Bei der „Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind“ finden überdurchschnittlich begabte Kinder und ihre Eltern Ansprechpartner: http://www.dghk.de/

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Überall stehen kleine Gruppen beieinander und unterhalten sich lebhaft. „Offen und herzlich“, so beschreibt Simone Rehm aus Schwerte den Umgang der Mensaner untereinander. Die 34-Jährige kam vor zwei Jahren durch Zufall zum Verein. Eigentlich wollte sie nur einen Intelligenztest machen und stieß im Internet auf das Angebot von Mensa. „Im Anschluss an den Test waren die Teilnehmer noch eingeladen, etwas trinken zu gehen. Ich hatte Zeit, ging mit, und war angetan. Alle waren offen, freundlich, es war, als ob wir uns schon lange kennen“, beschreibt sie ihren ersten Kontakt mit Mensa. Hier zähle nicht, was jemand beruflich mache, oder wieviel Geld jemand verdiene.

Denn wer hochbegabt gleichsetzt mit beruflich erfolgreich und damit auch mit finanziell wohlhabend, der irrt. Vielmehr ist es ein bunter Querschnitt durch die Gesellschaft, der hier zusammenkommt. „Wir haben den Hartz-IV-Empfänger ebenso in unseren Reihen wie den Professor, die Hausfrau, den Taxifahrer oder den erfolgreichen Geschäftsmann“, sagt Cordian Bialek. Der Anästhesist gehört zum Organisationsteam des Jahrestreffens, ebenso wie Andreas Leidler und Robert Klose. Sie alle beschreiben ein Gefühl, das viele hochbegabte Menschen eint, oftmals einfach „nicht verstanden“ zu werden.

Themenhopping im Gespräch
„Wir neigen bei Gesprächen zum Themenhopping“, bringt es Robert Klose auf den Punkt. „Wir lesen Bücher, die keiner geliehen haben will, hören Musik, die keiner mag, und gehen am liebsten in Filme, bei denen im Kino meistens nur die erste Reihe besetzt ist.“ Bei den Zusammenkünften der Mensaner fühlen viele sich dann endlich verstanden. „Wenn ich als Nichtphysiker etwas über die Quantentheorie lese und mich darüber austauschen möchte, gehe ich zum Stammtisch oder zum Jahrestreffen, dort kann ich mich darüber unterhalten und gehe garantiert zufrieden nach Hause“, sagt Robert Klose.

Der Weg hochbegabter Menschen ist nicht selten steinig. „In der Schule machen viele die Erfahrung, dass sie einfach so mitkommen, ohne viel dafür tun zu müssen“, beschreibt Andreas Leidler. „Spätestens im Studium funktioniert das dann nicht mehr, denn man hat nie gelernt zu lernen.“

Oder es gibt jene Fälle, bei denen die Schullaufbahn erfolglos verläuft, weil das hochbegabte Kind sich einfach unterfordert fühlt, von Lehrern und Mitschülern aber kurzerhand als „irgendwie seltsam“ abgestempelt wird. „Es ist eines der Ziele unseres Vereins, dass das Bewusstsein von Lehrern für hochbegabte Kinder besser geschärft wird“, erklärt Matthias Moehl, stellvertretender Vorsitzender von Mensa-Deutschland.

Robert Kloses Ehefrau Birgitta zum Beispiel hat diese Erfahrung gemacht. Ihre Grundschul-Lehrerin wollte sie einst am liebsten zur Sonderschule schicken. Heute, so berichtet Robert Klose, leite sie selber eine Grundschule - und ist Mensa-Mitglied wie ihr Mann. Dass sie beide hochbegabt sind, war eigentlich nie ein Thema, bis Robert Klose, Redakteur bei einer Tageszeitung in Marl, eines Tages über einen Marler Mensaner berichten sollte. „Ich wurde daraufhin zum Test eingeladen und weil es sonntags war, habe ich meine Frau gleich mitgenommen.“ So stellten beide fest, dass sie hochbegabt sind und sind heute begeisterte Mensaner.

Etwas Besonderes aber, das betonen alle, sei man auf keinen Fall und verbinde damit auch eine Einladung: „Unsere Treffen und Aktivitäten stehen jedermann offen. Niemand wird nach seinem IQ gefragt, das machen Mensaner untereinander auch nicht.“

Beste Grüsse, Jona Jakob

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