19.06.2016

Warum sich Normalos und Hochbegabte/-sensible hören aber kaum verstehen


Hinweis für die Leserschaft:
Der Beitrag ist bewusst im 'Schwarz-Weiss-Modus' verfasst. Selbstverständlich ist das so nicht haltbar, da gibt es in alle drei Dimensionen hinein eine Unzahl von Grautönen und Graustufen. Der dualisierende Modus hilft einzig, eine erkennbare Differenz zu schaffen, damit es leicht verständlich ist. - Danke für Ihr Vertrauen. JJ


In 2016 ergaben sich überraschend viele Coachings mit hochbegabten und sensiblen Menschen. Während deren Geschichten und Beschreibungen kam ich auf eine Beobachtung, warum sich Begabte und Normalos so oft nicht verstehen. Sie reden miteinander, stehen sogar im selben Kontext einer Situation und reagieren dann aber auf die Kommunikation oft höchst unterschiedlich, was zu stark auseinandertreibenden Reaktionen, Resultaten und emotionalen Launen führen kann,

Um die Unterscheidung im Blogbeitrag zu "verdeutlichen" schreibe ich plakativ:

Nomalos: 

  • reagieren instinktiv
  • suchen Sorgenlosigkeit 
  • bei geringstmöglichem Energieumsatz und 
  • sind daher Problemlosigkeits-orientiert

Hochbegabte

  • reagieren intuitiv
  • suchen Probleme / Aufgaben / Herausforderungen / Möglichkeiten / Neues / ...
  • bei effizientem, sinnvollen Einsatz aller Möglichkeiten und Ressourcen und
  • sind daher Lösungs-orientiert

Alle Rechte bei Jona Jakob - 2016, Frankfurt / Grafik von unten nach oben lesen

Reaktion, Instink und Intuition


Reflex, Instinkt und Intuition sind drei Ebenen von weitgehend unbewusster Handlung bzw. Entscheidungsfindung.

Ein Reflex ist wohl die früheste Reaktion auf einen Reiz in der Geschichte des Lebens. Meist dienen Reflexe dem Schutz wichtiger Organe. Ein einfacher Reflex ist der Lidreflex, der einsetzt, sobald irgendwas das Auge berührt.

Instinkt liegt entwicklungsgeschichtlich schon etwas höher. Möglich ist es, angeborene Instinkte von erlerntem instinktivem Verhalten zu unterscheiden:  Daß ein Neugeborenes sich zu den Zitzen der Mutter bewegt, ist sicherlich instinktiv und angeboren. Daß wir in einer Gefahrensituation im Straßenverkehr die Bremse treten ist wohl auch als instinktiv zu bezeichnen, aber sicher nicht angeboren.

Intuitiv schließlich ist mE ein Prozess, der unbewusst im Neocortex abläuft zu nennen. Intuition ist, anders als Reflexe und Instinkte, normalerweise relativ langsam und komplex. Unbewusst bildet sich aus Assoziationen ein Gesamtbild, welches uns dann als intuitiver Gedanke bewusst wird. Daher dürfte Intuition mit der Entwicklung des Neocortex bzw. des präfrontalen Cortex gewachsen sein.

Es gibt in der Welt der Hochbegabung einen Presseartikel aus 2009, in dem der Begabte als "Chancendenker" für Krisen gestärkt wird (Quelle: A. Heintze), da er in Krisen länger als Normalos noch nach Lösungen sucht und Ideen hat. Er ist bestrebter aber ganz besonders von früh auf konditionierter, mit Nichts noch etwas zu machen, während der Normalo mit seinem gewohnten minimalistischen Ansatz von reinem Arterhalt sozusagen bald mal mit dem Rücken an der Wand steht. (Das sind keine Bewertungen, sondern veranschaulichte Bilder, um den Gedanken nachvollziehen zu können).

Hauptunterschied: Der Begabte will 'was tun - der Normalo nicht.

Das ist kein Positiv-Negativ!!! Das sind ZWEI eigenständige Strategien, welche beide ihre Stärken und Schwächen haben und als Handlungsweise beide beste Resultate bewerkstelligen können. Das ist zu beachten. Beide Seiten sind auf ihr Verhalten stolz, beide finden sich selber gut. Beide sind gekränkt, wenn man sie darin missachtet. Diese beiden höchst unterschiedlichen Verhaltensweisen sind nicht weniger, als beider Seiten Selbstverständnis. Hier wird Ich-Kompetenz wichtig, um in Sozial-Kompetenz besser zu werden.

Wichtig: Beide Typen haben seit Kindheit enorm vertiefte und versierte Strategien entwickelt, ihr Art und Weise durchzusetzen. Man darf den Normalo in seiner Weise niemals unterschätzen, bewegt sich sozusagen der Rest der Umwelt in diesem Modus, der z.B. auch für alle volkswirtschaftlichen Systeme : Geburtenrate -> Familien -> Bildungs- und Versicherungsmärkte -> Arbeitsmärkte -> Konsummärkte -> Mobilität -> Geldflüsse -> Berechenbarkeit -> Anreize -> Lenkungs- und Steuerbarkeit -> etc ideale Konditionen herstellt. Dank den Normalos funktioniert unsere Welt. Als Begabter kann man dem Rechnung tragen und damit sehr gut ankommen.

Alle Rechte bei Jona Jakob - Frankfurt 2012

Begabungstyp 1 und 2


Link zum Beitrag:
http://begabt-sensibel.blogspot.de/2013/01/hochbegabung-typ-1-und-2-von-jona-jakob.html 

Dort unterscheide ich den Typ 2 als eine Persönlichkeit, die durch Wachheit und zu hohe Aufmerksamkeit eine Art Resilienzstrategie entwickelt, um die Kindheit besser zu überstehen. Diese Menschen werden eine Art gedrillte 'Checker' - überaufmerksam, überbedacht, überprüfend, und denkend, denkend, denkend.



Der oben stehende Beitrag ist erneut bildlich und "bewertend" beschrieben - das ist aber ausdrücklich nicht meine Absicht, jemanden zu bewerten. Ich schreibe bewusst in Worten des 'Alltags', damit Resonanzen möglich werden. Keiner von beiden Seiten ist schlauer oder cleverer - beide sind in ihrer Weise von Natur her schlau angelegt und clever in ihrer eigenen Art. Beiden ist höchster Respekt und alle Würde ausgesprochen. Beide Seiten haben ihren ganz grossen Nutzen im Bestehen des Menschen. Beide sind liebenswert und angenommen.

Wenn es darüber auch im Miteinander besser gehen kann, weil erkennbar wird, was möglicherweise beachtet werden kann, dann ist damit ein Dienst getan. Was ich schreibe ist auch keine zwingende Wahrheit oder hat seine Wissenschaftlichkeit - es ist nichts mehr, als meine subjektive Beobachtung, eine die sich mir mehrfach als Konflikt zeigte und als Lösung, wenn wir damit bewusst umgegangen sind.

Viel Erfolg

Jona Jakob
Coach für Hochbegabte Hochsensible Erwachsene Deutschland und Schweiz

http://www.begabt-sensibel.de
http://www.begabt-sensibel.ch


Kommentar zum Beitrag



Kommentare:

Björn Wunderlich hat gesagt…

Hallo,

den Ansatz zu Unterscheidung der Strategien von Normalos und Begabten finde ich sehr interessant und stimme dem auch weitgehend zu. Ich denke aber, der Hauptunterschied "Der Begabte will 'was tun - der Normalo nicht" trifft es nicht ganz. Vielleicht habe ich aber auch nur eine andere Auffassung des Begriffs "tun".

Man könnte auch sagen, dass der Begabte etwas ändern möchte und der Normalo nicht, denn der Begabte sieht die Möglichkeiten zur Verbesserung, das genannte Chancendenken, und der Normalo sieht die Möglichkeiten nicht, weil er weniger visionär denkt und der Status quo aus seiner Sicht das Beste ist.

Beide allerdings handeln, d. h. tun etwas um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen.

Viele Grüße
Björn

Jona Jakob hat gesagt…

Hallo Herr Wunderlich

Eine wunderbare Anmerkung und sehr hilfreich, finde ich "nichts ändern vs. änder".

Ich habe mir erlaubt, vom Kommentar einen Snapshot direkt in den Beitrag zu stellen. Wenn ihnen das nicht zusagt, melden Sie sich kurz bei jj@consensus-coaching.com und ich nehme es wieder weg. Ich würde mich aber freuen, wenn ich das so stehen lassen kann.

Herzlich und mit grossem Dankeschön
Jona Jakob