14.05.2012

Wenn mein Körper nicht da sein kann, wo mein Kopf meint, noch hin zu müssen


Hallo zusammen

Ich möchte von einer persönlichen Beobachtung schreiben, die ich mal mehr, mal weniger erfahre, beachten kann/muss oder weniger kann und eben dann auch "daneben" gerate.

Ausgangslage:

Ich muss vielleicht mit meinem Anteil Hochbegabung (HB) anfangen. Meine HB ist nicht sooo hoch, die liegt durchschnittlich bei 127. Dabei sind feinstoffliche Fähigkeiten, sowas wie 'Sehen/Fühlen/Wahrnehmen/Reflektieren/Fragen' höher angelegt, als Mathematisches/Logisches, und auch im Wahrnehmen 'ganzer/ganzheitlicher/prospektiver' Situationen habe ich grosse Stärken.

Diese Fähigkeiten geniesse ich und arbeite gerne damit, diese Fähigkeiten "drehen aber sozusagen im Leeren", wenn sie nicht "gefüttert/bedient/erfüllt" werden. Ist nix los, kann ich unbefriedigt aus der Spur geraten, weil mein Geist Wahrnehmbares bedarf und der dann keine Ruhe lässt, bis er wo was kriegt, das ihm seine Kopf- und Fühlarbeit befriedigt/erfüllt. Ich "suhle" mich gerne in der Satire, in der Melancholie, in Themen zur Macht, in Spitzfindigkeiten der Literatur, in Aphorismen, Texten, Subtextlichem (Zwischen den Zeilen Gemeintes), in der Kunst, der Provokation, dem Offenlassenden und der philosophischen Reflexion. Last but not least liebe ich daher alles Menschliche und Zwischenmenschliche.

Ist dieser Teil befriedigt, arbeite und leiste ich gut. Auch alle anderen Arbeiten, wie Administration, Ablage, Belege, Berichte, etc. etc. - alles, was banal aber notwendig ist, wird dann auch mit gutem Schwung angepackt und erledigt.

Buntes Zebra, ein Postkartengruss, den ich mit ca. 21 Jahren erhielt.
Die Absenderin muss etwas geahnt haben, jedenfalls sah sie mich bereits 'so'.


Problem:

Dem gegenüber, nun komme ich zum Anteil der Hochsensibilität, steht meine Physis, mein Körper, dessen Kopf wach oder lahm sein kann, dessen Körper sprungfit oder schwach wirkt, die Beine hüpfen oder bleischwer sind, dessen Geist wach oder schläfrig mein Handeln fördert oder bremst.

Sehr oft ist mein Körper nicht dort, wo mein Wachsein noch hin möchte.

Dann tut sich mir - so beschreibe ich das mal - eine Schere auf. Die HB-Anteile zerren mich suchend und wühlend nach Befriedigung des Geistes. Der Körper aber, nicht zuletzt von diesem HB-Gezerre, ermüdet, flüchtet, sackt in etwas Lethargie, Kraftlosigkeit und vernachlässigtem Tatendrang.

Das Resultat bei zu weit offener Schere dieser widersprüchlichen Dynamiken kann sein:
- Vernachlässigung der Pflichtarbeiten, selbst wichtige Dinge, lasse ich liegen
- Vor mich hinschieben von Pendenzen, Antworten, Transaktionen
- Prokrastination http://www.youtube.com/watch?v=UXziurFkQxM

In einer späteren, länger andauernden Unbefriedigung meiner HB folgen:
- Schlaflosigkeit
- Endloskonsum von TV, Internet, Presse (gottlob nix Schlimmeres, auch nicht Essen)
- Übellaunigkeit
- Körperliche Distanzierung gegenüber meiner Liebsten

Mein physischer Körper geht also irgendwie in einen Notzustand, der davor flüchtet, wichtige Grundlagen der Alltagsarbeit zu erfüllen, besonders im Arbeitsbereich. Ich habe keine Probleme, mich gepflegt, gesund und geordnet zu halten. Ich wirke nach Aussen ganz ok. Aber Arbeit, Papierkram, Kontakte bleiben liegen.

Lösungsschritte:

Ich musste lernen, die beiden Sphären meiner "Körperschaft"
1. zu beobachten und zu analysieren (welche Anzeichen bedeuten was?)
2. so zu handhaben, dass sie "ideal(er)" gemanaged werden
3. in ihren interaktiven Wirkungen in wechselnde Prioritäten zu kriegen

Ich bin glücklicherweise ein Frei'Schaffender - ich kann viele Momente freier bestimmen, als wenn ich Angestellter wäre.

Was wurden meine Rezepte, um mein Gleichgewicht möglichst ideal zu halten?:

- So, wie es bei der Ernährungskunde heisst, "5 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt", mache ich viel mehr Pausen, in denen ich richtig schlafe. Ich kann 15Min-schlafen, 1 h schlafen, 3 h schlafen. Ich wache auf und bin fit. Da ist dann ein richtig gutes Gefühl da und ich habe volle Präsenz.

- Ich esse viel weniger als früher, was mich entlastet, ob essend, verdauend und auch ausscheidend. Ich trinke viel mehr. Das ganze Thema hat in meinem Aufgabenkorb um 50% an Anteil verloren.

- Ich kleide mich einfacher, um den Aufwand in allem zu reduzieren.

- Sehr gut tun mir die Gänge mit Phibi, unserem kleinen Hund. Gehen taktet das Gehirn. Zudem nehmen auf der Gasse die Dinge eine entferntere Distanz ein, ob mit dem Auge betrachtet, mit dem Ohren gehört, mit der Haut empfunden und last but not least mit dem Kopf reflektiert.

- Ich spiele mehr, ob mit dem Hund, einem Ball oder sonst einer solchen Ablenkung, damit ich mein Wesen mit Zweckfreiheit tanke.

- Ich schaue, dass ich immer fitter werde, in allem und jedem (aber nicht verbissen, mehr im Sinn von "Slow"). Das heisst, ich sorge gut für mich, wellness ist da auch drin.

- Ich suche nach alle möglichen Formen geistiger Nahrung (mE keine leichte Aufgabe)

Resultate:

Denn bei mir zeigt sich: Wenn ich meinen physischen Körper gut pflege, habe ich mehr Energiekapazität für BEIDES: die Nährung der HB-Anteile sowie die Pflege meiner Alltagstätigkeiten. Ich bin besser "bereit" oder eben, ich kann "dort sein", wo mich mein Geist braucht und die Schere schliesst sich zu einer gemitteten Einheit - und die leistet mE Hervorragendes.

Ob also hohe Sensibilität oder Begabung - beides kann und wird mich weiterhin aus der Spur bringen, wenn ich nicht ideal und sehr persönlich dafür sorge, dass ich (m)einen Idealzustand erreiche - egal wie komisch das für andere wirken mag. Bin ich in meiner Mitte bzw. bin ich ausgependelt und gut drauf, kriege ich dieses 'Mehr' an Fähigkeit in die Arbeit, in meine Begegnungen, in meine Beiträge und in meine Herzlichkeit. Dann mag ich mich sehr und bin für alles offen. Dann stimme ich und bin mein Ding wert.

So will ich weiter sehen, was ich tun kann.

Und ich bin gespannt, ob das jemandem von euch auch so oder ähnlich geht?

Wie ich meine HB aktuell nähre? Ich lese mir wichtige Bücher nach 10 - 20 Jahren ein zweites Mal, um zu sehen, ob ich sie damals richtig oder anders verstand und was mir deren Inhalte heute noch sagen. Ich brauche für ein Buch 1-3 Tage - der Gewinn an Reflexion ist mE enorm. Ok, ich belästige dann andere mit Themen, welche sie nirgendwo zuordnen können, aber das ist ein anderes Thema ... :-)) 

Wie geht es euch damit?

Herzlich grüsst

Jona Jakob

1 Kommentar:

  1. Heute habe ich den ganzen Tag "geprokastet", aber ist ok... die Nacht ist noch lange und was ich erledigen muss ist für morgen Nachmittag fertig sein.

    Aber das mit den 5 Mahlzeiten pro Tag ist funktioniert effektiv. Im Sinne, dass ich mir Arbeiten welche ich halt eben tun muss, in kleine Portionen aufteile.... meistens tue ich es so, eben heute nicht :-)

    Bin hier auf Ihre Seite hängen geblieben.

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