Posts mit dem Label Gast-Freund-Schaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gast-Freund-Schaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

06.02.2014

"Yipiee!" 30'000 Abrufe

Sehr geehrte Leserinnen
Sehr geehrter Leser

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an diesem Blog, der heute seine 30'000 Abrufe überschritten hat. Das ist mir ein motivierendes Dankeschön von Ihnen, liebe Leserschaft, und das ist für mich eine grosse Freude. Erst kürzlich schrieb mir jemand mit seinen 52 Jahren - ich darf den Wortlauf verwenden, lieben Dank hierfür:

Aber es war eine so unglaubliche Erfahrung in Ihrem Blog zu lese, habe das ganze Wochenende damit verbracht. Es hat sich gelohnt. Gestern Abend, habe ich Ihren letzten Beitrag gelesen. Heute Morgen während ich meinen Kaffee trank, musste ich an Sie denken, an das was Sie schreiben und wie Sie es schreiben, an das was es bei mir ausgelöst hat. Irgendwie ist es wie ein Puzzle, es passt alles perfekt zusammen, Stück um Stück.Es war einfach nicht möglich mich damit aufzuhalten, den Strom meiner Gedanken (Bilder welche es zu Worte zu bringen galt), zu unterbrechen. Das, währe schade gewesen, denn ich befand mich dabei wie in einem erweitertem Bewusstseinszustand. Es war wunderbar, glücklich fühlte ich mich, am richtigen Ort. Diese Begegnung mit Ihnen, mit Ihrer Arbeit, Ihren Gedanken, hat mich wieder dahin zurück geführt. Kann es wieder sehen, spüren, es für möglich halten. Dafür bin ich Ihnen unendlich Dankbar. Sie dürfen meine Texte welche ich Ihnen schreibe, immer benutzen. Damit möchte ich Ihnen etwas zurück geben.


Der Blog 'Hochbegabte Hochsensible Erwachsene Schweiz' will weiter an seinen Beobachtungen wachsen. Er ist für alle gedacht, welche sich mit den Themen der Hochbegabung oder der Hochsensibilität bei Erwachsenen beschäftigen wollen, ob selber davon geprägt oder ohne Betroffenheit, vielleicht als Partner, Arbeitgeber, Kollege, Elternteil oder Verwandter.

Ich freue mich über Kommentare und Bewertungen und wenn Sie den Blog weiterempfehlen mögen.

Auf nächste fünf Jahre und viele Abrufe mehr.

Mit herzlichen Grüssen

Jona Jakob


04.02.2014

Hochbegabte Erwachsene: Gastbeitrag mit Jahrgang 1961

2. Februar 2014, Coldrerio, Schweiz

Guten Abend Herr Jakob

Schön Sie gefunden zu haben, Ihre Seiten gelesen zu haben… es hat mir eine Welt eröffnet. Coaching für Hochbegabte, dass es dies gibt?! Ja klar, nun ist mir auch bewusst weshalb meine Versuche eine Therapie anzugehen, immer geschneidert sind. Das lag an der Grösse des „Schraubenschlüssels“.

Das Interview mit Frau Lilli Cremer-Altgeld hat mit dann den Mut gegeben Ihnen zu schreiben.

Ich bin Jahrgang 1961, mit wenig Schulbildung und einem IQ von (*ca.) 145… gemessen wurde dieser vor langer Zeit, damals war ich so um die so um die 27 Jahre jung. Ich hatte einen Psychologen für eine Berufsberatung aufgesucht. Als ich zur zweiten Besprechung kam, schlug er mir vor einen IQ-Test zu machen. 




Bis dahin hatte nie davon gehört. Aber es wunderte mich nicht besonders, dass er sich Klarheit über meine Intelligenz verschaffen musste, schliesslich hatte ich nur eine sehr dürftige Schulkarriere vorzuweisen. Da stellte sich natürlich schon die Frage, ob es an einem Mangel an Intelligenz liegen könnte, dachte ich.

Also machten wir den Test. Er legte mir ein dickes Buch vor, erklärte mir ich müsse mich durch die Aufgaben arbeiten und er würde mich dabei filmen, dann lies er mich alleine. So, nun fing ich an die Aufgaben zu bearbeiten aber es wurde mir bald langweilig dabei. Da habe ich das „Buch“ umgekehrt (so wie man es oft mit langweiligen Büchern macht in der Hoffnung weiter hinten käme dann doch noch was Spanendes). Also habe ich mich, so ab Mitte des Aufgabenbuches, von hinten nach vorne gearbeitet…. es war nicht viel spannender.

Bei meinem darauffolgenden Besuch, teilte mir mein Berufsberater das Resultat des Testes mit. Er sagte mir er hätte einen IQ von 145 messen können. Er nehme jedoch an, dass er eher höher liege, so um die 160. Da ich jedoch diese Charaktereigenschaft hätte, welche mich dazu verleihe, die Dinge nicht konsequent zu ende zu führen, könne er eben nur eine circa Messung von 145 bestätigen. Der durchschnittliche IQ liege in etwa bei 100/110, sagte er dann noch abschliessend. Dann schrieb er für mich noch einen Bewerbungsschreiben als Vorlage, in dem er erläuterte ich sei eine „adrette“ junge Frau mit einer überdurchschnittlichen Auffassungsgabe....schickte mich nach Hause und bald danach die Rechnung.

Also, hätte er mir gesagt, meine Füsse seinen Grösse 37/38, hätte ich damit etwas anfangen können. Aber einen IQ von 145 oder 90 oder 105 oder 10… was sollte ich damit anfangen. Gut, ich wusste nun zumindest schon mal, dass ich nicht dumm war. Das machte es mir aber gar nicht leichter, im Gegenteil, dann war ich ja faul! Also hatten sie doch alle recht gehabt, alle Lehrer, Eltern, Geschwister, alle. Da blieb nur noch das „adrett“, das was ich immer nur gewesen war. Ohne Zweifel, ich war hübsch und faul. Da lag das Problem.

Im laufe der Jahre habe ich mich ein bisschen mit dieser IQ Geschichte beschäftigt, und dabei herausgefunden, dass ich ein seltenes Tier bin. Aber die Welt nach der Industrialisierung, weiss nichts mit solchen seltenen Tieren anzufangen. Die stören nur, sind aufmüpfig, hinterfragen alles, reden ohne Unterbruch, und als ob dies nicht ausreichen würde, sind sie auch noch supersensible und ständigen seelischen Hoch und Runter ausgesetzt.

Meine Tochter habe ich als sie circa acht Jahre alt beim Schulpsychologischen-Dienst testen lassen. IQ 130, war das Resultat… Gott sei Dank! Sie versteht mich einiges besser als der Rest der Welt. Aber auch sie hat manchmal mühe mir zu folgen, so sagt sie. Sie sagt, meine Gedanken seinen zu schnell, und irgend ich sei ich unermüdlich, würde weiter denken, weiter denken an derselben Sache, dann wenn alle andere schon lange nicht mehr mögen.

Aber ich habe zu wenige Informationen als das ich alles verstehen könnte was ich gerne verstehen würde. Da müsste ich bei Aristoteles anfangen, über die Quantenphysik bis zur künstlichen Intelligenz….

Als ich noch Zeit gehabt hätte, da war ich zu sehr mit elementaren existenziellen Sorgen beschäftigt. Alleine mit einem Kind ohne eine anständige Ausbildung, das ging weder zeitlich noch finanziell. Ich hätte das Gymnasium nachholen müssen um so an die Uni gehen zu können.

In der Zwischenzeit ist das „adrett“ auch nicht mehr so sehr adrett, dafür weiss ich jetzt dass ich nicht faul bin. Meine Tochter hat an der Hochfachschule Sozialarbeit studiert und ist glücklich im Berufsleben integriert.

Das Internet ist meine Heimat geworden, da kann ich mich so richtig austoben. Die Geschichte mit den Hyperlinks ist einfach genial!!! Da schwirre ich von einem Thema zum anderen, debattiere in Social Networks und Foren. Es wächst in mir immer mehr die Idee, auf eigene Faust mir mein Studium „zusammen zu basteln“. Muss ja kein Abschluss holen, würde es nur für mich machen. Tut mir leid für die Welt der ein kleiner Genie entgangen ist, aber währ nicht sehen viel der muss spüren J

Die Gebiete für welche ich mich besonders interessiere sind Sozialwissenschaften und Philosophie.

Nun habe ich Sie sehr lange aufgehalten, hoffe auch ein bisschen unterhalten. Sie dürfen diesen Text gerne verwenden, wenn Sie denken es könnte jemanden von Nutzen sein. Vielleicht jemand der ein Kind hat welches ständig Fragen stellt, rückwärts läuft und dabei die Wolken betrachtet, viel Schreibt obwohl es Legastheniker ist. 

Es ist eine Frage der Verantwortung, ob diese Gesellschaft es sich leisten kann Hochbegabung zu verschwänden. Eine so primitive Welt, in der immer noch Menschen an Hunger sterben und Kinder ihre Glieder in Minenfelder verlieren, ist es vielleicht eine unerhörte Verschwendung hochbegabte Wesen zu ignorieren.

Viele liebe Grüsse und vielen Dank für Ihre Webpräsenz.



Ich danke für die Erlaubnis, den Text hier präsentieren zu dürfen.  Jona Jakob

31.12.2012

Wenn geschaffenes Verstehen die Prägungen einer Hochbegabung wettmacht! Ideal.


Angekommen?

Ich danke dem Autoren für die Erlaubnis, den Text hier publizieren zu dürfen. Es handelt sich um eine persönliche Vorstellung in einem Internetforum zum Thema Hochbegabung. Der Autor steht mitten im Leben, ist also gestanden Erwachsener und ist beruflich engagiert.  
-
Ich bin neu hier und daher ist es zunächst einmal angebracht, sich in wenigen Worten vorzustellen. Nur wer ist man selber eigentlich? Vermutlich denke ich viel zu viel, zumindest wird mir das andauernd nachgesagt. In der Arbeit muss ich zum Beispiel Fachkonzepte lesen, teils im Rahmen einer Qualitätssicherung, teils weil sie auch für mich eine Arbeitsgrundlage darstellen. Natürlich mache ich so etwas nicht völlig alleine, und so errege ich immer wieder Aufmerksamkeit durch meine Fragen. Irgendwo entdecke ich eben doch immer wieder die Lücken in einer längeren Argumentationskette oder mir fällt auf, dass feststehende Fachbegriffe etwas unorthodox angewendet werden. Nun, etwas als falsch hinzustellen, das kommt nicht immer gut an, also lasse ich es besser. Schließlich möchte ich nicht in die Rolle des ewigen Besserwissers geraten. Stattdessen bemühe ich mich bei Kritiken um einen "sokratischen" Ansatz, das heißt also Fragen stellen, um dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, seinen Fehler in Grazie bemerken und ausmerzen zu können. 

Was von mir erwartet wird ist die Fähigkeit, in (formalen) Modellen zu denken. Das hört sich einfach an, macht sogar Spaß, zumindest mir. Nun bin ich aber auch realistisch genug, von anderen keine ungeteilte Zustimmung zu erwarten. Modelle haben nun einmal als wesentliche Elemente Syntax und Semantik, sodass das Arbeiten mit ihnen Disziplin, aber auch sehr viel Vorstellungsvermögen erfordert. Und so ist es letztlich kein Wunder, dass das Arbeiten mit Modellen bei den meisten Menschen nicht gar so gut ankommt. Dabei hat das Modellieren auch ein sehr spielerisches Element. Gedanken und Ideen als Spielzeug, warum eigentlich nicht?  

Mir fällt generell auf, dass in vielen Diskussionen mit Vokabeln um sich geschmissen wird, deren Bedeutung offensichtlich nicht richtig verstanden wurde. Meist reicht ja schon eine ganz simple Verständnisfrage, um anschließend die merkwürdigsten Reaktionen erleben zu dürfen. Okay, ich nehme alles viel zu akribisch genau, kann mich in Details festbeißen - aber doch nur im Bemühen, das mir Gesagte verstehen zu wollen. Wer "Sherlock Holmes" gelesen hat, dem ist doch nur zu gut bekannt, dass sein Freund Dr. Watson sicherlich keine schlechten Beobachtungen macht und auch seine Schlussfolgerungen an sich nicht falsch sind. Das Dumme ist eben nur, dass er scheinbar unwichtigen Details nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenkt.  

Auf der anderen Seite ist gerade das Weglassen von Details eines der wesentlichen Erfolgsgeheimnisse physikalischer Modellbildung. Es gibt eben nicht den EINEN Denkansatz, mit dem sich alle Probleme lösen lassen. Teilweise ist es völlig angemessen, mit schlichtem "Hand Waving" zu argumentieren während man sich an anderer Stelle wohl oder übel um das Detail bemühen muss. In mathematischen Beweisen ist dieser schnelle Wechsel absolut keine Seltenheit. 

Eine weitere Beobachtung: Ich interessiere mich für Informatik, (Versicherungs)mathematik und juristische Fragestellungen gleichermaßen. Eigentlich sollte diese Vielseitigkeit für den Arbeitgeber eine tolle Sache sein. Gleich drei Qualifikationen gegen die Zahlung eines einzigen Gehalts? So ein Angebot müsste doch eigentlich ein verlockendes Geschäft sein. Nur wird daraus leider nichts, denn im Fachbereich darf ich keine Informatik treiben und in der Anwendungsentwicklung keine Versicherungsmathematik. Zugegeben, ich vergaß einfach die Schubladen, wohl eher unter dem Begriff "Stellenbeschreibung" bekannt.  

Entgegen gängigen Vorurteilen interessiere ich mich auch noch für Sprachen, aber nicht so sehr für Fremdsprachen, sondern eher für die geschichtliche Entwicklung von Sprachen. Dabei kommt man dann sehr schnell darauf, das es sich bei Latein keineswegs um eine "tote" Sprache handelt. Sie hat sich eben nur weiterentwickelt, wobei sich dann die modernen romanischen Sprachrn herauskristallisiert haben. Vermutlich verhält sich,wenn man so will,  Französisch zu Latein wie Neuhochdeutsch zu Althochdeutsch. 

Gut, das war jetzt eine kleine Abschweifung, denn Thema diese Beitrags ist ja nicht Sprachgeschichte, sondern die Vorstellung des neuen Mitglieds.  

Sie sehen, ich habe bisher das Wort "Hochbegabung" nicht in den Mund genommen. Eigentlich ist es mir auch völlig egal, ob ich nun die Kriterien eines Hochbegabten erfülle. Ich bin nun einmal so wie ich bin. Sicher, In den Augen vieler Bekannter und Freunde durchdenke ich zu viele Entscheidungen, wohlwissend, dass es im Grunde genommen gar nicht einmal so schrecklich viele Überraschungen gibt, wie man gemeinhin annimmt. Wohl gemerkt, ich habe damit jetzt nicht gesagt, dass das Leben frei von Überraschungen sei. Aber mit etwas Nachdenken (jetzt werde ich vermutlich belächelt), lassen sich viele sogenannte Überraschungen aus dem Wege räumen oder zumindest naheliegende Vorkehrungen treffen. Ein möglicher Einwand gegen eine als "übertrieben" angesehene Vorausplanung seiner Handlungen könnte etwa lauten, dass man sich damit des eigentlich Spannenden im Leben beraubt. Ein derartiger Einwand ist ja gar nicht einmal von der Hand zu weisen, reicht mir persönlich aber nicht aus, eingefleischte Gewohnheiten abzulegen. Wem Nachdenken Spass macht, der wird es sich nun einmal nicht mehr abgewöhnen wollen.  

Was erwarte ich in dieser Gruppe? - Im Grunde genommen nur, Menschen kennenlernen zu dürfen, die über den doch sehr engen Tellerrand des Alltäglichen hinausdenken, die im Sinne der Aufklärung den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Wann immer ich glaube, eine Mehrheitsmeinung zu teilen, dann kann ich mich einer gewissen Skepsis kaum noch erwehren. Irgend etwas scheine ich dann vermutlich nicht bedacht zu haben. Den Mut zum Anderssein, den möchte ich mir einfach nicht nehmen lassen. Dennoch, ein paar wenige Gleichgesinnte schaden nicht. In diesem Sinne freue ich mich auf diese Gruppe und viele anregende Diskussionen. 

Liebe Grüße, 


Ich hatten den Wunsch, diesen Text hier zu veröffentlichen, weil an ihm mE relevante Aspekte erkennbar werden:

1: Der Autor pflegt mE ein engagiertes, waches Bewusstsein für sich selbst, aber auch hinsichtlich seines Umfeldes. Das ist die Form, wie ich mir als Coach einen Umgang mit dem Thema Hochbegabung vorstelle: keine Stigmatisierung sondern bewusster Umgang hin zum konkreten Handeln.

2: Man kann im Text erkennen, was die Normalowelt braucht, damit etwas brauchbar wird - man sieht aber auch, was man noch nutzen und potentieren könnte - wo also noch Chancen stecken, nimmt man sich die Mühe, einem Hochbegabten länger zuzuhören, bis man ihn verstanden hat. Das ist für die Normalowelt anstrenged, aber vielleicht gerade das Alleinerkennungsmerkmal innovativer Lösungen. 

3: Der Beitrag erzeugt mE eine Stimmung, eine Embiance, wo niemand bewertet wird. So können HB-Geprägte und Normalos einen guten Weg miteinander finden. Solcher Umgang, so mein Credo, fördert das gegenseitige Verständnis und damit das Vertrauen - .. und es macht Spass.

Herzlichen Dank.

Jona Jakob

17.04.2012

Gastbeitrag für HSP: Ein Wahnsinns-Tag


Ein Wahnsinns-Tag

Der Wecker klingelt mich endgültig aus meinem wohl verdienten, aber viel zu kurzen Osterurlaub. Ein Blick in den Spiegel verrät mir Neuigkeiten: Unterschlaf und Unterlust. Na dann, herzlich Willkommen in Ihrem Bad, bitte betreten Sie jetzt die Dusche. Schnell den Dienstwagen holen, der soll nach dem Reifenwechsel wieder mit. Der Smart ist wie immer Ohren betäubend laut und die Lüftung brüllt mich an. Aber die Sonne scheint und schenkt mir Zuversicht. Es wird ein schöner Tag – wird es ein schöner Tag? Wir werden sehen. 


Vor dem Büro noch schnell in die Bezirkshandlung. Als Beraterin für glückliche Kunststoffhaushaltswarenbesitzerinnen und –besitzer brauche ich noch ein paar Muster. Donnerstag ist meine letzte Party. Zum Glück sind die meisten noch müde, so dass keine allzu lauten Unterhaltungen einen Nachhall zur Fahrt bewirken. Ich bin an der Reihe. Lagerkollegin 1: „Muster? Warte mal.“ Lagerkollegin 2 (von ganz hinten in zarter Lagerstimmenfärbung): „Es gibt keine Muster mehr. Heute ist Neuvorstellung.“ Lagerkollegin 1: „Ja, heute ist Neuvorstellung.“ „Ja, ich weiß, das war aber abgesprochen.“ Lagerkollegin 2 (immer noch von hinten): „Du weißt doch, dass heute Neuvorstellung ist.“ „Ja, ich…“ Lagerkollegin 1: „Dann gibt’s keine Muster mehr“ „Ja, ich weiß, aber …“ Von hinten fliegen Kartons. „MIST!“ – offenbar nicht freiwillig, aber jetzt, denn mindestens einer bekommt einen lautstarken Tritt obendrauf. Lagerkollegin 1: „Brauchst Du sonst noch was?“ „Sonst? Ja, ich brauche 10 Gästegeschenke.“ „Sind aus.“ Die restlichen Kartons fliegen hinterher, die Eisentür macht mit. „Aus?“ „Aus.“ 

Der rüttelige Ohrensmart überwindet alle meine inneren Widerstände und bringt mich an das Ziel meiner Albträume. Natürlich funktioniert der Rechner nicht. Mein Kollege wird hektisch – kein Problem, als die Ruhe in Person kann ich das an Tagen wie diesen gut abfedern. Netzwerkkabel austauschen, auf geht’s. Die Kollegen aus den Nachbarbüros treffen nach und nach ein, verschwinden in der Küche und holen sich erst einmal einen Kaffee. Gefühlt entscheidet sich jeder für den Becher ganz hinten unten. 

Die schwere Eicheneingangstür im Erdgeschoss fällt noch einmal aufdringlich ins Schloss, dann wird es ruhiger auf dem Flur und ich kann mich meiner Arbeit widmen. Voller Abscheu sehen der überaus langweilige Papierstapel und ich uns an. Wir können uns nicht leiden, glücklicherweise beruht das auf Gegenseitigkeit. Ich wende die alte List an: Stapel wegarbeiten, dann habe ich gewonnen. Die Motivation dazu klappt immer phasenweise. Die Tür unten fällt wieder zu. Es ist ruhig. JUHUUUU!! Das ist mein Tinnitus, froh, endlich mal wieder Gehör bei mir zu finden und freut sich schon auf den Wettstreit mit der Rechnerlüftung. Wie die Kinder – ehrlich, sie wollen einfach nicht verstehen, dass beide so lange weitermachen, bis der Stecker gezogen wird – dem Rechner oder mir. Und beides habe ich nicht vor. 

Gibt es eigentlich einen Preis für den Mann, der mit seinem Husten als erstes eine Wand zum Einsturz bringt? „Nein, nein, es geht mir gut, Sie hätten mich mal letzte Woche hören sollen. Da hatte ich richtig Husten.“ Nein, danke, wirklich kein Bedarf. Aber ich bringe noch ein „Sie Armer, wollen Sie einen grünen Tee?“ raus. Ich bin ja mitfühlend. Er lehnt dankend ab. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Die Telefone in den Nachbarbüros wollen nicht still stehen, ebenso wenig wie die Kolleginnen, die ihre Pumps über den Holzfußboden spazieren tragen. Und gern auch mal an meinem Büro vorbei, die Holztreppe hinunter ins Erdgeschoss. Und wieder hoch natürlich. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:00 Uhr – Besprechung bei meinem Kollegen. Plötzlich steht eine Kollegin aus dem Nachbarsbüro hinter mir. „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken.“ „Tun Sie nicht, mach ich immer selbst.“ Fragender Blick. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:30 Uhr – mein Kollege muss los. Haut die Tür zu, er ist spät dran. Runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Die Tür geht wieder auf, er rast die Treppe wieder hoch, stockt, murmelt „was vergessen“, reißt die Tür auf, haut sie wieder zu, murmelt „jetzt aber“, springt die Treppe runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Es ist eine Gabe. 

Weiter im Text – Mails lesen. „Hallo! Ich habe gehört, Sie hatten Urlaub! Ich hoffe, es war schön! Bitte melden Sie sich doch mal! Hat aber Zeit!“ Warum brüllt die so? 

13:00 Uhr – Mittagspause. Im Discounter um die Ecke noch ein paar Sachen einkaufen. Versteht sich wohl, dass mit sich selbst redenden Warenverräumern Dosen aus dem Regal fallen. Die beiden niedlichen Wonneproppen hinter mir kreischen vor Vergnügen. Der adrette junge Mann in der Kasse vor mir versorgt sich mit seiner Ration Kräuterschnaps. Gestern Abend würde ich tippen, gabs zum Abendbrot eher Bier und Zigaretten, weniger frische Luft und erst recht keine Seife. 

Wie nett, der sirenisierte Krankenwagen wartet, bis ich aus dem Laden trete und gerade mit einer großen Einatmung versuche, den Typen vor mir aus der Nase zu bekommen. Ist es eine Gabe? Es ist eine Gabe, höre ich mich. 

Ich öffne die Tür und während ich die Treppe hinauf gehe, fällt sie voller Wucht in ihren Rahmen. Das Herz sackt mir in die Knie, aber da komme ich gut ran. Zwei Nachbarskolleginnen kommen mir auf der engen Treppe entgegen, sie amüsieren sich prächtig und haben sich zur Feier des Tages zum Mittag noch einmal ordentlich eingesprüht (wie wird das Essen schmecken?). Hinter mir läuft eine weitere Kollegin. Schwerfällig stapft sie mit ihren hohen Hacken die Holzstufen hoch. Ich flüchte aufs Klo, wo mir der Geruch von parfümiertem Toilettenpapier entgegenwabert. Winterduft – eine eklige Mischung aus Vanille und Kokos. Hoffentlich riecht mein Po nicht so. 

13:30 Uhr – der Salat versucht mich tapfer anzulächeln. Meine Nerven liegen blank, aber ich weiß genau, esse ich jetzt nicht, kriege ich auch noch schlechte Laune. Das braucht kein Mensch. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Nach einer Nerven aufreibenden halben Stunde, in der sich die Nachbarskolleginnen ein Treppenduell geliefert haben, ist jetzt wieder Ruhe. Bis auf Tinni, der kriegt wieder Oberwasser. 

Ich kann mich wieder dem langweiligsten aller Papierstapel zuwenden und bin mir über eines klar: Wäre mein Optimismus nicht – ich würde denken, das ist ein Wahnsinns-Tag. Und er ist noch nicht einmal halb um. 

Aber: Es ist eine Gabe. 


Jasmin G.


-


Meinen herzlichen Dank  an die Autorin: Jasmin G., welche zusagte, den Beitrag hier veröffentlichen zu dürfen. Mir persönlich ist der Beitrag wichtig. Er zeigt mir, wie sehr Emissionen das Leben mit Hochsensibilität belangen. Es mag für dieses feine Wahrnehmen, Sehen und Schreiben eine Gabe sein, es zeigt auch, wie das Selbe anderen Menschen gar nicht erst ins Bewusstsein dringt, und es mag zur Energie verzehrenden Tortour werden, für die und den, der das alles mit- und abbekommt. 


Doch der wirkliche Schmerz, das was weh tut, ist, dass die "Anderen", jene, die das gar nicht merken, es auch nicht sehen und damit nicht verstehen können. Egal, ob es für eine HSP eine grosse Freude, eine Lust, ein Glück oder ein Leid, ein Schmerz, ein Nicht-Sehen und damit ein Unverstehen ist ... die "Anderen" kommen nicht an uns heran, nicht ganz, nicht Ansatzweise - einfach mit nichts. Es fehlen uns Welten, um von denen ganz gesehen und verstanden werden zu können. Und dieses Nicht-Gesehen-Werden ist es, was ohmächtig machen kann. Daher auch die Wichtigkeit dieses Beitrages - weil wer es wie Jasmin erlebt, sieht und fühlt sich gleich verstanden - ein empathisches Wohlgefühl der seltenen Art und mE von grosser Wonne. Danke Jasmin.


Der Kommentar oben ist subjektiv mein persönliches Wahrnehmen. 


Beste Grüsse
Jona Jakob

20.11.2011

ZEIT-Presseartikel: Zu schlau fürs Büro

Hallo zusammen

Im November 2011 erschien bei ZEIT-online ein Artikel zur Hochbegabung im beruflichen Umfeld. Der Beitrag entstand aus der Hand von Frau Dr. Karin Rasmussen, HB-Coach in Berlin. 

Nach Rückfrage bei ihr darf ich den Beitrag hier verlinken - da ich mir bezüglich der Rechte gegenüber der ZEIT nicht sicher bin, verlinke ich nur und hoffe, davon habe auch ZEIT-online einen Nutzen.

Bei ZEIT-online lassen sich übrigens auch ganz angenehme IQ-Tests kostenlos machen. 

Hier der Link zum Beitrag: 


Herzlich dankt und grüsst

Jona Jakob

12.10.2011

Hochbegabung und Militärdienst (Gastbeitrag)

Der folgende Beitrag stammt aus der XING Gruppe 'Hochbegabung erkennen und fördern. Der Beitrag darf mit Erlaubnis des Autors hier vorgestellt werden. Ich danke M.B. für diese Möglichkeit und wünsche den Leserinnen und Lesern einen spannenden Einblick: 


HB, Soldat und die Herausforderung
Von M. B. 


Nachdem ich nun gesehen habe, dass es einige Fragen dazu gibt, möchte ich gerne meine eigenen Erfahrungen beitragen. Mir ist klar, dass gerade im militärischen Umfeld, viele differenzierte Erfahrungen gemacht werden und je nach Persönlichkeit und Einsatz diese unterschiedlich ausfallen können.

Ich war 8 Jahre bei der Bundeswehr, habe dort als Freiwilliger angefangen bin als Hubschrauberpilot positiv getestet worden und habe die Ausbildung nicht wahrgenommen (Berufsoffizier wollte ich nicht werden)

Ich war in 3 Auslandseinsätzen (SFOR, KVM und KFOR, insgesamt über ein Jahr Auslandstage), habe dort Tod, Leid und Hass gesehen.

Bin dann als Oberfeldwebel aus dem Dienst planmäßig ausgeschieden.

Die ersten Jahre waren spannend, weil die Anforderungen keine geistigen, sondern eher körperlicher Natur sind. Das stellt uns HB's vor eine Herausforderung wie jeden anderen Menschen auch.

Der IQ wurde bei der freiwilligen Aufnahme getestet und später bei der Offziersprüfung (in der OPZ) noch einmal. Bei der Offiziersprüfung wurde aufgrund des Ergebnisses dann der Studienwunsch beurteilt. War die Diskrepanz zwischen IQ und Anforderungen für das gewünschte Studium zu hoch, wurde es abgelehnt und man musste sich eine andere Fachrichtung aussuchen.

Bei der Freiwilligen Annahmestelle wurde auch ein IQ-Test durchgeführt, der darüber entschied zu welcher Waffengattung der Bewerber zugeteilt werden kann und es sollte dadurch herausgefunden werden, wer besondere Fähigkeiten für bestimmte Waffensysteme hat bzw. spezielle Aufgaben, wie z.B. Funker.

Bei der Fliegerpsychologischen Erstuntersuchung (Eignungsprüfung für Flieger) wurde als Maßstab immer das Ergebnis der letzten 5000 Bewerber genommen. Bei jeder Untersuchung, die 3,5 Tage dauerte, werden jeweils nur 4 Bewerber getestet. In den unterschiedlichen Kategorien musste der Bewerber kontinuierlich besser als 55% der letzten 5000 Bewerber sein. War der Bewerber in einer Kategorie schlechter, war die Untersuchung für ihn beendet und er konnte auch kein zweites Mal getestet werden.

Als HB in der Armee lernt man sich und seine Umwelt ganz anders kennen, da die HB einen dort nicht behindert, aber auch nicht zwangsläufig voran bringt. Ein Miteinander basiert dort eher auf archaischen Eigenschaften, wie Stärke, Ausdauer, Mut und Gehorsam. Die Lorbeeren, die es zu ernten galt, waren entsprechend - Ehre, Zusammengehörigkeit, Vertrauen.

Als HB'ler ist man durchaus in der Lage sich unterzuordnen und zu erkennen, wann man die Klappe zu halten hat. Auch wenn Befehle (die eigentlich Aufträge sind) beim ersten Blick vielleicht unsinnig erscheinen, so sind sie bei weiterer Betrachtung dann meist im Kontext gesehen sinnvoll.

Dieses Erkennen fiel einem dann oft leichter. In der übergeordneten Struktur zu denken - was von einem Vorgesetzten grundsätzlich gefordert war - fällt mit einer HB einfacher, da komplexe Strukturen Spaß machen.

Als HB'ler in der Armee ist es nicht ratsam sich hinter der üblichen Maske zu verstecken, da gerade dort der Zusammenhalt einer Gemeinschaft "gelebt" und gefordert wird. Dabei wird sehr schnell klar, wer nicht authentisch ist und das grenzt denjenigen aus, da die Gemeinschaft (welche Größe diese dann auch immer hat) immer für die Gemeinschaft entscheidet. Diese Gruppendynamik ist in der Armee sehr ausgeprägt, da das Funktionieren einer Gruppe durchaus über das Leben der Einzelnen entscheiden kann. Heute umso mehr!

Grundsätzlich hat man als HB keine Probleme damit die Strukturen anzuerkennen, da wir erkennen können, dass ein System wie eine Armee nur funktionieren kann wenn eine Hierachie besteht und erkennen diese auch an. Anders verhält es sich natürlich mit den Entscheidungen anderer die sich auf einen auswirken, aber das ist dort wie überall so, nur das ich in der Armee (zumindest in der Bundeswehr) mehr Möglichkeiten habe gegen unmögliche Forderungen vorzugehen (Beschwerde, Soldatengesetz und Vorschriften)

Das ist zwar schon alles eine Weile her, aber ich denke grundsätzlich wird sich da nicht viel geändert haben. Ich freue mich auf Eure Fragen oder Erfahrungen. 



Gastbeitrag im Blog: von M.B.
- - -
Lieben Dank für die Möglichkeit, den Beitrag hier präsentieren zu dürfen.


Jona Jakob

17.06.2011

Fein sein

Beitrag aus der Rubrik 'Gast-Freund-Schaft': aus einem Vorstellungsposting bei XING - mit freundlicher Erlaubnis der Autorin J.R.


Hallo zusammen,

Einige Beiträge habe ich zur Hochsensibilität nun schon gelesen. Bei XING und andernorts. Und ich muss zugeben, so recht mag ich mich nicht mit der Idee eine HSP zu sein, IDENTIFIZIEREN.

Der Test, den ich gemacht habe, mag zwar "bestätigen", dass ich eine HSP bin und die "Kriterien" helfen mir im täglichen Leben nun auch, die Dinge "besser" zu verstehen und anzunehmen, auch rückwirkend - aber ich bin deswegen trotzdem noch, so wie ich bin - oder vielleicht jetzt erst recht ;-).

Aber: HSP hin oder her. Vielmehr geht es mir wohl um so ein "Prinzip" oder eine "Qualität", die sich mir durch das "hochsensibel sein" noch einmal anders offenbart.

Gestern bin ich dann über ein Zitat "gestolpert":

Der einzige Grund, weshalb irgend jemand Dich* jemals ablehnt, ist, weil er/sie* genau so sein möchte, wie Du* bist.
* = gemeint ist nach meiner Wahrnehmung nicht "ich" persönlich oder andere Menschen, sondern das SEIN an und für sich, was durch uns auf dieser Welt in Erscheinung tritt


*PENG* Da wollten sie nochmal gesehen werden, die vielen Erfahrungen von Ablehnung, weil ich ja so anders bin ;-)




Stille




Irgendwie zieht es uns letztlich alle hin zu unserer Essenz. Egal, wie es sich ausdrückt. Und wenn ich ganz in Stille bin kann ich es auch fühlen, diese ganz, ganz feine Essenz des Seins.

Alles im "Außen" erscheint mir dann, oder klingt nach als vielleicht "viel und laut". Lasse ich geschehen, dass das auch Teil meines Seins ist, dann fühle ich es nicht als etwas "Getrenntes" oder "Anderes" von mir. Ich bemerke, ich bin innen wie außen. Gleichermaßen. Zeitgleich. Ich bemerke einfaches reines feines Sein, mit allem was ist.

Fällt die Idee weg "anders zu sein", ist beFREIung einfach nur da. Freiheit von Fragen, wie "Wieso bin ich anders?", "Wie gehe ich damit um?", etc. Antworten tauchen nach und nach von selbst auf.

SEIN tritt in Erscheinung. Als Mond, Sterne, Himmel, Wolken, Sonne, Erde, Wälder, Bäume, Wiesen, Seen, Flüsse, Tiere, ... und Menschen. Es ist, was es ist. Wir sind, was wir sind. Und in diesem Raum der Dualität, in diesem Miteinander, tauchen eben auch Fragen auf, die gestellt, gehört, besprochen und beantwortet werden wollen. SEIN spielt mit sich selbst.

Wenn ich ganz in Stille bin, nehme ich (mich) diese(r) Fragen an, lasse sie los, lausche, spüre hin ... und erkenne, da ist pulsierende, lebendige Antwort. Das fühlt sich schön an, harmonisch, friedlich, rein. Auch wenn es traurig, ärgerlich oder freudig ist. Da tauchen Impulse auf, die mich bewegen und beg-LEITEN. Alles wertfrei. Intuitiv geschieht, was von "innen" heraus geschieht. Gedanken und Gefühle tauchen auf, Handlungen erfolgen.

Nichts ist getrennt von mir. Ich "brauche" also das "Anders sein", um SEIN zu können. Im Sinne von, es bringt mich nicht weiter, dagegen anzugehen. "Anders sein" ist genauso SEIN, wie alle anderen Erscheinungen, die mich ausmachen.

Nicht, weil ich danach suche oder gesucht habe, sondern weil die Erkenntnis da ist, das ich schon immer geWESEN bin.

Fein sein. "Anders sein". Eben das ist AUCH mein WESEN, mein so SEIN.




Stille




Manche Menschen erschrecken vielleicht vor sich selbst und ihrem "Anders sein". Gerade in Begegnungen mit "Anderen". Aber sind wir letztlich nicht alle irgendwie "Anders"? Ist "Anders sein" etwas Besonderes? Aus meiner Sicht nur, wenn wir es dazu machen.

Es ist schön, finde ich, wenn wir uns dieser Sensibilität zuwenden, uns darum kümmern, sie erstrahlen und lebendig sein lassen, sie in unser Leben integrieren, sie zur Entfaltung bringen, solange wir sie nicht auf einen Sockel stellen.


Der einzige Grund, weshalb irgend jemand Dich* jemals ablehnt, ist, weil er/sie* genau so sein möchte, wie Du* bist.
Ablehnung ist nach meiner Wahrnehmung eigentlich nur eine "andere" Form und Ausdrucksweise der Zuwendung zum eigenen so SEIN, wie man selbst ist. Für mein Empfinden gilt das aber nicht nur für die "ablehnende Person", sondern auch für die "erfahrende" Person. Es hilft, genauer hinzusehen, sich liebevoll anzunehmen.

In Nelson Mandela's Antrittsrede wurde es sehr schön gesagt:

Du dienst der Welt nicht, wenn Du Dich kleiner machst, nur damit Andere sich neben Dir nicht unsicher fühlen.
Hierin finde ich das sensible Wesen unserer ALLER Kompetenz, an- und miteinander zu wachsen. HSP haben meiner Wahrnehmung nach "nur" einen feineren Zugang dazu.

Je sicherer ich mir meiner Selbst im "anders sein" bin, desto sicherer geschieht Offenheit, Akzeptanz und Annahme auch durch "Andere".

Dazu muss ich mich nicht mit der Idee eine HSP zu sein identifizieren. Es genügt, sich auch auf die unterschiedlichen Qualitäten von Hochsensibilität einzulassen, um sich seiner SELBST sicherer zu sein.

Bitte nicht mißverstehen: ich bin DANKBAR, den Aspekt der Hochsensibilität entdeckt zu haben. Es ist wie ein weiteres Tor zu erweitertem, BEWUSSTEM Dasein.


Wie immer gespannt, wohin die Reise geht, wünsche ich allerseits


Abendliche Grüße

Jen Richter 



Ich danke Jen Richter für das Geschenk, ihre - für mich erschliessenden - Gedanken der Leserschaft zur Verfügung zu stellen. Lieben Dank, Jen.


Jona Jakob

08.04.2011

Psychosoziale Folgen des Vaterverlusts: Vergleichbares Trauma wie beim Verlust der Mutter

Hallo zusammen
Heue früh stiess ich per Statusmeldung eines Kontaktes auf diese Informationen:
Quelle: dt. Ärzteblatt
Link: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=56851

Petri, Horst
Psychosoziale Folgen des Vaterverlusts: Vergleichbares Trauma wie beim Verlust der Mutter
**********************************************************************************************************
THEMEN DER ZEIT
Kinder und Jugendliche betreuende Ärzte sollten die psychosozialen Folgen beim Verlust des Vaters für die Diagnostik berücksichtigen und der Mutter als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Die ausreichende Anwesenheit der Mutter und ihr einfühlender Umgang mit den wechselnden Bedürfnissen des Säuglings gehören zu den basalen Voraussetzungen für eine gesunde psychische Entwicklung des Kindes. Entsprechend bedeutet eine längere oder endgültige Abwesenheit der Mutter, wie die Deprivationsforschung ab Ende des Zweiten Weltkrieges überzeugend nachweisen konnte, ein schweres seelisches Trauma. Diese Zusammenhänge sind seit Langem einer breiten Öffentlichkeit und vor allem Ärzten bekannt, die Kinder und Jugendliche behandeln.
Auffallenderweise haben dabei alle namhaften Deprivationsforscher, wie René Spitz, John Bowlby, Anna Freud, Dorothy Burlingham und D. W. Winnicott, ihr Augenmerk ausschließlich auf die frühe Mutter-Kind-Beziehung gelenkt. Eine systematische Vaterforschung setzte erst in den letzten drei Jahrzehnten ein. Eine angemessene Rezeption der Ergebnisse steht jedoch bisher aus, obwohl sie zu einer grundlegenden Revision bis dato bestehender Vorstellungen über väterliche Aufgaben geführt haben.
Die neueren Einblicke in die wesentlichen Vaterfunktionen verdanken wir hauptsächlich der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung. Erstere konnte durch umfangreiche Säuglings- und Kleinkindbeobachtungen nachweisen, dass der Vater im Unterschied zu früheren Auffassungen bereits im Lauf des ersten Lebensjahrs im Rahmen der Dreiecksbildung Mutter-Vater-Kind, der sogenannten Triangulierung, enorme Bedeutung bekommt. In erster Linie trägt er zur notwendigen Umstrukturierung der frühen Mutter-Kind-Dyade bei. Durch den Elementarkonflikt zwischen Bindungswünschen und Autonomiebestrebungen gerät der Säugling bei seinen ersten Ablösungsschritten von der Mutter in eine schmerzhafte, weil hochambivalente, Trennungskrise. Die dabei auftretenden Trennungsängste werden durch die verstärkte Anlehnung an den Vater abgepuffert. Neben diesem Halt bietet der Vater als Dritter im Bunde dem Kind etwa ab dem zweiten Lebensjahr eine zur Mutter gegengeschlechtliche Orientierung und Identifizierungsmöglichkeit an, wodurch dessen zu enge Bindung an die Mutter verhindert und eine altersgemäße Separation ermöglicht werden.
Komplementär angeborenes Bindungsrepertoire
Diese Befunde sind durch die jüngere Bindungsforschung eindringlich bestätigt und ergänzt worden. Nach ihr verfügen Mütter und Väter über ein unterschiedliches, aber in idealer Weise komplementär angeborenes Bindungsrepertoire, das durch die bindungssuchenden Verhaltensmuster des Kindes aktiviert wird. Kurz gefasst: Das Bindungsverhaltenssystem der Mutter zielt neben ihren nährenden und pflegenden Funktionen mehr auf eine emotional Schutz und Sicherheit bietende Interaktion ab, während die Bindung an den Vater stärker über dessen „Explorationsverhaltenssystem“ erfolgt. Durch seine „Spielfeinfühligkeit“, motorische Handlungsorientiertheit und stärkere gesellschaftliche Verankerung fördert er den Erkundungsdrang des Kindes, seine Neugier, Risikobereitschaft und seine kognitiven und instrumentellen Fähigkeiten bei der schrittweisen Aneignung der Welt.
In der ersten ödipalen Phase um das vierte bis fünfte Lebensjahr herum und noch einmal in der zweiten ödipalen Phase während der Pubertät ist der Vater außerdem als Identifikationsobjekt unverzichtbar. Durch die Verinnerlichung seines Vorbilds verhilft er dem Kind zur Integration seiner Triebwelt, zum Aufbau einer sozial adaptierten Ich- und Über-Ich- Struktur und, bei Jungen und Mädchen gleichermaßen, zu einer stabilen psychosexuellen Identität.
In der Familienforschung besteht heute weitgehende Einigkeit darüber, dass diese spezifischen Vaterfunktionen durch die Mutter allein nicht ersetzbar und durch soziale Ersatzväter nur bedingt kompensierbar sind. Insofern muss man im Fall eines definitiven Vaterverlustes von einem vergleichbaren Trauma für das Kind ausgehen wie bei der Mutterentbehrung. Mit diesem Befund, der auch den Risikokriterien der Psychotraumatologie entspricht, sind Ärzte vor neuartige Aufgaben im Erkennen und im Umgang mit Scheidungs- und Trennungsfamilien gestellt. Der Umfang des Problems ist beträchtlich, wenn man von geschätzten zehn Prozent Kindern und Jugendlichen in der Bevölkerung ausgeht, die ihren Vater nie kennengelernt haben oder kurze Zeit nach der Trennung der Eltern für immer verlieren.
Trennungstrauma und Loyalitätskonflikt
Zur diagnostischen Einschätzung vieler seelisch bedingter Krankheitsbilder sind Kenntnisse über die Familiensituation und grobe Familienkonflikte unverzichtbar. Im Vorfeld eines Vaterverlusts erlebt man häufig Mütter von Scheidungskindern, die über deren diverse psychische und psychosomatische Symptome oder soziale Verhaltensauffälligkeiten klagen, die angeblich oder real jedes Mal im Zusammenhang mit dem Besuch des Vaters auftreten. Diese Symptomatik ist im Allgemeinen als eine normale Reaktion auf das Trennungstrauma, das Gefühlschaos und auf die Loyalitätskonflikte einzuschätzen, in die Kinder zwangsläufig bei jeder Trennung/Scheidung geraten. Nur wenn sie dauerhaft fortbesteht, ist das Aufsuchen einer fachlichen Beratung oder Therapie zu empfehlen.
Ein Alarmsignal sollte bei jedem Arzt jedoch dann aufleuchten, wenn die Mutter um eine Bescheinigung bittet, die die Aussetzung der Besuchsregelung mit dem Vater wegen der Schwierigkeiten des Kindes zum Ziel hat. Ärzte können aus vielerlei Gründen zu einem solchen Zugeständnis bereit sein, nichts ahnend, welchen Teufelskreis sie damit in Gang setzen, von Jugend-amts- und Gerichtsstreitigkeiten bis zum PAS (parental alienation syndrome). Die Entfremdung des Kindes vom Vater führt in vielen Fällen über dessen Ausgrenzung zum völligen Kontaktabbruch.
Recht auf beide Eltern
Daher sollte sich jeder Arzt zum Prinzip machen, was seit einiger Zeit im Familienrecht und im neuen Kindschaftsrecht als Regel gilt: „Jedes Kind hat das Recht auf beide Eltern.“ Da er als Vertrauensperson oft die erste und einzige Anlaufstelle für alleinerziehende Mütter darstellt, hat er die Chance, ihre Motivation für eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vater zu stärken oder für beide rechtzeitig die richtigen Weichen zu einer fachgerechten Weiterbetreuung zu stellen.
In vielen Fällen erfährt der Arzt nichts oder nur wenig über die Trennungsumstände, entweder weil die Mutter und schon gar die Kinder ungern darüber sprechen oder weil er keine gezielten Nachfragen stellt. Dies gilt besonders für den Vaterverlust. Unabhängig davon, ob er vom Vater selbst ausging oder von der Mutter verursacht wurde, stellt die definitive Vaterentbehrung für alle Beteiligten ein starkes Tabuthema dar. Die Tatsache wird verschwiegen und verleugnet, weil sie von einer heftigen Affektmischung aus Schuldgefühlen, Scham, Demütigung, Verlassensein, Enttäuschung, Wut, Hass und Rachebedürfnissen begleitet wird.
Inzwischen ist aber die Vaterdeprivationsforschung weit genug fortgeschritten, um einen Zusammenhang zwischen seelischen und psychosomatischen Störungen, selbstverletzendem Verhalten, Beziehungsstörungen, sozialen Auffälligkeiten bis hin zur Kriminalität, zum Leistungsversagen, zu kognitiven Defiziten und psychosexuellen Identitätsproblemen von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden mit einem erlittenen Vaterverlust anzunehmen. Die protektiven Faktoren, die das Kind konstitutionell mitbringt oder die von einem stützenden Umfeld bereitgestellt werden, können die Folgen mildern, aber das persönliche Leiden nicht aufheben. Daher wäre es wichtig, dass der Arzt als oft erster Ansprechpartner und Autorität das Tabu aufbricht und bei Scheidungs- und Trennungsfamilien seinen Aufmerksamkeitsfokus stärker auf einen möglichen Vaterverlust richtet. „Wo lebt der Vater?“, „Wie ist das Umgangsrecht geregelt?“, „Wann hat das Kind den Vater zum letzten Mal gesehen?“. Solche Fragen zu stellen, gehört nicht nur zum diagnostischen Instrumentarium, sondern zur hohen ärztlichen Kunst. Nur mit genügend Wissen, Einfühlung und Verständnis kommt ein Dialog zustande, der die Barrieren abbaut, und bei Müttern, Vätern und Kindern die Bereitschaft weckt, professionelle Hilfe in einer psychosozialen Beratungsstelle oder bei einem Psychotherapeuten aufzusuchen. Diesen Weg vorbereitet zu haben, ist ein großes ärztliches Verdienst.
zZitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2007; 104(22): A 1572–4
Literatur
Petri H: Das Drama der Vaterentbehrung. Herder 2006.
Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. med. Horst Petri,
Nervenarzt, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychoanalytiker, Carl-Herz-Ufer 27, 10961 Berlin
- - -
Persönlich wie als Mann bin ich (wenn auch kinderlos geblieben) erleichtert, diese Darlegung erfahren zu haben.
Beste Grüsse
Jona

24.11.2009

ASt-Denken

Ewiggestrige prämoderne und altmoderne Aufklärungsidealisten glauben wohl immer noch, Dummheit wäre durch "mehr Bildung" zu beheben oder zumindest einzudämmen.

Die sind keineswegs auf der Höhe der post- und bahnmodernen Zeit und haben immer noch nicht begriffen, dass im Zeitalter der Globalisierung, Digitalisierung und Piratisierung die systematische Entwicklung eines immer raffinierter ausgefeilten operationalen Denkens in "Artificial Stupidity" angezeigt ist, abzukürzen "ASt". Um diese neue trendige Denktechnik wirklich in allen Lebensbereichen voll zum Einsatz bringen zu können, ist anspruchsvolle Schulung mit umfangreichen Wissensinhalten angezeigt.

Denn ASt ist das genaue Gegenteil von ordinärer Blödheit und Schussligkeit und sollte schon deswegen nicht unbedingt als "künstliche Dummheit" eingedeutscht werden. Die fortlaufende Weiterentwicklung von ASt-Strategien ist schon deshalb besonders zukunftsträchtig, weil hier im Gegensatz zur guten alten "Künstlichen Intelligenz" (AI) ein unermesslich weites und tiefes Gebiet vor uns liegt, auf dem in absehbarer Zeit der Mensch mehr leisten kann als jede Maschine.

Denn ordinäre Dummköpfe begehen nur kleine Fehler, die ihnen einfach nur so passieren. Wer aber wirklich große Dummheiten begehen will, muss sich viel dabei denken und vor allem mit entschiedenem Willen zu komplexer Schlauheit sich deutlich gegen die dummen Massen abheben. Ein systematisch ASt-geschulter Geist setzt sich beispielsweise höchst absichtsvoll auf einen Ast, um durch sein Körpergewicht die Wirkung der Säge höchst gravitätisch zu erhöhen und um so durch planvoll eingesetzte Synergie-Effekte von Schneide- und Schwerkraft die Säge besser zu amortisieren. Simple Dummköpfe hingegen sägen einfach den Ast ab, auf dem sie sitzen. Wer da behauptet, das sei effektiv dasselbe, hat ganz einfach keine Ahnung von Physik, BWL, Zeit- und Salmiakgeist.

Oder nehmen wir ein Beispiel aus dem Geschäftsleben: Dumme Geschäftsleute stellen -sage wir mal - Schuhe zum Selbstkostenpreis von 3 Euro das Paar her und verkaufen sie zum Endpreis von 2 Euro das Paar, in der Hoffnung, dass die massenhafte Nachfrage des Billigproduktes irgendwie den Gewinn einbringt. So geht das natürlich nicht.

ASt-geschulte Wirtschaftseliten entwickeln hier natürlich langfristig nahgelegte Marketing-Strategien, in denen mit einer raffinierten Kombination aus angebotsorientierter Ökonomie und neokeynesianischem "deficit spending" durch risikokalkulierte taktische Niedrigpreise (nur wer nicht auf der Höhe der Zeit ist benutzt hier noch das hässliche Wort "Dumping") ein relevanter betriebswirtschaftlicher Beitrag zur Steigerung der Massenkaufkraft geleistet wird, in dessen Verlauf dann viele Kunden, durch Billigpreise vermögend geworden, sich durchaus willig und in der Lage sehen, auch mal für zum "Markenartikel" erklärtes verschnickschnacktes Schuhwerk ein Vielfaches vom Selbstkostenpreis hinzublättern.

Wer hier langen Atem, ausreichend Kapitalrücklagen und/oder geduldige Kreditgeber hat, kann langfristig in marktbeherrschende Positionen aufsteigen.(Vorausgesetzt, eine entsprechend fortschrittliche Wettbewerbsaufsicht nimmt entsprechend Abstand von veralteten Prinzipienreitereien.) Wer nicht, hat samt Mitarbeitern jedenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung des Wachstums von Umsätzen, Insolvenzen und ASt-strategischen Denkfortschritten geleistet. Wer das nicht kapiert, hat ganz einfach keine Ahnung von Marktwirtschaft, Massenpsychologie, Welt- und Weingeist.

Beispiele für ASt-Denken in Politik und Geistesleben liegen auf der Hand. Ersparen wir uns Einzelheiten. Hier hat es schon lange Traditionen gegeben, die unter Bezeichnungen wie "großes" oder "tiefes" Denken die modischen Erscheinungen von ASt vorweggenommen haben. Wie sagte doch so schön der tiefste Denker aller Zeiten über den größten Feldherrn aller Zeiten: "Nur wer groß denkt, kann auch groß scheitern." Ein schönes Beispiel für sinnvolle Synergie einfacher und künstlicher Dummheit, das in eine große Zukunft weist.

Wer demgegenüber meint, es käme beim Denken nicht so sehr auf Größe oder Tiefe, sondern vielmehr auf realitätsbezogene Richtigkeit an, ist ganz einfach nicht auf der Höhe der Zeit, sondern krebst ganz primitiv auf dem Boden der Tatsachen herum. Wie gewöhnlich!

Copyright bei Gerd Hansson, Universität Kiel / Lieben Dank für die Erlaubnis, J. Jakob