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30.04.2017

Hochsensibilität im Notzustand ist oft ganz was anderes als "Ich kann nicht mehr!"

Diesen Beitrag schreibe ich, weil ich aktuell davon betroffen bin und meinen Zustand nach den Jahren zu beschreiben vermag. Mein Notzustand besteht seit ca. zwei Monaten, wovon er sich jetzt zuspitzt und ich bewusst Massnahmen dagegen ergreifen muss, ansonsten ich wie "kaputt" gehe und sich das dann lange nicht wirklich "wieder herstellen" lässt.

Nach bald zehn Jahren Thema Hochsensibilität steht meist ...

  • Unverständnis
  • Nicht-Akzeptanz
  • Ablehnung
  • Lächerlichmachen
  • etc.
im Raum. Der 'Raum', das ist das gegenseitige Verständnis, welches in dem Moment herrscht oder entsteht, wenn ein Hochsensibler sagt: "Ich kann nicht mehr." 


"Ich kann nicht mehr!" - Was meint das?


Im ersten Moment würden wir alle sagen: Wir alle wissen, was damit gemeint ist, wenn jemand sagt: "Ich kann nicht mehr." Vom kindlichen Rumrennen, vom Wandern, vom Schulstress oder von einer Arbeit, bei der man lange stehen muss oder schwer heben - davon ist man auf einer linearen Strecke an Leistung erschöpft und kann (meist kräftemässig / körperlich / physisch nicht mehr). Man hat einen Formabfall, die Leistungskurve sackt nach unten, die Messwerte fallen.

Das ist die Form der Erschöpfung, wo sich jemand pustend und schnaufend kurz zur Seite stellt, sich hinsetzt, seinen Körper ruhen lässt, auf dass der wieder Kraft schöpft - nach einer Pause. 

Selbst wenn jemand von Wetterstrapazen unterkühlt ist und klappernd einbricht, verstehen wir das "nur körperlich". Eine Pause mit Ruhe, Trockenheit und Wärme ... und der Mensch rappelt sich wieder auf. 

Auch wenn jemand Emissionen nicht verträgt, zu viel Licht, zu viel Lärm, zu viel Giftstoffe oder allergisch machende Stoffe - so muss halt da jemand davon verschont werden. Pause für den Körper von dieser Belastung, die erneut wie eine körperliche Belastung "verstanden wird". Man stärkt die Person, in dem man den Körper entlastet, das Materielle des Körpers: die Augen, die Ohren, die Nase, beim Essen, bei Hautberührungen - einfach verschonen und erholen lassen. 

Das sind alles Formen von Erschöpfungen und vermutlich längst nicht alle - von seelischen Formen schrieb ich nicht. Wir Betroffenen erliegen nicht selten genug dem Gedanken, der Körper sei einfach belastet und daher sei auch die "Batterie leer". 


Arterhalt und Sieg als das Mass der Dinge - anerzogen und in den Genen


Die Gründe für diese Sichtweise / dieses Verständnis, eingeschlossen die Art und Weise wie darauf reagiert wird, ist einfach erklärt: Unser millionenjahre alter Trieb, die eigene Art zu erhalten, lässt uns - besonders das körperliche betrachtend - jenes sofort als stark oder schwach bewerten. Das ist uns allen eingeprägt und eingetrichtert: The winner takes it all! Damit sind aber die Notzustände von Hochsensiblen meist nicht verstanden - es braucht eine andere Sichtweise.


Von "Ich kann nicht mehr!" zu "Es ist mir zu viel!"


Die Not, die ich gerade selber erlebe, und die ich, wie ich meine, oft beobachte, ist folgende: Meine Not steckt weniger in der Rede: "Ich kann nicht mehr!" - als in den Worten "Es ist mir zu viel!" Ich sehe mich durchaus noch in der Lage, weitermachen zu können - worunter ich aber in meiner Handlungsfähigkeit zu grunde gehe, ist ein Übermass. Und nicht zu selten ist es - wenn es schwer paradox und damit kaum noch verständlich wird - ... nicht zu selten ist dies der Fall, wenn es mir "zu gut ergeht", wenn mir zu viel Gutes und Liebes, Aufmerksames und Geschenktes widerfährt. Dann nämlich vermag ich nicht mehr in meiner ganzen Präsenz "Danke!" zu sagen und schäme mich dann einfach. 

Was meine ich mit "zu viel"?

  • Jeder, der etwas Benzin im Blut hat, weiss, dass es dem ganzen Antriebssystem, dem Motor, dem Getriebe und vielen anderen Systemen nicht gut tut, wenn man beim Öl nachfüllen, zu viel Öl einfüllt.
  • Jeder, der unter Bluthochdruck leidet, nachts verschwitzt wach wird und das Herz übermässig rast, die Adern pulsieren, man meint, der Körper zerplatze, der weiss, dass "zu viel" nicht gut tut. Zu viel Essen. Zu viel Zucker. Zu viel Alkohol. Zu viel Salz. 
  • Jeder, der vom Urlaub zurückkehrt und seinen Briefkasten übervoll vorfindet, der weiss, dass die Situation am Briefkasten unmöglich wird, da eben "zu viel". Man kann nix mehr reinstopfen, wäre es noch so wichtig oder so arg zerfaltet und reingestopft. Was raushängt wird feucht oder geht verloren. Post und Nachrichten kommen nicht mehr an. 
  • Wem es je wo zu eng wurde, ob im Lift, im Konzertsaal, im vollen ICE oder Flugzeug, weiss, wie sich "zu viel" anfühlt. Man ringt nach Luft, man wünscht sich Abstand, Luft, Erleichterung, der Druck würde abgelassen. Lüften wäre toll. 
  • Jeder, der je einen Topf hat überkochen gesehen, weiss, was "zu viel" sein kann.


Was ist der Unterschied von "kann nicht mehr" und "zu viel"?


Natürlich bringt mich auch ein "zu-Viel" dahin, wo ich sage: "Ich kann nicht mehr!" - Aber das muss dann richtig vermittelt oder richtig verstanden werden. Denn ich bin dann meist nicht auf eine Weise beeinträchtigt, dass ich nicht mehr könnte. Ich könnte allenfalls durchaus - mein Körper-System würde noch funktionieren. Aber es wird durch eine Art
  • Overload / Überfrachtung
  • Overkill / Übermass
  • Hochdruck / Überdruck
  • Überhitzung
  • ein Über ... (meist an zu fühlenden Eindrücken, guten wie schlechten) überfordert
Der Unterschied dieses Ausscheidens ist nicht ein Abbruch meiner Leistungskurve, die durch eine Pause wieder gesteigert werden kann (körperlich-physikalische Erschöpfung), sondern es explodiert mein System nächstens - der Totalausfall ist absehbar und für mich fühlbar. Ich zerberste, meine Nerven überhitzen sich, überglühen, es zerfetzt mich. Dem entsprechend habe ich nicht nur Muskelkater oder einen lokalen Schmerz, sondern mein Schmerz ist nicht mehr auszumachen. Ich weiss nicht mehr wie sitzen, wie stehen, wie liegen. Mir ist heiss, kalt, zu hell und zu dunkel. Ich habe eine totalen Systemausfall, wenn es richtig arg wird. (Ich kann mich da heute davor bewahren - aber so ist es, wenn ich es weiter geschehen liesse). Auf meinen kleinen Körper runterprojiziert, kommt die Situation einem atomaren GAU - dem grösst anzunehmenden Unfall nahe. Das lohnt sich nicht. 


Mich schmerzen nicht Muskeln oder Bänder - mich schmerzen Wahrnehmungen, Empfindungen und Gefühle ... und alles, was ich mit meinen 5-6 Sinnen wahrzunehmen vermag.

Und ich möchte kurz allen schreiben: Dieser Schmerzzustand ist das Grauen. Denn von da an ist wirklich alles zu viel, was mich irgendwie belastet. Wenn dann aus Liebe jemand fragt: "Was möchtest du essen?" ist das zu anstrengend. 

So ist vielleicht zu erklären, warum Hochsensible eher wo weg müssen, Abstand suchen. Denn dieser Überdruck kann nicht linear abgebaut werden, wie Muskelermüdung. Er kann einzig wie verdunsten, einem Nebel gleich, einem abkühlenden System ähnlich, der Druck muss runter und raus.

Meine zusammengekommene Überfrachtung entstand aus
  • Unternehmenserfolg meiner Partnerin - wir freuen uns wie blöde
  • Erfolge meiner eigenen Arbeit - ich habe 2017 ein sagenhaft erfolgreiches Jahr
  • die tollen Feedbacks meiner Klientel
  • die Bestnoten für Projekte meiner Liebsten von Kunden
  • das Glücksgefühl der neuen Wohnung
  • das noch grössere Glücksgefühl, wie ich in den neuen Räumen arbeiten darf
  • die Freude über neue Aufgaben
  • die schönen neuen Möbel und Räume - das schöne Zuhause
  • die Begeisterung über die neue, frische, gesunde Küche, da wir einen Markt haben
  • alleine schon der hohe Genuss von feinsten Käsen vom Markt 
  • eine herzliche Hochzeitseinladung
  • eine ältere Dame besucht uns ein erstes Mal
  • etc. 
________


Gestern brachte mir meine Liebste einen wunderschönen Strauss auberginefarbener Pfingstrosen nach Hause. Pfingstrosen, die ich liebe. Ich konnte nicht mehr "Danke!" sagen. Ich konnte keine Freude mehr aufnehmen - und barst über diese Form von Verlust auseinander, ihr nicht danke sagen zu können. Vielleicht sollten wir Hochsensiblen eher vermitteln / sagen: 

"Es ist mir zu viel!
Es wird mir zu viel! -
Gerade weil es so schön und so gut ist.
Versuche das zu verstehen - es ist paradox. "



Von dem Moment an ist es wichtig, dass die Mitmenschen, besonders die Nahestehenden, 
  • nichts Neues mehr auftischen
  • keine Varianten anbieten, sondern das Übliche fortfahren, auch wenn das andere Vorteile hätte
  • keine Ausnahmen machen, das "Standard-Programm" laufen lassen
  • keinen Hype
  • keine Aktionen / Promotionen / Gelegenheiten / Zusätzliches
  • keine Gelegenheiten "noch schnell wahrnehmen"

Man kann das alles schon tun, aber nicht auf die Beziehung zum HS bezogen. Es ist in diesem Moment gar nicht so schlimm, den Menschen in seinem Hyper-Zustand alleine zu lassen. Machen Sie Ihr eigenes Ding, informieren bzw. berichten Sie weniger. Führen Sie nicht alles zu detailliert aus. Werden Sie etwas schweigsam oder knapper. Warten Sie mit Neuem. Hochsensible können Neues allenfalls nicht schon wieder aufnehmen, weil das Neue von gestern noch nicht innerlich nachrücken konnte. Wie soll sich ein HSP (hochsensible Person / highly sensitiv person) über das Neue von heute freuen, wenn das Neue von gestern noch nicht verdaut werden konnte?

Klar, als Fakt, als Information, als Kognitives ist das Neue von gestern aufgenommen - aber seelisch, gefühlt, wahrgenommen ist es das noch nicht. Da Hochsensible, dieses fühlende Wahrnehmen viel tiefer und intensiver "machen", bedeutet das zwei Dinge:

a) sie brauchen weniger Neues und

b) sie freuen sich viel länger über das Neue von gestern, vorgestern, letzter Woche, letztem Jahr.

Wenn Sie weiter einen physisch Erschöpften für einen 'Looser' halten, was weit verbreitet ist, nun gut. Aber denken Sie einmal darüber nach, welches Ihr ganz wunderbares Glück es ist, einen Hochsensiblen um sich zu haben, Menschen, die den Dingen - allen Dingen - eine ganz andere Tiefe und Qualität schenken, weil die das so intensiv wahrnehmen können.
Sie schätzen doch auch guten Geschmack, Bildschärfe, einen tollen Klang und ein sattes Fahrgefühl oder die Tiefe eines luxuriösen 1A-Fahrersitzes am Steuer eines feinen Wagens. Verstehen Sie Ihren Hochsensiblen "so"! Der braucht wie Rassehunde GENAU DAS (was auch immer) - und nicht x-beliebiges im Dauer-Übermass. Dafür beschenken diese Menschen Sie mit Wahrnehmungen und Bildern, Texten und Musik, Kunst und Stil, Mode und Geschmack, die Sie alleine vielleicht nie wahrgenommen hätten.

Hochsensible sind nicht zu selten Ihre Schöpfer aller Künste. 






30.03.2016

Immer wieder gut: neue Sichtweisen (HS / HB)



Do not confuse my bad days as a sign of weakness. 


Those are actually the days I am fighting my hardest.



AutorIn: unbekannt

Quelle: G+

06.08.2015

Der Hillary-Tenzing-Effekt sozialer Annahme bei Hochbegabung

Hallo zusammen

Was ich heute beschreibe, entnehme ich eigenen Beobachtungen, die ich über unzählige Hochbegabte  (HBs) bis hin zu mir selber machte. Natürlich stellt das keine wissenschaftliche Wahrheit dar, aber ich will das doch mal beschreiben. Wozu?

- für HBs:
Um einzufühlen, ob die Beschreibung auf Resonanz stösst und damit eine Möglichkeit besteht, sich Teile der Annahme, des Verstehens und der Bestätigung von Seines'Gleichen zu holen.

- für Normalos:
Damit erkennbar wird, ohne jede Bewertung oder irgend "Schuld", was möglich ist und was nicht möglich wird und entsprechend besser dann damit umgegangen werden kann.


Die dritte Stufe der Maslowschen Bedürfnispyramide:
Annahme, Liebe, Akzeptanz, Verständnis


Wenn ihr die Hand hochstreckt, ist meist der Mittelfinger der höchstgewachsene. Er ragt ein Stück über alle anderen Finger hinaus. Was die dritte Stufe der Maslow-Pyramide angeht, die Soziale Annahme, ist den anderen Finger dies nur so weit möglich, als das sie es vermögen. Am Bild der Hand so weit, wie sie gewachsen sind. Der Ringfinger kann also den Mittelfinger nur so weit sozial annehmen, wie er mit ihm gleichauf ist. Das Stück, welches der Mittelfinger darüber hinaus gewachsen ist, bleibt für die anderen Finger 'Terra incognita' - ein unzugänglicher Bereich. Nicht sehbar, nicht fühlbar, nicht erfassbar und damit unverständlich. Eigentlich inexistent und damit verkannt.

Jetzt ist es aber so: Die dritte Stufe der Bedürfnispyramide zählt zu den existenziellen Bedürfnisstufen, ist also lebensnotwendig, damit man gesund lebt. Aber genau dieses Überstück kann dann z.B. von den Eltern nicht erfasst und somit nicht geliebt werden. Sie lieben vermeintlich alles, aber das stimmt nicht - ein Teil wird nicht erreicht. Mit diesem Teil bleiben HBs alleine.

Und während es den Normalos, gerade auch durch den Gruppeneffekt unter Normalos, so bleibt, dass sie bis an die Limite ihrer Entwicklung andere erfassen mögen, was einer Art Deckelung gleichkommt, fahren HBs über viele und lange Jahre oben ab, höher und weiter und nicht zu selten in alle Richtungen als könnten Bäume doch in den Himmel wachsen.

Aber auch hier, das Wachsen hat seine Grenze und gerät in eine Art Not: an jedem gewachsenen Ende sind HBs alleine, einsam, unverstanden und auch ein gutes Stück "ungeliebt", da nicht erfassbar (da kann Mutti noch so schwören, das ganze Kind in seiner Art zu lieben - es ist ihr gar nicht möglich).

In dieser dünnen Luft, in diesem oft jahrealten Alleinsein, wo HBs unterdessen erwachsen wurden und allenfalls ins reife Alter gewachsen sind, können folgende Lebensbestände ausdünnen, vernachlässigt oder verwahrlost sein oder gänzlich fehlen, nämlich

  • das eigene gemittete Selbstverständnis
  • eine innere Sicherheit / Gelassenheit / Souveränität
  • die Zufriedenheit findet keinen Boden / Unruhe und Sucherei drängeln
  • man möchte verstanden werden 
  • man möchte geliebt sein
  • man bietet sich unter dem Preis an 
  • man findet Geld / Lohn / Honorar / Materielles nicht erstrebenswert
  • tbc

Kurz: Man hat niemanden, dort wo HBs sind. Das erzeugt gefühlte Bodenlosigkeit. 


Der Hillary-Tenzing-Effekt


Das Wichtigste, was mir in 'optimalen' Begegnungen mit Hochbegabten passierte, war, dass ganz egal, was wir besprachen oder nicht, jener Effekt sich in den Stunden des Beisammenseins vollzog, den ich den Hillary-Tenzing-Effekt nenne. 

Es war und ist wirklich völlig egal, was im Gespräch lag oder in der zwischenmenschlichen Nähe. Wichtiger war eher, wenn ich von 'optimal' schrieb, dass ich so annähernd wie nur möglich an selbe Stelle vermochte, wo HBs mir gegenüber in sich waren. Mir geht das gut mit Texten, Geschriebenem, Philosophischem, Gefühltem, Geliebtem und Geschätztem, Geschmacklichem und Mächtigem. Andere können eher Rechnen, Programmieren, Entwickeln, Analysieren, etc. - aber auch hier gibt es eine Deckungsgleichheit, allein durch die selbe Lebenserfahrung, obenraus zu schiessen, der orangen Linie gleich und dort clever aber unerkannt teilweise verloren zu gehen - so dass man selben Kampf im Leben führt. Bei Gleichen entsteht der Effekt unmittelbar innert Sekunden und hebt alles Alleinsein und alle Unverstandenheit allmählich auf, weil man im anderen HB seine Validierung erfährt, seine Bestätigung, seine Annahme - innerst Stunden ist man sich und wer und spürt, wie abgefahren wertvoll man ist. 


Sir Edmund Hillary und sein Sherpa Tenzing Norgay gelang 1953 die Erstbesteigung des Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde. Bilder der beiden hier: 

Was will ich mit dem Bildnis zeigen?


Antwort: Nur wer mit dir auf über 8000 Meter Höhe geklettert ist und neben dir steht, kann in ganzem Verstehen und Fühlen dir gratulieren und dir damit bestätigen, dass du nicht falsch liegst. 

Du kannst später im Tal oder zurück in deiner Heimat jemanden vernehmen, der dir herzlich gratuliert zu deinem Erfolg auf dem Berg, aber du wirst immer spüren, dass der keine Ahnung hat, was du da erreicht hast, wie es sich anfühlt, wie heftig und eindrücklich es war, wie gefühlt und beängstigen, erhöhend und euphorisierend - egal was, der Gratulant hat keine Ahnung und du bleibst um dieses Stück alleine. Es hilft dann schon, wenn einer gratuliert, der schon mal mit Seil und Eisen geklettert ist. Aber verbunden, wahrlich in allem verbunden, bist du nur mit jenem, der an den Enden deines Daseins (rote Punkte) ebenso dort war, mal mit dir, mal für sich. Aber unter allen Bedingungen an selber oder ähnlicher stelle - eben "so annähernd wie möglich". 

Lieber Hochbegabte, was will ich sagen?


Sucht so heftig ihr vermögst "Eures-Gleichen" Menschen! Sucht sie weltweit und pflegt die Kontakte, welche euch gut tun. Entdeckt diese Menschen über Fragen. Ihr müsst sie nicht immer gleich verstehen - aber in dem dir bekannten Unverstandensein ist jede Frage von dir Labsal und Annahme, Erkenntnis und gleichzu Bestätigung wie Wachstum und Selbstsicherheit des dir gegenüber lebenden Hochbegabten. Trefft euch, geht euren Wegen nach. Und erhöht eure Lohn- und Honorarforderungen. Lernt, was das Wort 'wert'voll' meint, ob als Leistung und Beitrag, als auch als Vergütung für Vordenken und Wagen, jenem Explorieren, welches den Normalos nicht so leicht möglich ist. Sucht den Freund, der mit euch aufm Gipfel sein (ver)mag - das ist so sehr wertvoll. 

Nachwort: 

Solche Beiträge können den Eindruck erwecken, Normalos seien irgendwie nicht recht. Falsch - die sind weder minder, nicht recht noch sonst wie nicht ok. Sie sind ok und sind, was ihnen möglich ist. Und für die Welt ist das vermutlich hervorragend so. Damit aber die "Mechanik" in der Sache beider Felder erkennbar wird, schreibe ich mit etwas Kontur - es ist aber niemand besser oder schlechter. -


Jona Jakob

27.07.2015

Gleich ein ganzes Team Hochsensibler - Krimiserie 'Inspector Mathias'

In der Walisischen Krimireihe 'Inspector Mathias' ist für einmal nicht nur der Protagonist ein Begabt-Sensibler, sondern das 4er-Team besteht aus vier unterschiedlichen Typen #Hochsensibler (zwei Frauen, zwei Männer).

Und einzig der Polizeichef zeichnet sich deutlich als Normalo aus, der mit seinem Vertrauen in die Vorgehensweisen seiner erfolgreichen Leute nicht über sein eigenes Denkvermögen hinauskommt und daher immer wieder massiv zweifelt oder bremst.

Was mir besonders gefällt: Die Kamera lässt Mathias manchmal sekundenlang in Einstellungen BLEIBEN, wo man sehen kann, wie der Mann fühlt und dass er mit dem ganzen Körper SIEHT BZW. LIEST. Dann geht er wie ein Detektor und Radar los. Für mich grossartig.

ARD, sonntags, ab 21:45 Uhr 'Inspector Mathias'

Viele Eindrücke wünsche ich
Jona Jakob

http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filme-im-ersten/sendung/inspector-mathias-mord-in-wales-die-bruecke-des-teufels-100.html

21.07.2015

Ich fliege zehn Kilometer in der Luft und stehe trotzdem zehn Mal satter auf der Strasse. - Nachricht an Jona Jakob


Nachricht einer Coachingkundin an Jona Jakob


Lieber Herr Jakob

Ich danke Ihnen herzlich für die letzten zwei Tage. Ich fliege zehn Kilometer in der Luft und stehe trotzdem zehn Mal satter auf der Strasse (mindestens).

Heute ist ein grosser Knall passiert, der essenziell ist für mein persönliches, privates sowie berufliches Leben. Ich kann jetzt zu mir sagen: Ja, so bin ich - hochbegabt und hochsensibel, ohne Wenn und Aber. Das hätte ich mir vor zwei Tagen noch kaum vorstellen können. Und ich spüre wieder einmal deutlich, dass alles seinen Sinn hat und Grossartiges auf mich wartet. Dieses Gefühl war in der letzten Zeit vergraben und mit Ihrer Hilfe habe ich es wieder hervorgeholt. Viel mehr noch, ich konnte die grundlegenden Problematiken und Muster verstehen, die mich all die Jahre belastet haben. Und eine sehr grandiose Ahnung davon bekommen, wie es sich anfühlt, (bald?) frei zu sein.

Ihre Worte und Ihr Gespür waren genau am Punkt, vor allem ab dem Moment, wo Sie mich so gesehen haben, wie ich bin (oder ich mich so gezeigt habe, wie ich bin). Sie haben Brücken zwischen meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und meiner Zukunft gebaut und meine Persönlichkeit in den Mittelpunkt gestellt, zu einem Zeitpunkt, als ich es noch nicht konnte. Ich danke Ihnen für Ihre Gabe und Ihr Gespür. Und für die Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Sie war viel mehr als nur gewinnbringend.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und bald wieder aufgeladene Batterien. Und nur das Beste.

Herzlich,


Name der Coachee


Liebe Leserinnen und Leser, ich danke an dieser Stelle für die Erlaubnis der Coachee, die Nachricht an mich in der anonymisierten Form veröffentlichen zu dürfen. Sie ist 32, und arbeitet in der Schweiz als leitende Managerin eines Weltkonzerns. Ich bin berührt - lieben Dank für die Worte, Jona Jakob

04.06.2015

Feedback der Frau, die für sich das Coaching wählte, um an Ihre Anteile, auch von HB und HS, zu gelangen.



Sehr geehrter Herr Jakob

Als ich das Institut das letzte Mal betrat, überkam mich ein Weinen. Ich weine eigentlich selten.



Aus dem Tränenfluss gebar ich mich selbst als fühlende Frau 
und trete auf Land.
Mit Vertrauen.

Ich war Ihnen mit dem Anliegen, mich im "Gang nach aussen" zu coachen, um wacher mit meiner

Begabung umgehen zu lernen, entgegen getreten. Es brauchte Mut, Sie nahmen mir die Angst und

begleiteten meinen Prozess mit viel Fingerspitzengefühl.

Die Arbeit an der eigenen Kontur blieb aber meine Sache. Ich wurde als "Sensible nicht geschont",

sondern gefordert und herausgefordert. Und subtil wieder von Ihnen aufgefangen, wenn ich mich

überlud und stolperte  Bei Ihnen geht es um Mensch-Werdung, Entwicklung.


Sie sind ein Menschenfreund und es rührt mich immer noch, einen Menschenfreund zu kennen. Und Sie wurden zum "Verschluss meiner Perlenkette".

Eine Kette ohne Verschluss ist nicht tragbar und kann sich den unterschiedlichen Lichtern der Welt

nicht aussetzen. Durch das Tragen entsteht ein Bezug zur Perlenkette. Was sind die Einzelperlen für 

mich gewesen? All das Positive, welches sich in meinem Leben angesammelt hatte. Meine "Perlen" 

wurden bisher in der inneren Schatzkiste gehortet. Innerer Reichtum, nur für sich gelebt, gleicht 

jenen glänzenden Perlen, welche nicht am Licht schimmern dürfen. Sie zeigten mir Wege, mich 

anzuerkennen und zu schätzen: eigene Wertschätzung wurde die Basis für Weiterentwicklung.

Da die "Kette" nun einen Verschluss erhalten hat, ich sie spüren darf, kann ich sie offen zeigen!

Durch Ihr "Zurufen" - wie Sie es auch mal nannten - fand ich aus dem Geäst heraus.

Nun steht mein "Märchenschloss" in Blüte. Und wie meine nonna schon sagte: se sono rose,

fioriranno (wenn es Rosen sind, werden sie blühen)!

Daraus binde ich Ihnen Jona Jakob einen Rosenstrauss!

Danke für Ihre Empathie.


Mai 2015, Zürich

Veröffentlicht mit Erlaubnis der Kundin. 
Die Kundin ist heute 46, hat Familie und zwei Kinder und ist Oberstufenlehrerin in Zürich. 
Ich danke herzlich für die persönlichen Zeilen und die Möglichkeit, sie veröffentlichen zu dürfen. JJ



14.04.2015

Eyyy..Leute! 50'000 Abrufe, das ist mir ein Mega-Geschenk.


Snappet von Jona Jakob

Ganz lieben Dank an alle. Alle Gastautorinnnen und Gastautoren, an die Menschen, die mir erlaubten Texte zu veröffentlichen, an jene, die meinen Blog verlinkten oder abonnierten und last but not least an alle Leserinnen und Leser - ich bin weiterhin mit dem Thema unterwegs, es wird im Verlauf des Jahres viele Neuheiten geben.

Nochmals herzlichen Dank an Euch.

Jona Jakob

20.01.2015

Berufliche Aufgabengebiete bei Hochbegabung

Hallo zusammen

Durch meine Expertenarbeit bin ich auf das Themenfeld der 'Kognitiven Lernstufen' gestossen, ein Bereich, der besonders in mündlichen Berufsprüfungen bewusst gemacht wird.

Die Bloomschen Taxonomiestufen enthalten die Möglichkeit, sie bei der Frage nach den Aufgabengebieten einer Arbeitsstelle oder Funktion anzuwenden.

Daher empfehle ich, bei Stellensuche oder "interessanten" Inseraten, die Aufgaben / Ziele / Verantwortung auf diese Stufen hin zu prüfen. Darüber hinaus empfehle ich, wer das nicht mit Sicherheit erkennen oder einschätzen kann, sollte sich mit mir in Verbindung setzen, weil sich zu viele Berufsmenschen mit hoher Intelligenz zu wenig um die qualitativen Inhalte kümmern und wenn doch erreicht, auch die Lohn- oder Honorarfrage oft zu gering wahrgenommen wird. Die selbst empfundene "Selbstverständlichkeit" der hohen Begabung veranlasst HBlerInnen, die eigene Leistung als "selbstverständlich / ist doch klar / ist doch nix" zu bewerten und scheuen daher, mehr Geld oder Verantwortung dafür zu verlangen.


PDF-Dokument für den Download.

Holen Sie sich hierzu Unterstützung und schaffen Sie so eine Beurteilung der Ausgangslage/Situation - es 'lohnt' sich allemal, ob in der Jobzufriedenheit oder aufm Konto.

Mit besten Grüssen
Consensus Coaching Jona Jakob
Zürich, Bern, Frankfurt

07.11.2014

Im Konkliktfall anhand der Eskalation allenfalls andere Bedürfnisse erkennen

Hallo zusammen

Ich möchte beschreiben, was sich für mich erst in diesem Alter geklärt hat und was vielleicht jemandem dienlich sein kann.

Es geht darum, weshalb ich, wenn ich sauer werde, eklig, genervt bin oder Kummer schiebe, ich über viele Jahre in zusätzlichen Streit mit meinen Nächsten, Partnerinnen, mit der Mutter kam und was ich bisher nie verständlich machen konnte, da mich in dem Moment die Nächsten nicht "so" verstanden, wie ich es gebraucht hätte.

Wie es bisher total daneben geraten ist (Eskalationsspirale beider Seiten)


  • Ich gerate in eine gefühlte Schieflage, eine massive Schieflage. Ich flippe aus und kriege einen fürchterlich dicken Hals wegen einer Sache. 
  • Oder ich bin genervt, gereizt, meine Haut ist dünn und ich ertrage nichts mehr. Das kann bei meiner Art von Hochsensibilität zB dann sein, wenn meine Präsenzfähigkeit als "feinfühlige Batterie" leer ist und ich meine, es fallen noch Anfragen und Anforderungen an, ich hätte aber keine Kraft mehr, für diese präsent sein zu können. 
  • Dann bin ich überfordert und gerate in einen heftigen Strudel von Frust, Traurigkeit, Verlorenheit und Ohnmacht. Ich gerate hochgradig aus meinen Geleisen.


Nun passiert folgendes: Meine Partnerin, meine Ex-Ehefrau, meine Mutter, allenfalls mal Geschäftskollegen gehen dann in folgende Variante zu reagieren: Sie fangen an, 
  • sich Sorgen wegen meiner Sorgen zu machen. S
  • ie kümmert, wenn mich etwas kümmert. 
  • Sie kriegen sorgenvolle Gesichter und Intonationen, wie ich sie gerade eben begonnen habe.
  • Sie fragen: Was sollen wir tun? 
  • Und: "Es bedrückt mich, wenn es dir nicht gut geht. 
  • Es macht mich traurig, wenn ich dich so sehe."

Und ich, ich reagiere darauf mit noch mehr Wut, schimpfe und finde es den totalen Scheiss, wenn der- und diejenige auch anfängt zu jammern, wo doch ich am jammern bin. Warum übernimmt / klaut / reisst an sich der nun eigenen Raum für Klagen, Probleme und Gestöhne. Ich fühle mich verraten, unbeachtet und mehr als missverstanden. Und weil ich dann anfange zu bellen, beklagt der andere, dass ich mich über ihn/sie beklage, wo er/sie mir doch nur helfen möchte und sich kümmere, blablablubb.

Und so, ihr versteht wohl, dreht sich die negative Spirale bis zum Exzess und zu einer noch höheren Erschöpfung. Und es ist fürchterlich und braucht bisweilen mehrere Tage, bis ich aus dem rauskomme und mich davon erholt habe, und vermutlich geht es den Betroffenen auch so.
Das kommt nicht oft vor - aber wenn, dann ist es richtig übel und es verblieb bis jetzt auch stets ungeklärt. Ich (und die anderen) liessen die Zeit die Wunden heilen - aber die Narben sind vermutlich noch da.


Was ich in diesen Situationen brauche:

Was konnte ich endlich herausfinden?
Ich konnte klären, dass ich nicht bekomme, was mein Bedürfnis ist.


Was brauche ich in meiner Not nicht: 
  • kein grosses Mitgefühl, jedenfalls kein mitklagendes 
  • niemanden, der wegen meiner Lauen in selbe Negativspirale gerät 
  • niemanden mit "Oh" und "Weh" und mit Sorgenfalten im Gesicht 
  • niemand, der mich bemitleidet 
  • niemanden, der anfängt zu klagen, dass ich klage 
  • niemanden, der mir seine Leiden aufzeigt, wenn ich meine Leiden aufzeige


Denn ich weiss: 
  • ich bin nicht sterbenskrank, die Krise hat ein Ende 
  • ich habe einen Moment schlechte Laune und bin allenfalls 'leer' (Präsenz) 
  • ich kann mich selber managen und kurieren 
  • ich kann gut für mich schauen, wenn man mich lässt

Ich bin ein grosser Beschwörer von arbeitsamen Partnerschaften. Das Bild hierfür, welches ich habe, ist das von zwei Kampfdüsenjets. Diese fliegen Angriff für Angriff, Ziel für Ziel leicht versetzt nebeneinander und sind damit höchst erfolgreich (Power Couple). Wenn ich als Düsenjet nun ins Trudeln gerate und absturzgefährdet bin, will ich wirklich alles andere, als dass die andere Maschine im selben Moment wegen mir anfängt, ebenfalls Trudel- und Absturzerscheinungen anzuzeigen. "W-t-f!" Wenn ich in Flugnöte gerate, dann brauche ich die andere Maschine in vollem Einsatz, was meint:
"Was ich jetzt in meiner Absturzgefahr brauche, ist, dass du meine Position voll und ganz übernimmst. Das ist mein Verständnis unserer Partnerschaft und dem Team-Gedanken. Wenn einer ausfällt, schliesst der andere oder schliessen die anderen SOFORT UND OHNE WENN UND ABER die Lücke und gewähren mir damit die VOLLE Entlastung bei gutem Gewissen."

Was meine ich damit: 
  • Übernimm SOFORT die Führung, bleib dabei aber cool und lachend 
  • Bitte stellt mich ohne grosse Bedenken sofort frei 
  • Schick mich vom Arbeitsplatz oder nach Hause 
  • Schau, dass ich aus der Situation (Ort) weg komme 
  • Gib mir Signale, die Zielerreichung auch ohne mich zu erreichen 
  • Sei und bleibe souverän und ohne Sorgenfalten, lache und sag:"Ok, du bist heute nicht mehr zu gebrauchen, bring deinen Jet korrekt zu Boden uns reparier dich - wir fliegen ohne dich und bringen die vereinbarten Dinge auch so ins Ziel. 
  • Gib mir Sicherheit und momentane 100%-Entlastung, die sich für mich OK anfühlt, so dass ich mich entlasten und entspannen kann. 
  • Sende keine Schuld- oder Klagensgefühle oder sonstige Bedenkenssignale 
  • vielmehr brauche ich nun deine Zuversicht, deine Willenskraft, deine Ansage und dass meine Lücke ohne Probleme gefüllt und für den Moment übernommen wird. 
  • Gib mir das Gefühl, dass nix zurücksteht, bloss weil ich ausfalle. 
  • Übernimm den Lead.

Das ist es, was ich brauche.

Da ich sonst nicht in dem Zustand bin, sondern eher ein Leader / Pusher / Begleiter - einer, der sehr aufmerksam für andere da ist, kann ich in meiner Erschöpfung nicht ertragen, dass noch jemand mit klagen anfängt, weil das in mir gleich wieder Schuldgefühle hervorruft, die ich in der Kraftlosigkeit nicht mehr handhaben kann.


Oder: Weil ich sehr aufmerksam bin, möchte ich nun deine Aufmerksamkeit, die mich trägt und mich entlastet, allenfalls mit etwas Hauruck nach Hause schickt, so dass ich für mich schauen kann. Gib mir das Gefühl mich und die Situation zu übernehmen. Gib mir die Power, nun nicht auch ins Trudeln zu kommen, so dass ich spüren kann, dass dein Düsenjet jetzt erst recht einsatzbereit ist und unsere Ziele anfliegt.

Das, und nur das, verstehe ich unter "Flügelschutz auf sechzehnhundert." Und nur so ist er auch zu verstehen. Daher: Fang nicht an wegen mir zu heulen, bloss weil ich heule. Übernimm!

Das ist es, was ich in dem Moment brauche.

Grossartig. Danke.

Jona Jakob
Zürich Bern Frankfurt

03.02.2014

Hochbegabung Typ 1 + 2: Wissen vs. Erfahrung

Im Internet kursierte eine simple Grafik, die für mich Anstoss wurde, mich intensiver mit deren Groteske zu beschäftigen. Die Grafik stellt den Begriff 'Wissen' gegenüber dem Begriff 'Erfahrung' gegenüber:

Man kann darüber schmunzeln, doch beim Betrachten und Suchen nach Hintergründen, verbergen sich dahinter weitreichende Grundlagen und Zusammenhänge, die auch für das Wesen und dich Charakteristik unterschiedlicher Formen von Typen von Hochbegabung zu beachten sind.

Vor gut einem Jahr schrieb ich in diesem Blog den Beitrag von den Hochbegabungstypen 1 + 2, wobei ich den Typ 1 als den 'Wissenden' beschrieb und den Typ 2 als den Erfahrenen, den Checker, der vom Leben geprägt sei. Diesen Beitrag finden Sie hier:
http://begabt-sensibel.blogspot.de/2013/01/hochbegabung-typ-1-und-2-von-jona-jakob.html

Welche Begriffe müssen beachtet werden:
  • Wissen (richtig, falsch, vollständig, unvollständig)
  • Erfahrung des Einzelnen (Subjektivität)
  • Erfahrung einer Gesamtheit (Empirie)
  • Wissen und Erfahrung im Aussen und im Innen
  • Autopoiesis
  • Individuation

Es würde den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen, hier alles darzulegen. Was ich hier knapp ansprechen vermag, ist, dass es zwischen den beiden Dingen Wissen und Erfahrung einen bestehenden Konflikt gibt, den fast ein jeder Mensch austrägt. Warum?

Die beiden Worte Wissen und Erfahrung müssen erst einmal als Begriffe eines 'Aussen' und eines 'Innen' erkannt und verstanden werden. Im Aussen ist Wissen sozusagen unsere Bücher, Bibliotheken und Universitäten dieser Welt. Wissen als Sammlung allen Wissens. Und Erfahrung im Aussen ist, was per wissenschaftlich sauberer Studie gesammelt werden konnte (Empirie). Es sind kollektive und historische wie psychologische Erfahrungen, welche als eine Form von allgemeinem "Wissen" oder als 'Erfahrungsansatz' für gültig erklärt werden.

Dem gegenüber, dem

  • Wissen im Aussen und
  • Erfahrungen im Aussen,

stehen unser persönliches Wissen im Innen (unvollständig / unsicher / ungeprüft) und unsere persönlichen Erfahrungen im Innen, als subjektive Wahrnehmungen (gefühlt / gespürt / mit 5 Sinnen aufgenommen / einsam).

Hier ist ein erster Konflikt zu beachten, nämlich meine 'anerzogene' Hoffnung (Schulnoten / Zeugnisse / Abschlüsse / Diplome), dem Aussen, dem Wissen und den Gesetzen der Allgemeingültigkeit möglichst perfekt entsprechen zu können / vermögen. Ob mit leicht lernendem Kopf oder mit viel Fleiss, wir bemühen uns normalerweise und unablässig so sehr, uns dem niemals Erreichbaren zu nähern, sei es als Wissen, Diplome, Kreuzworträtsel, Theorien, Sudoku oder Quizteilnehmer. Gescheit und gebildet sein um jeden Preis. Das ist überprüfbar, belegbar, beweisbar, greifbar, machbar, das zeichnet uns aus und hält jedem Vergleich weltweit stand. Und selbst, wenn wir uns dem Thema der Erfahrungen nähern, tun wir das heute eher "kopfert", nämlich in dem wir allgemein gewonnenes Erfahrungswissen (was man so sagt) nachplappern und sich ihm kaum geprüft anschliessen. Was die Gruppe gut findet, finden wir auch lässig, was modisch ist, fühlt sich hip an, wie es sei, verliebt zu sein, lässt sich nachlesen und online buchen. 

Dem gegenüber beschreibe ich den Typ 2 von Hochbegabten, deren kindliches Schicksal aus einer Not bestand, mit ungegebenen Dingen das Beste daraus zu machen. Der Bruch mit dem Normalverlauf wurde existenziell, d.h. überlebensnotwendig. Das bedeutet aber, dass diese Menschen das Normalwissen des Aussen und dir Regeln wie Gesetze des Aussen und auch die Erfahrungen des Aussen zu Teilen ignorieren mussten. Sie mussten mit diesen allgemeingültigen Leitplanken brechen, um nicht aus dem Leben zu geraten, sondern doch zu gelingen. Und darin besteht mit den Jahren der Entwicklung die Über-Begabung, nämlich über die Allgemeingültigkeit von Wissen und Erfahrung des Aussen hinaus in Bereiche und Dimensionen hinein Bescheid zu wissen, wo der Normalo oder der Gescheite einfach nicht hin musste. Denn was musste der Typ 2 Hochbegabte tun, um kindlich sich zu retten und ein wohlfeiler Mensch zu werden?

Er musste sich auf sich verlassen!

Der Typ 2 Hochbegabte, musste sich auf seine innere Stimme, seine Entscheide, seine Entschlüsse und dann auf seine gemachten und zu machenden Erfahrungen stützen. Da war keine offizielle Lehre für seine Situation. Der Typ 2 Hochbegabte ging in die Schule des Lebens oder in die "Strandakademie". Vielleicht besuchte er die Schauplätze seiner Alkoholikereltern, seiner Borderline-Väter und -Mütter, seiner elterlichen Gewaltorgien oder der familiären Armutsgebiete. Ich kann nicht wissen, warum ein Kind bis hin zum Erwachsenen sich an eine Spezialsituation über das Mass des Allgemeingültigen anpassen musste, so dass diese Anpassung zur Spezialschule des Lebens wurde. Doch was ich dabei sofort erkennen kann: Solche Menschen tragen Ihre hohe Kompetenz darin, sich auf ihre inneren Informationen von Wissen und Erfahrung stützen zu können, als Dinge, die sich bewährten und mit denen sie überlebten und voran kamen.  Diesen Menschen braucht man keine Ratgeberliteratur in die Finger zu drücken, die brauchen selten Anleitungen oder Handbücher. Solche Menschen erkennen allein in Bruchteilen von Sekunden, in welcher Situation sie gerade stecken, ob unter Mitmenschen oder in Abteilungen und Organisationen. Menschen mit solcherlei Hintergründen haben Instinkt und Intuition und sie fühlen die kleinste Nuance. Sie sind hochempfindsam für die eigenen Angelegenheiten. Dass dabei Ablehnung, Zweifel, Einsamkeit und Zynismus auftreten können, kann sein. Das lässt sich aber zu einem gesunden Menschen hin in kurzer Zeit entwickeln. Eine tolle Theorie für diesen Typen Menschen steht hinter dem Wort 'Autopoiesis' (siehe Wiki). 

Was möchte ich als Ermutigung abschliessend festhalten: 
  • Wer als Hochbegabter ein gescheiter Kopf ist, der mit Leichtigkeit allgemeines Wissen in sich vereinbaren und zur Anwendung bringen kann, der soll das tun und soll sein Wissen einbringen. Dort, in Forschung und Entwicklung, in Qualität und Schule wird seine Aufgabe liegen.
  • Wer als Hochbegabter ein Meister seiner Erfahrungen ist, soll erst sich entwickeln (geschulte und geklärte Selbsterkennung, hin zur Individuation), so dass er von seiner Leidensgeschichte wegkommt. Danach soll sich so jemand der Menschwerdung zuwenden, als Autor, Trainer, Coach, Sozialarbeiter, Pfarrer, Menschenbegleiter, Menschenanleiter, etc. denn es geht nicht um sein Wissen, es geht um die Kompetenz, sich auf sich selber verlassen zu können ... eine Tugend, die allen kopferten Schlaumeiern der Wissensliga mehr und mehr abhanden kommt, da eben nicht bei sich, sondern bei den Büchern, Smartphones oder Ratgebern weilend, jenem blinden, aber illusorischen Perfektionsstreben, hin zu den fremdbestimmenden Systemen, dem Konformismus per se. 
Es sind zwei Lager. Und die Wissenden verhalten sich in der Überzahl. Das bedeutet aber nichts. 

Wohlan. 

Jona Jakob
Zürich und Bern

31.12.2013

Neujahrswünsche oder: Jemanden 'verstehen' ist kein Prozess meines meinenden Wissens, sondern mein unvoreingenommenes Fühlen seines Seins.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser dieses Blogs
Liebe Hochbegabte und Hochsensible
Liebe Menschen

Mir ist es sehr danach, euch zu schreiben. Ich liess mir ein paar Wochen Zeit. Früher wartete ich für das Schreiben Momente ab, wo ich in der Betroffenheit schwamm, um zu schreiben. Heute verpflichte ich mich zu Momenten, wo ich von allem frei bin, zu schreiben. Eben ist so ein Moment, mir geht es gut und ich muss nichts.

Mein persönlicher Eindruck vom vergangenen Jahr ist, dass ich viele von euch dahin verändert wahrnehme, als dass wir alle mit dem Thema Hochbegabung/Hochsensibilität (ab hier HB/HS genannt) älter geworden sind. Wieder ein Jahr, sich mit seiner HB/HS oder beruflich mit jener anderer Menschen zu befassen. Neue Eindrück, altbekannte Leiden und Konflikte, mehr Achtsamkeit und damit mehr Bewusstsein. Mit geübtem Bewusstsein auch ein "teilweise" Absehen-können davon, also weniger Drama, bei aller Ernsthaftigkeit. Das ist mein Eindruck: Reife.

Ebenso: das Umfeld, Kollegen, Presse und Berufsleute verstehen besser, was es da gibt und wie Menschen mit solcherlei Prägungen allenfalls ticken. Unternehmen verstehen es besser, Human-Research-Leute interessieren sich, es wird hier und da Rücksicht genommen, da das Verständnis wächst. Und dennoch wieder Schocks, wenn es voll daneben läuft.

Ich nehme weiter wahr, dass man das Thema am liebsten greifbar und psychologisch oder medizinisch eintüten würde, einem Nagel mit Kopf gleich. Das scheint mir ein Gefühl zu geben, damit um mehr Verstehen gerungen werden könnte, um Verständnis und Wertschätzung, allenfalls Schutz bei Behörden, Schulen, Krankenkassen etc. Der Sache habhaft werden und sie organisieren - ich verstehe den Wunsch danach.

In dem selben Jahr "ist in mir die Sache weniger" geworden, ohne an Grösse zu verlieren. Die Grösse wurde eher grösser. Noch mehr Gruppen unterschiedlich Betroffener zählen für mich dazu oder habe ich neu kennen gelernt. Die Leisen. Die Asperger. Die Alten. Ganz junge. Frauen anders als Männer. Eltern mit deren betroffenen Kindern. Noch kaum erfasst: alle die mit ihrer Herkunft sich in einer Art Fremde fühlen und umgekehrt fremd gefühlt werden. Künstlerinnen, Künstler. Die Unsensiblen. Unbedachte. Wer immer. Was aber wurde 'weniger'? 

Weniger wurden meine Fragen oder mein Wunsch, die Hochbegabung und Hochsensibilität als Begriff zu erfassen, als würde ich damit an Kompetenz gewinnen. Mehr Kompetenz empfinde ich mE darin, wenn ich zu erkennen, zu spüren und zu verstehen vermag, wenn wer leidet. Darf ich mit dem Menschen in seine Situation oder Moment, kann ich - ohne Hindernis von Fachwissen - fragen: Warum oder weshalb leidest du? Und dann sind alle, wirklich alle Türen offen, nicht nur die der Hochbegabung oder Hochsensibilität. Und dann ist es oft eben nicht, "zu viel zu hören", "zu viel zu fühlen", "zu viel oder zu wenig zu denken und ertragen zu müssen" - meist ist es, dass dies nicht verstanden wird.
<< Dieser Mensch, ob hochbegabt, -sensibel oder sonst sich selbst, fühlt sich nicht verstanden - DAS will ich immer wieder neu erfühlen. >> Jona Jakob, 2014

Meine Meinung fürs neue Jahr ist, dass wenn ich mich nicht zu sehr mit dem beschäftige, was Hochbegabung oder Hochsensibilität wissenschaftlich und in Vereinen und Verbänden sein könnte, stellt sich mir DAS nicht in den Weg zu jenem Menschen, der gerade mir gegenüber oder bei mir sitzt und der verstanden werden möchte. 

In mir ist der Wunsch, Menschen als "Jetzt-im-Moment-Thema" zu verstehen, und dass eine Hochbegabung oder Hochsensibilität dabei nur eine mögliche Ursache ist. Vielleicht ist es Einsamkeit, Fremde, Unangenommenheit, Verlust oder Trauer, die jenen Menschen vor mir erscheinen lassen, dass er oder sie "sich einfach nicht verstanden fühlt". Das Thema heisst nicht Hochbegabung oder Hochsensibilität oder sonst wie. Das Thema heisst "Sich-nicht-verstanden-fühlen" - eine Bodenlosigkeit, eine Ohnmacht, ein Orientierungsverlust, Angst, Schmerz und Traurigkeit von grösster Dimension, für die ich mich zukünftig weiter öffnen können möchte, ohne gedanklich "zugestellt" zu sein.

<< Jemanden verstehen ist kein Prozess meines meinenden Wissens, sondern mein unvoreingenommenes Fühlen seines Seins. >> - Jona Jakob, 2014

So geht jede und jeder ein nächstes Stück Weg. Dies wird wohl für eine Etappe meiner.

Ich wünsche Ihnen und euch allen einen wunderbaren Start in die neuen Wochen, ins neue Jahr und auf Wege, wo jemand euch begegnet, der sich hinsetzen mag, so dass ihr ihm vielleicht zeigen könnt, worin ihr unverstanden seid und gerade dort einmal angenommen werden möchtet - ankommen dürfen, landen, auspacken, sich ins Gästebett legen, nach einem Teller Abendbrot, von dem niemand etwas von euch erwartet.

Versuchen wir es alle weiter ... - lieben Dank euch hierfür.

Mit den besten Wünschen und Gedanken für 2014

Jona Jakob
Zürich und Bern

13.09.2013

Wenn Sie dir "alles Gute" oder "das Beste" wünschen - was ist das für mich? - oder: Mein "Dankeschön!"

Gestern war wieder mal Geburtstag. Was erlebe ich diesen Tag in wohl allen Farben und Schattierungen. In all den Jahren zeigt sich dieser Tag in immer neuen Varianten und mir selber, mir selber entzog er sich meist jeder Konvention, dem des Gratulierens und Beglückwünschen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei all euch lieben Menschen bedanken, die mir vor-, gestern und auch jetzt noch gratulierten und mir fürs neue Lebensjahr "alles Gute" und auch "das Beste" wünschten.

Was aber ist für ein bunte Seele wie mich "das Beste"? Was wünscht sich einer, der mit seinen Prägungen der Begabung und, und ich betone: und! seiner Sensibilität, sein Leben lang alles reinzog, was das Leben hergab? Was kann noch kommen, für einen, der mit 50 nach einem Ende des Lebens fragte, ohne tragische Absichten, mehr philosophisch, was nun, nach dem Abflachen des Lebens in technische Moderne seit 2000, was kann jetzt noch kommen? Die Menschen starren laufend auf Bildschirme, nehmen noch mit zwei Sinnen wahr, können sich kaum noch ausdrücken oder überhaupt über sich nachdenken. Und zu allem hinzu bedient eine Industrie uns Konsumenten mit dem Flachsten, dem Billigsten und dem Bequemsten in Häppchen, in mundgerechten Häppchen. Was also kann bei so einer gezüchteten Langeweile der Präventionen, der Vorsicht, der Fahrradhelme und Navigationsgeräte noch Spannendes in mein Leben gelangen, was für mich "das Beste" sein könnte?

Dieser gemeinen, teils ungerechten aber durchaus sinn'vollen Frage bin ich nachgegangen und auf eine Antwort gestossen, die mich ermutigt. Wenn ich mich selber als eine Art Fläche oder eine Baumkrone vorstelle, die ein Puzzle wäre, dann sind für mich, den immer und immer wieder alles Durchkauende, die spannensten, die verrücktesten, die intensivsten und wahnwitzigsten Dinge jene, die am äussersten Rand dieses Puzzles die fehlenden Teile darstellen. Dinge, Momente, Begebenheiten, welche aufsmal wie angegossen passen, passen zu all jenem, was mich schon ausmacht und mich bildet und baut und was eben ganz aussen an meinem Rand  mich noch grösser werden lässt, oder tiefer, runder, völler, unendlicher. Bloss keine Ende finden.

Wenn sich ein Hochbegabter und Hochsensibler etwas wirklich wünscht, dann ist es, nicht gefragt zu werden, was er oder sie sich wünsche, sondern beschenkt zu werden mit oder von einer Sache, die ganz da draussen in seinem Leben zu ihm passt, wie ein Massanzug.

Warum? Weil ihm das zeigt, wie bzw. dass er/sie von der schenkenden Person verstanden und gesehen wird. Es fängt schon damit an, dass die schenkende Person mit grosser Unsicherheit sich überwinden musste. Denn sie kann sich nicht sicher sein. Wie wenig braucht es, daneben zu liegen, wie heikel ist das Unterfangen? Doch den Mut haben, loszulassen und es zu wagen, und dann zu treffen bedeutet uns Hirnfuzzis meist alles.

Meine Liebste hat dieses Jahr eine wunderbare Story kreiert, indem ihr ein "Fehler" passiert ist. Mein Herzblatt weiss, dass ich die Solo-Konzerte von Keith Jarrett seit Jahren liebe und fast alle als CD höre. Eben letzthin wies ich sie auf den Wiki-Eintrag zum Köln Concert hin und zu der Erschöpfungsdepression, die sich Jarrett, vermutlich aufgrund dieser Improvisationen oder seines inneren Engagement, holte. Und eben, da stand dann auch, dass er nach 2000 in Tokyo und Osaka ein neues Solo-Konzert geben konnte, was weltweit mit Erleichterung aufgenommen wurde.

So beschenkt mich mein Engel mit der CD "Tokyo '96", mit Jarrett, Peacock & Dejohnette. Das war der "Fehler". Denn das, so muss man wissen, ist a) eine CD, die ich mir vor Jahren schon gekauft hatte, und b) es ist Jazz. Es ist das Jazz-Ensemble, mit dem Jarrett viele CDs aufgenommen hat. Es ist aber nicht das Solo-Konzert aus Tokyo nach 2000. Ich umarmte meine Liebe und erklärte ihr die Situation.

Weil wir nun den Umtausch erwägen, machten wir uns auf die Suche nach der richtigen CD bzw. dem richtigen Konzert - und was fanden wir heraus?

- Es gibt eine DVD vom Tokyo-Konzert, von 1985 (es gibt nur eine DVD, keine CD)
- Es gibt die CD 'Radiance', von 2005, welche die Solo-Mitschnitte von Tokyo und Osaka als Doppel-CD wiedergibt (das ist die gesuchte CD)

Und mit diesem kleinen Suchkrimi sind wir beide am äusseren Rand meines Seins um ein Stück reicher geworden. Wir werden 'Radiance' bestellen, auf das mein Hören an der Stelle wächst, ob in die Weite oder Tiefe meines Lebens, verpackt, in diese wunderbare kleine Geschichte, die die Liebe zwischen mir und meiner Besten wärmend und lebensfroh ummantelt.

Und wenn wer mag, kann er oder sie sich bei mir melden - was würde es mich freuen, wenn Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette für ihn oder sie jenes Stück Jazz wären, welches den nächsten Sonntag schmissiger machen würde. Schreib einfach, lass uns teilen.

Ich danke fürs Wanken, für jene Schritte, die uns nicht sicher sind.

Aber was ist nun "das Beste", was man mir fast 100mal wünscht?

"Das Beste", das ist, was zu mir passt, als wärs meins, so wie ich bin.


Jona Jakob,
Zürich und Bern

Und falls euch Jarrett sonst eher anstrengend erscheint, dann geniesst von ihm diese Streicheleinheit:
http://www.youtube.com/watch?v=oB9KsaTjgxM&feature=related

08.04.2013

Übervoll stehe ich mir Weg.

Ich möchte eine Beobachtung beschreiben, was immer auch subjektiv wahrgenommen ist:

Ich begegne zu den unterschiedlichsten Anlässen Menschen, die von einer Hochbegabung geprägt sind. Es gibt freundschaftliche Begegnungen, Gespräche mit Fachpersonen, Gespräche mit Klientel (diese zählen eher nicht, weil die ja vom Setting her den Raum bekommen).

Ich schreibe und beschreibe den Beitrag NICHT mit Blick auf Coachinggespräche, sondern hinsichtlich ganz normaler Begegnungen und dem verpassten Selbstmanagement, weil der Vulkan tanzt (sag ich mal). Es spielt dabei keine Rolle, ob wir uns face-to-face, am Telefon oder per Skype austauschen.


Und dann läuft folgendes ab (meine Beobachtung):

Die andere Person erscheint mir ÜBERVOLL, wie ein Glas überschäumende Cola, wo alles schaumt und quillt und klebrig am Rand des Glases runterläuft. Wenn es gut geht, hört es nach 30 min oder 1h auf. Im schlechteren - aber nicht selteneren - Fall, bleibt das überquillen bis am Ende des Gespräches bestehen, was auch mal 3h dauern kann.

Was beobachte ich dabei:

- grosse Augen, aufgeregtes vorne sitzen (auf Stuhl/Bank), Jacke noch nicht ausgezogen, Tasche oder Gepäck wird irgendwo hingewuselt

- ich werde eher mager begrüsst: flüchtig, ohne viel Empahtie, wie angespannt

- die Person fängt eher gleich an zu erzählen, womöglich in "Kapitel 3", ohne Anfang, ohne Einleitung, gleich mit Annahmen, Voraussetzungen, mitten drinn, für mich erst einmal kaum erfassbar

- in Lokalen können solche Personen kaum etwas bestellen. Das Servierpersonal steht da und fragt nach Getränken oder Essen und die Person kann das Personal kaum wahrhaben, weiss dann nicht, was sie bestellen will und ordert irgendwie. Eine Speisekarte bekommt kaum aufmerksamkeit bzw. kann kaum konzentriert gelesen werden. Alles geschieht hastig und zerfahren.

- Wie es mir geht, auch jetzt, wird nicht wahrgenommen, hat irgendwie keinen Platz.

- Würde ich mich nicht vehement einschalten, unterbrechen, das Gespräch strukturieren, es würde ein schier nicht erkennbares Durcheinander von Wirklichkeiten, welche einzig dem Kopf (und der übervollen Seele) der sprechenden Person entweichen.

- - -

Und dann kommt das nicht ganz schadenlose Ende des Gesprächs:

Ich beobachte dann ein hastiges Aufbrechen und Verabschieden, irgendwie und wo und tschüss ... spüre aber in jenem Moment (meine Wahrnehmung) folgendes:

Es entsteht just in dem Moment ein von der anderen Person ausgehendes Gefühl von Traurigkeit, nun doch zu vermissen, dass wir nicht miteinander im Kontakt standen. Erst jetzt flimmert so etwas wie Aufmerksamkeit, Zuneigung, Kontakt, Empathie auf, irgendwie verzweifelt meinend: "Dass ich so viel gequasselt habe ist nicht, was ich dir sagen / zeigen / zu spüren geben wollte, sondern mein Überlaufen hätte so gerne, angenommen / verstanden / gesehen / gefühlt zu werden." Plötzlich spürt die gehende Person, dass sie es sich mit all dem Gequassel "versemmelt" hat, einen Moment des Beisammeseins entstehen zu lassen, der so viel wichtiger und ersehnter wäre, als der Wasserlass des zu viel Gesprochenen. Dabei war man gekommen, um genau dieses Verstehen abzuholen, diese mir mögliche Fähigkeit, "dich zu hören" - auch wenn du kein Wort sagen würdest.

- - -

Ich bin über viele Jahre als Gesprächsberater ausgebildet. Ob privat oder beruflich kann ich nicht nur enorm zuhören, sondern ich kenne mich durch und durch damit aus, was im Geben und Nehmen von Hören und Sprechen abläuft. Für dien hiesigen Fall gilt kurz gesagt:

Stell dir das überquellende Cola-Glas vor. Stell es dir vor, wie es überläuft und verschüttet und klebt. Und dann frag dich, WIE soll jemand nun an das Glas kommen? WIE soll in der Situation irgendetwas bis an dich gelangen? Ob gefühlt, gehört, gezeigt?

Es ist nicht so, dass von der Gegenseite (hier: ich bzw. von mir) keine Achtsamkeit, keine Empathie, kein Verstehen da ist. Nein, das ist alles da und durch und durch angeboten. Doch meine Beobachtung ist es, dass das angestaute Überquellende die Person selber verhindert, von jenem etwas für sich herübernehmen zu können, was wegen der Überfülle so sehr ersehnt würde.

Ich empfehle daher:

1. Phase (vor der Begegnung): Kann ich meinen Gesprächfreund entgegennehmen?

2. Phase: Kann ich mich ein Stück weit leer machen (keine Gedanken, keine Ideen, keine Themen - vielmehr Zeit, Stille, Ruhe, ohne Gespräch im Moment verbleiben, allenfalls Empathie anbieten, selber zuhören)

3. Phase: Kann ich fühlen, was ich gerade fühle? Kann ich orten, ob ich ein Thema besprechen möchte, ODER OB ICH VIEL MEHR FÜR DIE IDEE DES THEMAS JEMANDEN MÖCHTE, DER MICH VERSTEHT, DER MICH ANNIMMT?

4. Phase: Könnte ich allenfalls sagen: Egal, was alles ich an Ideen und Projekten ich dir hier zeigen und mitteilen möchte, eigentlich möchte ich hierfür viel mehr verstanden, angenommen, aufgenommen werden. Mir ist mehr nach menschlichem Mitgefühl als nach Durchkauen obliegender Gedankenfeuerwerke?

RUNTER VOM GAS.

Dann klappt's nämlich auch mit dem Nachbarn.

> Versprochen.

- - -

Kennt ihr das?

Kennt ihr das als Zuhörende?

Kennt ihr euch selber "so"?

Kann es sein, dass der Wunsch nach Annahme einem zum Ablassen aller inneren Aktualitäten knüppelt, obwohl das sich nicht eignet, von jemandem angenommen werden zu können?

Kann es sein, dass meine Landebahn so voller eigener Flugzeuge verstellt ist, dass niemand hier noch landen könnte? Bleibe ich daher ungesehen?

Stehe ich mir allenfalls genau selber im Weg?

Herzlich fragt

Jona Jakob

07.01.2013

Hochbegabung Typ 1 und 2 - von Jona Jakob

Guten Morgen

In meiner Arbeit mit Hochbegabten Erwachsenen, welche sowohl hochsensibel oder nicht hochsensibel sind, haben sich für mich zwei Typen von Prägungen durch Hochbegabungslebensläufe herausgestellt: 


Ich unterscheide 


Hochbegabung Typ 1: Der Intelligente
Von Geburt mit hohem Intelligenzquotient geboren, lernt, besteht Abschlüsse, arbeitet erfolgreich, entwickelt sich als Mensch unter normalen Umständen, schlägt voraussichtlich eine akademische Laufbahn ein, lebt mit einem klugen, allenfalls wissenschaftlichen Kopf. Ich verbinde mit diesem Typ eher keine Hochsensibilität.

Hochbegabung Typ 2: Sensitive Frühverantwortliche oder «Checker-Typ»
Kindheit und Jugend sind geprägt durch übermässige Frühverantwortung, sei es wegen familiärer Probleme, Resilienzentwicklung oder zu frühe Übertragung von Verantwortung, was vom Auftragerteiler wie vom Kind positiv erlebt wird, aber doch überfordert, so dass das Kind zum Checker wird. Hier verbinde ich eher Hochsensibilität: Weil das Kind auf Fragen keine Antworten findet, muss es fühlen/erahnen/checken, was gut sein könnte. Es entwickelt sich
und seine Intelligenz aufgrund eines 10 – 30 Jahre dauernden «Gedankenkarussells» von Denken, Fühlen, Unsicherheit und mangelnder Rückbestätigung.  


Hochbegabung Erwachsene Typ 1 und Typ 2 / by Jona Jakob, Schlieren bei Zürich, 2013
                                                                                      


Diese beiden Typen unterscheiden sich stark in ihrer
- Lebensgeschichte
- Grundvertrauen
- Persönlichkeitsentwicklung
- Orientierungen

Damit verbunden sind höchst unterschiedliche Coachinganliegen sowie Lösungswege wie Strategien für die Zielerreichung in Coachings.


Beide Typen haben sowohl unterschiedliche Stärken wie Schwächen, Chancen und Gefahren.


Beide Typen können ihre Kindheit und Jugend als "stärkend/positiv" oder als "belastend/negativ" erlebt haben, was nochmals sehr unterschiedliche prägen kann.


Besten Dank.


Jona Jakob


25.05.2012

Wenn ich weit draussen nicht verstanden werde ...

Im Internet schrieb eine Frau folgenden Text zu ihren Gedanken und Empfindungen:
Hinweis: Ich danke der Autorin für die Freigabe des Textes. Was von ihr hier eingefügt wurde, ist kursiv abgebildet und anonymisiert. Es gibt ganz geringe Verkürzungen.

Auf dem Gipfel kann es einsam sein und es weht ein kalter Wind ...
Gelegentlich tritt mir das Bild dieses Thread-Titels in den Sinn. Natürlich muss es nicht immer ein kalter Wind sein. Er kann auch mal warm sein und ich fühle mich geborgen und alles ist ok. Und ... auf dem Gipfel zu stehen kann auch sehr schön sein...die Aussicht kann herrlich sein, der Rundumblick..und, dass alleine dort oben stehen, kann auch sehr schön sein, man hat seine absolute Ruhe und kann ganz für sich alleine ohne Unterbrechungen nutzen und genießen. 
Aber dann kommen die anderen Momente...wenn Antworten ausbleiben, oder Mitdenken, oder Austauschsmöglichkeit "auf Augenhöhe" - na, einfach aber auch, wenn das Verständnis für mein eigenes Anliegen ausbleibt oder ich keine Rückendeckung oder Unterstützung erhalten kann. 


Den eigenen Weg, nach den eigenen Wünschen aber auch Fähigkeiten ausrichten...Wenn keiner folgen kann oder möchte...dann kann es auf dem Gipfel schon etwas ungemütlicher werden. 

Was dann...weitergehen ... oder ...umkehren???? Nein, umkehren sicher nicht, obwohl es oft als eine Möglichkeit erscheint, die aber nichts verbessern würde.., also weitermachen ja...aber - vielleicht unter angenehmeren Bedingungen? 

Ja, ich werde mich dann mal auf dem Weg machen....Einige Ideen habe ich schon......Würde die praktische Umsetzung doch genau so rasch erfolgen, wie die erlangten intellektuellen Einsichten...:/ 

Wie geht es euch? Fühlt ihr euch wohl, auf eurem Gipfel? 

Liebe Grüße


Zu diesem Text verfasste ich einen Beitrag, der diese Empfindung, die sich bei HB-Geprägten oft zeigt, aufgreift und diese jedoch in eine weitere Betrachtungsweise stellen möchte - hier meine Antwort dazu:

Gegenüber einer Mitte
Eine an korrekter Stelle gehaltene Antwort wäre, auf XYs Beitrag einzugehen und zu versuchen, genau an ihre Stelle zu gelangen (Hi, XY, danke für deinen Beitrag). Um eine zweite Perspektive darlegen zu können, schreibe ich von dieser, so dass zwei Sichtweisen daliegen werden. Ich fange mal an:

Diese allenfalls kalte Einsamkeit der Unverstandenheit oder Gefolgschaftlosigkeit ist zum Thema HB ein bekanntes Phaenomen. Aus der Zahl meiner Fälle bei der Arbeit und meiner persönlichen Erfahrung ist das für mich, Jona, aber keine "Spitze", sondern "irgend eine Ecke der Unverstandenheit" (schreib ich jetzt mal so um zu pointieren).

Diese Ecke des 'Nochnichterreichtseins' liegt nicht immer 'an der Spitze'. Die kann genau so gut in den Abgründen der Satire, der Melancholie, der Traurigkeit, der Leere sein. Sie kann auch links oder rechts aussen liegen, bei fremden Ideen, kühner Fantasie, unerreichter Technologie (beam me up). Sie kann weit vorne liegen (klüger als der Doktorvater) oder am roten Licht hinten, beim letzten Zugwagen, weil man tiefstapelnd nicht willens ist, noch zu denken bzw. mitzumachen, so lange niemand verstehen mag. Und dann gibt es noch die einsame Spitze, ganz oben, zu gescheit, zu intellektuell, zu schnell, zu ganzheitlich. Kurz: diese Einsamkeit kann an ganz verschiedenen Stellen gegenüber EINER MITTE liegen, wie bei einer Pusteblume.



In einer Begleitung / Zusammenarbeit wäre es für die Person (bei uns / in diesem Thread hat XY diese Rolle) nun nur 'wirksam, wenn ich an die Blüte raus gehe, dort wo XY als "Fallschirmchen" (so haben wir die als Kinder genannt) offen ist und blüht und sie bei ihrem Flug begleiten. Ich wäre vom Thema her 'XY-zentriert' und würde auf Ihre Worte und Regungen eingehen .... -

... umso mit ihr Brücken zur Mitte (dort hin, von wo sie verstanden werden möchte) zu schaffen.

Ich will jedoch XY aussen vor lassen und auf den Umstand DIESER MITTE eingehen. Die Einsamkeit auf dem Gipfel oder sonst in irgend einer meiner Ecken entsteht aus dem Antipoden, der Mitte, dem Punkt/Ort/Zentrum, wo das Gross der denkenden, fühlenden und wahrnehmenden Mitmenschen verweilt und vor sich hin lebt. Für eine Einsamkeit braucht es ein Miteinander.

Vielmehr, als nun zu hoffen / glauben / denken, die Mitte würde irgendwann zu meiner Blüte hinaus (meine Ecke hin) aufschliessen, muss ich - da ich nur bei mir etwas verändern kann - zusehen, wie ich zu dieser Mitte gelange und dort gesund, stabil und konstant verweilen kann, so dass sich etwas erbaut (z.B. eine längere Anstellung, eine dauernde Beziehung, Ruhe und Freude im Familienumfeld, Erfolg bei Aufgaben und Ämtern, etc).

Zuletzt: Nun darf meine Bedürftigkeit, meine HB auszuleben (denken, lösen, wollen, etc, etc.) nicht das zu entstehende SOLIDE / KONSTANTE zerstören und immer wieder auflösen. 

Daher habe ich ein/e KünstlerIn in Sachen Selbst- und Fremdbedürfnisse zu werden. 
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Da in 'den soliden Pakten mit der Mitte' das Geldverdienen, die Existenzsicherung und mein berufliches und gesellschaftliches (siehe da, 'Gesell'schaft'liches) Fortkommen verankert ist, lohnt es sich in den meisten Fällen, zuerst (ist freigestellt) diesen Teilen "der Mitte" ihre Bedürfnisse zu stillen (Ordnung, Pünktlichkeit, Einfachheit, Zurückhaltung, Anpassung, etc) und am selben Tag noch als eine zweite Bedürfnisorientierung, für mich selber und die eigene Art zu sorgen (Theater, Philosophie, Kunstprojekte, Weiterbildung, etc).

Was ich sagen will: Ich kann zwar an der Aussenposition der Blüte mein Alleinsein ansehen und es gerne zum Thema machen, denn dort ist mE ein heikler und oft mühsamer Punkt, doch fürs Bestehen und auch für ein Stück Frieden ist mE bei allem die Mitte nicht ausser Acht zu lassen. Und es gilt - ganz wichtig - nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch".

Von mir persönlich: Ich vollziehe und manage für mich diese Zwei-Sicht-Orientierung in sehr erheblichem Mass. Ich gebe mir grösste Mühe, die Mitte von mir zu entlasten, in dem ich ihr entgegenkomme und ihr ihre Möglichkeiten nicht strapaziere - und gleichzu sehe und sorge ich bestens für mich (was nicht einfach ist, ok, aber es ist möglich). Das hat mich in den letzten Jahren enorm wachsen lassen, ganz besonders, was meine beiden Miteinander betrifft: die Mitte ist entspannter geworden, sie nehmen mich viel vertrauensvoller und geduldiger an, da ich mich dort reduziere und zurücknehme. Und auch die Aussenecken, egal in welche Richtung, können mit mir mehr und mehr, da wir dort gleichschwingen ...

... und uns anders verstehen, als mit den anderen.

Das ist weder grösser, besser, weiter oder schneller - es ist nur 'anders' ... und wenn eben alle anderen ok sind - dann habe ich entschieden, bin ich es auch.

Wir HBler sollten mE aus der Falle der Bedürfnisse heraus gelangen, hin zu hochgradigen MangerInnen von Bedürfnisbefriedigungen, für jene der anderen und für jene von uns selbst.

Das ist mein Betrachtungsansatz.

Lieben Dank
Jona Jakob

14.05.2012

Wenn mein Körper nicht da sein kann, wo mein Kopf meint, noch hin zu müssen


Hallo zusammen

Ich möchte von einer persönlichen Beobachtung schreiben, die ich mal mehr, mal weniger erfahre, beachten kann/muss oder weniger kann und eben dann auch "daneben" gerate.

Ausgangslage:

Ich muss vielleicht mit meinem Anteil Hochbegabung (HB) anfangen. Meine HB ist nicht sooo hoch, die liegt durchschnittlich bei 127. Dabei sind feinstoffliche Fähigkeiten, sowas wie 'Sehen/Fühlen/Wahrnehmen/Reflektieren/Fragen' höher angelegt, als Mathematisches/Logisches, und auch im Wahrnehmen 'ganzer/ganzheitlicher/prospektiver' Situationen habe ich grosse Stärken.

Diese Fähigkeiten geniesse ich und arbeite gerne damit, diese Fähigkeiten "drehen aber sozusagen im Leeren", wenn sie nicht "gefüttert/bedient/erfüllt" werden. Ist nix los, kann ich unbefriedigt aus der Spur geraten, weil mein Geist Wahrnehmbares bedarf und der dann keine Ruhe lässt, bis er wo was kriegt, das ihm seine Kopf- und Fühlarbeit befriedigt/erfüllt. Ich "suhle" mich gerne in der Satire, in der Melancholie, in Themen zur Macht, in Spitzfindigkeiten der Literatur, in Aphorismen, Texten, Subtextlichem (Zwischen den Zeilen Gemeintes), in der Kunst, der Provokation, dem Offenlassenden und der philosophischen Reflexion. Last but not least liebe ich daher alles Menschliche und Zwischenmenschliche.

Ist dieser Teil befriedigt, arbeite und leiste ich gut. Auch alle anderen Arbeiten, wie Administration, Ablage, Belege, Berichte, etc. etc. - alles, was banal aber notwendig ist, wird dann auch mit gutem Schwung angepackt und erledigt.



Problem:

Dem gegenüber, nun komme ich zum Anteil der Hochsensibilität, steht meine Physis, mein Körper, dessen Kopf wach oder lahm sein kann, dessen Körper sprungfit oder schwach wirkt, die Beine hüpfen oder bleischwer sind, dessen Geist wach oder schläfrig mein Handeln fördert oder bremst.

Sehr oft ist mein Körper nicht dort, wo mein Wachsein noch hin möchte.

Dann tut sich mir - so beschreibe ich das mal - eine Schere auf. Die HB-Anteile zerren mich suchend und wühlend nach Befriedigung des Geistes. Der Körper aber, nicht zuletzt von diesem HB-Gezerre, ermüdet, flüchtet, sackt in etwas Lethargie, Kraftlosigkeit und vernachlässigtem Tatendrang.

Das Resultat bei zu weit offener Schere dieser widersprüchlichen Dynamiken kann sein:
- Vernachlässigung der Pflichtarbeiten, selbst wichtige Dinge, lasse ich liegen
- Vor mich hinschieben von Pendenzen, Antworten, Transaktionen
- Prokrastination http://www.youtube.com/watch?v=UXziurFkQxM

In einer späteren, länger andauernden Unbefriedigung meiner HB folgen:
- Schlaflosigkeit
- Endloskonsum von TV, Internet, Presse (gottlob nix Schlimmeres, auch nicht Essen)
- Übellaunigkeit
- Körperliche Distanzierung gegenüber meiner Liebsten

Mein physischer Körper geht also irgendwie in einen Notzustand, der davor flüchtet, wichtige Grundlagen der Alltagsarbeit zu erfüllen, besonders im Arbeitsbereich. Ich habe keine Probleme, mich gepflegt, gesund und geordnet zu halten. Ich wirke nach Aussen ganz ok. Aber Arbeit, Papierkram, Kontakte bleiben liegen.

Lösungsschritte:

Ich musste lernen, die beiden Sphären meiner "Körperschaft"
1. zu beobachten und zu analysieren (welche Anzeichen bedeuten was?)
2. so zu handhaben, dass sie "ideal(er)" gemanaged werden
3. in ihren interaktiven Wirkungen in wechselnde Prioritäten zu kriegen

Ich bin glücklicherweise ein Frei'Schaffender - ich kann viele Momente freier bestimmen, als wenn ich Angestellter wäre.

Was wurden meine Rezepte, um mein Gleichgewicht möglichst ideal zu halten?:

- So, wie es bei der Ernährungskunde heisst, "5 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt", mache ich viel mehr Pausen, in denen ich richtig schlafe. Ich kann 15Min-schlafen, 1 h schlafen, 3 h schlafen. Ich wache auf und bin fit. Da ist dann ein richtig gutes Gefühl da und ich habe volle Präsenz.

- Ich esse viel weniger als früher, was mich entlastet, ob essend, verdauend und auch ausscheidend. Ich trinke viel mehr. Das ganze Thema hat in meinem Aufgabenkorb um 50% an Anteil verloren.

- Ich kleide mich einfacher, um den Aufwand in allem zu reduzieren.

- Sehr gut tun mir die Gänge mit Phibi, unserem kleinen Hund. Gehen taktet das Gehirn. Zudem nehmen auf der Gasse die Dinge eine entferntere Distanz ein, ob mit dem Auge betrachtet, mit dem Ohren gehört, mit der Haut empfunden und last but not least mit dem Kopf reflektiert.

- Ich spiele mehr, ob mit dem Hund, einem Ball oder sonst einer solchen Ablenkung, damit ich mein Wesen mit Zweckfreiheit tanke.

- Ich schaue, dass ich immer fitter werde, in allem und jedem (aber nicht verbissen, mehr im Sinn von "Slow"). Das heisst, ich sorge gut für mich, wellness ist da auch drin.

- Ich suche nach alle möglichen Formen geistiger Nahrung (mE keine leichte Aufgabe)

Resultate:

Denn bei mir zeigt sich: Wenn ich meinen physischen Körper gut pflege, habe ich mehr Energiekapazität für BEIDES: die Nährung der HB-Anteile sowie die Pflege meiner Alltagstätigkeiten. Ich bin besser "bereit" oder eben, ich kann "dort sein", wo mich mein Geist braucht und die Schere schliesst sich zu einer gemitteten Einheit - und die leistet mE Hervorragendes.

Ob also hohe Sensibilität oder Begabung - beides kann und wird mich weiterhin aus der Spur bringen, wenn ich nicht ideal und sehr persönlich dafür sorge, dass ich (m)einen Idealzustand erreiche - egal wie komisch das für andere wirken mag. Bin ich in meiner Mitte bzw. bin ich ausgependelt und gut drauf, kriege ich dieses 'Mehr' an Fähigkeit in die Arbeit, in meine Begegnungen, in meine Beiträge und in meine Herzlichkeit. Dann mag ich mich sehr und bin für alles offen. Dann stimme ich und bin mein Ding wert.

So will ich weiter sehen, was ich tun kann.

Und ich bin gespannt, ob das jemandem von euch auch so oder ähnlich geht?

Wie ich meine HB aktuell nähre? Ich lese mir wichtige Bücher nach 10 - 20 Jahren ein zweites Mal, um zu sehen, ob ich sie damals richtig oder anders verstand und was mir deren Inhalte heute noch sagen. Ich brauche für ein Buch 1-3 Tage - der Gewinn an Reflexion ist mE enorm. Ok, ich belästige dann andere mit Themen, welche sie nirgendwo zuordnen können, aber das ist ein anderes Thema ... :-))

Wie geht es euch damit?

Herzlich grüsst

Jona Jakob

17.04.2012

Gastbeitrag für HSP: Ein Wahnsinns-Tag


Ein Wahnsinns-Tag

Der Wecker klingelt mich endgültig aus meinem wohl verdienten, aber viel zu kurzen Osterurlaub. Ein Blick in den Spiegel verrät mir Neuigkeiten: Unterschlaf und Unterlust. Na dann, herzlich Willkommen in Ihrem Bad, bitte betreten Sie jetzt die Dusche. Schnell den Dienstwagen holen, der soll nach dem Reifenwechsel wieder mit. Der Smart ist wie immer Ohren betäubend laut und die Lüftung brüllt mich an. Aber die Sonne scheint und schenkt mir Zuversicht. Es wird ein schöner Tag – wird es ein schöner Tag? Wir werden sehen. 


Vor dem Büro noch schnell in die Bezirkshandlung. Als Beraterin für glückliche Kunststoffhaushaltswarenbesitzerinnen und –besitzer brauche ich noch ein paar Muster. Donnerstag ist meine letzte Party. Zum Glück sind die meisten noch müde, so dass keine allzu lauten Unterhaltungen einen Nachhall zur Fahrt bewirken. Ich bin an der Reihe. Lagerkollegin 1: „Muster? Warte mal.“ Lagerkollegin 2 (von ganz hinten in zarter Lagerstimmenfärbung): „Es gibt keine Muster mehr. Heute ist Neuvorstellung.“ Lagerkollegin 1: „Ja, heute ist Neuvorstellung.“ „Ja, ich weiß, das war aber abgesprochen.“ Lagerkollegin 2 (immer noch von hinten): „Du weißt doch, dass heute Neuvorstellung ist.“ „Ja, ich…“ Lagerkollegin 1: „Dann gibt’s keine Muster mehr“ „Ja, ich weiß, aber …“ Von hinten fliegen Kartons. „MIST!“ – offenbar nicht freiwillig, aber jetzt, denn mindestens einer bekommt einen lautstarken Tritt obendrauf. Lagerkollegin 1: „Brauchst Du sonst noch was?“ „Sonst? Ja, ich brauche 10 Gästegeschenke.“ „Sind aus.“ Die restlichen Kartons fliegen hinterher, die Eisentür macht mit. „Aus?“ „Aus.“ 

Der rüttelige Ohrensmart überwindet alle meine inneren Widerstände und bringt mich an das Ziel meiner Albträume. Natürlich funktioniert der Rechner nicht. Mein Kollege wird hektisch – kein Problem, als die Ruhe in Person kann ich das an Tagen wie diesen gut abfedern. Netzwerkkabel austauschen, auf geht’s. Die Kollegen aus den Nachbarbüros treffen nach und nach ein, verschwinden in der Küche und holen sich erst einmal einen Kaffee. Gefühlt entscheidet sich jeder für den Becher ganz hinten unten. 

Die schwere Eicheneingangstür im Erdgeschoss fällt noch einmal aufdringlich ins Schloss, dann wird es ruhiger auf dem Flur und ich kann mich meiner Arbeit widmen. Voller Abscheu sehen der überaus langweilige Papierstapel und ich uns an. Wir können uns nicht leiden, glücklicherweise beruht das auf Gegenseitigkeit. Ich wende die alte List an: Stapel wegarbeiten, dann habe ich gewonnen. Die Motivation dazu klappt immer phasenweise. Die Tür unten fällt wieder zu. Es ist ruhig. JUHUUUU!! Das ist mein Tinnitus, froh, endlich mal wieder Gehör bei mir zu finden und freut sich schon auf den Wettstreit mit der Rechnerlüftung. Wie die Kinder – ehrlich, sie wollen einfach nicht verstehen, dass beide so lange weitermachen, bis der Stecker gezogen wird – dem Rechner oder mir. Und beides habe ich nicht vor. 

Gibt es eigentlich einen Preis für den Mann, der mit seinem Husten als erstes eine Wand zum Einsturz bringt? „Nein, nein, es geht mir gut, Sie hätten mich mal letzte Woche hören sollen. Da hatte ich richtig Husten.“ Nein, danke, wirklich kein Bedarf. Aber ich bringe noch ein „Sie Armer, wollen Sie einen grünen Tee?“ raus. Ich bin ja mitfühlend. Er lehnt dankend ab. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Die Telefone in den Nachbarbüros wollen nicht still stehen, ebenso wenig wie die Kolleginnen, die ihre Pumps über den Holzfußboden spazieren tragen. Und gern auch mal an meinem Büro vorbei, die Holztreppe hinunter ins Erdgeschoss. Und wieder hoch natürlich. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:00 Uhr – Besprechung bei meinem Kollegen. Plötzlich steht eine Kollegin aus dem Nachbarsbüro hinter mir. „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken.“ „Tun Sie nicht, mach ich immer selbst.“ Fragender Blick. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:30 Uhr – mein Kollege muss los. Haut die Tür zu, er ist spät dran. Runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Die Tür geht wieder auf, er rast die Treppe wieder hoch, stockt, murmelt „was vergessen“, reißt die Tür auf, haut sie wieder zu, murmelt „jetzt aber“, springt die Treppe runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Es ist eine Gabe. 

Weiter im Text – Mails lesen. „Hallo! Ich habe gehört, Sie hatten Urlaub! Ich hoffe, es war schön! Bitte melden Sie sich doch mal! Hat aber Zeit!“ Warum brüllt die so? 

13:00 Uhr – Mittagspause. Im Discounter um die Ecke noch ein paar Sachen einkaufen. Versteht sich wohl, dass mit sich selbst redenden Warenverräumern Dosen aus dem Regal fallen. Die beiden niedlichen Wonneproppen hinter mir kreischen vor Vergnügen. Der adrette junge Mann in der Kasse vor mir versorgt sich mit seiner Ration Kräuterschnaps. Gestern Abend würde ich tippen, gabs zum Abendbrot eher Bier und Zigaretten, weniger frische Luft und erst recht keine Seife. 

Wie nett, der sirenisierte Krankenwagen wartet, bis ich aus dem Laden trete und gerade mit einer großen Einatmung versuche, den Typen vor mir aus der Nase zu bekommen. Ist es eine Gabe? Es ist eine Gabe, höre ich mich. 

Ich öffne die Tür und während ich die Treppe hinauf gehe, fällt sie voller Wucht in ihren Rahmen. Das Herz sackt mir in die Knie, aber da komme ich gut ran. Zwei Nachbarskolleginnen kommen mir auf der engen Treppe entgegen, sie amüsieren sich prächtig und haben sich zur Feier des Tages zum Mittag noch einmal ordentlich eingesprüht (wie wird das Essen schmecken?). Hinter mir läuft eine weitere Kollegin. Schwerfällig stapft sie mit ihren hohen Hacken die Holzstufen hoch. Ich flüchte aufs Klo, wo mir der Geruch von parfümiertem Toilettenpapier entgegenwabert. Winterduft – eine eklige Mischung aus Vanille und Kokos. Hoffentlich riecht mein Po nicht so. 

13:30 Uhr – der Salat versucht mich tapfer anzulächeln. Meine Nerven liegen blank, aber ich weiß genau, esse ich jetzt nicht, kriege ich auch noch schlechte Laune. Das braucht kein Mensch. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Nach einer Nerven aufreibenden halben Stunde, in der sich die Nachbarskolleginnen ein Treppenduell geliefert haben, ist jetzt wieder Ruhe. Bis auf Tinni, der kriegt wieder Oberwasser. 

Ich kann mich wieder dem langweiligsten aller Papierstapel zuwenden und bin mir über eines klar: Wäre mein Optimismus nicht – ich würde denken, das ist ein Wahnsinns-Tag. Und er ist noch nicht einmal halb um. 

Aber: Es ist eine Gabe. 


Jasmin G.


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Meinen herzlichen Dank  an die Autorin: Jasmin G., welche zusagte, den Beitrag hier veröffentlichen zu dürfen. Mir persönlich ist der Beitrag wichtig. Er zeigt mir, wie sehr Emissionen das Leben mit Hochsensibilität belangen. Es mag für dieses feine Wahrnehmen, Sehen und Schreiben eine Gabe sein, es zeigt auch, wie das Selbe anderen Menschen gar nicht erst ins Bewusstsein dringt, und es mag zur Energie verzehrenden Tortour werden, für die und den, der das alles mit- und abbekommt. 


Doch der wirkliche Schmerz, das was weh tut, ist, dass die "Anderen", jene, die das gar nicht merken, es auch nicht sehen und damit nicht verstehen können. Egal, ob es für eine HSP eine grosse Freude, eine Lust, ein Glück oder ein Leid, ein Schmerz, ein Nicht-Sehen und damit ein Unverstehen ist ... die "Anderen" kommen nicht an uns heran, nicht ganz, nicht Ansatzweise - einfach mit nichts. Es fehlen uns Welten, um von denen ganz gesehen und verstanden werden zu können. Und dieses Nicht-Gesehen-Werden ist es, was ohmächtig machen kann. Daher auch die Wichtigkeit dieses Beitrages - weil wer es wie Jasmin erlebt, sieht und fühlt sich gleich verstanden - ein empathisches Wohlgefühl der seltenen Art und mE von grosser Wonne. Danke Jasmin.


Der Kommentar oben ist subjektiv mein persönliches Wahrnehmen. 


Beste Grüsse
Jona Jakob