03.02.2010

Meine Hochsensibilität

Dies ist mein Beitrag aus einem Xing-Thread in der Gruppe 'Sensibilität als Kompetenz'. Der Thread trägt den Titel : Sensibilität - kann doch auch positiv sein! Wie nutzt Ihr das?

Hallo zusammen

Ohne meine HS wäre ich - ich weiss es nicht. Bestimmt ist es mein grösstes Glück, meine HS und HB entdeckt zu haben. Dafür schüttelt es weiter mein Innerstes, dass ich es finden und erkennen durfte.

Meine HS belastet mich erst, nachdem sie einen wunderbaren Nutzen und Zweck erfüllt hat. Dann kann es für sie zu viel werden und sie läuft mir sozusagen aus, ich bin dann empathisch leer und kriege eine dünne, hungernde Haut. Doch grundsätzlich, ausgeschlafen, nach Erholung im Alleinsein, da wirkt meine HS wie ein Radar, eine Gesamtschau, ein Sender-Empfänger-Kanal und macht die schier unmöglichsten Dinge möglich.

Meine HS ist meine ganze Zartheit, Stille und mein Dasein für andere. Meine HS ist Kreateur von Klängen, Bezügen, Vernetzungen, Assoziationen, Wortgewalten und diversen Feinschmeckereien.

Meine HS ist mein Vermögen, jemanden so lange bei sich sein zu lassen, bis 'sie' zu mir kommen möchte.

Meine HS haucht Bilder, flüstert Bewegungen, schnuppert den Strom der Tiden.

Meine HS ist manchmal wie ein satter Strom, in dem es andern möglich wird, sich einsinken zu lassen.

Meine HS ist Matte und Watte meiner Eloquenz, sie führt meine Hand zum Strich, lässt mein Sehen ins Ganze geraten und Zutritt finden, wo ich dem andern dann sich selber zeigen kann.

Und ob ich damit lebe oder liebe oder arbeite, sie ist mir meine Kunst und meine Waffe, mein Schutz und meine Zerbrechlichkeit.

Ob ich Schwächen kenne? Ja, fürchterliche. Meine HS hat in mir einen alten Widersacher und alten Streiter, nämlich meine existenzialistische Erziehung, blank und nackt, dem Tode hingerichtet, zynisch, sarkastisch, auslachend und vernichtend. Diese graue Kraft lässt mich immer noch schalkend der Sinnlosigkeit frönen.

Ja, die Fratze kommt immer wieder mal noch ans Licht - keine guten Tage. Das ist dann wie ein unreifer Kampf. Und wann kommt dieser üble Geselle hervor, dieser Kellergeist? Wenn meine HS von viel Empathie erschöpft ist und dünne und mager wird. Dann traut sich dieser Halunk, dieser Punk meiner Seele hervor und ich muss schauen, dass die Kollateralschäden vertretbar bleiben.

Ich schrieb, dass dieser Geist noch eine Kraft sei - ja, aber er ist keine Macht mehr. Meine Macht ist mein Wesen, zu dem ich seit ein paar Jahren werde und mich verdichte, erstarkend, moderierend, die Balance haltend und die Geister bezwingend - diese Omega-Anteile meiner Person, welche doch dazu dienen, die Gruppe in mir zusammenzuhalten und wach zu bleiben über mir selbst, wach, so wach. Möge nun kommen, wer will.

Und ja, ich arbeite damit und lebe davon.

Herzlich
Jona Jakob

Nachwort: Meine HS ist wie ein feinstes Spinnwebengeflecht über sehr weite Teile Europas gestreckt, reisend, besuchend, zuhörend, lesend, sehend, hingehend und wenn zuhause, dann feinstofflich fühlend über tausende von Kilometern und hunderte von Fürstentümern.

Kommentare:

  1. Ich finde es beeindruckend, das zu lesen. Es klingt, als seien Sie glücklich mit etwas, das mir zutiefst vertraut vorkommt, und mich (noch?) so unglücklich sein lässt. Ja, die Fratze...
    Danke fürs Teilen!

    Miriam

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  2. Willkommen - teilen ... ich meine es gerne zu tun - aber ich muss es doch immer noch lernen. Wie tief die Fratze in den Poren steckt, ist nicht so leicht erkennbar. Ich bin offen und verschlossen zu gleich. Dem Verschlossenen rücke ich seit weniger Zeit mächtig zu Leibe :-))

    Wenn du selber eine Text hast, dann kann ich schauen, ob der hier ein Plätzchen findet.

    Besten Gruss, Jona

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