25.10.2015

... ich kann nicht leichtfüssig über den Dingen stehen ...

Hallo zusammen

Mich hat seit langer Zeit immer beschäftigt, warum ich nicht "durcharbeiten" kann.



Von welcher Situation rede ich?

Es sind mehrere Arbeiten zu verrichten, die jemand anderes einfach erledigt. Ich nicht:
- mehrer mittelgrosse Aufgaben an einem Vormittag
- oder z.B. 15 Adressen aufnehmen (Aufwand normalerweise 1 h)
- oder gemischt: ein Gesprächsrapport, dann ein Kalendereintrag, dann eine Mailantwort, dann ein Telefonat, und vielleicht noch meine Aktentasche von der letzten Reise aufräumen, dh. die Papiere und Belege sortieren und ablegen

Es hat sehr lange gedauert, weil ich z.B. oft prokrastiniere, mich also ablenke oder aufschiebe, z.B. in XING lese oder sonst wie ausweiche. Ganz früher ging ich dauernd zum Eisschrank um was zu essen - das kann ich heute sein lassen. Eigentlich weiche ich aus.

Nun entdeckte ich für mich folgendes: Ich muss vermuten, für die einzelne Aufgabe mich emotional zu sehr zu engagieren. Das simple Aufnehmen von einer Adressangabe erzeugt mit meiner HS eine innerlich hohe Verknüpfung mit dem Menschen, dessen Name und Ort mich gerade beschäftigen. Vielleicht hatte ich zuvor eine Begegnung, what ever ... selbst bei neuen Coaching-Kandidaten, die ich noch nicht kenne - deren Anfragen, Mails, das Vorgespräch ... ich habe meist genug "Stoff", wegen 1 Adresse in eine gefühlte Welt und Energie einzutauchen.

Und das erschöpft mich, frisst mich in eine Sache rein, macht es mir harzig. Dieses Eintauchen.

Denn wenn ich schon mal eingetaucht bin, können mich unzählige Gefühlsregungen ermüden, wenn es nicht rund läuft, es mich anspannt, ich noch nicht ready bin, es ungewiss wird - etc.. Oder die eigentliche Erledigung ist mit Euphorie, Glücksgefühlen, Freude oder Spannung verbunden. However ... es braucht Kraft, Energie und macht mich sowas von"eingetaucht".

Damit ich nun fliessend weiterarbeiten würde, müsste ich auftauchen und ZACK weiterarbeiten. Geht aber bei mir nicht sehr gut. Echt nicht. Dann fliehe ich in die Prokrastination und die nächste Erledigung bleibt vorerst liegen.

Wie gehe ich damit um? Neuerdings händle ich das so:

a) Ich reisse mich etwas zusammen und mache eine Arbeit fertig.
b) dann mache ich Pause, gehe in die Ruhe, lege mich für Minuten hin, mache die Augen zu
c) dann gehe ich relativ schnell wieder hoch und konzentriere mich, gleich mit der nächsten Aufgabe anzufangen (nicht erst abweichen). Erst wenn ich drin bin, erlaube ich mir, auch noch Musik anzustellen und mir etwas zu Trinken zu holen. Aber erst rein in den neuen Aufgabenmodus, eintauchen, damit es mich dort behält.

Selbst wenn ich die Spülmaschine ausräume oder mich fürs Gassigehen mit dem Hund bereit mache - bitte nicht reinquatschen, mich nichts fragen, nicht noch schnell dies oder das ...

Ich wollte nur auf diese Beobachtung hinweisen: Meine HS zieht mich in Dinge tiefer rein, als vermutlich andere Menschen. Ich konnotiere, bilde Synapsen, verfestige Ort und Moment und kann daher nicht leichtfüssig über den Dingen stehen. 


Beste Grüsse

Jona Jakob ¦ Individuation
Zürich Bern Frankfurt

Kommentare:

hochsensibel1753 hat gesagt…

Hallo Jona,

was eine Erleichterung, dass es nicht nur mir so geht!!!

Ich vermute schon seit langem, warum ich ab und an Züge von Prokrastination bei mir feststelle. Ich bin normalerweise ein sehr ordentlicher und zuverlässiger Mensch. Aber manchmal geht es einfach nicht - manchmal kann ich eine Aufgabe auch gar nicht beginnen.

Mir hilft es zu wissen, dass ich mich jetzt die nächsten 2 Stunden nur mit einem Thema oder einer Aufgabe befasse. Zuviele unterschiedliche Aufgaben auf einmal oder durcheinander machen mich total wuselig!
Und war mir auch hilft ist, mir erstmal 15 Minuten für eine Arbeit zuzustehen... Dann ist es allerdings meistens so, dass ich in den 15 Minuten schon so sehr eingetaucht bin (wie du auch so schön schreibst), dass ich einfach weitermache. Ich habe mich dann selbst ausgetrickst.

Meine Theorie ist auch noch, dass Hochsensible eine Art Tempoträgheit aufweisen. Es gibt zum Beispiel Laufbänder - die von früher - die nicht elektrisch angetrieben werden, sondern diejenigen, wo man das Band mit Eigenkraft erstmal auf ein gewisses Tempo bringen muss. Will man damit aufhören klappt das sofortige stoppen des Laufbandes allerdings nicht. Man muss gefühlt das Tempo für sich beibehalten, ein sofortiger Stopp fühlt sich nicht gesund an und der Kopf würde weiterarbeiten, obwohl man eigentlich ruhig auf der Couch liegt (z.B. nach einem anstrengenden Arbeitstag). Ich kann z.B. nach einem Kinobesuch nicht gleich irgendwo was essen gehen oder sofort zum nächsten Event - erst kurz spazierengehen, den Kinofilm nachwirken lassen und dann ins Restaurant.

Aber so ist es - Hochsensible verknüpfen instantan die Informationen, mit denen sie tagtäglich in Berührung kommen (so beim Aufräumen auch), mit den Informationen, die sie bereits in sich tragen und generieren daraus neue Informationen bzw. Ideen oder Gedanken.

So - soviel dazu erstmal. Lieben Dank für diese Gedankenanstöße am Morgen.

Liebe Grüße und alles Gute,
Julia

hochsensibel1753 hat gesagt…

Lieber Jona,

bezüglich dieses Artikels fiel mir noch etwas Fokus Pokus ein...

https://hochsensibel1753.wordpress.com/2015/01/20/fokus-pokus/

Das passt ganz gut dazu ;-)

Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende,
Julia