23.07.2012

Meine Thesen für Hochbegabung

Sehr geehrte Leserinnen und Leser 

Eine Unzahl von Reflexionen und Gesprächen lässt mich meinen Blick auf ein Verstehen von Hochbegabung ändern - in der Folge notiere "Thesen", die noch zu prüfen sind. Ich gehe aber davon aus, dass diese Thesen, dieser Paradigmawechsel, mich in meiner Arbeit zukünftig bestimmen werden. 

Thesen zur Hochbegabung, von Jona Jakob 

  1. Hochbegabung ist Freiheit!
  2. Für Hochbegabung als Freiheit braucht es weniger Lösungen, sondern Entwicklung.
  3. Hochbegabung ist als Begriff nicht die Speerspitze der Thematik, sondern Freiheit ist der Begriff der Speerspitze. Hochbegabung ist eine Art Zugang zu dieser Freiheit.
  4. Umgang mit Freiheit bedarf eher der Persönlichkeitsentwicklung, denn der akuten Symptombehandlung der Betroffenheit.
  5. Ungemach, der einem durch Hochbegabung entsteht, ist nicht länger mein Blick auf das Thema. Ich kann Ungemach, der einem aus einer Hochbegabung entsteht, nicht aus der Welt reden - aber ich kann mein Verstehen, diesen zu klären, darin ändern, anstelle des Problems eine Chance zu sehen.
  6. Ungemachbehandlung ist Symptombehandlung.
  7. Freiheit ist ein Verstehen. Alle Miesemacherei, welche jeder Freiheit historisch seit eh widerfuhr, beweist , dass ihr unabhängige Qualität inne ist, die niemand zu bändigen vermag, auch wenn das unendlich versucht wurde und zu Millionen von Toten geführt hat - auch eh gerne erst einmal von Intellektuellen.
  8. Hochbegabung ist eine Freiheit - und ihre Form des Bestehens ist handhabbar, als dass diese Freiheit verstanden und angenommen wird. Sie wird nicht handhabbar, wenn der Oh'jeh-Blick auf sie darauf hinaus läuft, sich in der Sache zu krümmen, sich klein zu machen oder sonst wie in eine Norm pressen zu lassen.
  9. Die Hochbegabung als Freiheit ist eine Verantwortung.
  10. Die Limite dieser Freiheit ist Menschwerdung (Individuation).


Jona Jakob, 2012, Schweiz

06.06.2012

Coaching?

Möchten Sie sich verändern?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser - Mein herzliches Grüezi. 
Persönlicher Erfolg ist nicht so leicht zu bestimmen. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Wahrnehmung, was für  ihn Erfolg darstellt und diese Vorstellung verändert sich dazu mit den Jahren. Vermutlich ringt Ihnen die oben stehende Grafik ein Lachen ab. Sie ist so schön grotesk überzeichnet und dennoch fühlt es sich nach viel Wahrem an. Ob nun viele Wege nach Rom führen oder Gottes Wege unergründlich sind … Erfolg und das eigene Fortschreiten in einem sich wandelnden Leben ist und bleibt eine Art ‚Undurchsichtigkeit‘.

Für den Akt der Bewusstwerdung eine professionelle Fremdsicht und einen „Explorer“ (Coach) hinzu zu nehmen, kann nicht nur den Zugang zu Wegen, Chancen und Zielen erleichtern, in vielen Fällen werden auch unrentable und energieverzehrende Umwege aufgedeckt und verhindert.

Die obenstehende Darstellung zeigt sich in Coachingprozessen für einen jungen Menschen, z.B. einen Doktoranden, von selber komplexer „Verstrickung“ wie z.B. mit dem Doktorvater (Professor) umzugehen ist, wie für einen erfahrenen Erwachsenen, der mitten im Leben auf seine Jahre zurückblickt und z.B. „ganz neu anfangen“ möchte. Eine Standortanalyse oder ein zieldefiniertes Coaching haben den Nutzen, durch die Mitwirkung des Coaches die eigene Situationen zu analysieren, zu erkennen und nicht zuletzt zu klären.


The little next step - Der nächste Schritt

Oben, die Skizze zum Erfolg, das ist der Blick aufs „Aussen“. Die folgende Skizze geht einen Schritt weiter. Die Skizze unten, die ebenso ein Augenzwinkern darstellt, „zwickt“ meines Erachtens die eigene Wahrnehmung ein Stück stärker – sie verweist auf einen Umstand im „Innen“ .

Coaching setzt voraus, dass sich die Auftraggeberin bzw. der Auftraggeber verändern will. Das soll dann kein Lippenbekenntnis bleiben. Im Sinn von ‚Coaching‘ kann man sich in drei Bereichen verändern:
aufgabenbezogen (z.B. eine neue Stelle oder Herausforderung, Weiterbildung,
  Karriereschritt, etc. erreichen)
personenbezogen (z.B. neue Lust und Laune gewinnen, neue Gefühle und
  Lebenseindrücke finden, Motivation und Reason-why klären, Leben mögen, etc.)
prozessbezogen (z.B. endlich sparen, abnehmen wollen, besser telefonieren, erfolgreicher
  protokollieren, mehr verkaufen, weiser verhandeln, besser zuhören, etc.)
Entsprechend ist ein Coaching auf diese drei Felder „zentriert“, der Fokus liegt beim Ziel des jeweiligen Veränderungswillens. Damit wird bewusst, dass ein Coaching zum Ziel hat, sich selbst aus der alten Situation (IST) heraus zu arbeiten und durch Brüche, Richtungsänderungen, Bewusstwerdung und neue Gefühle die Bereitschaft aufzubauen, dem alten „Adé“  und dem neuen (SOLL) „Hallo“ zu sagen.
Das ist nicht immer schmerzfrei und ohne Anstrengungen – klar. Doch aus dem Nähkästchen geplaudert: Nichts ist so glücklich machend fühlbar und aufbauend, wie wenn Kunden vom Zauberhaften des neuen, veränderten Seins erzählen, wie stolz und dankbar zugleich sie sind, nicht mehr in vorheriger Lage verblieben zu sein, sondern nun wie „frisch gekämmt“ zu leben – Leben als einfühlbare Erfüllung - ein Glück und eine Zufriedenheit von viel Wert und in vielen Fällen von persönlichen und finanziellen Erfolgen begleitet.
Das ist meine Arbeit – ich begleite Menschen durch deren Veränderungsprozesse; In den letzten vier Jahren wurden es über 170 Mandate – Ich danke für das grosse Vertrauen.
Ob Sie selber ein Thema, eine Situation oder Ihre Ziele besprechen möchten, sei es die „comfort zone“ oder sogar, was „magic“ wäre? - das frage ich Sie!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Herzlich grüsst
Jona Jakob

Zürich und Deutschschweiz: 
Meine Coachingpraxis liegt in Schlieren direkt an der Grenze zu Zürich und sie ist leicht erreichbar. Hier ist mein Arbeitsort, mein Netzwerk, meine Herkunft.
Frankfurt:
Interessentinnen und Interessenten für Frankfurt - bitte nehmen Sie mit mir Kontakt auf.
Deutschland:
Interessentinnen und Interessenten aus Deutschland, für Sie besteht eine gute Möglichkeit, per Skype in Kontakt zu treten. Nehmen Sie mit mir vorab Kontakt auf. Besten Danke. 
Alle Informationen zu meinen drei Angebote finden Sie unter 

25.05.2012

Wenn ich weit draussen nicht verstanden werde ...

Im Internet schrieb eine Frau folgenden Text zu ihren Gedanken und Empfindungen:
Hinweis: Ich danke der Autorin für die Freigabe des Textes. Was von ihr hier eingefügt wurde, ist kursiv abgebildet und anonymisiert. Es gibt ganz geringe Verkürzungen.

Auf dem Gipfel kann es einsam sein und es weht ein kalter Wind ...
Gelegentlich tritt mir das Bild dieses Thread-Titels in den Sinn. Natürlich muss es nicht immer ein kalter Wind sein. Er kann auch mal warm sein und ich fühle mich geborgen und alles ist ok. Und ... auf dem Gipfel zu stehen kann auch sehr schön sein...die Aussicht kann herrlich sein, der Rundumblick..und, dass alleine dort oben stehen, kann auch sehr schön sein, man hat seine absolute Ruhe und kann ganz für sich alleine ohne Unterbrechungen nutzen und genießen. 
Aber dann kommen die anderen Momente...wenn Antworten ausbleiben, oder Mitdenken, oder Austauschsmöglichkeit "auf Augenhöhe" - na, einfach aber auch, wenn das Verständnis für mein eigenes Anliegen ausbleibt oder ich keine Rückendeckung oder Unterstützung erhalten kann. 


Den eigenen Weg, nach den eigenen Wünschen aber auch Fähigkeiten ausrichten...Wenn keiner folgen kann oder möchte...dann kann es auf dem Gipfel schon etwas ungemütlicher werden. 

Was dann...weitergehen ... oder ...umkehren???? Nein, umkehren sicher nicht, obwohl es oft als eine Möglichkeit erscheint, die aber nichts verbessern würde.., also weitermachen ja...aber - vielleicht unter angenehmeren Bedingungen? 

Ja, ich werde mich dann mal auf dem Weg machen....Einige Ideen habe ich schon......Würde die praktische Umsetzung doch genau so rasch erfolgen, wie die erlangten intellektuellen Einsichten...:/ 

Wie geht es euch? Fühlt ihr euch wohl, auf eurem Gipfel? 

Liebe Grüße


Zu diesem Text verfasste ich einen Beitrag, der diese Empfindung, die sich bei HB-Geprägten oft zeigt, aufgreift und diese jedoch in eine weitere Betrachtungsweise stellen möchte - hier meine Antwort dazu:

Gegenüber einer Mitte
Eine an korrekter Stelle gehaltene Antwort wäre, auf XYs Beitrag einzugehen und zu versuchen, genau an ihre Stelle zu gelangen (Hi, XY, danke für deinen Beitrag). Um eine zweite Perspektive darlegen zu können, schreibe ich von dieser, so dass zwei Sichtweisen daliegen werden. Ich fange mal an:

Diese allenfalls kalte Einsamkeit der Unverstandenheit oder Gefolgschaftlosigkeit ist zum Thema HB ein bekanntes Phaenomen. Aus der Zahl meiner Fälle bei der Arbeit und meiner persönlichen Erfahrung ist das für mich, Jona, aber keine "Spitze", sondern "irgend eine Ecke der Unverstandenheit" (schreib ich jetzt mal so um zu pointieren).

Diese Ecke des 'Nochnichterreichtseins' liegt nicht immer 'an der Spitze'. Die kann genau so gut in den Abgründen der Satire, der Melancholie, der Traurigkeit, der Leere sein. Sie kann auch links oder rechts aussen liegen, bei fremden Ideen, kühner Fantasie, unerreichter Technologie (beam me up). Sie kann weit vorne liegen (klüger als der Doktorvater) oder am roten Licht hinten, beim letzten Zugwagen, weil man tiefstapelnd nicht willens ist, noch zu denken bzw. mitzumachen, so lange niemand verstehen mag. Und dann gibt es noch die einsame Spitze, ganz oben, zu gescheit, zu intellektuell, zu schnell, zu ganzheitlich. Kurz: diese Einsamkeit kann an ganz verschiedenen Stellen gegenüber EINER MITTE liegen, wie bei einer Pusteblume.



In einer Begleitung / Zusammenarbeit wäre es für die Person (bei uns / in diesem Thread hat XY diese Rolle) nun nur 'wirksam, wenn ich an die Blüte raus gehe, dort wo XY als "Fallschirmchen" (so haben wir die als Kinder genannt) offen ist und blüht und sie bei ihrem Flug begleiten. Ich wäre vom Thema her 'XY-zentriert' und würde auf Ihre Worte und Regungen eingehen .... -

... umso mit ihr Brücken zur Mitte (dort hin, von wo sie verstanden werden möchte) zu schaffen.

Ich will jedoch XY aussen vor lassen und auf den Umstand DIESER MITTE eingehen. Die Einsamkeit auf dem Gipfel oder sonst in irgend einer meiner Ecken entsteht aus dem Antipoden, der Mitte, dem Punkt/Ort/Zentrum, wo das Gross der denkenden, fühlenden und wahrnehmenden Mitmenschen verweilt und vor sich hin lebt. Für eine Einsamkeit braucht es ein Miteinander.

Vielmehr, als nun zu hoffen / glauben / denken, die Mitte würde irgendwann zu meiner Blüte hinaus (meine Ecke hin) aufschliessen, muss ich - da ich nur bei mir etwas verändern kann - zusehen, wie ich zu dieser Mitte gelange und dort gesund, stabil und konstant verweilen kann, so dass sich etwas erbaut (z.B. eine längere Anstellung, eine dauernde Beziehung, Ruhe und Freude im Familienumfeld, Erfolg bei Aufgaben und Ämtern, etc).

Zuletzt: Nun darf meine Bedürftigkeit, meine HB auszuleben (denken, lösen, wollen, etc, etc.) nicht das zu entstehende SOLIDE / KONSTANTE zerstören und immer wieder auflösen. 

Daher habe ich ein/e KünstlerIn in Sachen Selbst- und Fremdbedürfnisse zu werden. 
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Da in 'den soliden Pakten mit der Mitte' das Geldverdienen, die Existenzsicherung und mein berufliches und gesellschaftliches (siehe da, 'Gesell'schaft'liches) Fortkommen verankert ist, lohnt es sich in den meisten Fällen, zuerst (ist freigestellt) diesen Teilen "der Mitte" ihre Bedürfnisse zu stillen (Ordnung, Pünktlichkeit, Einfachheit, Zurückhaltung, Anpassung, etc) und am selben Tag noch als eine zweite Bedürfnisorientierung, für mich selber und die eigene Art zu sorgen (Theater, Philosophie, Kunstprojekte, Weiterbildung, etc).

Was ich sagen will: Ich kann zwar an der Aussenposition der Blüte mein Alleinsein ansehen und es gerne zum Thema machen, denn dort ist mE ein heikler und oft mühsamer Punkt, doch fürs Bestehen und auch für ein Stück Frieden ist mE bei allem die Mitte nicht ausser Acht zu lassen. Und es gilt - ganz wichtig - nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch".

Von mir persönlich: Ich vollziehe und manage für mich diese Zwei-Sicht-Orientierung in sehr erheblichem Mass. Ich gebe mir grösste Mühe, die Mitte von mir zu entlasten, in dem ich ihr entgegenkomme und ihr ihre Möglichkeiten nicht strapaziere - und gleichzu sehe und sorge ich bestens für mich (was nicht einfach ist, ok, aber es ist möglich). Das hat mich in den letzten Jahren enorm wachsen lassen, ganz besonders, was meine beiden Miteinander betrifft: die Mitte ist entspannter geworden, sie nehmen mich viel vertrauensvoller und geduldiger an, da ich mich dort reduziere und zurücknehme. Und auch die Aussenecken, egal in welche Richtung, können mit mir mehr und mehr, da wir dort gleichschwingen ...

... und uns anders verstehen, als mit den anderen.

Das ist weder grösser, besser, weiter oder schneller - es ist nur 'anders' ... und wenn eben alle anderen ok sind - dann habe ich entschieden, bin ich es auch.

Wir HBler sollten mE aus der Falle der Bedürfnisse heraus gelangen, hin zu hochgradigen MangerInnen von Bedürfnisbefriedigungen, für jene der anderen und für jene von uns selbst.

Das ist mein Betrachtungsansatz.

Lieben Dank
Jona Jakob

14.05.2012

Wenn mein Körper nicht da sein kann, wo mein Kopf meint, noch hin zu müssen


Hallo zusammen

Ich möchte von einer persönlichen Beobachtung schreiben, die ich mal mehr, mal weniger erfahre, beachten kann/muss oder weniger kann und eben dann auch "daneben" gerate.

Ausgangslage:

Ich muss vielleicht mit meinem Anteil Hochbegabung (HB) anfangen. Meine HB ist nicht sooo hoch, die liegt durchschnittlich bei 127. Dabei sind feinstoffliche Fähigkeiten, sowas wie 'Sehen/Fühlen/Wahrnehmen/Reflektieren/Fragen' höher angelegt, als Mathematisches/Logisches, und auch im Wahrnehmen 'ganzer/ganzheitlicher/prospektiver' Situationen habe ich grosse Stärken.

Diese Fähigkeiten geniesse ich und arbeite gerne damit, diese Fähigkeiten "drehen aber sozusagen im Leeren", wenn sie nicht "gefüttert/bedient/erfüllt" werden. Ist nix los, kann ich unbefriedigt aus der Spur geraten, weil mein Geist Wahrnehmbares bedarf und der dann keine Ruhe lässt, bis er wo was kriegt, das ihm seine Kopf- und Fühlarbeit befriedigt/erfüllt. Ich "suhle" mich gerne in der Satire, in der Melancholie, in Themen zur Macht, in Spitzfindigkeiten der Literatur, in Aphorismen, Texten, Subtextlichem (Zwischen den Zeilen Gemeintes), in der Kunst, der Provokation, dem Offenlassenden und der philosophischen Reflexion. Last but not least liebe ich daher alles Menschliche und Zwischenmenschliche.

Ist dieser Teil befriedigt, arbeite und leiste ich gut. Auch alle anderen Arbeiten, wie Administration, Ablage, Belege, Berichte, etc. etc. - alles, was banal aber notwendig ist, wird dann auch mit gutem Schwung angepackt und erledigt.



Problem:

Dem gegenüber, nun komme ich zum Anteil der Hochsensibilität, steht meine Physis, mein Körper, dessen Kopf wach oder lahm sein kann, dessen Körper sprungfit oder schwach wirkt, die Beine hüpfen oder bleischwer sind, dessen Geist wach oder schläfrig mein Handeln fördert oder bremst.

Sehr oft ist mein Körper nicht dort, wo mein Wachsein noch hin möchte.

Dann tut sich mir - so beschreibe ich das mal - eine Schere auf. Die HB-Anteile zerren mich suchend und wühlend nach Befriedigung des Geistes. Der Körper aber, nicht zuletzt von diesem HB-Gezerre, ermüdet, flüchtet, sackt in etwas Lethargie, Kraftlosigkeit und vernachlässigtem Tatendrang.

Das Resultat bei zu weit offener Schere dieser widersprüchlichen Dynamiken kann sein:
- Vernachlässigung der Pflichtarbeiten, selbst wichtige Dinge, lasse ich liegen
- Vor mich hinschieben von Pendenzen, Antworten, Transaktionen
- Prokrastination http://www.youtube.com/watch?v=UXziurFkQxM

In einer späteren, länger andauernden Unbefriedigung meiner HB folgen:
- Schlaflosigkeit
- Endloskonsum von TV, Internet, Presse (gottlob nix Schlimmeres, auch nicht Essen)
- Übellaunigkeit
- Körperliche Distanzierung gegenüber meiner Liebsten

Mein physischer Körper geht also irgendwie in einen Notzustand, der davor flüchtet, wichtige Grundlagen der Alltagsarbeit zu erfüllen, besonders im Arbeitsbereich. Ich habe keine Probleme, mich gepflegt, gesund und geordnet zu halten. Ich wirke nach Aussen ganz ok. Aber Arbeit, Papierkram, Kontakte bleiben liegen.

Lösungsschritte:

Ich musste lernen, die beiden Sphären meiner "Körperschaft"
1. zu beobachten und zu analysieren (welche Anzeichen bedeuten was?)
2. so zu handhaben, dass sie "ideal(er)" gemanaged werden
3. in ihren interaktiven Wirkungen in wechselnde Prioritäten zu kriegen

Ich bin glücklicherweise ein Frei'Schaffender - ich kann viele Momente freier bestimmen, als wenn ich Angestellter wäre.

Was wurden meine Rezepte, um mein Gleichgewicht möglichst ideal zu halten?:

- So, wie es bei der Ernährungskunde heisst, "5 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt", mache ich viel mehr Pausen, in denen ich richtig schlafe. Ich kann 15Min-schlafen, 1 h schlafen, 3 h schlafen. Ich wache auf und bin fit. Da ist dann ein richtig gutes Gefühl da und ich habe volle Präsenz.

- Ich esse viel weniger als früher, was mich entlastet, ob essend, verdauend und auch ausscheidend. Ich trinke viel mehr. Das ganze Thema hat in meinem Aufgabenkorb um 50% an Anteil verloren.

- Ich kleide mich einfacher, um den Aufwand in allem zu reduzieren.

- Sehr gut tun mir die Gänge mit Phibi, unserem kleinen Hund. Gehen taktet das Gehirn. Zudem nehmen auf der Gasse die Dinge eine entferntere Distanz ein, ob mit dem Auge betrachtet, mit dem Ohren gehört, mit der Haut empfunden und last but not least mit dem Kopf reflektiert.

- Ich spiele mehr, ob mit dem Hund, einem Ball oder sonst einer solchen Ablenkung, damit ich mein Wesen mit Zweckfreiheit tanke.

- Ich schaue, dass ich immer fitter werde, in allem und jedem (aber nicht verbissen, mehr im Sinn von "Slow"). Das heisst, ich sorge gut für mich, wellness ist da auch drin.

- Ich suche nach alle möglichen Formen geistiger Nahrung (mE keine leichte Aufgabe)

Resultate:

Denn bei mir zeigt sich: Wenn ich meinen physischen Körper gut pflege, habe ich mehr Energiekapazität für BEIDES: die Nährung der HB-Anteile sowie die Pflege meiner Alltagstätigkeiten. Ich bin besser "bereit" oder eben, ich kann "dort sein", wo mich mein Geist braucht und die Schere schliesst sich zu einer gemitteten Einheit - und die leistet mE Hervorragendes.

Ob also hohe Sensibilität oder Begabung - beides kann und wird mich weiterhin aus der Spur bringen, wenn ich nicht ideal und sehr persönlich dafür sorge, dass ich (m)einen Idealzustand erreiche - egal wie komisch das für andere wirken mag. Bin ich in meiner Mitte bzw. bin ich ausgependelt und gut drauf, kriege ich dieses 'Mehr' an Fähigkeit in die Arbeit, in meine Begegnungen, in meine Beiträge und in meine Herzlichkeit. Dann mag ich mich sehr und bin für alles offen. Dann stimme ich und bin mein Ding wert.

So will ich weiter sehen, was ich tun kann.

Und ich bin gespannt, ob das jemandem von euch auch so oder ähnlich geht?

Wie ich meine HB aktuell nähre? Ich lese mir wichtige Bücher nach 10 - 20 Jahren ein zweites Mal, um zu sehen, ob ich sie damals richtig oder anders verstand und was mir deren Inhalte heute noch sagen. Ich brauche für ein Buch 1-3 Tage - der Gewinn an Reflexion ist mE enorm. Ok, ich belästige dann andere mit Themen, welche sie nirgendwo zuordnen können, aber das ist ein anderes Thema ... :-))

Wie geht es euch damit?

Herzlich grüsst

Jona Jakob

17.04.2012

Gastbeitrag für HSP: Ein Wahnsinns-Tag


Ein Wahnsinns-Tag

Der Wecker klingelt mich endgültig aus meinem wohl verdienten, aber viel zu kurzen Osterurlaub. Ein Blick in den Spiegel verrät mir Neuigkeiten: Unterschlaf und Unterlust. Na dann, herzlich Willkommen in Ihrem Bad, bitte betreten Sie jetzt die Dusche. Schnell den Dienstwagen holen, der soll nach dem Reifenwechsel wieder mit. Der Smart ist wie immer Ohren betäubend laut und die Lüftung brüllt mich an. Aber die Sonne scheint und schenkt mir Zuversicht. Es wird ein schöner Tag – wird es ein schöner Tag? Wir werden sehen. 


Vor dem Büro noch schnell in die Bezirkshandlung. Als Beraterin für glückliche Kunststoffhaushaltswarenbesitzerinnen und –besitzer brauche ich noch ein paar Muster. Donnerstag ist meine letzte Party. Zum Glück sind die meisten noch müde, so dass keine allzu lauten Unterhaltungen einen Nachhall zur Fahrt bewirken. Ich bin an der Reihe. Lagerkollegin 1: „Muster? Warte mal.“ Lagerkollegin 2 (von ganz hinten in zarter Lagerstimmenfärbung): „Es gibt keine Muster mehr. Heute ist Neuvorstellung.“ Lagerkollegin 1: „Ja, heute ist Neuvorstellung.“ „Ja, ich weiß, das war aber abgesprochen.“ Lagerkollegin 2 (immer noch von hinten): „Du weißt doch, dass heute Neuvorstellung ist.“ „Ja, ich…“ Lagerkollegin 1: „Dann gibt’s keine Muster mehr“ „Ja, ich weiß, aber …“ Von hinten fliegen Kartons. „MIST!“ – offenbar nicht freiwillig, aber jetzt, denn mindestens einer bekommt einen lautstarken Tritt obendrauf. Lagerkollegin 1: „Brauchst Du sonst noch was?“ „Sonst? Ja, ich brauche 10 Gästegeschenke.“ „Sind aus.“ Die restlichen Kartons fliegen hinterher, die Eisentür macht mit. „Aus?“ „Aus.“ 

Der rüttelige Ohrensmart überwindet alle meine inneren Widerstände und bringt mich an das Ziel meiner Albträume. Natürlich funktioniert der Rechner nicht. Mein Kollege wird hektisch – kein Problem, als die Ruhe in Person kann ich das an Tagen wie diesen gut abfedern. Netzwerkkabel austauschen, auf geht’s. Die Kollegen aus den Nachbarbüros treffen nach und nach ein, verschwinden in der Küche und holen sich erst einmal einen Kaffee. Gefühlt entscheidet sich jeder für den Becher ganz hinten unten. 

Die schwere Eicheneingangstür im Erdgeschoss fällt noch einmal aufdringlich ins Schloss, dann wird es ruhiger auf dem Flur und ich kann mich meiner Arbeit widmen. Voller Abscheu sehen der überaus langweilige Papierstapel und ich uns an. Wir können uns nicht leiden, glücklicherweise beruht das auf Gegenseitigkeit. Ich wende die alte List an: Stapel wegarbeiten, dann habe ich gewonnen. Die Motivation dazu klappt immer phasenweise. Die Tür unten fällt wieder zu. Es ist ruhig. JUHUUUU!! Das ist mein Tinnitus, froh, endlich mal wieder Gehör bei mir zu finden und freut sich schon auf den Wettstreit mit der Rechnerlüftung. Wie die Kinder – ehrlich, sie wollen einfach nicht verstehen, dass beide so lange weitermachen, bis der Stecker gezogen wird – dem Rechner oder mir. Und beides habe ich nicht vor. 

Gibt es eigentlich einen Preis für den Mann, der mit seinem Husten als erstes eine Wand zum Einsturz bringt? „Nein, nein, es geht mir gut, Sie hätten mich mal letzte Woche hören sollen. Da hatte ich richtig Husten.“ Nein, danke, wirklich kein Bedarf. Aber ich bringe noch ein „Sie Armer, wollen Sie einen grünen Tee?“ raus. Ich bin ja mitfühlend. Er lehnt dankend ab. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Die Telefone in den Nachbarbüros wollen nicht still stehen, ebenso wenig wie die Kolleginnen, die ihre Pumps über den Holzfußboden spazieren tragen. Und gern auch mal an meinem Büro vorbei, die Holztreppe hinunter ins Erdgeschoss. Und wieder hoch natürlich. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:00 Uhr – Besprechung bei meinem Kollegen. Plötzlich steht eine Kollegin aus dem Nachbarsbüro hinter mir. „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken.“ „Tun Sie nicht, mach ich immer selbst.“ Fragender Blick. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

12:30 Uhr – mein Kollege muss los. Haut die Tür zu, er ist spät dran. Runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Die Tür geht wieder auf, er rast die Treppe wieder hoch, stockt, murmelt „was vergessen“, reißt die Tür auf, haut sie wieder zu, murmelt „jetzt aber“, springt die Treppe runter, raus, die Tür fällt ins Schloss. Es ist eine Gabe. 

Weiter im Text – Mails lesen. „Hallo! Ich habe gehört, Sie hatten Urlaub! Ich hoffe, es war schön! Bitte melden Sie sich doch mal! Hat aber Zeit!“ Warum brüllt die so? 

13:00 Uhr – Mittagspause. Im Discounter um die Ecke noch ein paar Sachen einkaufen. Versteht sich wohl, dass mit sich selbst redenden Warenverräumern Dosen aus dem Regal fallen. Die beiden niedlichen Wonneproppen hinter mir kreischen vor Vergnügen. Der adrette junge Mann in der Kasse vor mir versorgt sich mit seiner Ration Kräuterschnaps. Gestern Abend würde ich tippen, gabs zum Abendbrot eher Bier und Zigaretten, weniger frische Luft und erst recht keine Seife. 

Wie nett, der sirenisierte Krankenwagen wartet, bis ich aus dem Laden trete und gerade mit einer großen Einatmung versuche, den Typen vor mir aus der Nase zu bekommen. Ist es eine Gabe? Es ist eine Gabe, höre ich mich. 

Ich öffne die Tür und während ich die Treppe hinauf gehe, fällt sie voller Wucht in ihren Rahmen. Das Herz sackt mir in die Knie, aber da komme ich gut ran. Zwei Nachbarskolleginnen kommen mir auf der engen Treppe entgegen, sie amüsieren sich prächtig und haben sich zur Feier des Tages zum Mittag noch einmal ordentlich eingesprüht (wie wird das Essen schmecken?). Hinter mir läuft eine weitere Kollegin. Schwerfällig stapft sie mit ihren hohen Hacken die Holzstufen hoch. Ich flüchte aufs Klo, wo mir der Geruch von parfümiertem Toilettenpapier entgegenwabert. Winterduft – eine eklige Mischung aus Vanille und Kokos. Hoffentlich riecht mein Po nicht so. 

13:30 Uhr – der Salat versucht mich tapfer anzulächeln. Meine Nerven liegen blank, aber ich weiß genau, esse ich jetzt nicht, kriege ich auch noch schlechte Laune. Das braucht kein Mensch. Unten fällt die Tür ins Schloss. 

Nach einer Nerven aufreibenden halben Stunde, in der sich die Nachbarskolleginnen ein Treppenduell geliefert haben, ist jetzt wieder Ruhe. Bis auf Tinni, der kriegt wieder Oberwasser. 

Ich kann mich wieder dem langweiligsten aller Papierstapel zuwenden und bin mir über eines klar: Wäre mein Optimismus nicht – ich würde denken, das ist ein Wahnsinns-Tag. Und er ist noch nicht einmal halb um. 

Aber: Es ist eine Gabe. 


Jasmin G.


-


Meinen herzlichen Dank  an die Autorin: Jasmin G., welche zusagte, den Beitrag hier veröffentlichen zu dürfen. Mir persönlich ist der Beitrag wichtig. Er zeigt mir, wie sehr Emissionen das Leben mit Hochsensibilität belangen. Es mag für dieses feine Wahrnehmen, Sehen und Schreiben eine Gabe sein, es zeigt auch, wie das Selbe anderen Menschen gar nicht erst ins Bewusstsein dringt, und es mag zur Energie verzehrenden Tortour werden, für die und den, der das alles mit- und abbekommt. 


Doch der wirkliche Schmerz, das was weh tut, ist, dass die "Anderen", jene, die das gar nicht merken, es auch nicht sehen und damit nicht verstehen können. Egal, ob es für eine HSP eine grosse Freude, eine Lust, ein Glück oder ein Leid, ein Schmerz, ein Nicht-Sehen und damit ein Unverstehen ist ... die "Anderen" kommen nicht an uns heran, nicht ganz, nicht Ansatzweise - einfach mit nichts. Es fehlen uns Welten, um von denen ganz gesehen und verstanden werden zu können. Und dieses Nicht-Gesehen-Werden ist es, was ohmächtig machen kann. Daher auch die Wichtigkeit dieses Beitrages - weil wer es wie Jasmin erlebt, sieht und fühlt sich gleich verstanden - ein empathisches Wohlgefühl der seltenen Art und mE von grosser Wonne. Danke Jasmin.


Der Kommentar oben ist subjektiv mein persönliches Wahrnehmen. 


Beste Grüsse
Jona Jakob

12.04.2012

Neue Paarbeziehungen und GFK-Ursprünge


Eine persönliche Beobachtung aus meinen Erfahrungen mit GFK - Gewaltfreie Kommunikation:

Guten Morgen

Es sind nun über zwei Jahre, dass ich in Berührung mit GFK kam. In dieser Zeit besuchte ich mehrfach Grund- und Einsteigerseminare. Ich hatte kein Bedürfnis nach neuen Inputs für Fortgeschrittene, sondern wollte dort bleiben, wo der Anfang war.

Die grösste Wirkung, so mein Empfinden, geht von dem Selbst-Einfühlen bzw. Selbst-Erfühlen (schreib ich mal so) meiner eigenen Gefühle und meiner tiefen Bedürfnisse aus.  Wir haben im ersten Schritt eine Situation und dann gleich frage ich: Wie fühlt sich das für mich an? Was ist mein Bedürfnis?

Diese beiden kleinen Fragen öffneten mir in den zwei Jahren Kosmen meines Innersten. Ich weiss heute mehr über mich, als je. Und ich fühle jeden Tag besser, was meine Bedürfnisse sind. So viel zu meiner Situation als Einzelperson.

Seit vielleicht einem Jahr meine ich etwas zu beobachten:

a) Ich vernehme immer wieder das Bedürfnis von Einsteigerinnen und Einsteigern: Wo kann ich nun Leute finden, die 'so' kommunizieren und sich 'so offen' im Kontakt zeigen mögen? Und kann es sein, dass sich damit mein Freundeskreis, meine Kontakte und Beziehungen verändern/ ausgewechselt werden?

Das Bedürfnis würde ich beschreiben: >> Wie kann ich nun in dieser Kontaktform bleiben? Wer lebt das mit mir, so dass es mir/uns nicht verloren geht? <<

b) Die zweite Beobachtung: Aus meinen Kontakten gibt es zur Zeit ca. 8 Paare/Pärchen, welche sich aus dem Wunsch nach Kontakt, Bedürfnisorientierung, Verständnis, Annahme und GF-Kommunikation allenfalls von vormaligen Partnern trennten UND ganz besonders: sich mit einem neuen Partner bzw. Partnerin neu verliebten, weil man mit jenem neuen Menschen in jener Kontaktform leben und teilen kann, so dass einem diese wunderbare Beziehungs'Kunst nicht verloren geht.  Damit erfüllen sich nicht nur die Parameter der vier Schritte - nein, am wichtigsten erfüllt sich mE die Bedingung der 'Gegenseitigkeit per Miteinander'.

Gehe ich zum Bedürfnis nach Kontakten zurück, stellte ich mir eher vor, Leute zu kennen, Gruppen, etc. - doch nun habe ich aktuell 8 Paare um mich herum, verliebte und lebensfreudige Paare, die auf ganz andere Weise von Glück und Erfüllung erzählen …  und ich komme nicht umhin zu vermuten, dass das intime Teilen, ob im Gespräch, im Alltagsleben oder in der Liebe selbst von jener GANZHEITLICHEN WERTSCHÄTZUNG ist, welche seit langer Zeit ersehnt wurde.

Die Form als "Paar" wird (so meine These/Vermutung) vielleicht eher vorgezogen, als offene Kontakte, weil die Erschliessung der Erfahrung mit dem Wohltun der GFK auf diese Weise am ganzheitlichsten und tiefsten erfahren werden kann. Der Partner mit GFK-Gewandtheit könnte das stärkste (Heil-)mittel fürs Erfüllen sein.


Vermutungen in die Zukunft:

Es fällt mir nicht schwer zu vermuten, dass über eine erste Welle der Befried(ig)ung der Bedürfnisse durch eine Partnerschaft sich ein Weg auftut, mit anderen, offenen Kontakten oder sogar mit dem Umfeld der Arbeitswelt auf diese Weise in Kontakt zu treten - allenfalls als eigener "Promoter / Lokomotiven", welche die GFK sorgsam unter die Leute bringen.

Ob es abschliessend krude ist, sollen Sie als Leserin und Leser für sich selber entscheiden, doch an den Enden der Seminarien für GFK sitzen mE "Neulinge" in ihren Gefühlen und SEHNEN sich! Daraus nun zu folgern, GFK-Seminare könnten "Start-Input" zur Erfüllung von Leben und Liebe sein, bis hin zur neuen Partnerschaft, das will ich zwar nicht behaupten, aber als Beobachtung scheint es sich zu zeigen.

Vielleicht mache ja nur ich diese Beobachtung …. :-)

Beste Grüsse
Jona Jakob

05.02.2012

"Betroffenheit" als Resultat - Wenn Macht sich dauernd produziert.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Ich erhielt in einem anderen Zusammenhang die Zitate von Foucault. Sie zielen auf einen bestimmten Blick auf das "Entstehen von Macht und dessen Wirkung" ab.

Wenn ich nicht falsch projeziere, ergeben für mich viele Beiträge zur Hochsensibilität und Hochbegabung eine Aussage wie "zurückgeworfen, abgelehnt und damit betroffen" zu sein - wovon auch immer: Rücksichtslosigkeit, Ablehnung wegen Unverständnis, Zuweisungen, Abwertungen, zu viel Lärm, Gestank, Information, Geschmack, Druck, etc. Eigentlich ein Machtmoment: Jemand macht sich breit und achtet sich nicht. Folge davon: die HB/HS-Person "leidet"  darunter.

Würde meine Beobachtung zutreffen, müsste es möglich sein, die "Machtsituation" gleich erkennen zu können und damit auch, dagegen anzugehen, so dass ich mich schützen und allenfalls auch wehren bis verteidigen kann. Sogar die Prävention ist mir denkbar.

Hier erst einmal Foucaults Zitate:

EIN PAAR ZITATE VON MICHEL FOUCAULT


Man sage nicht, die Seele sei eine Illusion oder ein ideologischer Begriff. Sie existiert, sie hat eine Wirklichkeit, sie wird ständig produziert – um den Körper, am Körper, im Körper – durch Machtausübung an jenen, die man bestraft, und in einem allgemeineren Sinne an jenen, die man überwacht, dressiert und korrigiert, an den Wahnsinnigen, den Kindern, den Schülern, den Kolonisierten, an denen, die man an einen Produktionsapparat bindet und ein Leben lang kontrolliert. [...] 


Diese wirkliche und unkörperliche Seele ist keine Substanz; sie ist das Element, in welchem sich die Wirkungen einer bestimmten Macht und der Gegenstandsbezug eines Wissens miteinander verschränken; [...]. 


Über diese Verzahnung von Machtwirklichkeit und Wissensgegenstand hat man verschiedene Begriffe und Untersuchungsbereiche konstruiert: Psyche, Subjektivität, Persönlichkeit, Bewußtsein, Gewissen usw.; man hat darauf wissenschaftliche Techniken und Diskurse erbaut; man hat darauf die moralischen Ansprüche des Humanismus gegründet. Doch täusche man sich nicht: man hat an die Stelle der Seele, der Illusion der Theologen, nicht einen wirklichen Menschen, einen Gegenstand des Wissens, der philosophischen Reflexion oder technischen Intervention, gesetzt. Der Mensch, von dem man uns spricht und zu dessen Befreiung man einlädt, ist bereits in sich das Resultat einer Unterwerfung, die viel tiefer ist als er. Eine „Seele“ wohnt in ihm und schafft ihm eine Existenz, die selber ein Stück der Herrschaft ist, welche die Macht über den Körper ausübt. Die Seele: Effekt und Instrument einer politischen Anatomie. Die Seele: Gefängnis des Körpers.
Foucault, Michel (1994): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses . Übers. von Walter Seitter. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 41f. OA: Surveiller et punir. Naissance de la prison. Paris 1975


Das Wort Subjekt hat einen zweifachen Sinn: vermittels Kontrolle und Abhängigkeit jemandem unterworfen sein und durch Bewußtsein und Selbsterkenntnis seiner eigenen Identität verhaftet sein. Beide Bedeutungen unterstellen eine Form von Macht, die einen unterwirft und zu jemandes Subjekt macht.
Foucault, Michel (1987): Das Subjekt und die Macht. Übers. von Claus Rath und Ulrich Raulff. In: Dreyfus, Hubert L.; Rabinow, Paul: Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Frankfurt a. M.: Athenäum, S. 246f.


"Die Aufklärung, welche die Freiheiten entdeckt hat, hat auch die Disziplinen erfunden." - Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1994, 1. Auflage, ISBN 978-3-518-38771-9, S. 285R


"Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht." - 
Sexualität und Wahrheit. Der Wille zum Wissen. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1983, 1. Auflage, ISBN 978-3-518-28316-5, S. 94.


"Macht ist ein produktives Prinzip in der Gesellschaft. Sie bringt Wissen hervor, erschafft durch ihre Kontrolle das Individuum und ganze Institutionen und Techniken." - Überwachen und Strafen, 1975
Wenn ich mir also bewusst mache, dass Macht keine statische Bestimmung ist, sondern ein fortwährend neu entstehender und immerwährender, dynamischer Prozess, dann habe ich eine viel grössere Chance, die nächste Situation selber zu bestimmen, zu gestalten und so zu "mach(t)en", dass es sich für mich besser leben lässt - ich bin nicht mehr durch ein statisches Machtverhältnis bestimmt (jedenfall weniger).

Was will uns Foucault sagen? Er sagt: Es gibt gar keinen Raum, in welchem wir ohne Verhältnis wären. Wir stehen dauernd in Verhältnissen, ob im Aussen zu Anderen und Anderem oder im Innen, im Verhältnis zu uns selbst, als Identität und als Selbstverwirklichung (Profil).

Wenn wir IMMER im Verhältnis stehen, besteht IMMER ein Kräftezehren - man könnte es "Wettbewerb" nennen. In diesem Wirken des Wettbewerbsmomentes zwischen den Verhältnissen, egal von wem zu wem, lebt das Moment der Macht: Wer ist die/der Stärkere? Wer bestimmt den Moment? Wer weist dem anderen das unmittelbare Sein zu?

Wenn ich mir also bewusst mache, dass Macht keine statische Bestimmung ist, sondern ein fortwährend neu entstehender und immerwährender, dynamischer Prozess, dann habe ich eine viel grössere Chance, die nächste Situation selber zu bestimmen, zu gestalten und so zu "mach(t)en", dass es sich für mich besser leben lässt - ich bin nicht mehr durch ein statisches Machtverhältnis bestimmt (jedenfall weniger).

Ich finde das eine immens wichtige Erkenntnis, um sich mit seiner eigenen Situation für sich und im Bezug zu den anderen innerlich zu orientieren und zu verhalten - ich bin mit meiner HB/HS nicht unweigerlich irgendwie "Opfer", nein, ich habe Möglichkeiten der Umgestaltung.

Herzlich grüsst
Jona Jakob

01.02.2012

Verlinkung: Vertrauen als Ressource

Sehr geehrte Leserinnen und Leser

Mit diesem Link geraten Sie zu meinem zweiten Blog. Dort publiziere ich vermehrt Coachingthemen und Gedanken zur Persönlichkeitsentwicklung oder dem Meistern des Lebens selbst.

Diesmal geht es darum, dass Vertrauen keine Abhängigkeit sein muss sondern eine Ressource sein kann:

http://jonajakob.blogspot.com/2012/02/vertrauen-als-eigene-ressource-ein.html

Viel Lesespass und beste Grüsse

Jona Jakob

13.01.2012

Aus einer Dauer des Guten "überfordert" (zu HS)


Liebe Leserinnen, liebe Leser

In den letzten Jahren hat sich meine Situation verändert. War ich noch vor Jahren eine alerte Seele, so konnte ich das durch viel Erkenntnis, Achtsamkeit und Kleinarbeit gut verarbeiten und vieles, worauf ich früher noch reagierte, ist für mich aus der Welt. Ich 'meine', ich bin für mich richtig gut geworden - ich meine, ich hätte meine HS so weit so gut im Griff.

Es mag eine Wiederholung der Wiederholung sein, was ich nun schreibe.

Ich hatte im Dezember arbeitsame Wochen. Ich arbeitete jeweils bis Freitag und dann reiste ich abends nach Frankfurt. An den beiden Festtagewochenenden waren wir, meine Partnerin und ich, zwar easy organisiert und konnte wirklich entspannt durch die Tage und Anlässe, doch es war immer was los. Wunderbare Weihnachten. Zwischen den Jahren dann wieder in Zürich. Rückreise am Freitag. Samstag Silvester - wir waren zu einer Party im Frankfurt Sachsenhausen eingeladen. Alles easy - wie es schien.

Die wirklich lässige Party mit angenehmen Menschen war im Gange, als Elke bemerkt: "Kannst du da sein? - Wie geht es dir? Du wirkst, als wärst du nicht wirklich da."

Ich war überrascht, meinte ich doch, ich würde mich wohl fühlen und ich würde den Abend sehr geniessen. Ich antwortete: "Weiss nicht. Mir scheint alles in Ordnung - bin über dein Bedenken ganz überrascht."

Wir feierten mit den durchaus kommunikativen Gästen - im Rückblick aber muss ich erkennen: Ich riss mich bereits höflich zusammen. Es gab keine Störung oder irgend das Kleinste, was von der Party oder den Leuten ausgegangen wäre .... dennoch war ich - so muss ich es heute erkennen, längst "belastet" - da über Wochen immer etwas war oder anders gesagt: es gab in dieser Zeit keine Tage ohne Menschen und ohne Anlässe, es gab für mich keine Pausen. Meine "Empfangsbereitschaft" war dem Nullpunkt nahe und ich merkte es nicht.

Um 23.30 Uhr machten wir uns alle auf den Weg und verlegten die Gesellschaft von ca. 20 Personen in Richtung Main-Ufer, wo aufs neues Jahr angestossen werden sollte. Zuvor ich zu Elke: "Lass uns danach nicht mehr zurückkommen - ich würde nach der Böllerei gerne nach Hause." (....ich war da schon latent auf einem französischen Abgang).

Um 23.45 sind wir am Mainufer und es kracht von Feuerwerk, wie ich es noch nie erlebt habe. Wir schaffen es gerade, um 00:00 Uhr noch anzustossen und uns zu beglückwünschen, aber da geht das Getöse mit den Feuerwerkskörpern so immens los, dass man wegen des Rauchs zum Teil nur noch unter drei Metern weit sah. Viel Menschen zündeten Zeugs an, obwohl sie mitten unter Menschen standen. Floh ich wohin, wo es noch Platz hatte, war das genau jene Freifläche, auf welche die Leute ihr Feuerwerk hinwarfen - ein Minenfeld erster Güte.

Ich bekam Angst.

Ich spürte, dass ich Elke nicht wirklich mehr beschützen konnte.

Ich verlor jeden Draht zu den Gästen und Gastgebern.

Ich wusste nicht, wie lange ich diesen Rauch einatmen könnte.

Es wurde mir immer gefährlicher und riskanter.

Auf 3 Meter war nichts mehr zu sehen.

Das Risiko, an Händen oder im Gesicht verletzt zu werden, schien mir zu steigen.

Ich spürte sowas wie 'Ohnmacht', nicht zu wissen, wann Elke oder ich im Sinne des Kreilaufes nicht mehr aufrecht bleiben könnten.

-

Ich nahm sie bei der Hand und floh - so schnell und so konsequent wie möglich.

Kein Blick zurück.

Keine Verabschiedung.

Kein Bescheid an die Verbliebenen (blöd und peinlich, für einen Coach, nicht?)

Ich wollte uns nur noch heil da raus bringen und wohin, wo Ruhe war.

Ich dankte Gott, als ein freies Taxi uns auf einen anderen Stern beamte.

Ich war noch den ganzen Sonntag verstört.

... und schämte mich, mich nicht von den Gästen und den Gastgebern verabschiedet, noch sonst einen Bescheid gegeben zu haben ... (später erfuhr ich, dass Elke das längst für mich und uns getan hatte).

Aber eigentlich hatte ich versagt. Mein Auf und Davon war stärker als das soziale Moment.

-

Ja, ich war schlicht überfordert.

Aber von welcher Art war ich überfordert?

Was machte mein 'Abtreten', meinen fluchtartigen Abgang qualitativ und strukturell aus?

Es war nicht die Böllerei in der Situation als solche. Es war die schleichende Überforderung, auch mit schönen und genüsslichen Festtagen ohne Pause von einem Anlass zum anderen gelangt zu sein, dazwischen arbeitend, einkaufen, organisierend. Alles flutsche und lief ohne den kleinsten Konflikt ab ... alles insgesamt hatte mir längst meine "Präsenzenergie" aufgezehrt - als ich an den Silvesterabend ging, war ich bereits eine Hülle.

Das hatte ich nicht rechtzeitig erkannt.

Ich werde meine Lehren  daraus ziehen.

Ich danke meiner Liebsten, dass sie die notwendige Contenance behielt und uns korrekt aus dem Geschehnis brachte. Sie ist ein Engel und eben meine bessere zweite Hälfte. Danke.

Mea culpa.

Jona

P.S. Um ca. 18.30 Uhr lag ich auf dem Sofa, gegen 20.30 wollten wir an die Party. Ich hatte dort den Gedanken und auch das Gefühl: "Auch wenn heute Silvester ist, am liebsten würde ich jetzt zu Hause bleiben und abhängen" - in dem Moment hörte ich nicht auf mich und meine Bedürfnisse - ich folgte der Konvention der "Einladung". Das ist - bei solchen Folgen - immer wieder schwer abzuwägen bzw. einzuschätzen, gerade für Sensible.

25.11.2011

Lenkt das Kopfkarussell vom Empfinden für Selbstvertrauen ab?

Hinweis auf den Beitrag im Blog zu consensus-coaching.ch / Anmerkungen eines Coaches:

http://jonajakob.blogspot.com/2011/11/selbst-wertschatzung-als-marktwert.html

Der Beitrag gehört in die allgemeine Breite von Persönlichkeitsentwicklung. Die von mir gestellten Fragen lasse sich aber spezifisch auch für HB-HS-Erwachsene anwenden. 

Spezifisch möchte ich den Gedanken/Beobachtung ergänzen, dass ich den unten beschriebenen Wahrnehmungsverlust für die eigenen Stärken (bzw. die Zweifelsgefühle, nichts recht zu können) manchmal so meine zu erfassen, dass "ewiges Kopfkarussell" alles und jedes immer wieder in Frage stellt - und so kein Gefühl mehr für Souveränität und Gelassenheit oder Siegessicherheit mehr aufkommt.

20.11.2011

ZEIT-Presseartikel: Zu schlau fürs Büro

Hallo zusammen

Im November 2011 erschien bei ZEIT-online ein Artikel zur Hochbegabung im beruflichen Umfeld. Der Beitrag entstand aus der Hand von Frau Dr. Karin Rasmussen, HB-Coach in Berlin. 

Nach Rückfrage bei ihr darf ich den Beitrag hier verlinken - da ich mir bezüglich der Rechte gegenüber der ZEIT nicht sicher bin, verlinke ich nur und hoffe, davon habe auch ZEIT-online einen Nutzen.

Bei ZEIT-online lassen sich übrigens auch ganz angenehme IQ-Tests kostenlos machen. 

Hier der Link zum Beitrag: 


Herzlich dankt und grüsst

Jona Jakob

24.10.2011

Wie stark es ist, wenn ich fühle, dass ich 'gesehen' werde.


Guten Morgen zusammen

Manchmal gibt es Worte oder Gesten von anderen Menschen, die für das eigene Tun stehen, also ein Feedback oder Kompliment oder einen Kommentar.

Manchmal berührt einem eine solche Bemerkung so sehr, dass man damit gar nicht angeben kann, weil sie einem wie eine persönliche 'Wahrheit' erscheint, wie etwas, das man in sich und für sich selber wie ein glasklares 'Ja' fühlt, als wäre man durch und durch erkannt und gefühlt und verstanden und stünde strahlend in seinen Eigenfarben.

Zeigt man dieses Geschenk dann anderen, zeigt man mehr, wie man sich selber 'ist' und für wen erlebbar sein könnte ... es mag dahinter ein grosses Bedürfnis stecken, gesehen zu werden ... aber das wurde man ja nun - und die Freude, das innere Wachsen ist schier grenzenlos. Ich sitze da und habe Wasser in meinen Augen.

Jemand bei Google+ schrieb zu diesem Bild und Zeilen von mir:



<< Ich glaube nicht, dass ich so gut formulieren könnte. Zum Glück gibt es andere wie Sie, die das können. Da kann man sich dann in Geschichten hineinlesen. Und wenn sie dann die Seele treffen, fällt es gar nicht mehr auf, dass die Formulierung von jemand anderem stammt. Es liest sich wie ein Teil vom Ich und wird Eins mit einem Selbst. Danke. >> 

James Henry Burson, 24.10.2011

Ich bin tief berührt und höchst gerührt - Danke!

Jona Jakob

12.10.2011

Hochbegabung und Militärdienst (Gastbeitrag)

Der folgende Beitrag stammt aus der XING Gruppe 'Hochbegabung erkennen und fördern. Der Beitrag darf mit Erlaubnis des Autors hier vorgestellt werden. Ich danke M.B. für diese Möglichkeit und wünsche den Leserinnen und Lesern einen spannenden Einblick: 


HB, Soldat und die Herausforderung
Von M. B. 


Nachdem ich nun gesehen habe, dass es einige Fragen dazu gibt, möchte ich gerne meine eigenen Erfahrungen beitragen. Mir ist klar, dass gerade im militärischen Umfeld, viele differenzierte Erfahrungen gemacht werden und je nach Persönlichkeit und Einsatz diese unterschiedlich ausfallen können.

Ich war 8 Jahre bei der Bundeswehr, habe dort als Freiwilliger angefangen bin als Hubschrauberpilot positiv getestet worden und habe die Ausbildung nicht wahrgenommen (Berufsoffizier wollte ich nicht werden)

Ich war in 3 Auslandseinsätzen (SFOR, KVM und KFOR, insgesamt über ein Jahr Auslandstage), habe dort Tod, Leid und Hass gesehen.

Bin dann als Oberfeldwebel aus dem Dienst planmäßig ausgeschieden.

Die ersten Jahre waren spannend, weil die Anforderungen keine geistigen, sondern eher körperlicher Natur sind. Das stellt uns HB's vor eine Herausforderung wie jeden anderen Menschen auch.

Der IQ wurde bei der freiwilligen Aufnahme getestet und später bei der Offziersprüfung (in der OPZ) noch einmal. Bei der Offiziersprüfung wurde aufgrund des Ergebnisses dann der Studienwunsch beurteilt. War die Diskrepanz zwischen IQ und Anforderungen für das gewünschte Studium zu hoch, wurde es abgelehnt und man musste sich eine andere Fachrichtung aussuchen.

Bei der Freiwilligen Annahmestelle wurde auch ein IQ-Test durchgeführt, der darüber entschied zu welcher Waffengattung der Bewerber zugeteilt werden kann und es sollte dadurch herausgefunden werden, wer besondere Fähigkeiten für bestimmte Waffensysteme hat bzw. spezielle Aufgaben, wie z.B. Funker.

Bei der Fliegerpsychologischen Erstuntersuchung (Eignungsprüfung für Flieger) wurde als Maßstab immer das Ergebnis der letzten 5000 Bewerber genommen. Bei jeder Untersuchung, die 3,5 Tage dauerte, werden jeweils nur 4 Bewerber getestet. In den unterschiedlichen Kategorien musste der Bewerber kontinuierlich besser als 55% der letzten 5000 Bewerber sein. War der Bewerber in einer Kategorie schlechter, war die Untersuchung für ihn beendet und er konnte auch kein zweites Mal getestet werden.

Als HB in der Armee lernt man sich und seine Umwelt ganz anders kennen, da die HB einen dort nicht behindert, aber auch nicht zwangsläufig voran bringt. Ein Miteinander basiert dort eher auf archaischen Eigenschaften, wie Stärke, Ausdauer, Mut und Gehorsam. Die Lorbeeren, die es zu ernten galt, waren entsprechend - Ehre, Zusammengehörigkeit, Vertrauen.

Als HB'ler ist man durchaus in der Lage sich unterzuordnen und zu erkennen, wann man die Klappe zu halten hat. Auch wenn Befehle (die eigentlich Aufträge sind) beim ersten Blick vielleicht unsinnig erscheinen, so sind sie bei weiterer Betrachtung dann meist im Kontext gesehen sinnvoll.

Dieses Erkennen fiel einem dann oft leichter. In der übergeordneten Struktur zu denken - was von einem Vorgesetzten grundsätzlich gefordert war - fällt mit einer HB einfacher, da komplexe Strukturen Spaß machen.

Als HB'ler in der Armee ist es nicht ratsam sich hinter der üblichen Maske zu verstecken, da gerade dort der Zusammenhalt einer Gemeinschaft "gelebt" und gefordert wird. Dabei wird sehr schnell klar, wer nicht authentisch ist und das grenzt denjenigen aus, da die Gemeinschaft (welche Größe diese dann auch immer hat) immer für die Gemeinschaft entscheidet. Diese Gruppendynamik ist in der Armee sehr ausgeprägt, da das Funktionieren einer Gruppe durchaus über das Leben der Einzelnen entscheiden kann. Heute umso mehr!

Grundsätzlich hat man als HB keine Probleme damit die Strukturen anzuerkennen, da wir erkennen können, dass ein System wie eine Armee nur funktionieren kann wenn eine Hierachie besteht und erkennen diese auch an. Anders verhält es sich natürlich mit den Entscheidungen anderer die sich auf einen auswirken, aber das ist dort wie überall so, nur das ich in der Armee (zumindest in der Bundeswehr) mehr Möglichkeiten habe gegen unmögliche Forderungen vorzugehen (Beschwerde, Soldatengesetz und Vorschriften)

Das ist zwar schon alles eine Weile her, aber ich denke grundsätzlich wird sich da nicht viel geändert haben. Ich freue mich auf Eure Fragen oder Erfahrungen. 



Gastbeitrag im Blog: von M.B.
- - -
Lieben Dank für die Möglichkeit, den Beitrag hier präsentieren zu dürfen.


Jona Jakob

12.08.2011

Raus müssen, um fortzukommen

Hallo. Mich beschäftigt in Bezug auf Beispiele im beruflichen wie privaten Umfeld eine Reflexion. Worum geht es?


Ausgangslage: "Ich erkenne: Ich will etwas verändern"

Man gerät als Mensch in eine Situation/Krise/Klärung/Prozess.
Man erkennt: Ich fühle, ich will bei mir etwas ändern:
- ich will aus alten Mustern und Verhaltensweisen heraus,
- ich will mein Leben nicht mehr unter den Scheffel stellen
- ich will nicht weiter abhängig oder bedürftig verbleiben
- ich will mehr Wertschätzung erfahren
- ich will mich nicht mehr klein machen lassen
- ich will nicht weiter von anderen bezweifelt/abgewertet werden
- ich will zu anderen Tageszeiten mehr Leistung liefern
- ich will abnehmen und damit anders essen oder auch Sport treiben
- ich will Zeit für mich haben

"Ich will etwas ändern, heisst: Meine Position, meinen Takt, meine Rhythmen und Orte ändern. Ich fange bildlich an, an meinen Rädern zu drehen bzw. mein Lebenshaus umzubauen, Räume, Möbel, Anschlüsse.



Nun die Beobachtung:

Ich beobachte Menschen in solchen Situationen oft in folgender Lage / Situation: 
Sie schaffen es nicht/kaum/rückfällig/kraftlos/etc. , weil sie diese Veränderung IM ALTEN SYSTEMISCHEN UMFELD versuchen zu erreichen. Was meine ich mit "altem systemischen Umfeld" (weiter ASU genannt):
- im ASU mit dem Beziehungspartner (privat/geschäftlich)
- im ASU mit der Primärgruppe: Familie/Kinder/Verwandte
- im ASU mit Kollegen, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Verein
- im ASU des Arbeitsplatzes: Kollegen, Untter- bzw. Überstellte
- im ASU mit den eigenen Eltern: Mutter, Vater, Eltern, Erbe, Haus
- im ASU mit Alkoholikern, Abhängigen, Kranken, zu Pflegenden
- tbc
Ich glaube, ich habe die stärksten/heftigsten/bindensten aufgezählt.


Situation: Ich bin nicht ohne die anderen

Es ist mE eine Sache, als Erkenntnis zu fühlen, dass man bereit ist, etwas in seinem Leben zu ändern. Das ist ja schon mal ein ganz starker Moment und eine wunderbare Ausgangslage.
Eine andere Sache ist es mE aber, nur von sich auszugehen und dabei zu vergessen, dass wenn man etwas an seinem Lebenshaus verändern will, man damit an allen "Schnittstellen" (erkläre ich später) die Anschlüsse kappen und neu stecken muss.

Bild: Versucht euch vor dem inneren Auge vorzustellen, ihr wollt in eurem Zuhause den Esstisch weiter nach hinten stellen, damit ihr mit den Sofas näher am Fenster und an der Sonne sitzen könnt. Was alles müsst ihr hierfür
- mit verschieben?
- mit umstellen?
- als Kabel ausziehen und neue Anschlüsse finden und einstecken?
- als Deckenleuchte umhängen?
- als Teppich verschieben?
- als Bilder umhängen?
- etc.



Welche Wirkung haben die Anderen / hat das ASU auf mich?

Ich meine zu beobachten (subjektiv), dass viele Menschen ihr gewünschte Veränderung nicht oder nicht wirklich erreichen, weil sie
a) sich nicht genug konsequent damit befassen, mit der eigenen Veränderung besonders für die 
    Menschen im Umfeld "unangenehm" zu wirken, denn für die war man bisher die ideale 
    "Bank/Trottel/Hund/Opfer/Liebling/Partner/Kind/Kollege/Putzfrau/Sexobjekt/ 
     Prestigepüppchen/Businesskasper/Idiot/Schlampe/MittäterIn/Mitopfer/ Co-Abhängige/r/etc.- 
     man war für die angenehm und/oder nützlich.

b)   Sich nicht konsequent genug damit befassen meint mE:
b1) Ich habe eine Verantwortung und eine Selbstverantwortung
b2) Ich tue mir und denen nichts Gutes, wenn ich das Vertraute belasse
b3) Ich muss auch Strategien und Pläne haben, wie und was ich mit meinem ASU
       (altes systemisches Umfeld) mache: wie vorbereiten, wie einplanen,
       wie ausschliessen, wie aufgeben, wie rausstellen, wie sistieren, etc.  

WIE KANN ICH MICH ABGRENZEN? 

c) Sich konsequent damit befassen meint mE:
- Wer darf nicht mehr in meiner Nähe sein, weil der mir nicht gut tut?
- Wer muss (für eine Weile/Distanz/Raum) aus meinem systemischen Netz raus, 
  damit ich mich verändern kann/vermag?
- Wer macht mich krank? müde? unsicher? schwerfällig? klein? schuldbeladen? zweifelnd?
   minderwertig? ausgenutzt?
- Wer darf nicht mehr einfach so auf mich zugreifen? nutzen?
- Wer missbraucht meine Bedürftigkeit nach Liebe und Geborgenheit?
- Kann es klug sein, dieser Bedürftigkeit zu verfallen, wenn ich etwas ändern will?
- Kann es sein, dass ich mir eine Phase des Alleinseins zumuten muss, um mich zu stärken und mich 
 dann nach meinem Gusto neu einzubetten, in Menschen, in ein neues Umfeld, in neue Bezüge.

Aber auch:

- Wer stärkt mich? bin ich alleine stärker?
- Wer wertschätzt mich und verhandelt mit mir ein Win-Win?
- Wer liebt mich (und schätzt mich nicht nur für seine Zwecke)?
- Wer tut etwas für mich?
- Wer geht mir mir achtsam und nachfragend um?
- Täte mir eine eigene Insel gut? ein eiges Zuhause? eigene Räume?
- Bedeutet 'Schöner Wohnen' tatsächlich, den Partner aufzugeben?
- Wäre es heilend, an Weihnachten Mutter abzusagen?

Wäre es nicht gut, zum Umfeld willentlich auf Distanz zu gehen, damit man Raum und Unberührtheit fürs Eigene und Neue hat? Oder bin ich "Opfer" meiner Bedürftigkeit (negatives Konto) und so miese drauf, dass ich lieber im alten Bannkreis bleibe - UM NICHT MIT MIR ALLEINE SEIN ZU MÜSSEN?




Schluss:

Kann es sein, dass ich zu wund bin, mir wirkliche Ab'Schnitte zuzumuten (Trennung, Kündigung, Scheidung, Auszug, Hausverkauf, Ortswechsel, etc), damit ich aus der alten (Stuben)Ecke heraus käme, mich säubern und entstauben könnte, mich frisch aufstellen und präsentieren, um am neuen Platz, mit neuen Bezügen, neuem Umfeld, neuen Distanzen und Nähen, neuer Kraft und LAST BUT NOT LEAST EINEM NEUEN ERFAHREN VON WERTSCHÄTZUNG VOM UMFELD meine im Bauch fühlbare Veränderung umzusetzen bereit bin?

Herzlich fragt 
Jona Jakob



Nachtrag:

- Ich trenne mich neutral aber konsequent - will mich aber in 1-2 Jahren versöhnen
- Ich will Abstand - um mit neuer Kraft die Versöhnung zu finden
- Ich will eigenen Raum - um dich als Gast neu empfangen zu können
- Ich will mein Schiff - um dich neu beliefern zu können...
- Ich will meine Verträge - damit mir daherkommt, wen ich verantworten mag
- Ich will dich nicht - nicht weil ich dich nicht will...
- ich will dich schon - aber nicht so: Daher: Anschluss rauss, neu verlegen.

Das hat mit mir, mit dem Meinen, mit Wertschätzung und meinen Möglichkeiten zu tun - die müssen stark, gesund, fröhlich, mutig und 'unverarscht' sein. All das ist mir wichtig, richtig wichtig, damit ich dich unabhängig und ohne falschen Kitt lieben und annehmen kann. Meine gesunde Kraft weitet echte Toleranz, vertieft mein Verstehen und kräftigt meine Vorbehaltlosigkeit um annehmen zu können.

Eine Weile Trockendock hat noch keinem Schiff geschadet. Dort oder allein auf weiter See lässt sich was verändern. Im Dock das Schiff, auf See die Route. Wo aber nix passieren wird, da alle anderen an dir dran hängen, dass ist im "lieblichen" Umfeld deines alten Hafens.

Aye aye...

12.07.2011

Per "innerem TyniURL-Programm" vom Komplexen zum Simplen

Hallo zusammen

Ich möchte eine Beobachtung aufzeigen:

Je länger ich (nun im vierten Jahr) mit meiner HB lebe, desto präziser und schneller gelange ich in meiner Arbeit zu einer Form, die ich 'Normalo-gerecht' bennnen würde (oder eben nicht mehr 'HB-like'):

Das ist das Resultat meiner beiden Websites:
- www.consensus-coaching.ch
- www.hochbegabten-coaching.ch


Meine HB beobachtend:
Obwohl die Websites vielleicht 'simpel' wirken, ... DAS war das Ziel: KISS  http://de.wikipedia.org/wiki/KISS-Prinzip

Ich betrachte dieses Erreichen als einen kleinen Sieg über mich selbst, da ich es gerne komplexer und ausgefeilter machen wollte und mir dauernd die Finger verbieten musste :-)

Komplexe Vielfalt ins Simple eines McDo-Menus runterzubrechen und nach vorne zu stellen, was Kern der Sache ist ... das war die Aufgabe.

In der alten Form benötigten die beiden Websites ca. 50 einzelne Sites. Nun sind es noch ca. 2 x 8 Sites



Die Wirkung solcher Strategien betrachtend:
Ich darf bestätigen, je länger ich meine HB kenne, desto bewusster kann ich mich in Normaloweise verhalten (damit ist keine Wertung verbunden).



Was passiert?
Ich will eben einen eMail-Gruss senden und erkläre darüber hinaus:
- bin in Zürich
- kannst mich auf dem Hand erreichen (Nr)
- besser vormittags
- oder sonst per Mail
- bin am Sa zurück

Heute schreibe ich:
- Lieber Gruss
(BASTA)


Das bedeutet:
Ich werde weiterhin kompliziert denken, zu viele Fakten einbringen wollen, mich mit vielen Zusatzinformationen VERSTÄNDLICH machen wollen. Mein Kopf wird dieses Programm weiterhin höchst dicht und komplex fahren - DOCH ich gelange immer mehr zusätzlich in eine Art Programm, wie wenn ich eine überlange Webadresse per Tyni-URL kürze: Ich gebe 45 Zeichen ein und erhalte eine funktionierenden Link mit 14 Zeichen ... oder so... :-))
(Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurz-URL-Dienst )

Somit denke ich zwei Mal:
1. Durchgang: all in, viel zu komplex
2. Durchgang: Komplexität wird höchstmöglich reduziert.


Wirkung:
- falle bei Normalos nicht mehr auf
- verstehe immer besser, was die brauchen (Nähe)
- werde besser
- erfahre von Normalos Zugang und Nachfrage
- Aufträge sind da
- tbc.

Herzlich grüsst

Jona Jakob

04.07.2011

Auch vom Schmerz emanzipiere ich mich.

Dies ist ein Teilbeitrag vom Montag, den 4.7.2011, den ich in der XING-Gruppe 'Bunte Smarties' veröffentlichte:

In der letzten Woche wurde ich an ganz verschiedenen Stellen in höchste Glücksgefühle und in tiefst zerschmetternden Schmerz geworfen. Ich durfte mich freuen und lieben und ich wurde verletzt und litt Schmerzen am Rande des für mich Erträglichen. 
Doch an dieser Stelle gab es eine ganz neue Beobachtung, die mir super gut gefällt :


Ich meine, dass ich Glück und Unglück nicht mehr "verbandelt" empfand, wie früher, 
sondern als zwei getrennte Stränge!!! 

Ich empfand, dass mir mein Lernen, leicht und fröhlich zu sein, eine ganz neue Möglichkeit schenkt, welche mich das eine vom andern trennen lässt, weil ich das nun 'vermag'. 


Als hätte ich 'Reserven', vermochte das Unglück meinem Glück nicht wirklich etwas anhaben und genau da packte ich das Glück vom Glück und der Schmerz ging nicht nur schneller ... nicht einzig schneller ... sondern ganz besonders VERZEIHEND (gleich, auf der Stelle verzeihend) vorbei. 

Es war, als würde ich ein erstes Mal Schmerz in einer emanzipierten Seinsweise so erleben können, als dass ich nicht von ihm mein Leben abhängig machen müsste. 

Und das, wer mich noch verstehen kann, ist ein enormes Gefühl, welches mich ganz neu atmen lässt, als fielen tausend Stricke, Fesseln und Seile von mir. Das Minus. Das Zero. Das Plus. 

Man muss sich auch vom Schmerz emanzipieren können. Fühle ich.


Herzlich grüsst
Jona Jakob

18.06.2011

These: Ich vermute, ich muss HS-bedingte HSler von HB-bedingten HSlern unterscheiden

Guten Morgen zusammen

Ich möchte eine These aufstellen, von der ich meine, sie zu beobachten.

Es kann schwer werden, mich ideal zu formulieren. Ich hoffe, ihr könnt mir dabei allenfalls helfen. Danke.

These: Ich erkenne zwei Typen von "Sensiblen":

a) den durch zu viele Eindrücke belasteten Hochsensiblen,

wie er zB im Gruppentext beschrieben wird. Ihm werden Eindrücke und Wahrnehmungen zuviel. Das kann sich auf alle fünf Sinneswahrnehmungen beziehen (sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen) sowie insgesamt aufs intellektuelle Wahrnehmen und vielleicht sogar auf spirituelle Wahrnehmungen (zB Sehen).

b) Dem "gegenüber" beobachte ich den Hochsensiblen, dessen Sensibilität durch eine darunterliegende Hochbegabung entstanden, geprägt und aktiv ist.

Hier besteht vielmehr ein Radarsystem der kontrollierenden, jagenden, suchenden, hungernden Hochsensibilität, die wegen der HB-Bedürfnisse (Erfüllung, Gesehenheit, Annahme, geistige Befriedigung, Austausch, Anforderung, etc) stets wieder unruhig, drängelnd, heftig und ausstrahlend ist. Hier wühlt täglich ein Wildschweineber die Erde bis zu ihren Wurzeln auf: Highseeking, Aufgaben, viele verschiedene Themen, Schnelligkeit, Abwechslung, etc., etc.

Das wären dann zwei Formen, von denen die HB-bedingte HS eine HS-bedingte HS arg bedrängen und stressen kann.

Während der von Eindrücken überbelastete HS dankbar wäre, es gäbe weniger von allem, weniger Lärm, weniger Stress, weniger Kontamination oder Nähe und Bedrängungen und womöglich weniger Veränderung und Wechsel, etwas, dass der Normalo vermutlich als 'Schonung', 'Schutz', 'Rückzugsbedarf' deuten würde ...

... pusht der einem Jagdtier ähnlich ausgestatteten hochsensitiven HBler per kindlicher Erfahrung im frühen Verantwortung-übernehmen. Er checkt sofort alles und nennt in Sekunden und einem Satz die Missstände (Asterix-Effekt). Er denkt assoziativ und sprunghaft und wird daher nicht verstanden. Er macht sich locker 8 - 12 Argumente und Denkansätze zu einer heiklen Lage und sucht förmlich nach philosphischer Tiefe oder logisch mathematischem Grund der  Dinge, bis hin zur Auflösung.

Ich würde die beiden Typen unterscheiden als:

- HS-HS = Rückzugsverhalten

und

- HB-HS = Annektionsverhalten (vorstossen)

Damit wären für mich erklärbar:

- Rückzug vs. Platzhirsch
- Schonung vs. Schonungslos
- Weniger vs. viel-mehr
- Milde vs. Heftig
- Bewahrend vs. Tilgend
- HS als Last vs. HS als Lust
- HS als Schwäche vs. HS als Stärke
- keine Macht vs. Macht
- keine Entscheide vs. schnelle, klare Entscheide
- keine Siege vs. Siege
- Gefühlte Empfindungen vs. Intellektuell bedingtes Wahrnehmen
- tbc

Das würde mir manchen Konflikt erklären.

Hinweis: Die Beispiele oben sind wild und spontan gewählt und können falsch oder Klischees sein. Es geht mehr um  'Ver-Sinn'Bildlichungen' - danke.

In beiden Formen ist die Prägung wie ein heikles Instrument von seismographischer Ausschlagkraft aber von ganz unterschiedlicher Notwendigkeit. Bei HS eher zum Schutz, bei HB eher zur Stärkung.

Beide zum Überleben.

Ich frage:

Wie geht es euch, wenn ihr dem innerlich nachfühlt?

Besten  Gruss

Jona Jakob

17.06.2011

Fein sein

Beitrag aus der Rubrik 'Gast-Freund-Schaft': aus einem Vorstellungsposting bei XING - mit freundlicher Erlaubnis der Autorin J.R.


Hallo zusammen,

Einige Beiträge habe ich zur Hochsensibilität nun schon gelesen. Bei XING und andernorts. Und ich muss zugeben, so recht mag ich mich nicht mit der Idee eine HSP zu sein, IDENTIFIZIEREN.

Der Test, den ich gemacht habe, mag zwar "bestätigen", dass ich eine HSP bin und die "Kriterien" helfen mir im täglichen Leben nun auch, die Dinge "besser" zu verstehen und anzunehmen, auch rückwirkend - aber ich bin deswegen trotzdem noch, so wie ich bin - oder vielleicht jetzt erst recht ;-).

Aber: HSP hin oder her. Vielmehr geht es mir wohl um so ein "Prinzip" oder eine "Qualität", die sich mir durch das "hochsensibel sein" noch einmal anders offenbart.

Gestern bin ich dann über ein Zitat "gestolpert":

Der einzige Grund, weshalb irgend jemand Dich* jemals ablehnt, ist, weil er/sie* genau so sein möchte, wie Du* bist.
* = gemeint ist nach meiner Wahrnehmung nicht "ich" persönlich oder andere Menschen, sondern das SEIN an und für sich, was durch uns auf dieser Welt in Erscheinung tritt


*PENG* Da wollten sie nochmal gesehen werden, die vielen Erfahrungen von Ablehnung, weil ich ja so anders bin ;-)




Stille




Irgendwie zieht es uns letztlich alle hin zu unserer Essenz. Egal, wie es sich ausdrückt. Und wenn ich ganz in Stille bin kann ich es auch fühlen, diese ganz, ganz feine Essenz des Seins.

Alles im "Außen" erscheint mir dann, oder klingt nach als vielleicht "viel und laut". Lasse ich geschehen, dass das auch Teil meines Seins ist, dann fühle ich es nicht als etwas "Getrenntes" oder "Anderes" von mir. Ich bemerke, ich bin innen wie außen. Gleichermaßen. Zeitgleich. Ich bemerke einfaches reines feines Sein, mit allem was ist.

Fällt die Idee weg "anders zu sein", ist beFREIung einfach nur da. Freiheit von Fragen, wie "Wieso bin ich anders?", "Wie gehe ich damit um?", etc. Antworten tauchen nach und nach von selbst auf.

SEIN tritt in Erscheinung. Als Mond, Sterne, Himmel, Wolken, Sonne, Erde, Wälder, Bäume, Wiesen, Seen, Flüsse, Tiere, ... und Menschen. Es ist, was es ist. Wir sind, was wir sind. Und in diesem Raum der Dualität, in diesem Miteinander, tauchen eben auch Fragen auf, die gestellt, gehört, besprochen und beantwortet werden wollen. SEIN spielt mit sich selbst.

Wenn ich ganz in Stille bin, nehme ich (mich) diese(r) Fragen an, lasse sie los, lausche, spüre hin ... und erkenne, da ist pulsierende, lebendige Antwort. Das fühlt sich schön an, harmonisch, friedlich, rein. Auch wenn es traurig, ärgerlich oder freudig ist. Da tauchen Impulse auf, die mich bewegen und beg-LEITEN. Alles wertfrei. Intuitiv geschieht, was von "innen" heraus geschieht. Gedanken und Gefühle tauchen auf, Handlungen erfolgen.

Nichts ist getrennt von mir. Ich "brauche" also das "Anders sein", um SEIN zu können. Im Sinne von, es bringt mich nicht weiter, dagegen anzugehen. "Anders sein" ist genauso SEIN, wie alle anderen Erscheinungen, die mich ausmachen.

Nicht, weil ich danach suche oder gesucht habe, sondern weil die Erkenntnis da ist, das ich schon immer geWESEN bin.

Fein sein. "Anders sein". Eben das ist AUCH mein WESEN, mein so SEIN.




Stille




Manche Menschen erschrecken vielleicht vor sich selbst und ihrem "Anders sein". Gerade in Begegnungen mit "Anderen". Aber sind wir letztlich nicht alle irgendwie "Anders"? Ist "Anders sein" etwas Besonderes? Aus meiner Sicht nur, wenn wir es dazu machen.

Es ist schön, finde ich, wenn wir uns dieser Sensibilität zuwenden, uns darum kümmern, sie erstrahlen und lebendig sein lassen, sie in unser Leben integrieren, sie zur Entfaltung bringen, solange wir sie nicht auf einen Sockel stellen.


Der einzige Grund, weshalb irgend jemand Dich* jemals ablehnt, ist, weil er/sie* genau so sein möchte, wie Du* bist.
Ablehnung ist nach meiner Wahrnehmung eigentlich nur eine "andere" Form und Ausdrucksweise der Zuwendung zum eigenen so SEIN, wie man selbst ist. Für mein Empfinden gilt das aber nicht nur für die "ablehnende Person", sondern auch für die "erfahrende" Person. Es hilft, genauer hinzusehen, sich liebevoll anzunehmen.

In Nelson Mandela's Antrittsrede wurde es sehr schön gesagt:

Du dienst der Welt nicht, wenn Du Dich kleiner machst, nur damit Andere sich neben Dir nicht unsicher fühlen.
Hierin finde ich das sensible Wesen unserer ALLER Kompetenz, an- und miteinander zu wachsen. HSP haben meiner Wahrnehmung nach "nur" einen feineren Zugang dazu.

Je sicherer ich mir meiner Selbst im "anders sein" bin, desto sicherer geschieht Offenheit, Akzeptanz und Annahme auch durch "Andere".

Dazu muss ich mich nicht mit der Idee eine HSP zu sein identifizieren. Es genügt, sich auch auf die unterschiedlichen Qualitäten von Hochsensibilität einzulassen, um sich seiner SELBST sicherer zu sein.

Bitte nicht mißverstehen: ich bin DANKBAR, den Aspekt der Hochsensibilität entdeckt zu haben. Es ist wie ein weiteres Tor zu erweitertem, BEWUSSTEM Dasein.


Wie immer gespannt, wohin die Reise geht, wünsche ich allerseits


Abendliche Grüße

Jen Richter 



Ich danke Jen Richter für das Geschenk, ihre - für mich erschliessenden - Gedanken der Leserschaft zur Verfügung zu stellen. Lieben Dank, Jen.


Jona Jakob