04.09.2017

Über den Verlust eines sensiblen Begabten - was das genau bedeutet

Sonntag, den 3. September 2017 - ich verfasse aus Trauer folgende Zeilen:

Für mich ist es weder leicht noch selbstverständlich, dass ich einen Freund finde. So einen richtigen Freund. Einen, wo ich abends noch hinlunger und der dann draußen sitzt, ein Bier anbietend. Ich fand, es ist kein halbes Jahr her, in vier Jahren den dritten, hier in Aschaffenburg. 

Der erste starb nach sechs Monaten an einem Hirnschlag. Der zweite verabschiedete sich nach einem halben Jahr Gespräche in eine tiefe Erschöpfungsdepression, ist weiter nicht erholt.

Nun Nummer Drei. Gleich gegenüber in dem beleuchteten Geschäft und Haus. Stephan konnte mich vom ersten Gespräch an ergänzen. Er weckte in mir die alte Lust auf Kunst und Können. Er war massiv hochsensibel und es gab für uns keinen Bedarf, uns uns selber zu erklären. Wir waren einfach beieinander, konnten die Welt in Traurigkeit von Clowns ermessen, verstanden Abgründe des Flachen und lungerten damit schallend lachend rum. Witzereisser, wir beide. Hüftschützen und ungnädig darin, Ansprüche zu definieren, bloß um feixend gemein zu sein.

Er, der Kunstbewanderte und Kenner, Gönner und Aktivist. Er war so einer, der montagsmorgen bei sich auf dem Teppich seines schwer erklärbaren Ladens sass, die weißen Stoffhandschuhe an, mit denen er behutsam eine überdimensionierte Mappe mit Zeichenblätter im Grossformat von Christian Schad erlas. Ihm kam, wenn überhaupt, nichts 'Unreines' ins Haus. Das Hinterletzte noch hatte Anspruch und Qualität. 

Da rief er vor wenig Zeit mich an, bat, ich möchte rüberkommen. Ich hatte keine Ahnung, was er da wollte. Und trete ich bei ihm ein, sitzt er da vor einer gemalten Arbeit und fragt mich, was ich davon halte. - Er, er fragt mich, was ich davon halte. Es gibt schlechtere Komplimente und Zeichen von Vertrauen.

Heute wird mir auf der Strasse mitgeteilt, dass Stephan D. bei einer Radtour vor einer Woche einen Herzinfarkt hatte und er am Dienstag beerdigt würde.

In mir bricht gerade mein Balkon ab. Jener Balkon seinem Laden gegenüber, über dessen Gasse wir so oft ein herzliches Wort wechselten, im Zuruf und nonverbalen Verstehen von Gesten und Gesichtern.

Scheisse.



Bild: Eine Arbeit seiner Frau. Vase aus Glas, faustdick, wie beim Menschen ein Herz, unendlich bunt, unendlich vernarbt . Ich hatte sie im Frühjahr für Elke erstanden. Jetzt liegt mir das Ding mit seinem Gewicht schwer in der Hand, als hielte ich sein Herz.

Meine liebe Seele, Unruh, Zeitwerk, Geist - lieber Freund, vielleicht lässt sich dein Fordern als ein Stückweit erhalten. Die Gasse wird noch lange Dich sein. 

Jona


Es ist eine Sache, 'mein Verlust' - es ist eine andere, was der Welt verloren geht


Es spielt keine Rolle, wie es mir persönlich geht. Was aber eine Rolle spielt ist, wie es dem Kosmos damit geht. Der Welt. Dem Universum. Anderen Mitmenschen. Der Gesellschaft. Unserer Nachhbarschaft, hier am Agatha-Platz, Ecke Karlstrasse. DA spielt es eine substanzielle Rolle:

Mit einem Begabten wie Stephan konnte ich

  • mich ganz und gar verstehen - da war kein Unverständnis, auch kein partielles
  • mich ganz fühlen - es war viel reicher, bei ihm zu spüren, da er so weit zu fühlen vermochte
  • ich hatte ein komplettes Gegenüber
  • ich hatte viel mehr, als ein komplettes Gegenüber - ich hatte einen Früchtebaum
  • Menschen von solchem Wesen nenne ich meine "Zweit-Komponente"

Denn mit solchen Menschen können Begabte und Sensible
  • sich selbst sein - aber vollständig für einmal! Sich selbst sein, ganz und gar. 
  • ihre ganze Kraft zur Entfaltung bringen, schöpfen, wach sein, lebendig
  • man ist erst einmal vollständig, klingt ganz und gar

Und damit - UND NUR SO - kann oder könnte ich wachsen / mich entwickeln. Das mein Verlust. Was aber der Welt und dem Universum verloren geht, ist das Folgende: 
  • unsere gemeinsam genährten Ideen
  • unsere fortgeschrittenen Ansprüche seltener Erfahrungen 
  • unsere Avantgarde / das Entdecken / das Explorieren
  • Element der Kreativität / der Fantasie / der errungenen Träumerei / der Vorstellung
  • Fundamente der Kritik / Wachsein / Vorahnungen / Spüren
  • Ausrichtungen / Bewegungen / Movements / Trends / Speerspitze
  • Neues
  • Früchte / Versuche / Scheitern / es neu Versuchen / Durchbruch / Kunst / Können
  • Neuland / Erruption / Befruchtung / Trächtigkeit / Geburt / Schaffen
  • Undenkbares / Unvorstellbares / Unerkanntes 
  • Ganz viel Gefühl / Mut / Hoffnung / Humor / auch Wahn und Fatalität / Forschheit

Dem Universum, bis runter zur Nachbarschaft und jener neuen Energie, die durch einen Nachmieter in die Gasse zieht, wird es folgen haben, dass Stefan, der Honigtropfen der Kunstszene Aschaffenburg, dieses Stück Lab, sein Schaffen, Wirken und Engagment nicht mehr mit uns fortsetzen und ausbauen kann. Es spielt keine so grosse Rolle, ob es noch eine Ausstellung gegeben hätte - was eine Rolle spielt ist, dass einer der wenigen, die sich nicht pragmatisch der Selbstoptimierung unterwarf, einer der frei die Unabhängigkeit lebte, als Kraft und Orientierungspunkt nicht mehr zur Verfügung steht und daher mit seines GLEICHEN nicht wirklich weiter befruchtet, auf das es Früchte trägt. 

Ich kann mit ihm nicht mehr sparkeln, spinnen, weitertreiben. Und es fehlt damit ein Partner, der im selben Geiste das 'Plus Ultra' mitträgt. befruchtet und stemmt, als wäre es das Normalste auf dieser Welt. Dieses hochgehaltene Selbst-Bewusst-Sein, was andere unzulänglich mit "Künstlerleben" zu fassen versuchen, das fehlt nun und kann kaum ersetzt werden. Und DAS ist der Schaden. Nicht mein Schmerz. 

Bedenkt das mal. Und pflegt eure Zweit-Komponenten, auf dass es sprudelt, spritzt und sparkelt. Es muss schäumen, sich aufbäumen, Raum einnehmen und sich massiv aus sich heraus bewegen.

Alles andere ist Folgen und Erledigen - auch wichtig, aber nicht mehr, wenn es keine gibt, die vorausgehen und ganz vorne alleine segelnd den Menschen explorieren, unser Sein entdeckend.





16.08.2017

Vielleicht das Wichtigste bei HB und HS: Raus aus dem Fordern und rein ins Anbieten

Es sind nächstens 10 Jahre, dass ich mich mit den beiden Themen Hochbegabung und Hochsensibilität beschäftige, lebe ich doch mit beiden Eigenschaften ein tolles Leben.

So habe ich, auch nach bald 300 Klientinnen und Klienten, Verständnis dafür, dass wer HB und HS für sich entdeckt, erst einmal eine Menge aufzuarbeiten hat. Bei mir hat das ca. sechs von zehn Jahren gedauert. Damit meine ich aber nicht nur, von "irgendwie Minus bis Null" aufgearbeitet zu haben, sondern für meine Person bedeutet das ganz besonders, von "irgendwie Minus bis auf sehr viel Plus" aufgearbeitet zu haben. Ich bin also nach der Aufarbeitung des Verstehens darüber hinaus auf die Seite des Erkennens weiter, sonst wäre hier kein Blog und mein Wissen um die beiden Themen entstanden.

Seit ca. zwei Jahren würde ich mich wie folgt nun beschreiben:


Ich bin nicht mehr "mein Thema - fertig Drama."

-

In genau diesen letzten 2-3 Jahren ging zumindest bei den Hochsensibeln die Post ab. Die machen sich lautstark, versammeln sich, halten Kongresse ab und kümmern sich auf unzählige Weisen darum, zu Beklagendes zu mindern und irgendwie etwas Gutes für sich zu tun - um besser leben zu können. Das leuchtet ein, wer würde nicht im ersten Moment oder einer ersten Phase diese Selbstfürsorge erlangen mögen, wenn man zuvor Jahre unverstanden gelitten hat oder zumindest irgendwie belastet war von Dingen, Emissionen und nicht zuletzt Unverständnis oder sogar Ablehnung.

Seit ca. drei Jahren fahre ich für mich persönlich ein Programm, diesen Punkt der Selbstfürsorge auf meine mir mögliche Weise zu verlassen. Das wird nicht ganz erreichbar werden, wozu auch. Selbstfürsorge ist wichtig und richtig und gut - sie ist aber mE nicht das Einzige, was zu tun ist. Da mache ich einen Unterschied. Daher löste ich mich auch von Foren und Gruppen zum Thema Hochsensibilität. Was dort aktuell aufblüht, ist genau das, was ich verlasse, weil mir das selber nichts mehr gibt. Ich weiss, was ich brauche, was nicht, wo ich Sorge für mich tragen muss, wann ich vom Weg abkomme und was ich als Gegenmassnahmen einleiten kann.

Mein Verlassen dieses alten Punktes trägt daher in sich, mich rauen Umständen und Widrigkeiten, die mich belasten, mich auszusetzen, mich zu konfrontieren. Ich trainiere mich in Menschenmengen, Lärm, Shoppingmalls und allenfalls für mich banalem Geschwätz, mit dem man mich vielleicht auch noch überzeugen möchte. Ich übe, es auszuhalten und leicht und galant damit umgehen zu können. Oft ist eine verspätete ICE-Fahrt so eine Gelegenheit, Familienfeste, Läden, etc. Ich reklamiere also keine Schonung mehr für mich ein, sondern sorge unauffällig für mich selber und sonst lerne ich bewusst und willentlich, mit den gerade unangenehmen Umständen leichter und leichter zu leben. Und ich bin schon recht gut darin: vor vier Jahren konnte ich ca. 2 Tage pro Woche richtig arbeiten - heute sind es bei Disziplin mehrere Wochen bei einer Fünf-Tage-Woche. Ich bin voll einsetzbar. Den Rest regelt meine Selbständigkeit.

Ich bin darin selbstkompetent. 

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Doch was fange ich nun mit dieser Selbstkompetenz in Hochsensibilität und Hochbegabung an? Was kann ich damit tun? Was könnten die beiden Eigenschaften meines Wesens "bringen", wie man so sagt oder fragt: 'Was bringt mir/dir/uns das?'

Die Antwort aus meinem "HB-HS-Mund" bringt nur sehr wenig. Sie würde einzig dazu dienen, für Orientierung-suchende 'Anfängerinnen und Anfänger' mit HB - HS zu lesen, '...ahhh, dem geht es so wir mir.' - Damit bleiben wir aber unter uns. Ein Coaching mit Schwerpunkt HB oder HS wird möglich.

Meine Rolle als Coach im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung aller Menschen, also auch Normalos, ist es aber, gerade weil Coaching nach Zielen fragt, herauszuarbeiten und in Worte und Bilder zu fassen, was nun eine Hochsensibilität und auch Hochbegabung "bringen" kann. Also setzen hier vielleicht seltener Postings den Blog fort, aber eine Entwicklung muss erkennbar werden - und es gibt eine.

"Ich will, dass das hier weitergeht" - könnte ich formulieren.

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Die in der Alltagsprache verwendete Rede "Was bringt es?" oder "Was bringt mir das?" ist niemals eine Frage Hochsensibler oder Hochbegabter - es ist eine Frage der Normalos, die instinktiv nach Arterhalt fragen. Und daher ist diese Frage auch im Sinne der Normalo-Erwartungen zu beantworten, ansonsten wohl nur wenig miteinander entsteht.

Möchte ich also einen Arbeitsplatz, eine Wohnung, einen Kredit, einen Handyvertrag oder Verständnis bezüglich eines Antrages an die Krankenkasse, so kann es recht schwierig werden, die eigene Lebensposition, diese eigene Insel der Selbstfürsorge in ein tragbares Verhältnis / Verträge / Aufträge / Honorare zu bringen, mit welchen man gut leben kann.

Eingeschoben: Die gesellschaftliche Tendenz zur neoliberalen Selbstoptimierung fördert diese Frage zum zentralen Orientierungspunkt schier aller Menschen und Systeme und deren millionenfachen täglichen Entscheidungen: "W
as bringt mir das?" - Red. JJ

Was es in dieser Welt auch alles geben mag, z.B. so etwas wie Hoffnungen auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, so bezweifle ich, dass das irgendwen schonen und glücklich machen würde oder wird. Ich vertrete die Meinung, wir haben uns das Leben in Arbeit und Sold zu organisieren, insofern wir in der Lage sind, diese Leistung zu erbringen. Geld verdienen werde ich in meinen Gesprächen niemals aus den Augen verlieren gehen lassen. Miete, Krankenkasse, Telefon, Essen, Kleidung und Bildung, Mobilität und Urlaub bezahlen ist nun mal da. Ich suche also nicht nach einer Nische, in der ich mich aushalten kann - wonach ich bei Hochbegabung und Hochsensibilität weiter intensiv suche, sind Antworten und Wege, ich ich locker und wohlergehend mithalten kann. 

Darin verstehe ich mich selber - tun Sie das für sich auch?
Oder worin verstehen Sie sich?

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Aus dieser Rücklage des sich-Schonens heraus in die Vorlage des Überwindes zu gelangen, mag zwei Etappen oder zwei Phasen darstellen. Doch beide überzeugen mich heute nicht wirklich, etwas Wirkliches zu erbringen, was meine Hochsensibilität und Hochbegabung anbelangt - wo also ist eine sinnstiftende Wirkung? Womit kann ich meine Wahrnehmungen und Gedanken gewinnbringend einbringen? Wo oder Wie bringt es was?

In dem ich ins Anbieten gehe - eine dritte Phase. 

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Da ich eine gute Selbstfürsorge betreue, da ich viel aushalten kann, da ich damit freier fühle und denke, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, meine "Dinge" als Empfehlung, Tipp, Hinweis, so bezeichnetes 'Querdenken', eben als ANGEBOTE zu veröffentlichen: In XING, bei LinkedIn, in Blogs, allenfalls bei Facebook.

In mir ist es damit ruhig geworden. Ich habe ein Ventil meine Sichten und Gedanken einzubringen, aber ich klage dabei weder Rücksicht ein, noch muss ich besseres Denken als Verständnis einfordern. Ich lege meine Sachen als ANGEBOT hin und kümmere mich nicht. Es ist da, macht damit was euch geht.




Resultat: Menschen finden Vertrauen -
ob durch Angeregtheit, Transparenz, Raum, Lassen.
 


Dieses Vertrauen ist jener Boden, der zwei unterschiedlichen Menschen dann ermöglicht, zusammen etwas einzugehen und zu vereinbaren. Wichtig dabei: Weder Hochbegabung noch Hochsensibilität einbringen (nicht das Eigenste 'Ich' einbringen), weil das erschreckt. Sondern ohne jeden weiteren Ton fragen, was dem anderen geht, was sie oder ihn angeregt hat - "Was bewegt?" Denn wenn ihr genau darüber nachdenkt:

Hochbegabung und Hochsensibilität BRINGT etwas in Formen von: dass es ANDERE BEWEGT. Dazu braucht es der Vorsicht und denkt daran: für die oder den Anderen ist der Raum mit einem oder zwei Gedanken bereits voll. Bietet nur an, meint aber nicht, ihr müsstet nun Leistung beweisen. Lasst das den Anderen seine Leistung sein, es angenommen zu haben.

So kann die Annäherung freiwillig geschehen, das Aufgenommene wird verdaut. Dann ruft auch jemand an oder schreibt, dann entsteht ein tragfähiges Miteinander und ein erfreutes Wiedersehen.

Wichtig: So bleiben auch beide Expertin und Experte. 



Herzlich
Jona Jakob
Schweiz: Zürich und Bern
Deutschland: Frankfurt und Aschaffenburg


29.07.2017

Geschenke, Gaben, Begabungen, Lebensjahre und Tierisches

2008 - "Schau einmal, diese Karte schenkte mir vor Jahren ein Mädchen aus Grenchen (Schweiz) - sie meinte, die würde ganz gut zu mir passen" - ich war zu der Zeit ca. 22 Jahre alt:

Original Postkarte von ca. 1985 aus Biel (Schweiz) - Geschenk an Jona Jakob

In diesen Tagen finde ich in meiner Timeline bei Facebook einen Fotobeitrag eines Ornithologen und Fotografen, von Herrn FjMeier Balzers. Aufmerksam geworden durch ein Bild von einem wunderbar gefiederten Tier las ich das Posting und erkannte, dass es Buntfalken gibt:

Foto mit Erlaubnis: von FjMeier Balzers - Junger Buntfalke

Schon als Kind sah ich enorm gut, ob nah oder in die Ferne. Ich konnte Verkehrsschilder lesen, da blieb so eine Tafel für andere ein verschwommener Farbtupfer. Das führte dahin, dass ich bei den Pfadfindern 'Falk' getauft wurde.

Was dieses 'Sehvermögen' angeht, so favorisiere ich zu meinen Disco-Zeiten Mädchen mit einer Art Käuzchenblick, die mit zugekniffenen Augen den Raum betraten. Bis ich mit der Zeit herausfand, "... die sehen einfach nichts, ...". Die waren Kurzsichtig und liessen aber im Ausgang lieber ihre Brillen in den Handtaschen oder ganz zuhause.

Erst viele Jahre später, als ich segelte, öfters auch Langstreckenragatten, da erst merkte ich, dass auch Männer nicht weit sehen können. Als Vorschoter auf dem Schiff sah ich die orange Wendemarke / Boje schon längst am Horizont, wo hingegen der Skipper mE einen Scheiss zusammensegelte, ganz einfach, weil er ebenso nichts sah.

Mit dem Erwachsenwerden erhielt die Qualität des 'Sehens' noch eine viel weiter gefasste Qualität. Und wenn mich meine Begabung im Leben zuerst verführte, als unerkannt sich falsch verstehender 'bunter Vogel', so bin ich gerade nicht abgeneigt, neu mit mir auszumachen, gut sehend ein Buntfalke zu sein.

Zum Thema Begabung bleiben zwei Fragen:
  • Gibt es andere bunte Tiere?
  • Und wenn Ja, welches passt zu dir?




30.04.2017

Hochsensibilität im Notzustand ist oft ganz was anderes als "Ich kann nicht mehr!"

Diesen Beitrag schreibe ich, weil ich aktuell davon betroffen bin und meinen Zustand nach den Jahren zu beschreiben vermag. Mein Notzustand besteht seit ca. zwei Monaten, wovon er sich jetzt zuspitzt und ich bewusst Massnahmen dagegen ergreifen muss, ansonsten ich wie "kaputt" gehe und sich das dann lange nicht wirklich "wieder herstellen" lässt.

Nach bald zehn Jahren Thema Hochsensibilität steht meist ...

  • Unverständnis
  • Nicht-Akzeptanz
  • Ablehnung
  • Lächerlichmachen
  • etc.
im Raum. Der 'Raum', das ist das gegenseitige Verständnis, welches in dem Moment herrscht oder entsteht, wenn ein Hochsensibler sagt: "Ich kann nicht mehr." 


"Ich kann nicht mehr!" - Was meint das?


Im ersten Moment würden wir alle sagen: Wir alle wissen, was damit gemeint ist, wenn jemand sagt: "Ich kann nicht mehr." Vom kindlichen Rumrennen, vom Wandern, vom Schulstress oder von einer Arbeit, bei der man lange stehen muss oder schwer heben - davon ist man auf einer linearen Strecke an Leistung erschöpft und kann (meist kräftemässig / körperlich / physisch nicht mehr). Man hat einen Formabfall, die Leistungskurve sackt nach unten, die Messwerte fallen.

Das ist die Form der Erschöpfung, wo sich jemand pustend und schnaufend kurz zur Seite stellt, sich hinsetzt, seinen Körper ruhen lässt, auf dass der wieder Kraft schöpft - nach einer Pause. 

Selbst wenn jemand von Wetterstrapazen unterkühlt ist und klappernd einbricht, verstehen wir das "nur körperlich". Eine Pause mit Ruhe, Trockenheit und Wärme ... und der Mensch rappelt sich wieder auf. 

Auch wenn jemand Emissionen nicht verträgt, zu viel Licht, zu viel Lärm, zu viel Giftstoffe oder allergisch machende Stoffe - so muss halt da jemand davon verschont werden. Pause für den Körper von dieser Belastung, die erneut wie eine körperliche Belastung "verstanden wird". Man stärkt die Person, in dem man den Körper entlastet, das Materielle des Körpers: die Augen, die Ohren, die Nase, beim Essen, bei Hautberührungen - einfach verschonen und erholen lassen. 

Das sind alles Formen von Erschöpfungen und vermutlich längst nicht alle - von seelischen Formen schrieb ich nicht. Wir Betroffenen erliegen nicht selten genug dem Gedanken, der Körper sei einfach belastet und daher sei auch die "Batterie leer". 


Arterhalt und Sieg als das Mass der Dinge - anerzogen und in den Genen


Die Gründe für diese Sichtweise / dieses Verständnis, eingeschlossen die Art und Weise wie darauf reagiert wird, ist einfach erklärt: Unser millionenjahre alter Trieb, die eigene Art zu erhalten, lässt uns - besonders das körperliche betrachtend - jenes sofort als stark oder schwach bewerten. Das ist uns allen eingeprägt und eingetrichtert: The winner takes it all! Damit sind aber die Notzustände von Hochsensiblen meist nicht verstanden - es braucht eine andere Sichtweise.


Von "Ich kann nicht mehr!" zu "Es ist mir zu viel!"


Die Not, die ich gerade selber erlebe, und die ich, wie ich meine, oft beobachte, ist folgende: Meine Not steckt weniger in der Rede: "Ich kann nicht mehr!" - als in den Worten "Es ist mir zu viel!" Ich sehe mich durchaus noch in der Lage, weitermachen zu können - worunter ich aber in meiner Handlungsfähigkeit zu grunde gehe, ist ein Übermass. Und nicht zu selten ist es - wenn es schwer paradox und damit kaum noch verständlich wird - ... nicht zu selten ist dies der Fall, wenn es mir "zu gut ergeht", wenn mir zu viel Gutes und Liebes, Aufmerksames und Geschenktes widerfährt. Dann nämlich vermag ich nicht mehr in meiner ganzen Präsenz "Danke!" zu sagen und schäme mich dann einfach. 



Was meine ich mit "zu viel"?

  • Jeder, der etwas Benzin im Blut hat, weiss, dass es dem ganzen Antriebssystem, dem Motor, dem Getriebe und vielen anderen Systemen nicht gut tut, wenn man beim Öl nachfüllen, zu viel Öl einfüllt.
  • Jeder, der unter Bluthochdruck leidet, nachts verschwitzt wach wird und das Herz übermässig rast, die Adern pulsieren, man meint, der Körper zerplatze, der weiss, dass "zu viel" nicht gut tut. Zu viel Essen. Zu viel Zucker. Zu viel Alkohol. Zu viel Salz. 
  • Jeder, der vom Urlaub zurückkehrt und seinen Briefkasten übervoll vorfindet, der weiss, dass die Situation am Briefkasten unmöglich wird, da eben "zu viel". Man kann nix mehr reinstopfen, wäre es noch so wichtig oder so arg zerfaltet und reingestopft. Was raushängt wird feucht oder geht verloren. Post und Nachrichten kommen nicht mehr an. 
  • Wem es je wo zu eng wurde, ob im Lift, im Konzertsaal, im vollen ICE oder Flugzeug, weiss, wie sich "zu viel" anfühlt. Man ringt nach Luft, man wünscht sich Abstand, Luft, Erleichterung, der Druck würde abgelassen. Lüften wäre toll. 
  • Jeder, der je einen Topf hat überkochen gesehen, weiss, was "zu viel" sein kann.


Was ist der Unterschied von "kann nicht mehr" und "zu viel"?


Natürlich bringt mich auch ein "zu-Viel" dahin, wo ich sage: "Ich kann nicht mehr!" - Aber das muss dann richtig vermittelt oder richtig verstanden werden. Denn ich bin dann meist nicht auf eine Weise beeinträchtigt, dass ich nicht mehr könnte. Ich könnte allenfalls durchaus - mein Körper-System würde noch funktionieren. Aber es wird durch eine Art
  • Overload / Überfrachtung
  • Overkill / Übermass
  • Hochdruck / Überdruck
  • Überhitzung
  • ein Über ... (meist an zu fühlenden Eindrücken, guten wie schlechten) überfordert
Der Unterschied dieses Ausscheidens ist nicht ein Abbruch meiner Leistungskurve, die durch eine Pause wieder gesteigert werden kann (körperlich-physikalische Erschöpfung), sondern es explodiert mein System nächstens - der Totalausfall ist absehbar und für mich fühlbar. Ich zerberste, meine Nerven überhitzen sich, überglühen, es zerfetzt mich. Dem entsprechend habe ich nicht nur Muskelkater oder einen lokalen Schmerz, sondern mein Schmerz ist nicht mehr auszumachen. Ich weiss nicht mehr wie sitzen, wie stehen, wie liegen. Mir ist heiss, kalt, zu hell und zu dunkel. Ich habe eine totalen Systemausfall, wenn es richtig arg wird. (Ich kann mich da heute davor bewahren - aber so ist es, wenn ich es weiter geschehen liesse). Auf meinen kleinen Körper runterprojiziert, kommt die Situation einem atomaren GAU - dem grösst anzunehmenden Unfall nahe. Das lohnt sich nicht. 


Mich schmerzen nicht Muskeln oder Bänder - mich schmerzen Wahrnehmungen, Empfindungen und Gefühle ... und alles, was ich mit meinen 5-6 Sinnen wahrzunehmen vermag.

Und ich möchte kurz allen schreiben: Dieser Schmerzzustand ist das Grauen. Denn von da an ist wirklich alles zu viel, was mich irgendwie belastet. Wenn dann aus Liebe jemand fragt: "Was möchtest du essen?" ist das zu anstrengend. 

So ist vielleicht zu erklären, warum Hochsensible eher wo weg müssen, Abstand suchen. Denn dieser Überdruck kann nicht linear abgebaut werden, wie Muskelermüdung. Er kann einzig wie verdunsten, einem Nebel gleich, einem abkühlenden System ähnlich, der Druck muss runter und raus.

Meine zusammengekommene Überfrachtung entstand aus
  • Unternehmenserfolg meiner Partnerin - wir freuen uns wie blöde
  • Erfolge meiner eigenen Arbeit - ich habe 2017 ein sagenhaft erfolgreiches Jahr
  • die tollen Feedbacks meiner Klientel
  • die Bestnoten für Projekte meiner Liebsten von Kunden
  • das Glücksgefühl der neuen Wohnung
  • das noch grössere Glücksgefühl, wie ich in den neuen Räumen arbeiten darf
  • die Freude über neue Aufgaben
  • die schönen neuen Möbel und Räume - das schöne Zuhause
  • die Begeisterung über die neue, frische, gesunde Küche, da wir einen Markt haben
  • alleine schon der hohe Genuss von feinsten Käsen vom Markt 
  • eine herzliche Hochzeitseinladung
  • eine ältere Dame besucht uns ein erstes Mal
  • etc. 
________


Gestern brachte mir meine Liebste einen wunderschönen Strauss auberginefarbener Pfingstrosen nach Hause. Pfingstrosen, die ich liebe. Ich konnte nicht mehr "Danke!" sagen. Ich konnte keine Freude mehr aufnehmen - und barst über diese Form von Verlust auseinander, ihr nicht danke sagen zu können. Vielleicht sollten wir Hochsensiblen eher vermitteln / sagen: 

"Es ist mir zu viel!
Es wird mir zu viel! -
Gerade weil es so schön und so gut ist.
Versuche das zu verstehen - es ist paradox. "



Von dem Moment an ist es wichtig, dass die Mitmenschen, besonders die Nahestehenden, 
  • nichts Neues mehr auftischen
  • keine Varianten anbieten, sondern das Übliche fortfahren, auch wenn das andere Vorteile hätte
  • keine Ausnahmen machen, das "Standard-Programm" laufen lassen
  • keinen Hype
  • keine Aktionen / Promotionen / Gelegenheiten / Zusätzliches
  • keine Gelegenheiten "noch schnell wahrnehmen"

Man kann das alles schon tun, aber nicht auf die Beziehung zum HS bezogen. Es ist in diesem Moment gar nicht so schlimm, den Menschen in seinem Hyper-Zustand alleine zu lassen. Machen Sie Ihr eigenes Ding, informieren bzw. berichten Sie weniger. Führen Sie nicht alles zu detailliert aus. Werden Sie etwas schweigsam oder knapper. Warten Sie mit Neuem. Hochsensible können Neues allenfalls nicht schon wieder aufnehmen, weil das Neue von gestern noch nicht innerlich nachrücken konnte. Wie soll sich ein HSP (hochsensible Person / highly sensitiv person) über das Neue von heute freuen, wenn das Neue von gestern noch nicht verdaut werden konnte?

Klar, als Fakt, als Information, als Kognitives ist das Neue von gestern aufgenommen - aber seelisch, gefühlt, wahrgenommen ist es das noch nicht. Da Hochsensible, dieses fühlende Wahrnehmen viel tiefer und intensiver "machen", bedeutet das zwei Dinge:

a) sie brauchen weniger Neues und

b) sie freuen sich viel länger über das Neue von gestern, vorgestern, letzter Woche, letztem Jahr.

Wenn Sie weiter einen physisch Erschöpften für einen 'Looser' halten, was weit verbreitet ist, nun gut. Aber denken Sie einmal darüber nach, welches Ihr ganz wunderbares Glück es ist, einen Hochsensiblen um sich zu haben, Menschen, die den Dingen - allen Dingen - eine ganz andere Tiefe und Qualität schenken, weil die das so intensiv wahrnehmen können.
Sie schätzen doch auch guten Geschmack, Bildschärfe, einen tollen Klang und ein sattes Fahrgefühl oder die Tiefe eines luxuriösen 1A-Fahrersitzes am Steuer eines feinen Wagens. Verstehen Sie Ihren Hochsensiblen "so"! Der braucht wie Rassehunde GENAU DAS (was auch immer) - und nicht x-beliebiges im Dauer-Übermass. Dafür beschenken diese Menschen Sie mit Wahrnehmungen und Bildern, Texten und Musik, Kunst und Stil, Mode und Geschmack, die Sie alleine vielleicht nie wahrgenommen hätten.

Hochsensible sind nicht zu selten Ihre Schöpfer aller Künste. 






27.04.2017

Hochbegabt? Hochsensibel?

Für mich
ist Hochsensibilität eine Fähigkeit, 
eine Intelligenz, 
ganz im Sinn einer hohen Begabung, 
einer Hochbegabung.

Vor zehn Jahren schon
schrieb ich,
es gibt ein denkendes Denken
und ein fühlendes Denken.
Es ist mehr so flüssig.

Jona Jakob - 2017

05.04.2017

"Vergessen Sie nicht!: - Wenn Sie darüber nachdenken müssen, dann muss der andere auch darüber nachdenken."

Diese Äusserung schnappte ich im Alltag auf. Ein Mitarbeiter wies seinen Vorgesetzten ausdrücklich und gut hörbar darauf hin. Es ging dabei um eine bauliche Problemlösung.

"Vergessen Sie nicht!: - Wenn Sie darüber nachdenken müssen, dann muss der andere auch darüber nachdenken."

Der Satz sass. Jedenfalls für mich. Denn in dem Satz ist eine für Hochbegabte tiefere Wahrheit versteckt, die, "so ausgesprochen vermittelt", einer lebensweisen Erfahrung gleich kommt. So, als wüsste man das als guten Ratschlag, Maxime und verbriefter Wert an "sozialer Kompetenz" - es war eine Ausdruck einer anerzogenen Konditionierung, sich "so" zu verhalten.

Der Chef solle also anhand der Selbstbeobachtung, zu lange oder zu kompliziert über einer Lösung zu grübeln im Auge behalten, dass sich dieses Verhalten in der Lösung wiederspiegle und damit der Kunde / Zuhörer / Empfänger der Botschaft selber anfange, die Sache kompliziert zu verstehen bzw. zu interpretieren. Das möge man bitte niemandem, wenn man sorgenfrei leben möchte, zumuten.

DAS ist die Aussage des Ratschlages: Man möge bitte - wenn man sorgenfrei und erfolgreich miteinander Geschäfte machen oder leben möchte - niemandem kompliziert erdachte Lösungen zumuten. 



Link zum Blog 'Normalo-Welt', wo das Thema ähnlich nochmals dargestellt wird:
http://normalowelt.blogspot.de/2012/08/losungsorientiert-vs.html


Das nenne ich Normalo-Kompetenz. Wissen, wie die ticken. Wissen, was die brauchen. Beachten, was die mögen. Oder verhindern, das Gegenteil zu erzeugen, nämlich zu nerven, in dem man sie in den meisten Fällen verunsichert, was dann ganz unterschiedlich als ablehnende Reaktion zu Tage tritt.

Es empfiehlt sich daher für Hochbegabte, dieser Weisheit Beachtung zu schenken. Denken Sie zuvor für sich, klamüsiern Sie es für sich selber aus. Aber wenn Sie es in Formen der Zusammenarbeit, Vorschläge, Lösungen, Anweisungen, Ideen und einfach zusammen leben einbringen, dann liefern Sie bitte eine Lösung, die Normalos NICHT dazu zwingt, anfangen zu müssen zu denken.

Normalos sind in der Regel weniger Lösungs-orientiert.
Vielmehr sind sie Problemlosigkeits-orientiert. 


Das klingt beim ersten Lesen unerträglich negativ und bewertend, aber ich schreibe das komplett bewertungsfrei und meine das ganz und gar nicht negativ oder irgendwie dümmlich - im Grunde genommen hat die Denken-befreite Strategie des Weiterkommens etwas Geniales, da diese den kleinsten gemeinsamen Nenner verlangt. Für begabte Menschen mag das langweilig und auch langsam oder unbedacht erscheinen. Für die Menschheit aber lässt sich dieser kleinste gemeinsame Nenner als little next step eines problemlösenden Miteinanders das naheste Miteinander und damit die beste Lösung darstellen - unterbewusst gefühlt und stark so empfunden, da man dabei komfortabel nix spürt - jedenfalls keinen Denk-Stress.

KISS - Keep it simple & stupid.

Und achtet euch mal: die weltweit erfolgreichsten Marktkonzepte basieren auf dieser Rezeptur. Verwechselt also nicht das Einfache mit dem Simplen.




02.03.2017

"Das Glas sei nur halbvoll ... nur die obere Hälfte!" - Schlausein als verführendes Elixier

Ich vergesse nie, wie ich 2008 in Andrea Brackmanns Taschenbuch 'Ganz normal hochbegabt' die Stelle las, wo sie beschreibt, dass man Hochbegabten nichts vormachen kann. Sie würden zu gerne dazu neigen, den Therapeuten zu entlarven, ihn sozusagen zu knacken, und dagegen helfe nur höchste Authentizität, ein x-wie gelagertes Vormachen ist nicht.

Es ist ja auch keine Schwäche, wenn man einem Hochbegabten nicht mehr zu folgen vermag. So darf das nicht verdreht werden. Vielmehr ist es
  • a) ein Gap, also eine Differenz zwischen IST und SOLL (Wiki: Gap-Analyse) und 
  • Wichtig: Wenn diese Differenz störend ist, ist sie ein Problem

Hinweis zu diesem Beitrag:
  • Was dieser Beitrag zu beschreiben versucht, bleibt ein Versuch
  • Der Autor meint nicht, für die Situation eine Lösung haben zu müssen
  • Der Autor gibt zu, rumzusuchen, zu versuchen, eine Klärung zu schaffen
  • Der Autor hofft, irgendwie eine Orientierung zu finden, einen Weg, eine Betrachtungsmöglichkeit
  • Der Beitrag betrifft meiner Erfahrung nach ca. 2% aller Hochbegabten, also sehr, sehr wenige Personen

In den nun neun Jahren Arbeit mit dem Thema Hochbegabung sind mir ab und zu Menschen begegnet, welche mir gleich vermittelt haben, sie würden mir nicht trauen oder jenem, was das bisherige Wissen zum Thema Hochbegabung hergebe. Ich solle das nicht persönlich nehmen, sie hätten auch nie Lehrern, Ärzten, den Gesetzen, Verträgen, der Medizin noch Therapeuten vertraut. Sie hätten stets alles endlos hinterfragt und sich dann selber eine 'Wahrheit' gebildet. Leider sei es aber unterdessen so,dass sie niemand mehr verstünde, niemand mehr ihnen folge oder weiter Beachtung schenke und sie selber auch nicht mehr wüssten, wie oder wo sie sich im Leben oder Beruf noch weiter entwickeln oder sonst wie orientieren könnten - zumal andere ja (im Aussen) viel erfolgreicher scheinen würden oder es konkret seien, was Rang, Titel, Status und Geld oder Geschäftserfolg anginge.

Diese oder ähnliche Beschreibungen kommen mir vor, als würde jemand über sein "nur" halbvolles Glas klagen - aber die bestätigte Hälfte an Völle sei die obere Hälfte des Glases. Von der unteren Hälfte wird nicht gesprochen, als gäbe es die nicht, als sei dort kein Weg. Aber genau betrachtet gibt es auch 'nach oben' keinen wirklichen Weg, da der Rand des Glases fix ist, es müsste bildlich überlaufen und wäre ohne weiteren Halt, was der beschriebenen Form mE nahe kommt. Kein Halt mehr. Keine Ortung mehr. Keine Koordinaten, keine Rückkopplung, ob als Tiefenmesser, Lot oder Funkfeuer einer Landmarke.

Während ich hier schreibe fällt mir eine Geschichte ein, die uns vor 40 Jahren ein Lehrer vorlas. Der Schweizer Autor, Peter Bichsel, schrieb eine Kindergeschichte von einem Mann, (Zitat)

So etwa wenn Peter Bichsel über einen alten Mann schreibt, der nach und nach alle Wörter durch "Jodok" ersetzte, oder über einen anderen, der sich überlegt, daß es keinen vernünftigen Grund gibt, warum der "Tisch" "Tisch" heißt, und folglich beschließt, ihn von nun ab "Teppich" zu nennen. Das führt er fort, bis schließlich die Beschreibung eines typischen Morgens so klingt "Am Mann blieb der alte Fuß lange im Bett läuten, um neun stellte das Fotoalbum, der Fuß fror auf und blätterte sich auf den Schrank"

Die Protagonisten scheitern an eigens schlauen Ideen. Das 'Schlaue' als das verführende Elixier. Wenn ich als Coach in den Jahren zum Thema Hochbegabung einen schlauen Satz hervorbrachte, dann überzeugt mich selber noch heute:

Viel wichtiger als die Kenntnis und Ergründung der Erscheinungen und Ausprägungen der eigenen Hochbegabung sind alle Kenntnisse und Ergründungen der Erscheinungen und Ausprägungen der mir fremden Normalos. 

Jona Jakob, 2012

Besprechungstisch für Lösungen.

Es gibt von Barbara Henninger folgenden Cartoon:

Oder

Calvin: "People think it must be fun to be a super genius,
but they don't realize how hard it is to put up with all the idiots in the world."

Hobbes: "Isn't your pants zipper supposed to be in the front?"


An dieser Stelle dürfen meine Worte und Ansichten keinen Streit der Rechthaberei vom Zaun brechen oder bewertend wem Unrecht tun. An dieser Stelle ist nur zu erkennen, dass man "so gesehen" nun eine höchst persönliche Wahl, einen selbstverantwortenden Entscheid treffen kann, ob man über das Glas hinaus lebt, die Vermutung nicht ausser Acht lassend, zu vereinsamen, unerreichbar, ja sogar verschroben und irgendwie zu werden. Das Risiko ist da. In etwas ähnlicher Gesellschaft wäre man wohl auch noch, wenn man als Genie oder Künstler anerkannt würde. Aber was, wenn nicht?

Man kann an dieser Stelle aber auch einen Gedanken und vielleicht einen Entscheid wagen, anstatt nach oben, nach unten zu explorieren. In die untere Glashälfte. Das würde nicht meinen, man müsste die obere Hälfte dabei nun gleich ignorieren oder verlassen. Dem ist wirklich nicht so - gerne kann weiter ganz weit vorne oder draussen gedanklich fortgeschritten werden - NUR behalte ich gleichzeitig im Blick, mit dem Rest der Welt in Verbindung zu bleiben.

Der "Rest der Welt" zeigt sich soziodemographisch oder auch als menschliche Bedürfnisse als PYRAMIDE - die grössten Massenanteile sind 'unten', ebenso die grössten Märkte, für jene unter den Begabten, die viel Geld verdienen möchten. Eine Bankenwerbung in den 80ern lautete: "Je höher der Anspruch, desto kleiner die Auswahl." - Selbe Bank plakatierte etwas später: "Wahre Grösse kennt keine Kleinen."

Ich entschied mich etwa 2012, dem Normalo entgegenzugehen, was schon alleine eine Form der Überheblichkeit darstellt - die lässt sich nicht gleich abwischen. Die - sagen wir nun - "andere, die zweite Hälfte" des Glases ist nicht weniger komplex, stark, gewachsen, entwickelt und strategisch bewaffnet. Ich habe heute grossen Respekt vor dem Umfeld um mich, welches mir dennoch oft fremd bleibt. Es wurde mir zur Sozialkompetenz, all das annehmen zu können ('wollen' ist eine andere Frage, aber 'können' ermöglich mir, mich dafür oder dagegen zu entscheiden, und ich lebe beides: mal Ja!, mal Nö!)

Ganz oft scheint einem, dass sich die Reaktionsmuster von Normalos gegen einem richten. Aber tun das wissenschaftlich ungelöste Aufgaben oder Rätsel nicht auch? Sind es nicht auch Herausforderungen? Versuche? Scheitern? Erneutes Versuchen? Zähne ausbeissen? Erfolg dann?

Anstelle meist subjektiver Theorien des Unnachvollziehbaren, diesem 'Odeur von Exklusivität', empfehle ich, Kenntnisse und echte Kompetenzen (Wissen wie Erfahrung und erfolgreicher Umgang) mit all dem, welches im Kosmos der unteren Glashälfte "normalerweise" sein Dasein erfolgreich bestreitet, ansonsten die Menschheit nicht mehr bestünde. Ich empfehle die Ergründung dessen, was man erst als Dumpf abtut. Ich empfehle die Analyse dessen, was zu schnell als Seichtes, Oberflächliches, Unreflektiertes oder sonst wie Abgelehntes verdrängt wird, um erst einmal die eigens verschraubte (Sloterdijk) Bedürftigkeit zu füttern.

Mir geht es weder um Demut noch Beschränkung - im Gegenteil: Was es wirklich braucht, ist die (soziale) Kompetenz des Miteinanders. Vertrauen, Achtsamkeit, Geltenlassen, Gründe kennen, warum Dinge mehrheitlich (Pyramidenfuss) "so" und nicht "so" gemacht werden. Das entspannt dann die Verhältnisse. In diesen Feb-März-Tagen ist es eine feine Aufgabe, Karneval oder Faschin zu begreifen. Was tun diese Menschen da? Wie können die am Strassenrand verkleidet feiern? Warum lachen die in etwas Alkoholrausch? Was verbindet sie, in Gruppen umherzuziehen? Nächstes Thema: Fussball; nächstes Thema: Vereine; nächstes Thema: Formel 1 oder Boxen oder RTL II, Dschungel-Camp, Frauentausch, Traumfrau gesucht, Bauer sucht, Ich verklage dich und Polizeistreife Duisburg.

Was ist das Geniale an einer BILD-Zeitung? Was ist das Geniale an Windows? Was ist das Geniale an Wasser? Was ist das Geniale an Fussball? Was ist das  Geniale an Sparkassen? an Behörden? an Sozialsystemen? am normalen Alltag?

Dieser Beitrag wird keine Lösung aufzeigen. Allenfalls kann die Frage aufkommen, ob ich als Hochbegabter Mensch vielleicht eine Selbstverantwortung habe, welche Anteile enthalten könnte, mich sozial tragfähig zu gestalten, ob ich lieber lesen und lernen, denken und entwickeln würde - ich aber vierteljährlich meine Steuern zu belegen habe, das Bad zu putzen, Abfall zu trennen und ab und andere Dinge GLEICHZUTUN, als Form von Beitrag für ein Miteinander.

Man kann also tatsächlich auf gefrorenem Eis ins kalte Wasser einbrechen. Vom Ufer her legt sich wer flach aufs Eis, an den Füssen noch von wem anderem Gesichert, einen Stock hinhaltend, an dem man sich erst einmal festhalten und vielleicht herausziehen könnte - man kann in einem solchen Moment auch dem Stock oder dem Rettungsversuch an sich misstrauen, weil man für solche Gedanken genug Fantasie hat: "Vielleicht will der mich nur retten, um mir danach eine satte Rechnung zu stellen? Und wie will er mich über das abgebrochene Eis rausziehen? Und woher sollte der Kraft haben? Ich kenn den ja gar nicht!" Das kann man alles gerne fortfahren. Für mich selber habe ich 2012 entschieden, mich darum zu bemühen, zu vertrauen. Vertrauen ins Fremde, ins Unbedachte, ins Unkontrollierbare und ins Andersartige. A) um nicht verrückt zu werden, B) um nicht einsam zu werden und C) um seither eine Lebenserfahrung weiter zu machen, die so aufreibend ist, wie alles Unerforschte.

Wie Sie das für sich halten wollen, selbst wenn Sie in der Lage sind, Fachleute auszuhebeln, bleibt Ihnen nicht nur überlassen - es bleibt Ihnen so oder so. Es gibt keine halbvollen Gläser. Es gibt, genau betrachtet, auch keine Exlusivität, auch nicht für Genies. Als Mensch bleiben Sie Mensch.

Wie gesagt, mir sind nur ganz wenige Menschen mit dieser Problematik begegnet. Sie haben sich zum jeweiligen Zeitpunkt für sich selber entschieden, im Sinne des Beitrages: Richtung nach oben. Persönlich bin ich in all den Jahren oft ganz glücklich gewesen, nicht so sehr hochbegabt zu sein, mein Durchschnittswert von fünf Tests liegt bei 127 IQ-Punkten. Meine 'Kompetenz' und besonders meine Haltung mag sich daher eher so beschreiben:

  • Ich befasse mich heute mehr mit den Normalos, als mit der HB-Thematik
  • Allenfalls gibt es ein Coaching-Ziel mit der Beschreibung "downsizing"
  • Mir gelingt relativ weitgehend die Brücke im Miteinander - Schlüsselkompetenz für Erfolg
  • Ein Credo von mir in schier allen Coaching-Anliegen:
    "Was brauche ich, um nicht mehr mein Thema zu sein?" - das gilt für HBE und HSP*
*Hochbegabte Erwachsene / Hochsensible Personen
... und wie ganz oben einleitend geschrieben: Es handelt sich bei dieser Ungelöstheit nicht um generell alle Hochbegabten, das wäre komplett falsch. Es handelt sich mE nach um ca. 2% aller Hochbegabten, also um ganz wenige Menschen, die konkret an dieser Stelle nach Lösungen suchen. 


Mit besten Grüssen

Jona Jakob
Bern Zürich Frankfurt Aschaffenburg



Ich möchte an dieser Stelle allen danken, die dem Blog und seiner Thematik 80'000 Klicks bescherten. Das berührt mich immer wieder. Lieben Dank für Ihren Beitrag und das darin liegende Miteinander. - Jona Jakob

14.02.2017

04.02.2017

In Zürich: Sommer Meetup 2017 .. begabt-sensibel

Hallo zusammen

Ich kann bereits den Termin vom Sommer Meetup 2017 angeben. Das wird das zweite Treffen.

Ihr könnt euch über die Plattform 'Meetup' informieren und provisorisch anmelden.

https://www.meetup.com/de-DE/Hochbegabte-Hochsensible-Erwachsene/events/237427837/?
eventId=237427837




Herzlich willkommen

Jona Jakob

12.01.2017

@ Hochbegabte Businessperformer: Ganz vorne alleine segeln!


Herzlich willkommen

Ich lade Hochbegabte Businessperformerinnen und Businessperfomer ein, für folgende Situation mehr Sicherheit und Handlungskompetenz sich zu erarbeiten:

Ich bin alleine - ich muss daher meine Koordinaten und meine inneren Kämpfe anhand eigenster Orientierungsmittel und -methoden kennen um zielsicher zu shippern bzw. mein Projekt erfolgreich zu gestalten. 

Der handlungsorientierte Workshop zu diesem doppelten Themenfeld dient zur

  • zur Erkenntnisorientieren, wie ich meine Situation 'sehe und empfinde' und
  • zur Kompetenzentwicklung bezüglich Selbstkompetenz, wie ich mich mental und zielorientiert selber führe, so dass ich beim Umfeld ankommen kann

Der Anlass ist bei XING als Event öffentlich ausgeschrieben - dort erfahren Sie alle Details und können sich auch anmelden:

Wenn Sie die Gelegenheit nutzen möchten, aber es "passt etwas gar nicht", dann nehmen Sie bitte mit mir direkt Kontakt auf, um das Anliegen zu besprechen.

Ich freue mich auf Ihre Meldung.

Herzlich
Jona Jakob

16.11.2016

Hochbegabung. Sich anpassen und dabei nicht wirklich erfasst / gesehen zu werden, kostet Kraft bis zur Erschöpfung

Guten Morgen

Ich habe meine eigene Begabung in diesen Tagen von einer neuen, unangenehmen Seite beobachten können.

Ich arbeitete wegen einer Ausbildung nun über ein Jahr in einer Gruppe, die mit mir sieben Personen umfasste. Das Jahr verlief erfolgreich, die Ausbildung war super, die Gruppe war bestimmt ein Glücksfall und ich konnte mich  gut halten: keine Absenzen, kein Kranksein, keine Eskalationen und eigentlich keine Ablehnung, insofern ich mich anpasste.

Am Prüfungstag selber, der drei Teile umfasste, war ich zwar sonst schon müde, aber dann brachte mich die Situation an meine Grenzen bzw. wuchs dann in den Tagen darauf im negativen Sinn darüber hinaus.

Prüfungen mögen anstrengende sein, weil
  • man schon eine Weile in einer Ausbildung steckt, so 1-2 Jahre Zusatzaufwand
  • weil man zum Schluss hin sich besonders anstrengt
  • weil man auf die Prüfung hin sehr aktiv ist und lernt
  • weil man als Hochbegabter lernen muss, nur zu beantworten, was gefragt ist (Normalo'Style)
  • weil man so gerne querdenken und gedanklich auswachsen möchte, aber nicht soll
  • weil was die Kollegen beschäftigt, einem klein und nichtig vorkommt
  • weil man schon lange den Mund hält
  • weil die Prüfung Aufzählanteile enthält und man lieber Zusammenhänge erklären würde
Der Prüfungstag geht rum: erst die schriftliche Prüfung - bestanden, abhaken. Pause.

Dann die praktische Prüfung - ich möchte noch mehr in meine Höchstform gelangen, da sind die 20 min auch schon vorbei, ich fahre meinen Präsenzenergie-'Apparat' wieder runter. Auch bestanden ...

Dann eine Präsentation. Jemandem aus der Kollegengruppe ist es zu anstrengend. Abbruch, aber bestanden. Wo mein Wesen gerade zum Flug ansetzt, ... Startabbruch. Ok, reicht ja für die anderen. Die sind noch froh, dass ich aufhöre.

Danach Dankes- und Grussworte, Geschenkübergabe. In mir bricht die Anspannung ab. Dann noch ein Glas Alkoholfreies wegen der Rückfahrt.

Die meisten Lösuungsbereiche liegen für HBs unterhalb dessen, was sie glücklich machen würde.

An der Stelle bin ich bereits entkoppelt und empfindungstaub. Was ich fühlen sollte - Freude zum Beispiel -, ist weg von mir, wie so etwas, das ins Wasser gefallen ist, und nun so weit vom Ufer treibt, dass ich es nicht mehr erreichen vermag. Mein Inneres drifte ab und weg. Wie ich nach Hause gefahren bin, weiss ich zwar, aber es war höchst fremd und anstrengend, da ich mich nicht mehr fühlte. Ich musste alles mit einer Art Notstrom-Hirnleistung beleuchten, jede Autobahnspur. Mein sonst so hochmotorisches und hochsensitives Radarwesen lief auf noch zwei letzen kleinen "Bälkchen im Edge-Modus" - keine 4G mehr.

Bitter daran: Obwohl ich dieses Jahr mit der Normalo-Gruppe gut absolvierte und doch recht erfolgreich, auch im gegenseitigen Umgang, absolvierte, konnte ich mich nach Abschluss nicht mit der Gruppe, nicht mit meiner Partnerin, nicht mit Mitarbeitern im Geschäft und schon gar nicht mit mir selber freuen. Ich versiffte am Sonntag und montags räumte ich das Zeug so schnell weg als möglich, weil es mich innerlich wegen dem, was mir daraus entstanden ist, ob ich das wollte oder nicht, anwiderte. Als ich das Abschlusszertifikat in einen Bilderrahmen legte und den Rahmen wo aufhing, spürte ich: das ist für die Anderen, die Normalowelt will einen Zettel sehen. Für mich selber ist das nicht, da für mich nicht wirklich gewürdigt noch geschöpft. Ich musste mich beschränken und irgendwie ungebührend klein halten, um super-konform zu entsprechen. Ich habe beste Feedbacks erhalten, Dankeschöns und lobende Worte.

Wenn die aber in mir nicht mich beschreiben, sondern jenes Loben, was ich beschränkt ablieferte, wie mundtot gemacht oder beschnitten. dann haben diese Belobigungen für mich mit mir nichts zu tun. Innerlich lehne ich diese 'Formalqualität' ab. Für mich ist es eine Heuchelei geworden - für die anderen ist alles in Ordnung. Aber in mir schreit der Fisch im Wasser ...

Das alles habe ich vor Beginn der Ausbildung gewusst oder zumindest bewusst geahnt. Ich habe meine Selbstverantwortung mobilisiert und mit mir selber vorher vereinbart, das auszu'HALTEN. Das habe ich getan. Es wurde wie ich es ahnte und oben beschrieb:
  • es wurde intellektuell und fachlich beschnitten, damit es für alle geht
  • es wurde durch die Gruppe genormt, so dass ich eher nicht mehr reinpasste oder mich krümmte
  • es wurden Anteile meiner Möglichkeiten nicht wirklich wahrgenommen oder gewürdigt
bis dahin war ich damit d'accord, hatte ich das bereits vorgesehen ....
  • dass mich aber diese Haltung es auszuhalten bis zur Erschöpfung belasten würde, ist mir als Aspekt neu. Das hatte ich nicht bedacht. Sich für die Harmonie in einer Gruppe klein zu machen, sich über Mass anzupassen, ist anstrengend, Kräfte raubend, die Selbstverleumdung distanziert einem von der eigenen Seele - es fördert etwas Schizophrenes. 
Heute ist Mittwoch. Es sind seit dem Prüfungsabschluss gut vier Tage vergangen. Noch immer bin ich erschöpft. Dass ich hier zu schreiben vermag, mag ein positives Zeichen sein - ein Bedürfniss ist es allemal.

Mit halbwegs aufrechten Grüssen

Jona Jakob

11.11.2016

Inspektor Columbo wusste schon 1992 von Hochbegabung & Mensa und widmete dem Thema eine subtile Folge

Hallo zusammen

Fernsehen - Ich gucke die Inspektor Columbo Folge: Die Todessymphonie.

Columbo hat tatsächlich 1992 das Thema Hochbegabung in diese Folge eingepackt, die spannend und unterhaltsam das Thema packt und HB-dramatisch auflöst - neben den technischen Finessen. Aber die Bedürftigkeit, Anerkennung zu kriegen, lässt den Höchstbegabten, den Mörder, über seinen eigenen Enthusiasmus stolpern.

Eine wunderbare Fan-Seite beschreibt die Folge detailliert - hier ein Auszug:

Beschreibung:
Oliver Brandt ist Mitglied einer SIG-Gruppe, die aus Mensa-Mitgliedern besteht, die sich dadurch auszeichnen, dass sie einen besonders hohen Intelligenz-Quotienten (IQ) aufweisen. Während die übrigen Mitglieder gerade eine Versammlung abhalten, bereitet Oliver in der 1. Etage des Clubhauses unbemerkt einen äußerst raffinierten Mord vor. Dann geht er nach unten zur Versammlung und gibt vor, gerade erst das Haus betreten zu haben. Mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Bertie Hastings – den er zu dessen Leidwesen immer wieder vor den anderen neckt – geht er dann in das Obergeschoss. Dort wirft Bertie Oliver vor, dieser habe die Geschäftskonten frisiert. Nun will Bertie mit seiner Erkenntnis an die Öffentlichkeit gehen, woraufhin Oliver seinen Freund erschießt. Dann geht Oliver wieder hinunter zu den anderen. Plötzlich hören alle von oben Schüsse und offenbar einen Körper fallen. Als die Mitglieder nach oben eilen – unter ihnen auch Oliver – schlägt beim Öffnen der Tür die zweite Tür am anderen Ende des Zimmers zu, so dass alle glauben, der Mörder sei durch den Hinterausgang geflohen – alles läuft so ab, wie von Oliver zuvor geschickt geplant. Sehr zu seiner Überraschung stellt jedoch Columbo merkwürdige Fragen und findet ein paar ungewöhnliche Kleinigkeiten. So wundert sich der Inspektor, warum der Mörder so lange gewartet hat, bis er nach seiner Tat geflohen ist – da doch alle einige Zeit brauchten, um in den 1. Stock zu eilen. Auch die Aussagen der einzelnen Mitglieder zu den Schritten des Täters auf der Hintertreppe sind höchst unterschiedlich: Einige haben gar nichts gehört, andere schwere, wieder andere leichte, schnelle Schritte. Als Oliver am Abend nach Hause kommt, berichtet er seiner Frau von den Ereignissen. Am nächsten Tag will Columbo Oliver aufsuchen, trifft aber in der Firma nur auf dessen Sekretär, der berichtet, dass sein Chef mittags meistens im Park spazieren geht. Dort trifft Columbo ihn auch an, als dieser gerade noch rechtzeitig die Mordwaffe verschwinden lässt. Im Clubhaus prüft Columbo, ob der Mörder den Einbrecher nur vorgetäuscht haben könnte – und bekommt von den verschiedenen Mensa-Mitgliedern zahlreiche Theorien geliefert, die jedoch alle an unterschiedlichen Kleinigkeiten scheitern. In der Zwischenzeit findet Columbo heraus, dass es in der Buchführung von Olivers Firma Ungenauigkeiten gibt und kennt nun das Motiv für den Mord, weiß aber nicht, wie Oliver vergegangen ist. Deshalb erzählt der Inspektor Oliver, dass er glaubt, Bertie hätte die Gelder veruntreut. Für den Abend bestellt er Oliver in den Club. Als Oliver gerade auf der Treppe ist, hört er wie am Mordabend die Musikplatte und die Schüsse. Columbo erklärt Oliver, welche Theorien er bereits entwickelt hat und trifft damit den Sachverhalt genau. Jedoch gibt es an einer Stelle eine Ungenauigkeit. Da Olivers Tat damit aussieht wie die "eines Stümpers", korrigiert Oliver diesen Fehler – und verrät sich damit selbst.

Link zur Columbo-Fanseite:
http://www.icolumbo.de/index.php?seite=columbo-episoden/detail/index&id=40&anzeigen=sonstiges

Link zu Youtube-Video der Folge (Deutsch)
https://www.youtube.com/watch?v=b4p3ao0Oy50


... vor 25 Jahren war das Thema in Fachbüchern kaum zu finden. Erstaunlich, finde ich.

Viel Spass beim Lesen bzw. Ansehen des Videos ... die Todessymphonie ...

Beste Grüsse

Jona Jakob

12.10.2016

@ Hochbegabte: Besser kommunizieren im Umfeld des Normativen

Frankfurt am Main / 26.11.2016 / Tagesseminar: Selbst- und Sozialkompetenz
https://www.xing.com/events/hochbegabte-erfolgreicher-kommunizieren-normativen-1737671


Erfolgreicher kommunizieren im Umfeld des Normativen 

Lernen Sie als Mensch mit Prägungen durch Hochbegabung, wie ihre Freunde, Kollegen, Kameraden und Nachbarn denken und handeln. Schaffen Sie die Bereitschaft, Brücken zu bauen, damit gegenseitiges Verständnis entstehen kann, wo bisher allenfalls Unverständnis bis Ablehnung das Resultat war.

Der Tag schafft

- mehr Selbstkenntnis und stärkt so Ihre Selbstkompetenz
- mehr Verständnis, Kontakt, Bezug und erfolgreichere Kommunikation - alles
  Komponenten der Sozialkompetenz
- Sie lernen sich selber zu beobachten und allenfalls einzustellen
- Sie lernen sich vorzubereiten und Gespräche zu eröffnen
- Sie lernen Gespräche zu gestalten und zu temperieren
- Zuhören und ruhen lassen
- Verständnis prüfen und Bezug verdichten

Ich freue mich auf die Begegnung und den gemeinsamen Tag.

Herzlich
Jona Jakob
www.consensus-coaching.com


Frankfurt am Main / 26.11.2016 / Tagesseminar: Selbst- und Sozialkompetenz
https://www.xing.com/events/hochbegabte-erfolgreicher-kommunizieren-normativen-1737671

15.09.2016

Die seelische Konstruktion an sich .. und dann noch Hochbegabung - Wo finde ich Halt?

Dieses Posting befasst sich mit Gedanken, ob ein Mensch in sich selber stabil sein kann oder nicht. Denn das hat nur bedingt etwas mit einer möglichen Hochbegabung zu tun. Es muss vielmehr unterschieden werden, also 'innere Stärke bzw. Halt' - und dann die Klärung der eigenen Hochbegabung und Sensibilität. 

Nicht jede Lebenssituation, in der ein Mensch sich als hochbegabt erlebt, ist 'coachbar'. Das ist nicht meine Meinung, sondern das misst sich an ethischen Grundsätzen, die einen Coach und Coaching vom Zweck von Therapien und Therapeuten unterscheidet.

Coachbar ist, wer eine intakte Selbstbestimmungskompetenz mitbringt, eine Form von Unabhängigkeit, ganz besonders von einer inneren Stabilität, die vorhanden sein muss und die jeder Mensch nur mit sich alleine ausmachen kann.

Dieser Beitrag beleuchtet die Thematik also hinsichtlich der / (meiner) Situation, für Hochbegabte Coachings anzubieten. Nicht für jeden Menschen ist dieses Angebot nutzbar - spätestens ich als Coach habe die Verantwortung, momentan nicht coachbare Menschen darauf hinzuweisen, was als Coaching ethisch korrekt angeboten werden darf und was ich abzulehnen habe. Und ja, diese Menschen haben in dem Moment noch keine neue Lösung.

Man meint, sie fährt noch. doch ihr Rumpf ist weg. 


Erkennungsmerkmal I: 
"Ich bin meine Baustelle. Schon seit eh ..." - und ich habe keinen Gedanken daran, nicht mehr mein Thema zu sein, weder für andere noch für mich selbst.
  • Das geht nicht.
  • Das wird nie von Erfolg gekrönt sein.
  • Das täuscht und belügt einem selbst
  • Kein Coach sollte hierfür die Hand reichen, sonst wäre das ethisch nicht haltbar 

Erkennungsmerkmal II: 
"Ich bringe (als Problemorientierung / allenfalls als Komfortzone) gleich meine ganze Krankengeschichte mit." Gleich werden alle Therapien, Ärzte, Medikamente, Behandlungen und Selbsterfahrungen aufgezählt. Eben: was man schon alles gemacht hat - nun soll das Coaching die letzte Rettung werden. Ist menschlich verständlich, geht aber nicht und gehört sich auch nicht. Spätestens hier sagt ein professioneller Coach STOPP.


Erkennungsmerkmal III: 
"Ich bin sooo schlau, ich kann alles hinterfragen, besonders mich selber - und auch Sie, Herr Coach, vermutlich schaffe ich es auch, sie zu zermalmen und so neu zu bestätigen, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin." Ja, klar. Dann brauchen Sie sich nämlich mit fremder "Schuld"-Zuweisung nicht zu bemühen, aus Ihrer Unfassbarkeit / Unbrauchbarkeit / Instabilität herauszukommen. 

Aber genau das ist das eigentliche Ziel eines Hochbegabten-Coachings
  • Brauchbarkeit
  • Verwendbarkeit
  • Einsatzfähigkeit
  • Selbsterhalt
  • Berufstätigkeit
  • Einkommensfähigkeit
  • Stabilität
  • Kontinuität
  • Wachstum
  • Realisierung
 ... last but not least eine höhere Form von "Problemlosigkeit / Funktionieren". 

Mit der Drama-konzipierten Krankengeschichte erklärt jemand der Welt, dass es mit mit seiner Person "nicht geht". Das lässt sich auch nicht coachen oder weg'coachen. Es geht nicht. Bleibt ok. Ist menschlich. Kann echt so sein, was mir auf jeden Fall leid tut. Und das muss vielleicht sonst wie betreut, geholfen, gestützt und begleitet werden. Aber nicht per Coaching. Coaching bleibt Hilfe zur Selbsthilfe, wo jemand seine Selbstverantwortung in die eigenen Hände nimmt. Bildlich gesprochen: 

Ihr Schiff muss schon schwimmen, 
wenn Sie neue Segel setzen wollen. 

Was kann erkannt werden? 

Ob für Coaches oder besonders für Coachees die Betroffen sind:

Wenn der Mensch zur Welt kommt trägt er im optimalen Normalfall ein Grundvertrauen in sich. Es ist klein und fein, aber es ruht dort wie im Babyschlaf. Dieses Urvertrauen wächst normalerweise mit dem Menschen sein Leben lang mit. Und: es kann jederzeit aus der Ruhe geraten oder so schwer gestört werden, dass es zerbricht. Das Urvertrauen ist unser inneres Fundament. Ein Fundament ist ein schwerer, passiver Sockel, auf dem gebaut werden kann, z.B. ein Betonsockel. Man baut darauf Häuser, Türme, Windräder oder Maschinen. Viele Fundamente sind nicht nur Betonsockel, sondern innerlich durch Armierungseisen verwoben und elastisch eingegossen. 

Jetzt kann es sein, dass dieses Fundament bei einem Menschen in einen Zustand gerät, den ich mal 'Pudding' nenne. Das Ding ist darin nicht 'funktionstüchtig', als dass es 'weich' wurde. Es könnte auch gebrochen sein, gerissen, abgebröckelt. Aber nein, unser Fundament eines Coaching-Suchenden mit einer Hochbegabungsprägung ist weich geworden. Es wackelt und rubbelt, schubbert und obendrauf fällt stets immer wieder alles zusammen oder runter, weil unten der Boden schwimmt. So beschreibe ich das mal. Selbst wenn das Fundament oben und im Aussen den Menschen noch zu tragen vermag, wirkt dieser auf einem:
  • fahrig
  • nervös
  • umtriebig
  • sprunghaft
  • provozierend bei gleichzeitigem Rückzug
  • im Ja-aber-Modus
  • im Ich-weiss-ich-weiss-aber-es-ändert-sich-nichts-Modus
  • etc. 
Der Grund hierfür ist aber nicht, dass man einen schlechten Tag hat. Der Grund liegt eher darin, dass von den aufgezählten Eigenschaften 4-6 gleichzeitig auftreten, weil diese meist gedanklich hinterlegten Reaktionen alles, aber auch wirklich alles hinterfragen und anzweifeln. Und so zweifelt ein solcher Mensch sich selber an, bis das Fundament weich wird und die Bestätigung einer Form von 'Defekt' sich ganz besonders darin bestätigt, dass nun noch das Fundament anfängt zu wackeln. 

Ich verurteile das nicht und bewerte es auch nicht. Aber ich schreibe den Beitrag, weil das von der Idee 'Coaching als Chance' nicht getragen werden kann. Nochmals: es geht nicht. 

Wenn also das seelische Fundament, das Selbst- oder Urvertrauen eines Menschen durch diesen selbst nicht stabil gehalten werden kann, ist ein Coaching - egal in welchem Themenbereich / Situation / Kontext - zwar realisier- und bezahlbar, aber es wird nicht wirken. Man kann mit dem Geld auch was Essen gehen. Denn nicht zu selten, werden a) die Inputs und b) besonders gerne die Selbsterkenntnisse - also die eigenen Gedanken - erneut in Zweifel gestellt, hinterfragt, für nicht haltbar erklärt und so dreht sich die Pudding-Wubbel-Spirale weiter. Der Absturz und Frust ist vorprogrammiert.


Wo ist eine Umkehr? Was kann man als Betroffener tun?

Der Gedanke ist, den Wunsch in sich zu finden, nicht mehr sein eigenes Thema sein zu mögen. Jedenfalls nicht mehr das bisher 'alte' Thema. Man müsste in sich wollen, von der Baustelle abzulassen, sie nicht mehr zu thematisieren und auch aus ihr keine weiteren Schlüsse mehr zu ziehen. Man müsste sich wünschen, endlich in sich Ruhe zu haben, was mit einer unangenehmen Stille und irgendwie "Lahmheit" vonstatten geht. Alles wird normal. Damit wird es auch irgendwie unscheinbar, unaufgeregt und langweilig. Endlich wäre man die Graue Maus, die ohne Probleme nicht auffällt. Fertig Nervenbündel. Brackmanns Titel lautet: GANZ NORMAL HOCHBEGABT ... das ist wörtlich zu nehmen. 

Wenn also jemand für ein Coach eine Krankengeschichte "hätte", müsste dieser Mensch Kontakt aufnehmen und nur sagen: "Ich will wieder arbeiten und eine Beziehung leben können." Basta. Die Vorgeschichte dürfte nicht wirklich in seine neue Zukunft mit rein - die müsste, wie ein Hund, draussen bleiben - und das muss der Coachee in sich klar so halten wollen. Weil er sich sagt: Basta. Ich bin stabil, ich frage mich nicht zugrunde, ich bewahre in mir Werte und Qualitäten und ich bin nicht labil sondern stabil. Auf dieser Basis will ich mit einem Coaching die Eigenschaften und Einflüsse meiner Hochbegabung kennen lernen und mich noch besser aufstellen und selbst bestimmen können. Ich nehme mir meine Zeit, ich bezahle den Aufwand selber und ich baue jetzt auf. Ohne die alten Geschichten. 

Ich brauche nicht von Dingen zu schreiben, die betroffene Menschen dennoch gefangen halten. Und das will ich ja auch gar nicht. Als Fachmann bin und will ich aber davon schreiben, was in der Anlage, im Setting des Coaching bzw. des Coach-Klienten-Verhältnisses und last but not least dem Coaching-Vertrag nicht geht. Fehlt das stabile innere Fundament des Klienten, fängt das Fundament des Coachings an zu Pudding zu werden ... und das alleine schon gefährdet auch mich. Nein, es tut mir leid, aber ich bin in mir klar und stabil und ich will das demnach nicht. Für Sie nicht. Für mich nicht. 

Was Sie mich als Coach zumindest fragen können: 

a) Bringe ich die Voraussetzungen für ein Coaching mit? 

b) Und wenn nein oder vielleicht nicht, wer oder was kann mir dann eine Begleitung sein?

Solche Fragen und Bescheide gehören ins kostenfreie Vorgespräch. Daher: Weiterhin gerne den Kontakt aufnehmen und nach Klärung suchen. Aber sobald etwas in Ihnen mich als "Retter oder letzte Rettung" sieht, läuft in Ihnen ein Fehler ab - sie verklären sich dann. Nur wenn Sie sich da aussen vor behalten können, sich also nichts vormachen, sondern auf die Veränderungsfähigkeit Ihrer Selbst vertrauen können, dann können Sie auch Coachee werden. Achten Sie sich auf Ihren Modus ... 

Seien Sie herzlich willkommen

Jona Jakob
Zürich Bern Frankfurt



12.08.2016

Wo sind die neuen Arbeits- und Gründermärkte für Schnelldenker, Intellellis, Quereinsteiger, Visionäre, Begabte, etc.?

Es ist mir nochmals ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die neuen Welten und Galaxien auf dieser Erde bestehen, aber nicht im 08/15 des Alltags. Sucht, sucht, sucht. Ihr findet sie z.B.

  • bei Startup-Unternehmungen 
  • an Universitäten und in Laboren
  • bei den Kreateuren der Fintech-Branche (neue Finanztechnologien)
  • bei Biotech-Unternehmungen
  • in der Solarenergiebranche
  • im Umweltschutz und in der Klimatechnik
  • bei neuen Dienstleistungen (Uber, Facebook, AirBnB, Alibaba, etc.
  • tbc.
Warum?

Schaut euch (nochmals) die Dokumentation von Claus Kleber und Angela Andersen

Schöne neue Welt - ZDF Mediathek



Worum es da geht? Wozu die 60 Min Zeit aufwenden? Um diese konkrete Situation zu verstehen, die weniger zum Lachen ist, als dass sie dich, mich und uns gerade jetzt schon untergräbt, durchdringt und uns die Zukunft gestaltet. Zukunft ist kein Traum mehr, Zukunft, dass sind die aktuellen Wirtschaftsplantagen ... nicht der alte Schrott, der gerade um dich herum die Tore für den Tag öffnet. Öffnungszeiten ... obsolet. Zum Beispiel. 

Quelle: http://www.imgur.com/hTNHJ4K

They call it the starship ENTERPRISE for a reason.



05.08.2016

Auch mitten in erfolgreichen Berufsjahren zeigen sich die Symptome durch Hochbegabung

'The Independent' online bringt einen Beitrag, wie es Hochbegabten in der Welt des Managements, der Leitung und im Arbeitsumfeld geht. Er beschreibt hierzu in dem lesenswerten Artikel 6 Merkmale:

Link zum INDEPENDENT: http://www.independent.co.uk/life-style/6-surprising-downsides-of-being-extremely-intelligent-a7155196.html 

  1. You often think instead of feel
  2. People frequently expect you to be a top performer
  3. You might not learn the value of hard work
  4. People may get annoyed that you keep correcting them in casual conversation
  5. You tend to overthink things
  6. You understand how much you don't know

Es lohnt sich sehr, den ganzen Artikel zu lesen.

Beste Grüsse

Jona Jakob

31.07.2016

Warum eigene Bedürftigkeit einem gesellschaftlich und beruflich "unbrauchbar" macht und einen gefangen hält

Dieser Beitrag handelt von einem Thema, in welches jeder Mensch reinrutschen kann. Weil dabei die Wahrnehmung von jemandem langsam aber sicher verloren geht und sein 'Für'Wahr'Nehmen' ein unbewusstes Zerrbild darstellt, lohnt sich kein Tag in diesem Zustand höherer Not. 

Ich appelliere selten, ich nutze selten meine Fachkenntnis als Coach, um offensiv auf einen Missstand im Miteinander hinzuweisen. Doch zu diesem Thema will ich mich deutlich machen, da es zu oft vorkommt, zu oft erscheint und zu kläglich verbleibt, wenn niemand da ist, der einem die Augen auswischt, auch wenn das im ersten Moment schmerzlich sein kann. Das verantworte ich. 



Einleitung - allgemeines Wissen:


Mangel: 

Wenn der Mensch einen Mangel verspürt, weckt das in ihm - ob er will oder nicht - bewusste aber auch viele unbewusste Bedürfnisse. Ein bewusstes Bedürfnis ist z.B., wenn ich nun das Bedürfnis verspüre, diesen Beitrag zu schreiben. 

Motivation:

Ein Bedürfnis besteht aus einem Mangel = Motiv und dem Antrieb, diesen Mangel zu befriedigen 'Lokomotion'. Beides zusammen gibt die Motivation. Wir haben mehr unbewusste Motivationen, die uns antreiben, als bewusste, als für uns erkennbare Motivationen, warum wir etwas tun und wie wir etwas tun. Das macht uns für uns selber teilweise 'blind', wird aber um so eher von anderen wahrgenommen. 





Bedürfnisse:

Maslow zeichnete uns seine Bedürfnispyramide

            5. Selbstverwirklichung
         4. Statusbedürfnisse

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3. Anerkennungsbedürfnisse / Akzeptanz / Angenommenheit / Liebe
   2. Sicherheitsbedürfnisse
1. Grundbedürfnisse


Die Bedürfnisse 1. - 3. sind 'existenziell'. Sie sind so wichtig, dass der Mensch im jedem Alter zu Grunde / zu Tode geht, wenn sie nicht erfüllt werden. Daher ist die Isolationshaft mit dem 3. Bedürfnis nach Annahme, Anerkennung und Kontakt eine Folter, auch für Erwachsene. Kleinkinder, so wurde bewiesen, sterben, wenn sie keine Nähe, keine Liebe und soziale Wärme erhalten, so wichtig ist dieses 3. Bedürfnis. 



Bedürftigkeit - Wie sieht meine Not aus?


Was ist für mich 'Bedürftigkeit'?:

Bedürftigkeit entsteht für mich als ein Notzustand, wenn ein Bedürfnis nicht in einer Art 'Normalmass / Normalhäuffigkeit' erfüllt wird. Wenn also ein Mangel über jedes normale Mass hinaus anwächst. Das lässt sich an einem Bankkonto erklären: 
  • Plusbestand auf dem Konto und alles ist gut. Ganz wichtiges Erkennungsmerkmal am sozusagen 'positiven Kontostand': Solche Menschen können
    a) einen eigenen Willen definieren 

    b) sind coachbar, da die Selbstbestimmungskompetenz intakt ist. Solche Menschen haben Anteile, die sie gesellschaftlich geben können: zuhören, Empathie, Bereitschaft, Verantwortung 

    c) sind in der Lage, solches fürs Miteinander anzubieten.
  • Ein Konto kann auch um ca. 20% mal im Minus sein, für ein paar Tage; nicht so gut, aber geht vorbei. Man kennt seine Krise, schützt sich und hat in sich aber die Idee, sofort wieder da rauszukommen, da man im Miteinander für andere einen Anteil Geben miteinfliessen lassen möchte. 
  • Und dann kann ein Konto bodenlos ins Minus fallen, seit Jahren, ohne noch erkennbaren Wert, wie ein Fass ohne Boden, man merkt es schon nicht mehr. In der Psychologie nennt mann einen solchen Zustand "Ver'wahr'losung" eines seelischen Zustandes. 

Normalverlauf:

So wäre es normal, wenn ein Mensch seine soziale Akzeptanz in der Familie, bei Freunden und Kollegen erfährt, mal normal, mal gelobt und geliebt, angenommen, aufgehoben. Vielleicht fällt man mal in etwas Ungnade, weil man für die anderen nicht recht war, man erhält Schimpfis, wird fortgeschickt, die Liebe ist etwas entzogen. Doch wenn alles normal bleibt, ist man doch das Kind seiner Eltern, man bleibt unter seinen Mitmenschen 'ok' und man findet per Friede, Verzeihen, Sühne, Strafe, etc. wieder zurück. Die Annahme, die Anerkennung folgt wieder, die Selbstsicherheit ist gegeben. Hoch und Tief liegen beieinander. Wir wachsen daran. 

Abweichung vom Normalverlauf: 

Es gibt unzählige Gründe, warum ein Mensch aus diesem Normalverlauf hinausfallen kann:
  • gebürtige
  • anerzogene
  • nie emanzipierte
  • persönliche
  • eigen'artige
  • fremde
  • unverstandene
  • unerkannte
  • unangenommene
  • verlorene
  • schicksalhafte
  • gesundheitsbedingte
  • gesellschaftliche
  • etc. etc. etc. (es gäbe noch viele mehr, sehr viele mehr)

Man hat wegen einem oder mehrerer solcher Gründe nicht nur ein kleines Liebe-Minus auf dem Konto des Lebens, sondern das Minus wächst und wächst und wächst: 
  • man wird nicht verstanden
  • man wird nicht angenommen
  • man wird abgelehnt, weggestossen, gemobbt
  • man fühlt sich nicht (mehr) angenommen
  • man fühlt sich abgelehnt, aussen vor behalten
  • man fühlt sich nicht geliebt, nicht akzeptiert, nicht wertvoll, nicht schön, nicht ok
  • man verliert sein Selbst'Wert'Gefühl
  • man verliert seine Selbst'Sicherheit

Nicht selten ist man unter all den anderen Menschen eine Art von 'allein', man ist in dieser Position 'einsam', 'verloren', 'lost'. Man fühlt sich dabei auch kraftlos, wertlos, einflusslos, ohnmächtig, unsicher, desorientiert, etc. 


Gelingen oder Missraten des Miteinanders.
Not-Zustand:

Dieser Notstand eines Mangels an fehlender Sozialer Anerkennung ist desaströs, um es beim Namen zu nennen. Er verunmöglicht die eigene Identität und lässt einem das eigene normale Dasein verlieren, ob man will oder nicht. Meist geschieht das mehr unbewusst als bewusst. Und wenn es einem doch teilweise dämmert, weiss man oft nicht, woran es liegt und was man dagegen tun könnte. Die Lösungen scheinen einem unmenschlich. Das Problem scheint einem auch unmenschlich. Die Spirale dreht sich ins Bodenlose. 

Unterbewusste 'Strategien' des Not-Zustandes:

Der Mensch will überleben. Bevor wir fühlen und denken können, so dass es uns bewusst würde, fängt jeder Mensch früher an, zu überleben - da läuft ein anderes Programm an. Unser Wesen beginnt, Strategien zu entwickeln -  Überlebensstrategien. Und wenn unsere Not ein Mangel ist (siehe oben), wird die Strategie lauten: Sauge ab, wo du kannst, in der Gassensprache: YOU SUCKS!. Ob kleinkindlicher Klammergriff oder hungrige Saugeschnute, wir fangen an, in allem und jedem an- und abzusaugen, was uns der Alltag an Gelegenheiten gewährt:
  • man sucht andere Menschen, die sich aussaugen lassen (Wärme, Essen, Wohnen, Liebe, Geld, Gehör, Gruppengefühl der Dazugehörigkeit, etc)
  • man sucht in allem und jedem Anerkennung
  • man bettelt nach Komplimenten, Kontakt, Empathie, Zuspruch, Gesehenwerden
  • man ist 'fishing for compliments'
  • man bietet nicht an, man biedert sich an, hoffend, gelobt zu werden
  • man wird überaufmerksam, hoffend, man würde geliebt, anerkannt, aufgerufen, etc. 
  • man macht sich mit Nichtigkeiten zum Affen, um Aufmerksamkeit zu erhalten
  • man offeriert Angebote, die man nicht halten kann, hoffend, jemand nehme an und wir seien feine Menschen
  • man bettelt um Kontakt
  • man ist auf allen Kanälen omnipräsent, steht wie ein Hündchen zu jeder Tageszeit und wedelt affig
  • man erklärt sich fortzu, rechtfertigt sich, redet sich die Situation 'erklärbar', man redet sich raus
  • man formuliert und erläutert etwas unzählige Male, als wäre das eine liebliche Handreiche
  • man weiss dabei kaum, wo einem der Kopf steht, man verliert sein Selbst'Bewusst'Sein
  • man erzeugt Aufmerksamkeit
  • man glaubt, wegen Liebe dies und das und noch etwas anderes zu müssen
  • man bricht ein, wenn einem die Liebe abhanden kommt (die nie eine Liebe sondern ein Überleben war)
  • man meidet Menschen, welche die Not nicht mit einem teilen (die können  mich halt nicht verstehen!)
  • man sucht Menschen, die einem in dieser Not halbwegs akzeptieren oder sogar bestätigen
  • man bettelt bei Arbeitgebern, man kann schwer verhandeln, verlieret Einkommen und Rechte, etc.
  • man verzerrt so Projekte, Vorhaben, Ziele, Schritte, Entwicklungen, Beziehungen, Verträge, etc.  
... diese Aufzählung könnte noch lange weitergeführt werden, 

    Bedürftige interagieren so, dass nicht unser Miteinander gedeiht, sondern die eigene Notlage genährt wird.
      Man ist in einer solchen Not schlicht un'möglich (nicht aushaltbar / nicht anstellbar / nicht brauchbar / nicht engagierbar / etc). Man wird zum Opfer, Loser und Bettler. Man hat nicht bei der kleinsten angebotenen Tasse Tee für einen Moment eine eigene trockene Insel unter den Füssen, nein man steht bis über den Scheitel im eigenen Seelenschmerz und atmet diesen, labt sich daran, an diesem Schmerz, man verdaut ihn und finden es normal, dass es nicht anders als so (elend) ist. 

      Was kann ich tun?


      Lösungswege:

      Ist es richtig, so zu leben? Muss ich das? Will ich das? Bin ich zumutbar, wenn ich das 'so' belasse? Hat es etwas mit meiner Selbstverantwortung zu tun, mich um diese Not zu kümmern? Diese Fragen gelten nicht grundsätzlich - sie gelten aber im Kontext der Idee, mit anderen Menschen in einem stimmigen Miteinander bestehen zu können.

      Ich will so viel sagen: Wer sich nicht damit befasst und belässt, was als Not im Argen liegt, der darf sich nicht verwundern, wenn die Menschen von ihm abrücken und nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen. Es mag verständnisvolle und auch mehr ablehnende Formen geben, wie einen andere Menschen ablehnen und auf Distanz halten, doch letztendlich ist es an mir, mich meiner Situation zu stellen. 


      Was man davon hat? Bitte notieren Sie sich von jedem Punkt oben, der negativ ist, die positive Erscheinung und sie haben einen Teil davon, was wieder alles gut und normal sein wird, geliebt, angenommen und lebbar. Aber wenn Sie weiter Opfer Ihrer Bedürftigkeit sind, so dass nicht Sie Ihr Leben bestimmen, sondern es Ihre unterschwelligen Überlebensstrategien  für Sie tun, bleiben Sie ein nicht länger aushaltbarer Partner, der gar kein Partner ist, weil alles, restlos alles, was von Ihnen kommt, nicht nach Partnerschaft, Freundschaft oder korrektem Miteinander strebt, sondern nach Überlebensenergien, die einseitig durch Sie von anderen abgesaugt werden. Und wenn ich, JJ, das noch so krass beschreibe - Sie haben das nicht im Griff. 

      Für mich als Fachperson bleiben Sie auch in diesem Zustand 'ok'. Es ist ok in Not zu sein. Aber jeder ist ebenso ok, wenn wer deutlich signalisiert, dass es Zeit ist, diese Not mit jemandem zu klären. Denn wer Ihnen dies deutlich signalisiert, der will sich nicht von Ihnen abwenden, der wünscht sich vielmehr, mit Ihnen in einem stimmigen und gegen'seitigen Verhältnis stehen zu können, in einem echten Kontakt zueinander. 


      Herzlich willkommen. 


      Jona Jakob

      Zürich Bern Frankfurt

      http://www.consensus-coaching.com

      Nachtrag: 
      Ich habe diesen Blogbeitrag von Jan. 2014 aufdatiert und neu gepostet. Das Problem oder das Thema zeigt sich immer wieder. Parallel einher geht meine Entwicklung als Coach, bedürftigen Personen weder Zeit, Raum oder ein Coaching anzubieten, da es
      • nichts bewirken wird 
      • es nicht als Selbstarbeit sondern als angesaugte Rettungshoffnung verstanden wird 
      • die Menschen nicht wirklich bei sich sind, auch nicht nach viel Aufmerksamkeit
      Dieser Umstand zwingt mich als Coach die Profession zu klären, dass ein Angebot unseriös wäre und angenommenes Honorar versteckter Betrug wäre. Ich will das nicht und tue es nicht. Was ich tun mag ist, dass ich versuche zu erklären, dass hochbedürftige Menschen sich erst heilen lassen sollen, durch welche Praktiken auch immer. Das ist und bleibt ok. Auch dort muss aber bewusst werden, dass man von sich selber eines Tages ablassen wollen muss - sozusagen gefragt: "Ab wann bin ich selber nicht mehr mein Thema?" Ab da kann Fortschritt und Loskommen erreicht werden und der Weg zum Prospektiven, allenfalls durch Coaching begleitet, entstehen. Denn COACHBAR ist nur, wer ein unbetroffenes Mass an SELBSTBESTIMMUNGSKOMPETENZ hat. Die muss gegeben sein, sonst sollte man vom Begriff 'Coaching' absehen und es würdig Heilen, Praktizieren, Therapieren nennen.