07.11.2014

Im Konkliktfall anhand der Eskalation allenfalls andere Bedürfnisse erkennen

Hallo zusammen

Ich möchte beschreiben, was sich für mich erst in diesem Alter geklärt hat und was vielleicht jemandem dienlich sein kann.

Es geht darum, weshalb ich, wenn ich sauer werde, eklig, genervt bin oder Kummer schiebe, ich über viele Jahre in zusätzlichen Streit mit meinen Nächsten, Partnerinnen, mit der Mutter kam und was ich bisher nie verständlich machen konnte, da mich in dem Moment die Nächsten nicht "so" verstanden, wie ich es gebraucht hätte.

Wie es bisher total daneben geraten ist (Eskalationsspirale beider Seiten)


  • Ich gerate in eine gefühlte Schieflage, eine massive Schieflage. Ich flippe aus und kriege einen fürchterlich dicken Hals wegen einer Sache. 
  • Oder ich bin genervt, gereizt, meine Haut ist dünn und ich ertrage nichts mehr. Das kann bei meiner Art von Hochsensibilität zB dann sein, wenn meine Präsenzfähigkeit als "feinfühlige Batterie" leer ist und ich meine, es fallen noch Anfragen und Anforderungen an, ich hätte aber keine Kraft mehr, für diese präsent sein zu können. 
  • Dann bin ich überfordert und gerate in einen heftigen Strudel von Frust, Traurigkeit, Verlorenheit und Ohnmacht. Ich gerate hochgradig aus meinen Geleisen.


Nun passiert folgendes: Meine Partnerin, meine Ex-Ehefrau, meine Mutter, allenfalls mal Geschäftskollegen gehen dann in folgende Variante zu reagieren: Sie fangen an, 
  • sich Sorgen wegen meiner Sorgen zu machen. S
  • ie kümmert, wenn mich etwas kümmert. 
  • Sie kriegen sorgenvolle Gesichter und Intonationen, wie ich sie gerade eben begonnen habe.
  • Sie fragen: Was sollen wir tun? 
  • Und: "Es bedrückt mich, wenn es dir nicht gut geht. 
  • Es macht mich traurig, wenn ich dich so sehe."

Und ich, ich reagiere darauf mit noch mehr Wut, schimpfe und finde es den totalen Scheiss, wenn der- und diejenige auch anfängt zu jammern, wo doch ich am jammern bin. Warum übernimmt / klaut / reisst an sich der nun eigenen Raum für Klagen, Probleme und Gestöhne. Ich fühle mich verraten, unbeachtet und mehr als missverstanden. Und weil ich dann anfange zu bellen, beklagt der andere, dass ich mich über ihn/sie beklage, wo er/sie mir doch nur helfen möchte und sich kümmere, blablablubb.

Und so, ihr versteht wohl, dreht sich die negative Spirale bis zum Exzess und zu einer noch höheren Erschöpfung. Und es ist fürchterlich und braucht bisweilen mehrere Tage, bis ich aus dem rauskomme und mich davon erholt habe, und vermutlich geht es den Betroffenen auch so.
Das kommt nicht oft vor - aber wenn, dann ist es richtig übel und es verblieb bis jetzt auch stets ungeklärt. Ich (und die anderen) liessen die Zeit die Wunden heilen - aber die Narben sind vermutlich noch da.


Was ich in diesen Situationen brauche:

Was konnte ich endlich herausfinden?
Ich konnte klären, dass ich nicht bekomme, was mein Bedürfnis ist.


Was brauche ich in meiner Not nicht: 
  • kein grosses Mitgefühl, jedenfalls kein mitklagendes 
  • niemanden, der wegen meiner Lauen in selbe Negativspirale gerät 
  • niemanden mit "Oh" und "Weh" und mit Sorgenfalten im Gesicht 
  • niemand, der mich bemitleidet 
  • niemanden, der anfängt zu klagen, dass ich klage 
  • niemanden, der mir seine Leiden aufzeigt, wenn ich meine Leiden aufzeige


Denn ich weiss: 
  • ich bin nicht sterbenskrank, die Krise hat ein Ende 
  • ich habe einen Moment schlechte Laune und bin allenfalls 'leer' (Präsenz) 
  • ich kann mich selber managen und kurieren 
  • ich kann gut für mich schauen, wenn man mich lässt

Ich bin ein grosser Beschwörer von arbeitsamen Partnerschaften. Das Bild hierfür, welches ich habe, ist das von zwei Kampfdüsenjets. Diese fliegen Angriff für Angriff, Ziel für Ziel leicht versetzt nebeneinander und sind damit höchst erfolgreich (Power Couple). Wenn ich als Düsenjet nun ins Trudeln gerate und absturzgefährdet bin, will ich wirklich alles andere, als dass die andere Maschine im selben Moment wegen mir anfängt, ebenfalls Trudel- und Absturzerscheinungen anzuzeigen. "W-t-f!" Wenn ich in Flugnöte gerate, dann brauche ich die andere Maschine in vollem Einsatz, was meint:
"Was ich jetzt in meiner Absturzgefahr brauche, ist, dass du meine Position voll und ganz übernimmst. Das ist mein Verständnis unserer Partnerschaft und dem Team-Gedanken. Wenn einer ausfällt, schliesst der andere oder schliessen die anderen SOFORT UND OHNE WENN UND ABER die Lücke und gewähren mir damit die VOLLE Entlastung bei gutem Gewissen."

Was meine ich damit: 
  • Übernimm SOFORT die Führung, bleib dabei aber cool und lachend 
  • Bitte stellt mich ohne grosse Bedenken sofort frei 
  • Schick mich vom Arbeitsplatz oder nach Hause 
  • Schau, dass ich aus der Situation (Ort) weg komme 
  • Gib mir Signale, die Zielerreichung auch ohne mich zu erreichen 
  • Sei und bleibe souverän und ohne Sorgenfalten, lache und sag:"Ok, du bist heute nicht mehr zu gebrauchen, bring deinen Jet korrekt zu Boden uns reparier dich - wir fliegen ohne dich und bringen die vereinbarten Dinge auch so ins Ziel. 
  • Gib mir Sicherheit und momentane 100%-Entlastung, die sich für mich OK anfühlt, so dass ich mich entlasten und entspannen kann. 
  • Sende keine Schuld- oder Klagensgefühle oder sonstige Bedenkenssignale 
  • vielmehr brauche ich nun deine Zuversicht, deine Willenskraft, deine Ansage und dass meine Lücke ohne Probleme gefüllt und für den Moment übernommen wird. 
  • Gib mir das Gefühl, dass nix zurücksteht, bloss weil ich ausfalle. 
  • Übernimm den Lead.

Das ist es, was ich brauche.

Da ich sonst nicht in dem Zustand bin, sondern eher ein Leader / Pusher / Begleiter - einer, der sehr aufmerksam für andere da ist, kann ich in meiner Erschöpfung nicht ertragen, dass noch jemand mit klagen anfängt, weil das in mir gleich wieder Schuldgefühle hervorruft, die ich in der Kraftlosigkeit nicht mehr handhaben kann.


Oder: Weil ich sehr aufmerksam bin, möchte ich nun deine Aufmerksamkeit, die mich trägt und mich entlastet, allenfalls mit etwas Hauruck nach Hause schickt, so dass ich für mich schauen kann. Gib mir das Gefühl mich und die Situation zu übernehmen. Gib mir die Power, nun nicht auch ins Trudeln zu kommen, so dass ich spüren kann, dass dein Düsenjet jetzt erst recht einsatzbereit ist und unsere Ziele anfliegt.

Das, und nur das, verstehe ich unter "Flügelschutz auf sechzehnhundert." Und nur so ist er auch zu verstehen. Daher: Fang nicht an wegen mir zu heulen, bloss weil ich heule. Übernimm!

Das ist es, was ich in dem Moment brauche.

Grossartig. Danke.

Jona Jakob
Zürich Bern Frankfurt

31.10.2014

Meine Ichs und ich - ein Erklärungsversuch

Warum sollte gerade ein Coach sein 'Zeug' nicht für sich selber anwenden? Ok, vielen mag es befremdend sein, Erlerntes oder Angeeignetes konkret ins eigene Leben zu integrieren. Daher gehen viele in Schulen, Ausbildungen und Kurse bis hin zur Zertifizierung - aber ändern, wirklich was ändern tut sich kaum (siehe Tanzschulen, höchster Level: sie zählen immer noch).

Ändern, wirklich anders sein und leben, das muss man schon wollen und auch irgendwie wagen. Und es ist nicht meine Aufgabe, Daseinsformen zu monieren, sondern meine Aufgabe ist es, selber zu tun, was mir möglich wird, also etwas anzubieten per eigenen Dasein, woran man vielleicht schnuppern mag, abschreiben oder es sich als Orientierung herbeiziehen.

Gestern notierte ich folgende Statusmeldung:

Heute habe ich erst mal darüber nachgedacht, wer ich so bin, die nächsten Jahre. Ich fand einige Ichs, aber es fehlte eben auch eines. Ich zeigte Elke die Situation und sie machte 'ne Bemerkung. Damit fand ich noch das gesuchte Ich. Nun kann es morgen ganz normal weitergehen. Danke, meine Liebe. :-) ... grossartige Tage, solche.

Darauf hin notiert mir ein lieber Freund und Kontakt:

Bin immer wieder fasziniert von deinen Zeilen. Klingt alles so fliessend und positiv. Nur.....! Verstehen tu ich meist gar nix?

Was ich gestern den ganzen Tag lang getan habe, ist mein Ich in eine Art Übersicht zu bringen, um mich selber (noch bzw. wieder) erkennen zu können:

Es gibt als Ich in der Schweiz und in Deutschland:
- den schweizer Coach
- den deutschen Coach
- die CH-Fachperson für die Themen Hochbegabung und Hochsensibilität
- die DE-Fachperson für die Themen Hochbegabung und Hochsensibilität
- den CH-Prüfungsexperten für Techn. Kaufleute + Netzwerk
- den CH-Prüfungsexperten für Marketingfachleute + Netzwerk
- den Menschen Jona für CH-Beziehungen, Freundschaften, Kontakte
- den in Bern auftretenden Jona
- den in Zürich auftretenden Jona
- den in Horgen segelnden Jona

Es gibt weiter als Ich in Frankfurt (alles noch neu und in Gestaltung):
- den Inhaber von Consensus Coaching Deutschland (Homebase)
- den in Frankfurt auftretenden Jona
... mit einem Netzwerk zu Cigarrenfreunden und Geniessern
... mit einem Netzwerk zur Segelei in Frankfurt
... mit einem Netzwerk zu div. Gesprächs- und Philosophiesalons
- den privaten Partner, Nachbar und Hundebesitzer + Freunde und Netzwerk
- den XINGer
- den LinkedIner

-> hier fehlte gestern ein Ich für die nächsten 10 Jahre - hier suchte ich ...

Es gibt noch das Ich in der Region Stockstadt/Aschaffenburg/Untermain:
- den Manager in einer KMU mit leitender und entscheidender Rolle
- den Repräsentant und marktverantwortlichen dieser KMU + reg. Netzwerk
- den Vorgesetzten

Das oben ergab eine Zeichnung über zwei Blätter A4.
Es ergab einen Klärungsbedarf über 4 Websites und 8 Blogs.
Es ergab die Informationsinhalte und Aussagen für eine Visitenkarte.
Es ergab die Antwort auf die Frage: "Was machen Sie?"

Meine Ichs und ich - Jona Jakob / Bild: Bild: (c) bei Jona Jakob, privat.
Und nun zum Wesentlichen:

Obwohl geschrieben und strukturiert, so dass es sehr 'erdacht' wirkt, wie eine gedankliche Konzeption und ihre inhärente Positionierung, ist das für mich selber nicht wirklich "so".

Was unterscheide ich für mich?

Ich möchte meinen, viele würden ohne Probleme über sich selber eine solche Struktur erstellen können - was übrigens eine gute Sache ist, weil man dabei erkennt, wie viele man ist und wohin überall vernetzt und niedergelassen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich selber mal darzustellen.

Ich aber - für jene, die das nun interessiert - FÜHLE / SPÜRE das. 

Ich weiss von mir, dass ich mit den Jahren drei Formen von 'Denken' erlernt habe, so als könnte ich Klavier und Gitarre spielen und nun noch Schlagzeug lernte:

- ich kann denkend denken und
- ich kann fühlend denken
- ich bin dabei zu lernen, von der körperlichen Zelle her zu denken (physisch) (erste Anfänge: mich hören, sehen, fühlen, schmecken, riechen)

Wenn ich nun sagen würde: "... dabei geht mir ein 'Film' vor dem inneren Auge ab", dann wäre das

- bei denkendem Denken: ein Film, Bild für Bild, geht strukturiert in mir ab

- bei fühlendem Denken: ein Nebel, Sprühfilm, Wolke, Schleier bewegt mich innerlich (flüssig und randlos) zu erdachten Gedanken

Und dieses Erfühlte brauche ich - sonst kann ich mich irgendwie nicht wahrnehmen und habe keine Antwort, wenn mich jemand fragt: "Was machen Sie?" Ich könnte nicht coachen, nicht da-sein, nicht wirken ... ich wäre völlig von den Geleisen (was ruhig ein paar Tage sein darf). Aber sonst, wenn ich wirksam bin (auch bzw. gerade als Manager), bin ich in diesem für mich fühlbaren Verstehen meines Ichs.

Was ich dann vermisste und suchte, war noch ein Ich, ein "Wie-möchte-ich-mich-über-das-hinaus-verstehen?" Das hat mit meinem Alter zu tun (52), mit meinem neuen Lebensmittelpunkt (Frankfurt), mit den möglichen nächsten 10-20 Jahren. Es ist die Zeit, wo andere vielleicht ihre Akademie gründen, ihr Institut, oder ein Buch schreiben, eine DVD veröffentlichen. Oder sie reisen, gesunden, richten es sich schön ein. Oder sind mit der Altervorsorge beschäftigt, mit Kindern und Jugendlichen oder Lasten des Lebens.

Das hat mich alles nicht angesprochen. Bewegt hat mich hingegen der Gedanken (Elkes Gedanke), Schüler zu werden, Student, Anfänger und Fragender. Das gefällt mir mehr, als jede Etablierung des Erreichten. In Frankfurt gibt es die Uni fürs 3. Lebensalter und da werde ich wohl meine Aufgaben neu finden.

So wird mein neues Ich ein Lernender. Und wenn dann jemand fragt: "Was machen Sie?" dann sage ich: "Ich coache." Ich finde, das hat so seine passende Berechtigung, egal was der andere dann denkt. Soll er mal.

Cheers - ich schlief letzte Nacht tief und fest und heute spüre ich mich geradezu stimmig und als mich,

Jona Jakob
Zürich Bern Frankfurt

P.S. Sollte es Ihnen schwer fallen, fühlend zu denken, überlegen Sie mal, ob Sie elterlich, beruflich, jobmässig etc. in einer stark hierarchischen Struktur leben (top-down) - eine solche lässt das kaum zu, wenn sie sich nicht davon emanzipieren vermögen.

P.P.S. Wenn ich Sie nun frage, ob mein gefühlt geklärtes Selbst-Verständnis eher ermöglicht, mit willentlichen Einstellungen zu arbeiten/wirken/ziele-erreichen (Matrix-Methode / Morphogenetische Felder / etc) - was glauben Sie, wird die Antworte sein? Und kann ich damit arbeiten, wenn ich mehrheitlich mit denkendem Denken ticke? Sie können gerne auch einen Meister asiatischer Künste fragen - beim Wort 'denken' reisst dem der Film :-)))

30.09.2014

Hochbegaben

Quelle: Das gif stammt vom Designer Skip Hursh:http://www.skiphursh.com 
Skip is a Designer, Animator and Artist from the midwestern USA, based in Brooklyn, NY. His work ties a thread of playful abstraction and vibrant colors through works both simple and complex. He works as a Designer at Tumblr, and was previously an On-Air Designer & Animator for Nickelodeon, and has collaborated with a variety of freelance clients including Google, Scholastic, Gap, Discovery Channel, GOOD, Vine, Digg, Giphy, and French Horn Rebellion.

Skip is currently available for select freelance projects.

Ich danke Skip Hursh für das Nutzungsrecht in diesem Blog und für unser Thema.

24.08.2014

SPIEGEL online Artikel - unkommentiert

Head: Nein, man hat es nicht leicht als Hochbegabter. Bei Kollegen ecken sehr intelligente Menschen oft an - unter anderem, weil ihnen Smalltalk zuwider ist.

Link: Zum Online-Artikel


10.08.2014

Fly Robin fly - Up up to the sky!

Es gibt seit kurzer Zeit Momente, wo ich so etwas wie einen 'neuen Freiraum' in mir verspüre. Von mir selber würde ich behaupten, gemessen an dem Zeugs im Kreis lebe ich ein konkretes Leben ausserhalb des Kreises. In den Grundzügen schon. Und klar, nicht zu selten liegt mein Handeln dann auch wieder im Kreis. Aber stellen Sie sich vor, ich flöge mit meinem 'Raumexplorer' abgelöst vom Kreis im Aussen-Raum, wo auch der Rand der Tafel oder des Bildes keine Grenze darstellt. Wörtlich fliege ich flugfähig im "All".

Und nun, wo ich diesen Freiraum neuerdings in mir spüre, diese unermessliche Dimension offenstehender Möglichkeiten, da sucht es in mir nach einer anfliegbaren Dimension. Trekkies würden vermutlich nach einer anderen Galaxie fragen, einem Raum oder auch Sektor.

Wohin bewege ich mich, wenn ich vom Kreis loskomme? Wieder in den Kreis rein, um ihn als Eizelle zu befruchten? Werde ich sub'versif? Löse ich aus? Und was?

Oder exploriere ich? Suche und finde neue Felder, Räume, Dimensionen? Was macht mein Ich und was wird aus unserem Miteinander?

Ich bin 52 und mir ist nach Aufbruch, Gestaltung einer Erbaulichkeit, Spur im Leben. Macht mich das lächerlich? Unfrei von der Idee, etwas geleistet haben zu müssen? Kann ich nicht einfach in der Tonne in der Sonne liegen? Wäre das Lassen nicht viel grösser? Muss es gross sein?

Mein ganzes Leben lang war ich ein Flucht-nach-vorne-Typ. Lieber Staub aufwirbeln, Gerüste zerschlagen, das Fass zum überlaufen bringen, damit was geht. Und vielleicht ist es dieser alte, mir nicht ganz klare Trieb, mich pro'aktiv bewegen zu wollen, wagend und ins Unbekannte schiessend, weil andere, simple ausgedrückt, nichts zu essen haben. Aufbruch und Wagnis, als Verantwortung, als Gestus gegenüber jenen, die keine Möglichkeiten geschenkt erhielten, schon gebürtig nicht? Bin ich verkappt? Schäme ich mich? Ich spüre: Nein, nicht schämen, im Gegenteil, unverschämt.

Ich werde bestimmt, auch ohne Antworten, nicht an diesen Kreis andocken, bloss weil ich nicht weiss, wohin fliegen. Es allein auszuhalten, fliegend nicht zu wissen, wohin, allein das ist ein enormes Vermögen meiner Künste - Kraft aus dem, was nicht ist, was dazwischen liegt, was die Leere macht, um Fülle zu bergen. Ich bin fähig im Nichts, siehe allein, dass ich fliege.

Und noch etwas: es ist mir schnurzegal, welches Ihre Position und Lage ist. Das ist auch so eine Sache, So kann ich, aussenraumfliegend, Ihr Trabant werden, wenn vereinbart, Ihr Begleiter. "Flügelschutz auf sechzehnhundert." Aber lassen Sie es sich gesagt sein, das ist nur meine Aufgabe, mein Brotverdienst, sonst ist es nichts und als solches ist es so sehr an den Kreis geheftet, dass es fürs Menschwerden nicht sonderlich was Verdienliches darstellt, ausser etwas Entlastung der Gemeinschaft, wenn ich für mich selber schauen vermag. Doch mit dem Gedanken ist kein neues Amerika zu entdecken. Also sitze ich da und habe zumindest dieses Schnuppern und membran zitterndes Spüren von möglichen Räumen, die ganz klar noch anzufliegen sind, auslösend und sichtbar werdend, als begegne man in der Dunkelheit einem Leuchtfisch.

Heute ist ein schöner Sonntag und irgendwas löst mich, hebt mich ab.


Jona Jakob

06.03.2014

tagesanzeiger.ch: Auch junge Männer leiden häufig an ADHS

Hallo zusammen

Ich fand bei tagesanzeiger.ch folgenden Beitrag: 

Lange glaubten Experten, dass nur Kinder und Jugendliche von Aufmerksamkeitsstörungen betroffen sind. Doch ADHS wächst sich selten aus. Das unterstreicht eine neue Schweizer Studie.

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Auch-junge-Maenner-leiden-haeufig-an-ADHS/story/29167583



Mein persönlicher Kommentar: 


Ich bin heute noch immer und immer wieder erstaunt, wie "seltsam denkend" sich manche Köpfe geben, was Hochbegabung, Hochsensibilität oder hier ADHS betrifft. Was mir dabei so 'dämlich' vorkommt, ist, dass die meinen, ein hochbegabte Kind sei dann als Student nicht mehr hochbegabt und ein Erwachsener könnte keinesfalls hochbegabt sein, schon gar nicht als Elternteil von hochbegabten Kindern. 

Diese "fixierte Zuordnen an Entwicklungsklassen [Kleinkind / Kind / Jugenliche / Studenten / Erwachsene) ist mE doof und blind wie Anton. Damit einher geht meine Erfahrung darin, dass man als Mensch mehrfach aus einer Zeit entlassen und in eine neue Zeit (Etappe / Phase) gestossen wird, ohne dass sich jemand Zeit und Bereitschaft dafür nehmen würde, diese Übergänge und Entwicklungen vorzubereiten bzw. dann einführend zu begleiten. Die Schule entlässt ans Gymnasium, das Gymnasium entlässt an die Uni, die Uni entlässt in den Arbeitsmarkt. Doch Lerninhalte für die nächste Lebenszeit, eine Art Inhalte einer Lebensschule, die gibt es mE nicht oder kaum. 

Verpasste Themen dabei: 

  • Sexualität, Intimleben und Partnerschaft
  • Lebensphase des Kindes, jungen Menschen, Erwachsenen
  • Wachstum, Entwicklung, Reife, Engagement
  • Familie, Trauer, Krise, Tod
  • Lebensinhalte, gedankliche Schulen und Gerüste, Religion, etc. 
  • frühes Geld, Geld, langfristiges Geld
  • Karriere als Ganzheit, inkl. Gesundheit
  • Ich-Kompetenz und Sozialkompetenz


Da ist für mich kein bewusster Plan oder eine Ganzheitlichkeit. 'Jeder' schlittert im Verlauf seiner ersten 40 Jahre auf eine grosse Baustelle zu, die dann in einem ersten Bewusstseinsprozess saniert werden muss. 


Hochbegabung ist kein 'Kindheitsthema', sondern ein Gesellschaftsanteil. JJ, 2014

Für mich ist es klar und unmissverständlich, dass sich ein ADHS-Problem nicht einfach aus einer Alters- oder Lebenszeit herauslöst und verschwindet. Das tut es auch nicht was Hochbegabung oder Hochsensibilität betrifft. Eher wäre es mE möglich, dass sich solche und ähnliche Prägungen über die vielen Jahre sammeln und sich dann als Erwachsener noch viel schwerer ausdrücken, ob positiv oder in Leiden und Scheitern. 

Beste Grüsse

Consensus Coaching Jona Jakob
Zürich und Frankfurt

21.02.2014

"IT SUCKS!" - Warum die eigene Bedürftigkeit Partneschaften, Projekte, Arbeit und Werk versaubeuteln kann.

Am 13.1.2014 veröffentlichte ich den Basisbeitrag zum Thema Bedürftigkeit:
"YOU SUCKS!" - Warum eigene Bedürftigkeit einen verunmöglicht

Diesmal zeige ich mögliche Auswirkungen auf Zusammenarbeit

Dieser zweite Beitrag handelt von Situationen der Zusammenarbeit, in welche beteiligte Mensch reinrutschen können. Weil dabei die Wahrnehmung von jemandem langsam aber sicher verloren geht und sein 'Für'Wahr'Nehmen' ein unbewusstes Zerrbild darstellt, lohnt sich kein Tag und keine Stunde in diesem Zustand hoher Not weiter zu co-existieren bzw. zusammenzuarbeiten. 

Diesmal geht es um
- Arbeitsgemeinschaft / Wohngemeinschaft / Sharing / Familienfeste
- Projektarbeit / Zusammenarbeit / Team / Paararbeit
- Ausschreiben / Offerten / Preise / Leistungen und Gegenleistungen / Aufträge / Auftragserteilung
- Zusammenarbeit / Work-in-progress / Etappen / Zwischenresultate / Nebenresultate / Auswüchse
- Abweichungen vom Ziel / Vorschussleistungen / Schmuseeinheiten / Liebhudelei / Kindergarten
- Übermass / Überschuss / Verblendung / Selfness / Bedürfnisorientierung vs. Bedürtigkeitsorientierung
- Ende-Aus-Schluss / Leck-mich / Never-again / Ablehnung / Verletzung / Ent'Täuschung

Wenn Zusammenarbeit scheitert

Ich schreibe von Arbeiten und Leistungen, welche von mindestens zwei Menschen gemeinsam gewünscht oder erbracht werden, die dann WEGEN DER BEDÜRFTIGKEIT von mindestens einer Person der beiden scheitert. 

Was ist der Unterschied von Bedürfnis und Bedürftigkeit?
Dies führe ich einleitend im ersten Beitrag aus, den Sie hier finden:
http://begabt-sensibel.blogspot.de/2014/01/you-sucks-warum-eigene-bedurftigkeit.html

Kann ich distanziert selbstempathisch bleiben oder "hungern" meine Gefühle in einem Notzustand?


Wer ist prädestiniert, in eine solche Situation zu geraten?

- wenn beide bedürftig sind und sich eher im selben Leiden verstehen, als in der Zusammenarbeit
- wenn wer früher mal eigene Bedürtigkeitserfahrungen machen musste (neigt dazu, da bekannt)
- wenn wer eigene Bedürftigkeiten nicht erkannt hat und auf dem Auge sozusagen blind ist
- wenn wer Arbeit und/oder Partnerschaft mit Hilfe und falschem Goodwill verwechselt
- wenn sich wer täuschen lässt, egal warum
- wenn wer ersten Verlockungen unterliegt, weil er nicht hart und kritisch genug sich und den Auftrag prüft
- wenn wer Klärungen scheut oder ihnen strategisch aus dem Weg geht
- etc. 

Was wird die Wirkung / das Resultat sein? 

Kurz gesagt: 
- Wenn jemand bedürfnisorientiert arbeitet, bleibt sein Fokus beim Dienst am Kunden / Projekt. 
- Wenn jemand bedürftig an einer Sache arbeitet, sind seine Ziele und Strategien allesamt für sich selbst ausgelegt! 
Das fängt z.B. damit an,
- dass jemand eine Art Vorschussleistung anbietet [möchte aber gelobt und angenommen werden]
- dass jemand sich anbiedert [Ach, geht es dir auch so / So sehe ich das auch / Oh ja! / etc]
- dass jemand sein eigentliches Ziel aus den Augen lässt und etwas Neues "nur für dich gemacht" hat
- dass jemand dann sein Werk, was nun plötzlich für einem sein soll, gestaltet und ausbaut, wie es ihm [aber nicht mir / keine Klärung / keine Bedürfnisorientierung / gut gemeint ist nicht immer ideal] zusagt
- dass jemand viel zu viele Stunden über das Mass einsetzt [Schaffung von Solidarität -> Schuldgefühle]
- dass jemand mit Suggestivfragen nach Zusage sucht [Bist du auch der Meinung, dass ...?]
- dass jemand anfänglich weder Auftrag, Preis noch Gegenleistung klärt
- dass jemand Dinge ausführt, um die er nie gebeten wurde [um als 'Feiner' zu gelten]
- dass jemand dann verletzt reagiert, wenn man nicht länger zustimmt
- dass jemand plötzlich "SEIN Werk / SEINE 'Qualität' / SEINE Erstellweise / etc" reklamiert bzw. betont
- dass jemand weiteren Eigennutzen bei selber Fertigung unabgesprochen einbaut

... kurz: Es fehlt jeweils die Rück- und Aussprache bzw. Klärung mit dem "möglichen" Auftraggeber. Vielleicht haben Sie jemanden nie um einen Gefallen gebeten, vielleicht auch nur teilweise bejaht oder zugestimmt, aber nicht in der letztendlich vorgehaltenen Form. Solche Menschen suchen keine Klärung sondern jeder Zwischenschritt ist so 'geliefert', als dass man danken müsste, Bravo! sagen oder sonst wie Liebhudeln. Dabei haben Sie selber nichts verlangt noch erwartet. Sie geraten mehr und mehr in eine Art Falle von Schuldgefühlen und dem gefühlten Zwang, sich distanzieren zu müssen, bis hin zum brüsken STOPP / HALT / BASTA!

Da der Zurückgewiesene mit seinem Handeln, zu gefallen, nicht gefällt, fühlt er sich erneut unverstanden, ungesehen, unangenommen - seine Bedürftigkeit bestätigt sich für ihn, seine Strategien, geliebt zu werden, werden sich verstärken.


Was können Sie für sich tun?

Eine Arbeit sollte durch einen Auftrag und eine Gegenleistung geklärt, vereinbart und beauftragt werden. Daher ist auch das Zahlen eines Auftrages so wichtig (eigene Entlastung). Dann ist während dem Auftrag die zielorientierte Leistungserstellung quantitativ und qualitativ fortlaufend von beiden Seiten her zu prüfen und sicherzustellen. Klären Sie auch Geistiges Eigentum, Rechte, Form, Farben, Sounds, Varianten, Stückzahl, Termine, Vereinbarungen, Zahlung und Konditionen etc. etc. - bleiben Sie der Zusammenarbeit und dem Werk zuliebe sachlich und auftrag- wie bedürfnisbezogen. Lehnen Sie Überschwenglichkeit ab, Goodies beschönigen und charmanter Schmus soll etwas überdecken. Gute Arbeit bleibt sachlich und korrekt. 

Was können Bedürftige tun?

Sich selber fragen, warum man all das Überschwengliche leistet? Warum bettelt man nach Anerkennung? Warum mag man meine Leistung und meine "Geschenke" nicht? Warum finden Frauen solche Männer wie Kinder und beenden dann die Partnerschaft? Warum finden Männer solche Frauen wie Heulsusen, Stalkerinnen und Kletten? Wie weit ist die eigene Co-Abhängigkeit von solchen Menschen, um nicht zu hart ins Gericht gehen zu müssen?
Mit solchen Beobachtungen zum Psychiater oder Coach gehen und die Ursache für die angestaute Bedürftigkeit zusammen klären. Danach Regeln für die Selbsthygiene ausarbeiten und sich stets selber kontrollieren. Aufwand in Coachings: ca. 2 x 3 Stunden.

Das liest sich vielleicht etwas schroff, sollte mE aber nicht beschönigt werden. Liebe Bedürftige, es ist ok. Doch versucht, euch mit jemandem zu klären. Denn die 'Anderen', die würden gerne MIT euch leben und arbeiten. Doch wenn euch eure Not an Gefühlshunger verhindert, verliert ihr nicht nur euch selber, ihr verliert auch alle anderen. Daher ist es mE so viel wert, sich bei solchem 'Verdacht' bei jemandem zu zeigen, der das wahrnehmen und wertfrei prüfen kann. Es kann wunderbar sein, aus dieser Situation hinauszugelangen.

Jona Jakob, Consensus Coaching
Zürich und Frankfurt

06.02.2014

"Yipiee!" 30'000 Abrufe

Sehr geehrte Leserinnen
Sehr geehrter Leser

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an diesem Blog, der heute seine 30'000 Abrufe überschritten hat. Das ist mir ein motivierendes Dankeschön von Ihnen, liebe Leserschaft, und das ist für mich eine grosse Freude. Erst kürzlich schrieb mir jemand mit seinen 52 Jahren - ich darf den Wortlauf verwenden, lieben Dank hierfür:

Aber es war eine so unglaubliche Erfahrung in Ihrem Blog zu lese, habe das ganze Wochenende damit verbracht. Es hat sich gelohnt. Gestern Abend, habe ich Ihren letzten Beitrag gelesen. Heute Morgen während ich meinen Kaffee trank, musste ich an Sie denken, an das was Sie schreiben und wie Sie es schreiben, an das was es bei mir ausgelöst hat. Irgendwie ist es wie ein Puzzle, es passt alles perfekt zusammen, Stück um Stück.Es war einfach nicht möglich mich damit aufzuhalten, den Strom meiner Gedanken (Bilder welche es zu Worte zu bringen galt), zu unterbrechen. Das, währe schade gewesen, denn ich befand mich dabei wie in einem erweitertem Bewusstseinszustand. Es war wunderbar, glücklich fühlte ich mich, am richtigen Ort. Diese Begegnung mit Ihnen, mit Ihrer Arbeit, Ihren Gedanken, hat mich wieder dahin zurück geführt. Kann es wieder sehen, spüren, es für möglich halten. Dafür bin ich Ihnen unendlich Dankbar. Sie dürfen meine Texte welche ich Ihnen schreibe, immer benutzen. Damit möchte ich Ihnen etwas zurück geben.


Der Blog 'Hochbegabte Hochsensible Erwachsene Schweiz' will weiter an seinen Beobachtungen wachsen. Er ist für alle gedacht, welche sich mit den Themen der Hochbegabung oder der Hochsensibilität bei Erwachsenen beschäftigen wollen, ob selber davon geprägt oder ohne Betroffenheit, vielleicht als Partner, Arbeitgeber, Kollege, Elternteil oder Verwandter.

Ich freue mich über Kommentare und Bewertungen und wenn Sie den Blog weiterempfehlen mögen.

Auf nächste fünf Jahre und viele Abrufe mehr.

Mit herzlichen Grüssen

Jona Jakob


04.02.2014

Hochbegabte Erwachsene: Gastbeitrag mit Jahrgang 1961

2. Februar 2014, Coldrerio, Schweiz

Guten Abend Herr Jakob

Schön Sie gefunden zu haben, Ihre Seiten gelesen zu haben… es hat mir eine Welt eröffnet. Coaching für Hochbegabte, dass es dies gibt?! Ja klar, nun ist mir auch bewusst weshalb meine Versuche eine Therapie anzugehen, immer geschneidert sind. Das lag an der Grösse des „Schraubenschlüssels“.

Das Interview mit Frau Lilli Cremer-Altgeld hat mit dann den Mut gegeben Ihnen zu schreiben.

Ich bin Jahrgang 1961, mit wenig Schulbildung und einem IQ von (*ca.) 145… gemessen wurde dieser vor langer Zeit, damals war ich so um die so um die 27 Jahre jung. Ich hatte einen Psychologen für eine Berufsberatung aufgesucht. Als ich zur zweiten Besprechung kam, schlug er mir vor einen IQ-Test zu machen. 




Bis dahin hatte nie davon gehört. Aber es wunderte mich nicht besonders, dass er sich Klarheit über meine Intelligenz verschaffen musste, schliesslich hatte ich nur eine sehr dürftige Schulkarriere vorzuweisen. Da stellte sich natürlich schon die Frage, ob es an einem Mangel an Intelligenz liegen könnte, dachte ich.

Also machten wir den Test. Er legte mir ein dickes Buch vor, erklärte mir ich müsse mich durch die Aufgaben arbeiten und er würde mich dabei filmen, dann lies er mich alleine. So, nun fing ich an die Aufgaben zu bearbeiten aber es wurde mir bald langweilig dabei. Da habe ich das „Buch“ umgekehrt (so wie man es oft mit langweiligen Büchern macht in der Hoffnung weiter hinten käme dann doch noch was Spanendes). Also habe ich mich, so ab Mitte des Aufgabenbuches, von hinten nach vorne gearbeitet…. es war nicht viel spannender.

Bei meinem darauffolgenden Besuch, teilte mir mein Berufsberater das Resultat des Testes mit. Er sagte mir er hätte einen IQ von 145 messen können. Er nehme jedoch an, dass er eher höher liege, so um die 160. Da ich jedoch diese Charaktereigenschaft hätte, welche mich dazu verleihe, die Dinge nicht konsequent zu ende zu führen, könne er eben nur eine circa Messung von 145 bestätigen. Der durchschnittliche IQ liege in etwa bei 100/110, sagte er dann noch abschliessend. Dann schrieb er für mich noch einen Bewerbungsschreiben als Vorlage, in dem er erläuterte ich sei eine „adrette“ junge Frau mit einer überdurchschnittlichen Auffassungsgabe....schickte mich nach Hause und bald danach die Rechnung.

Also, hätte er mir gesagt, meine Füsse seinen Grösse 37/38, hätte ich damit etwas anfangen können. Aber einen IQ von 145 oder 90 oder 105 oder 10… was sollte ich damit anfangen. Gut, ich wusste nun zumindest schon mal, dass ich nicht dumm war. Das machte es mir aber gar nicht leichter, im Gegenteil, dann war ich ja faul! Also hatten sie doch alle recht gehabt, alle Lehrer, Eltern, Geschwister, alle. Da blieb nur noch das „adrett“, das was ich immer nur gewesen war. Ohne Zweifel, ich war hübsch und faul. Da lag das Problem.

Im laufe der Jahre habe ich mich ein bisschen mit dieser IQ Geschichte beschäftigt, und dabei herausgefunden, dass ich ein seltenes Tier bin. Aber die Welt nach der Industrialisierung, weiss nichts mit solchen seltenen Tieren anzufangen. Die stören nur, sind aufmüpfig, hinterfragen alles, reden ohne Unterbruch, und als ob dies nicht ausreichen würde, sind sie auch noch supersensible und ständigen seelischen Hoch und Runter ausgesetzt.

Meine Tochter habe ich als sie circa acht Jahre alt beim Schulpsychologischen-Dienst testen lassen. IQ 130, war das Resultat… Gott sei Dank! Sie versteht mich einiges besser als der Rest der Welt. Aber auch sie hat manchmal mühe mir zu folgen, so sagt sie. Sie sagt, meine Gedanken seinen zu schnell, und irgend ich sei ich unermüdlich, würde weiter denken, weiter denken an derselben Sache, dann wenn alle andere schon lange nicht mehr mögen.

Aber ich habe zu wenige Informationen als das ich alles verstehen könnte was ich gerne verstehen würde. Da müsste ich bei Aristoteles anfangen, über die Quantenphysik bis zur künstlichen Intelligenz….

Als ich noch Zeit gehabt hätte, da war ich zu sehr mit elementaren existenziellen Sorgen beschäftigt. Alleine mit einem Kind ohne eine anständige Ausbildung, das ging weder zeitlich noch finanziell. Ich hätte das Gymnasium nachholen müssen um so an die Uni gehen zu können.

In der Zwischenzeit ist das „adrett“ auch nicht mehr so sehr adrett, dafür weiss ich jetzt dass ich nicht faul bin. Meine Tochter hat an der Hochfachschule Sozialarbeit studiert und ist glücklich im Berufsleben integriert.

Das Internet ist meine Heimat geworden, da kann ich mich so richtig austoben. Die Geschichte mit den Hyperlinks ist einfach genial!!! Da schwirre ich von einem Thema zum anderen, debattiere in Social Networks und Foren. Es wächst in mir immer mehr die Idee, auf eigene Faust mir mein Studium „zusammen zu basteln“. Muss ja kein Abschluss holen, würde es nur für mich machen. Tut mir leid für die Welt der ein kleiner Genie entgangen ist, aber währ nicht sehen viel der muss spüren J

Die Gebiete für welche ich mich besonders interessiere sind Sozialwissenschaften und Philosophie.

Nun habe ich Sie sehr lange aufgehalten, hoffe auch ein bisschen unterhalten. Sie dürfen diesen Text gerne verwenden, wenn Sie denken es könnte jemanden von Nutzen sein. Vielleicht jemand der ein Kind hat welches ständig Fragen stellt, rückwärts läuft und dabei die Wolken betrachtet, viel Schreibt obwohl es Legastheniker ist. 

Es ist eine Frage der Verantwortung, ob diese Gesellschaft es sich leisten kann Hochbegabung zu verschwänden. Eine so primitive Welt, in der immer noch Menschen an Hunger sterben und Kinder ihre Glieder in Minenfelder verlieren, ist es vielleicht eine unerhörte Verschwendung hochbegabte Wesen zu ignorieren.

Viele liebe Grüsse und vielen Dank für Ihre Webpräsenz.



Ich danke für die Erlaubnis, den Text hier präsentieren zu dürfen.  Jona Jakob

03.02.2014

Hochbegabung Typ 1 + 2: Wissen vs. Erfahrung

Im Internet kursierte eine simple Grafik, die für mich Anstoss wurde, mich intensiver mit deren Groteske zu beschäftigen. Die Grafik stellt den Begriff 'Wissen' gegenüber dem Begriff 'Erfahrung' gegenüber:

Man kann darüber schmunzeln, doch beim Betrachten und Suchen nach Hintergründen, verbergen sich dahinter weitreichende Grundlagen und Zusammenhänge, die auch für das Wesen und dich Charakteristik unterschiedlicher Formen von Typen von Hochbegabung zu beachten sind.

Vor gut einem Jahr schrieb ich in diesem Blog den Beitrag von den Hochbegabungstypen 1 + 2, wobei ich den Typ 1 als den 'Wissenden' beschrieb und den Typ 2 als den Erfahrenen, den Checker, der vom Leben geprägt sei. Diesen Beitrag finden Sie hier:
http://begabt-sensibel.blogspot.de/2013/01/hochbegabung-typ-1-und-2-von-jona-jakob.html

Welche Begriffe müssen beachtet werden:
  • Wissen (richtig, falsch, vollständig, unvollständig)
  • Erfahrung des Einzelnen (Subjektivität)
  • Erfahrung einer Gesamtheit (Empirie)
  • Wissen und Erfahrung im Aussen und im Innen
  • Autopoiesis
  • Individuation

Es würde den Rahmen eines Blogbeitrages sprengen, hier alles darzulegen. Was ich hier knapp ansprechen vermag, ist, dass es zwischen den beiden Dingen Wissen und Erfahrung einen bestehenden Konflikt gibt, den fast ein jeder Mensch austrägt. Warum?

Die beiden Worte Wissen und Erfahrung müssen erst einmal als Begriffe eines 'Aussen' und eines 'Innen' erkannt und verstanden werden. Im Aussen ist Wissen sozusagen unsere Bücher, Bibliotheken und Universitäten dieser Welt. Wissen als Sammlung allen Wissens. Und Erfahrung im Aussen ist, was per wissenschaftlich sauberer Studie gesammelt werden konnte (Empirie). Es sind kollektive und historische wie psychologische Erfahrungen, welche als eine Form von allgemeinem "Wissen" oder als 'Erfahrungsansatz' für gültig erklärt werden.

Dem gegenüber, dem

  • Wissen im Aussen und
  • Erfahrungen im Aussen,

stehen unser persönliches Wissen im Innen (unvollständig / unsicher / ungeprüft) und unsere persönlichen Erfahrungen im Innen, als subjektive Wahrnehmungen (gefühlt / gespürt / mit 5 Sinnen aufgenommen / einsam).

Hier ist ein erster Konflikt zu beachten, nämlich meine 'anerzogene' Hoffnung (Schulnoten / Zeugnisse / Abschlüsse / Diplome), dem Aussen, dem Wissen und den Gesetzen der Allgemeingültigkeit möglichst perfekt entsprechen zu können / vermögen. Ob mit leicht lernendem Kopf oder mit viel Fleiss, wir bemühen uns normalerweise und unablässig so sehr, uns dem niemals Erreichbaren zu nähern, sei es als Wissen, Diplome, Kreuzworträtsel, Theorien, Sudoku oder Quizteilnehmer. Gescheit und gebildet sein um jeden Preis. Das ist überprüfbar, belegbar, beweisbar, greifbar, machbar, das zeichnet uns aus und hält jedem Vergleich weltweit stand. Und selbst, wenn wir uns dem Thema der Erfahrungen nähern, tun wir das heute eher "kopfert", nämlich in dem wir allgemein gewonnenes Erfahrungswissen (was man so sagt) nachplappern und sich ihm kaum geprüft anschliessen. Was die Gruppe gut findet, finden wir auch lässig, was modisch ist, fühlt sich hip an, wie es sei, verliebt zu sein, lässt sich nachlesen und online buchen. 

Dem gegenüber beschreibe ich den Typ 2 von Hochbegabten, deren kindliches Schicksal aus einer Not bestand, mit ungegebenen Dingen das Beste daraus zu machen. Der Bruch mit dem Normalverlauf wurde existenziell, d.h. überlebensnotwendig. Das bedeutet aber, dass diese Menschen das Normalwissen des Aussen und dir Regeln wie Gesetze des Aussen und auch die Erfahrungen des Aussen zu Teilen ignorieren mussten. Sie mussten mit diesen allgemeingültigen Leitplanken brechen, um nicht aus dem Leben zu geraten, sondern doch zu gelingen. Und darin besteht mit den Jahren der Entwicklung die Über-Begabung, nämlich über die Allgemeingültigkeit von Wissen und Erfahrung des Aussen hinaus in Bereiche und Dimensionen hinein Bescheid zu wissen, wo der Normalo oder der Gescheite einfach nicht hin musste. Denn was musste der Typ 2 Hochbegabte tun, um kindlich sich zu retten und ein wohlfeiler Mensch zu werden?

Er musste sich auf sich verlassen!

Der Typ 2 Hochbegabte, musste sich auf seine innere Stimme, seine Entscheide, seine Entschlüsse und dann auf seine gemachten und zu machenden Erfahrungen stützen. Da war keine offizielle Lehre für seine Situation. Der Typ 2 Hochbegabte ging in die Schule des Lebens oder in die "Strandakademie". Vielleicht besuchte er die Schauplätze seiner Alkoholikereltern, seiner Borderline-Väter und -Mütter, seiner elterlichen Gewaltorgien oder der familiären Armutsgebiete. Ich kann nicht wissen, warum ein Kind bis hin zum Erwachsenen sich an eine Spezialsituation über das Mass des Allgemeingültigen anpassen musste, so dass diese Anpassung zur Spezialschule des Lebens wurde. Doch was ich dabei sofort erkennen kann: Solche Menschen tragen Ihre hohe Kompetenz darin, sich auf ihre inneren Informationen von Wissen und Erfahrung stützen zu können, als Dinge, die sich bewährten und mit denen sie überlebten und voran kamen.  Diesen Menschen braucht man keine Ratgeberliteratur in die Finger zu drücken, die brauchen selten Anleitungen oder Handbücher. Solche Menschen erkennen allein in Bruchteilen von Sekunden, in welcher Situation sie gerade stecken, ob unter Mitmenschen oder in Abteilungen und Organisationen. Menschen mit solcherlei Hintergründen haben Instinkt und Intuition und sie fühlen die kleinste Nuance. Sie sind hochempfindsam für die eigenen Angelegenheiten. Dass dabei Ablehnung, Zweifel, Einsamkeit und Zynismus auftreten können, kann sein. Das lässt sich aber zu einem gesunden Menschen hin in kurzer Zeit entwickeln. Eine tolle Theorie für diesen Typen Menschen steht hinter dem Wort 'Autopoiesis' (siehe Wiki). 

Was möchte ich als Ermutigung abschliessend festhalten: 
  • Wer als Hochbegabter ein gescheiter Kopf ist, der mit Leichtigkeit allgemeines Wissen in sich vereinbaren und zur Anwendung bringen kann, der soll das tun und soll sein Wissen einbringen. Dort, in Forschung und Entwicklung, in Qualität und Schule wird seine Aufgabe liegen.
  • Wer als Hochbegabter ein Meister seiner Erfahrungen ist, soll erst sich entwickeln (geschulte und geklärte Selbsterkennung, hin zur Individuation), so dass er von seiner Leidensgeschichte wegkommt. Danach soll sich so jemand der Menschwerdung zuwenden, als Autor, Trainer, Coach, Sozialarbeiter, Pfarrer, Menschenbegleiter, Menschenanleiter, etc. denn es geht nicht um sein Wissen, es geht um die Kompetenz, sich auf sich selber verlassen zu können ... eine Tugend, die allen kopferten Schlaumeiern der Wissensliga mehr und mehr abhanden kommt, da eben nicht bei sich, sondern bei den Büchern, Smartphones oder Ratgebern weilend, jenem blinden, aber illusorischen Perfektionsstreben, hin zu den fremdbestimmenden Systemen, dem Konformismus per se. 
Es sind zwei Lager. Und die Wissenden verhalten sich in der Überzahl. Das bedeutet aber nichts. 

Wohlan. 

Jona Jakob
Zürich und Bern

28.01.2014

Hochsensibilität: Wenn ich nicht da sein kann

Es war gestern.

Kleine Vorgeschichte:
Am vergangenen Samstag haben meine Kollegin und ich zum ersten Mal einen Workshop angeboten. Das Angeobt war neu, unsere Zusammenarbeit erstmalig, es war abzuwarten, wie die Teilnehmenden reagierten und last but not least waren die Feedbacks mehr als am Punkt positiv. Nach dem Tag setzte ich mich um 19:00 Uhr in Zürich in den Zug und fuhr nach Frankfurt, ich erreichte meinen Hort so ca. gegen Mitternacht.

Was ich zu meiner HS beschreiben möchte:
Dass ich am Sonntag müde war, hat sich. Aber was erlebe ich darüber hinaus? Am Montag habe ich letztendlich 'ne ganze Menge Zeugs erledigt. Doch was ist in solchen Momenten anders, so dass ich mich auf meine HS achten muss?

Ich beschreibe es mal so: Ich bin wie nicht da. Als würde mir meine 'Aussenschicht der Resonanz' fehlen, eine Art 'Gasmantel', 'Sphäre' um mich herum. Ich bin dann nur Haut, Knochen und Muskel. Mein Gehirn funktioniert und ich kann Sachen wie Wäsche, Haushalt, Küche und Balkon machen. Aber ich kann nicht mehr wirklich in Kontakt treten, ich bin 'leer' und vermag keine Zeile zu schreiben oder mit jemandem reden.
Ich war gestern voller Gefühle, weil der Samstag so toll war und wir das Projekt weiter anbieten wollen. Doch hätte ich weder mit meiner Kollegin schon wieder arbeiten können, noch sonst für jemanden präsent sein. Mir fällt dann Humor und Fröhlichkeit schwer, ohne traurig zu werden. Ich kann kaum Radio oder TV aufnehmen. Licht kann zu viel sein. Multiple-Tasking ist gar nicht möglich. Ich bin im Zustand dieser Leere wie ein Top-Gun-Pilot, der nicht mehr fliegen kann. Dabei habe ich beständig die leichte Befürchtung, wenn jetzt irgendwie Stress hereinbricht, vermag meine gläserne Haut das nicht und wird brechen. Gestern blieb alles wunderbar, ich schaukelte mich über Nacht wieder in meinen Resonanzmantel, in meinen Gefühlsneopren, meine Präsenz- und Kontaktsphäre ist wieder um mich, als hätte die Erde für einen Tag ihre Atmosphäre verloren und heute sei sie wieder davon überzogen.

Und ich muss nur wissen: an solchen Tagen kann ich nichts. Das kann ich aber den anderen noch verständlich machen. Heute bin ich wieder beisammen.

Beste Grüsse

Jona Jakob

31.12.2013

Neujahrswünsche oder: Jemanden 'verstehen' ist kein Prozess meines meinenden Wissens, sondern mein unvoreingenommenes Fühlen seines Seins.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser dieses Blogs
Liebe Hochbegabte und Hochsensible
Liebe Menschen

Mir ist es sehr danach, euch zu schreiben. Ich liess mir ein paar Wochen Zeit. Früher wartete ich für das Schreiben Momente ab, wo ich in der Betroffenheit schwamm, um zu schreiben. Heute verpflichte ich mich zu Momenten, wo ich von allem frei bin, zu schreiben. Eben ist so ein Moment, mir geht es gut und ich muss nichts.

Mein persönlicher Eindruck vom vergangenen Jahr ist, dass ich viele von euch dahin verändert wahrnehme, als dass wir alle mit dem Thema Hochbegabung/Hochsensibilität (ab hier HB/HS genannt) älter geworden sind. Wieder ein Jahr, sich mit seiner HB/HS oder beruflich mit jener anderer Menschen zu befassen. Neue Eindrück, altbekannte Leiden und Konflikte, mehr Achtsamkeit und damit mehr Bewusstsein. Mit geübtem Bewusstsein auch ein "teilweise" Absehen-können davon, also weniger Drama, bei aller Ernsthaftigkeit. Das ist mein Eindruck: Reife.

Ebenso: das Umfeld, Kollegen, Presse und Berufsleute verstehen besser, was es da gibt und wie Menschen mit solcherlei Prägungen allenfalls ticken. Unternehmen verstehen es besser, Human-Research-Leute interessieren sich, es wird hier und da Rücksicht genommen, da das Verständnis wächst. Und dennoch wieder Schocks, wenn es voll daneben läuft.

Ich nehme weiter wahr, dass man das Thema am liebsten greifbar und psychologisch oder medizinisch eintüten würde, einem Nagel mit Kopf gleich. Das scheint mir ein Gefühl zu geben, damit um mehr Verstehen gerungen werden könnte, um Verständnis und Wertschätzung, allenfalls Schutz bei Behörden, Schulen, Krankenkassen etc. Der Sache habhaft werden und sie organisieren - ich verstehe den Wunsch danach.

In dem selben Jahr "ist in mir die Sache weniger" geworden, ohne an Grösse zu verlieren. Die Grösse wurde eher grösser. Noch mehr Gruppen unterschiedlich Betroffener zählen für mich dazu oder habe ich neu kennen gelernt. Die Leisen. Die Asperger. Die Alten. Ganz junge. Frauen anders als Männer. Eltern mit deren betroffenen Kindern. Noch kaum erfasst: alle die mit ihrer Herkunft sich in einer Art Fremde fühlen und umgekehrt fremd gefühlt werden. Künstlerinnen, Künstler. Die Unsensiblen. Unbedachte. Wer immer. Was aber wurde 'weniger'? 

Weniger wurden meine Fragen oder mein Wunsch, die Hochbegabung und Hochsensibilität als Begriff zu erfassen, als würde ich damit an Kompetenz gewinnen. Mehr Kompetenz empfinde ich mE darin, wenn ich zu erkennen, zu spüren und zu verstehen vermag, wenn wer leidet. Darf ich mit dem Menschen in seine Situation oder Moment, kann ich - ohne Hindernis von Fachwissen - fragen: Warum oder weshalb leidest du? Und dann sind alle, wirklich alle Türen offen, nicht nur die der Hochbegabung oder Hochsensibilität. Und dann ist es oft eben nicht, "zu viel zu hören", "zu viel zu fühlen", "zu viel oder zu wenig zu denken und ertragen zu müssen" - meist ist es, dass dies nicht verstanden wird.
<< Dieser Mensch, ob hochbegabt, -sensibel oder sonst sich selbst, fühlt sich nicht verstanden - DAS will ich immer wieder neu erfühlen. >> Jona Jakob, 2014

Meine Meinung fürs neue Jahr ist, dass wenn ich mich nicht zu sehr mit dem beschäftige, was Hochbegabung oder Hochsensibilität wissenschaftlich und in Vereinen und Verbänden sein könnte, stellt sich mir DAS nicht in den Weg zu jenem Menschen, der gerade mir gegenüber oder bei mir sitzt und der verstanden werden möchte. 

In mir ist der Wunsch, Menschen als "Jetzt-im-Moment-Thema" zu verstehen, und dass eine Hochbegabung oder Hochsensibilität dabei nur eine mögliche Ursache ist. Vielleicht ist es Einsamkeit, Fremde, Unangenommenheit, Verlust oder Trauer, die jenen Menschen vor mir erscheinen lassen, dass er oder sie "sich einfach nicht verstanden fühlt". Das Thema heisst nicht Hochbegabung oder Hochsensibilität oder sonst wie. Das Thema heisst "Sich-nicht-verstanden-fühlen" - eine Bodenlosigkeit, eine Ohnmacht, ein Orientierungsverlust, Angst, Schmerz und Traurigkeit von grösster Dimension, für die ich mich zukünftig weiter öffnen können möchte, ohne gedanklich "zugestellt" zu sein.

<< Jemanden verstehen ist kein Prozess meines meinenden Wissens, sondern mein unvoreingenommenes Fühlen seines Seins. >> - Jona Jakob, 2014

So geht jede und jeder ein nächstes Stück Weg. Dies wird wohl für eine Etappe meiner.

Ich wünsche Ihnen und euch allen einen wunderbaren Start in die neuen Wochen, ins neue Jahr und auf Wege, wo jemand euch begegnet, der sich hinsetzen mag, so dass ihr ihm vielleicht zeigen könnt, worin ihr unverstanden seid und gerade dort einmal angenommen werden möchtet - ankommen dürfen, landen, auspacken, sich ins Gästebett legen, nach einem Teller Abendbrot, von dem niemand etwas von euch erwartet.

Versuchen wir es alle weiter ... - lieben Dank euch hierfür.

Mit den besten Wünschen und Gedanken für 2014

Jona Jakob
Zürich und Bern

13.09.2013

Wenn Sie dir "alles Gute" oder "das Beste" wünschen - was ist das für mich? - oder: Mein "Dankeschön!"

Gestern war wieder mal Geburtstag. Was erlebe ich diesen Tag in wohl allen Farben und Schattierungen. In all den Jahren zeigt sich dieser Tag in immer neuen Varianten und mir selber, mir selber entzog er sich meist jeder Konvention, dem des Gratulierens und Beglückwünschen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei all euch lieben Menschen bedanken, die mir vor-, gestern und auch jetzt noch gratulierten und mir fürs neue Lebensjahr "alles Gute" und auch "das Beste" wünschten.

Was aber ist für ein bunte Seele wie mich "das Beste"? Was wünscht sich einer, der mit seinen Prägungen der Begabung und, und ich betone: und! seiner Sensibilität, sein Leben lang alles reinzog, was das Leben hergab? Was kann noch kommen, für einen, der mit 50 nach einem Ende des Lebens fragte, ohne tragische Absichten, mehr philosophisch, was nun, nach dem Abflachen des Lebens in technische Moderne seit 2000, was kann jetzt noch kommen? Die Menschen starren laufend auf Bildschirme, nehmen noch mit zwei Sinnen wahr, können sich kaum noch ausdrücken oder überhaupt über sich nachdenken. Und zu allem hinzu bedient eine Industrie uns Konsumenten mit dem Flachsten, dem Billigsten und dem Bequemsten in Häppchen, in mundgerechten Häppchen. Was also kann bei so einer gezüchteten Langeweile der Präventionen, der Vorsicht, der Fahrradhelme und Navigationsgeräte noch Spannendes in mein Leben gelangen, was für mich "das Beste" sein könnte?

Dieser gemeinen, teils ungerechten aber durchaus sinn'vollen Frage bin ich nachgegangen und auf eine Antwort gestossen, die mich ermutigt. Wenn ich mich selber als eine Art Fläche oder eine Baumkrone vorstelle, die ein Puzzle wäre, dann sind für mich, den immer und immer wieder alles Durchkauende, die spannensten, die verrücktesten, die intensivsten und wahnwitzigsten Dinge jene, die am äussersten Rand dieses Puzzles die fehlenden Teile darstellen. Dinge, Momente, Begebenheiten, welche aufsmal wie angegossen passen, passen zu all jenem, was mich schon ausmacht und mich bildet und baut und was eben ganz aussen an meinem Rand  mich noch grösser werden lässt, oder tiefer, runder, völler, unendlicher. Bloss keine Ende finden.

Wenn sich ein Hochbegabter und Hochsensibler etwas wirklich wünscht, dann ist es, nicht gefragt zu werden, was er oder sie sich wünsche, sondern beschenkt zu werden mit oder von einer Sache, die ganz da draussen in seinem Leben zu ihm passt, wie ein Massanzug.

Warum? Weil ihm das zeigt, wie bzw. dass er/sie von der schenkenden Person verstanden und gesehen wird. Es fängt schon damit an, dass die schenkende Person mit grosser Unsicherheit sich überwinden musste. Denn sie kann sich nicht sicher sein. Wie wenig braucht es, daneben zu liegen, wie heikel ist das Unterfangen? Doch den Mut haben, loszulassen und es zu wagen, und dann zu treffen bedeutet uns Hirnfuzzis meist alles.

Meine Liebste hat dieses Jahr eine wunderbare Story kreiert, indem ihr ein "Fehler" passiert ist. Mein Herzblatt weiss, dass ich die Solo-Konzerte von Keith Jarrett seit Jahren liebe und fast alle als CD höre. Eben letzthin wies ich sie auf den Wiki-Eintrag zum Köln Concert hin und zu der Erschöpfungsdepression, die sich Jarrett, vermutlich aufgrund dieser Improvisationen oder seines inneren Engagement, holte. Und eben, da stand dann auch, dass er nach 2000 in Tokyo und Osaka ein neues Solo-Konzert geben konnte, was weltweit mit Erleichterung aufgenommen wurde.

So beschenkt mich mein Engel mit der CD "Tokyo '96", mit Jarrett, Peacock & Dejohnette. Das war der "Fehler". Denn das, so muss man wissen, ist a) eine CD, die ich mir vor Jahren schon gekauft hatte, und b) es ist Jazz. Es ist das Jazz-Ensemble, mit dem Jarrett viele CDs aufgenommen hat. Es ist aber nicht das Solo-Konzert aus Tokyo nach 2000. Ich umarmte meine Liebe und erklärte ihr die Situation.

Weil wir nun den Umtausch erwägen, machten wir uns auf die Suche nach der richtigen CD bzw. dem richtigen Konzert - und was fanden wir heraus?

- Es gibt eine DVD vom Tokyo-Konzert, von 1985 (es gibt nur eine DVD, keine CD)
- Es gibt die CD 'Radiance', von 2005, welche die Solo-Mitschnitte von Tokyo und Osaka als Doppel-CD wiedergibt (das ist die gesuchte CD)

Und mit diesem kleinen Suchkrimi sind wir beide am äusseren Rand meines Seins um ein Stück reicher geworden. Wir werden 'Radiance' bestellen, auf das mein Hören an der Stelle wächst, ob in die Weite oder Tiefe meines Lebens, verpackt, in diese wunderbare kleine Geschichte, die die Liebe zwischen mir und meiner Besten wärmend und lebensfroh ummantelt.

Und wenn wer mag, kann er oder sie sich bei mir melden - was würde es mich freuen, wenn Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette für ihn oder sie jenes Stück Jazz wären, welches den nächsten Sonntag schmissiger machen würde. Schreib einfach, lass uns teilen.

Ich danke fürs Wanken, für jene Schritte, die uns nicht sicher sind.

Aber was ist nun "das Beste", was man mir fast 100mal wünscht?

"Das Beste", das ist, was zu mir passt, als wärs meins, so wie ich bin.


Jona Jakob,
Zürich und Bern

Und falls euch Jarrett sonst eher anstrengend erscheint, dann geniesst von ihm diese Streicheleinheit:
http://www.youtube.com/watch?v=oB9KsaTjgxM&feature=related

27.08.2013

Ihre Schönheit - Oder: Wie meine Hochsensibilität vielschichtig wahrnimmt und fühlt

Der Beitrag soll an diesem Beispiel zeigen, WIE ein Teil meiner HS in und für mich arbeitet. / JJ

Seit einiger Zeit gibt es einen kleinen aber sich fortsetzenden Dialog zwischen E. und mir. Die Frage, die fast keine Antwort findet, lautet: Welche Frau gefällt dir (denn)? Wann findest du eine Frau schön? Im ersten Moment lautet meine Antwort: Keine, oder kaum eine, das ist so selten, dass mir eine gefällt. Das klingt im ersten Moment verletzend. Das klingt vermutlich für fast alle Menschen arrogant. Und nun fängt an, was ich unterscheide.

Es mag für den Begriff der Schönheit einer Frau eine allgemeine, eher normative Vorstellung geben, was genau damit betrachtet wird. Was wird denn betrachtet, beschaut oder bewertet? Es mögen Dinge sein wie ihre Augen, ihre Haare, ihre Figur oder ihre Erscheinung, also Dinge. Dinge, von denen wir eine Vorstellung haben, ob real oder als Bilder aus Medien und von Vorbildern von Frauen, die wegen ihrer "Schönheit" erfolgreich berühmt oder auch reich sind. Es sind Bilder von greifbaren Dingen.

Und darauf reagiere ich mein Leben lang nicht. Ich sehe fast nichts in Bildern. Keinen Raum, keinen Menschen, auch nicht Frauen, kein Tier oder ein neues Auto. An mir geht Design und Form weitgehend vorbei, jedenfalls ist das Bild von der Sache nichts, was mich überzeugt. Damit reagiere ich so wenig auf "allgemein Schönes", wie auch auf "allgemein Unattraktives". Bestimmt, auch ich habe ein Ästhetikgefühl, mag eine Sache mehr und sage einer anderen Sache ab. Doch schon mit jungen Jahren wusste ich, dass mir die Schönheit eines Mädchens im Sinn dessen, was man allgemein mit dieser Aussage verband, kaum etwas zutrug oder wie früher gesagt wurde: Damit hatte ich nicht warm gegessen.

Als vor wenigen Wochen die TV-Sendung 'Catch the Millionaire' lief, und sich 20 Frauen um drei Männer bewarben, kommentierte ich irgend etwas während der Sendung und wieder fiel die Frage von E.: 'Welche gefällt dir denn?' Ich: 'Keine, da ist niemand dabei, die mich bewegt. Die sehen schon gut aus, aber das berührt mich nicht.' Wieder stand auch diese beiderseitige Ratlosigkeit im Raum, ob nun für E. aber nicht minder auch für mich, warum ich tatsächlich vor dem TV für keine der Frauen eine Regung hatte, die mich hätte äussern lassen, dass mir diese oder jene gefällt.

Um das Gegenteil zu verdeutlichen: Ich bin schon aus Trams gestiegen, habe mein Auto gestoppt und das Fenster geöffnet, bin umgedreht und hinterhergelaufen, um einer Frau zu sagen, wie schön sie sei und ich das jetzt hätte sagen müssen, da es ja sonst schade wäre, sie hätte sich so viel Mühe gegeben und niemand würde das nun sehen, ihr Kleid, den Hut, den Gang, den Ort, die ganze Erscheinung. Ich kann sehr wohl eine Frau schön finden. Was also sehe ich anders, als im ersten Moment von mir erkundet, wenn man mich fragt: 'Welche findest du schön?' und ich mit 'keine', antworte.

Mit dieser Erfahrung und mit dieser alten Frage bin ich in letzter Zeit bewusster umhergewandert. Es gab z.B. eine kleine Sache, als damals dem William seine Kate berühmt wurde und die Hochzeit angekündigt wurde, so dass sich alle um die Kate bemühten. Ich sah mir die Bilder in den Gazetten an und was war meine Äusserung?: Sie sieht toll aus (Kate), doch wer hier für mich die Frau wäre, die mir als "schön" gefallen würde, dann wäre das für mich ihre Mutter - die sieht für mich gut aus." Wochen später bemerkte Karl Lagerfeld genau dasselbe, so dass ich mich mit meiner Abweichlerei etwas bestätigt fühlte.

Eine andere Sache, die andere getrost von mir aussagen würden, ist diese: seit meiner Jugend habe ich keine Strenge gehabt, was Figur, Herkunft oder Aussehen hatte. Niemand würde behaupten, ich hätte je das Model gesucht. Habe ich auch nicht, denn das nährte mich im Zusammensein mit diesem Menschen noch nie. Auch dann nicht, wenn so eine Gesellschaftsschöne in unserer Clicke verkehrte und vielleicht mit einem anderen Jungen in Verbindung stand. Nett, aber mich nicht mobilisierend oder elektrisierend. Da war nichts.
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Gestern lief ein Film aus dem Jahr 2000. Es spielte in der Hauptrolle Charlotte Rampling im Film 'Sous le sable - Unter dem Sand'. Und jetzt bitte nicht dem Gedanken verfallen, ich fände Charlotte Rampling "schön". Aber ich fand während des Films einen Teil einer möglichen Anwort. Rampling kann abends nicht schlafen und geht nächtlich nochmals in die Stadt. Dabei überquert sie im fahlen Licht eines Pariser Viertels in ihrem schlammfarbenen Manchestermantel, ihren halblangen Haaren und dem kürbisorangen, fast okkernem Schal, den Stiefeln und einem membran unsicheren Gang eine kleine Strasse, wie wir alle von einer Seite auf die andere wechseln, zwischen geparkten Autos hindurch, und da war sie für mich "schön".

Es dauerte vielleicht 3 Sekunden. Alles war für mich vollkommen. Jeder Pflasterstein, jede zertretene Kippe, jedes tränende Perlen in ihren verhangenen Augen, die stets leicht verbissene Lippe und das Wippen aus dem Schlendrian, mit dem sie nicht wusste, wohin sie wollte, die Hände in die Taschen gesteckt, den Schal kurz richtend, um sich an irgendetwas festzuhalten, so schwebte sie für Sekunden über den nachtnassen Asphalt und für mich ergab sich in dem Moment das Ganze, so dass nichts von allem hätte mehr das sein können, als wofür es in dieser Welt da war. Ein kleiner Wahnsinn von Moment, eine Vollständigkeit, ein Bild. Schönheit.
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Es gibt für mich keine schöne Frau. Es ist für mich ein ein falsches Verstehen, eine falsche Verwendung, den Begriff 'schön' auf eine Frau zu beziehen, wie es täglich millionenfach unreflektiert getan wird. Die Frau bleibt für mich Frau. Jede Frau.

Die Schönheit einer Frau hingegen, die ist für mich 'ein Moment'. Sie ist nicht ein Konkretes. Sie ist abstrakt, wird nicht greifbar und damit weder messbar noch bewertbar. Sie hat kein Abbild oder eine Form. Sie erscheint. Sie reitet mit, in Dingen wie Ausdruck, Moment, Dasein, Vollkommenheit, Arrangement. Sie vermittelt mir im Sehen die anderen vier Sinne und lässt mich kostend spüren, was gehalten im Duft inne wird. Sie ist nicht wirklich zu fotografieren. Schönheit ist für mich kein Anblick - Schönheit ist für mich eine Wahrnehmung aus dem Ganzen. 

Und so kann für mich jede Frau schön sein, dann, wenn nichts von allem mehr das sein vermag, als wofür es in dieser Welt da ist.


Jona Jakob, Zürich

Nachtrag: 

Wenn ich also 'so' wahrnehme und zu emotionalen Regungen gelange, wie es mir nur ein komplexer Augenblick abhängiger Geschehnisse zu verdichten vermag, lebe und liebe ich, wenn alles gut geht, von einer unheimlichen Intensität und in grösster Wonne, egal was angestrebt wird. Jeder Moment kann dann so zauberhaft werden. 

Wenn ich also 'so' wahrnehme und zu emotionalen Regungen gelange, wie es mir nur ein komplexer Augenblick abhängiger Geschehnisse zu verdichten vermag, lebe und liebe ich, wenn es schlecht geht, von einer unheimlichen Intensität eines Fallens in die Leere einer Enttäuschung, egal was angestrebt wird. Jeder Moment kann dann berührungslos und verkannt, verpasst und versaut bleiben, bis meine Seele schreit. 

Und in genau das, das Volle oder das Leere können Sie sich nun einfühlen: 
a) ob Sie selber überhaupt in der Lage sind, so verdichtet wahrzunehmen, bis ein Moment entsteht? und
b) wenn Ja, von welcher Art und Weise Sie begegnen müssen, um einen Magic-Moment mitzubilden. 

Sie brauchen ein Faible und aus diesem heraus noch ein Flair. 

Glauben Sie es mir. Es ist eine Kunst, eine höchste Kunst. 

08.04.2013

Übervoll stehe ich mir Weg.

Ich möchte eine Beobachtung beschreiben, was immer auch subjektiv wahrgenommen ist:

Ich begegne zu den unterschiedlichsten Anlässen Menschen, die von einer Hochbegabung geprägt sind. Es gibt freundschaftliche Begegnungen, Gespräche mit Fachpersonen, Gespräche mit Klientel (diese zählen eher nicht, weil die ja vom Setting her den Raum bekommen).

Ich schreibe und beschreibe den Beitrag NICHT mit Blick auf Coachinggespräche, sondern hinsichtlich ganz normaler Begegnungen und dem verpassten Selbstmanagement, weil der Vulkan tanzt (sag ich mal). Es spielt dabei keine Rolle, ob wir uns face-to-face, am Telefon oder per Skype austauschen.


Und dann läuft folgendes ab (meine Beobachtung):

Die andere Person erscheint mir ÜBERVOLL, wie ein Glas überschäumende Cola, wo alles schaumt und quillt und klebrig am Rand des Glases runterläuft. Wenn es gut geht, hört es nach 30 min oder 1h auf. Im schlechteren - aber nicht selteneren - Fall, bleibt das überquillen bis am Ende des Gespräches bestehen, was auch mal 3h dauern kann.

Was beobachte ich dabei:

- grosse Augen, aufgeregtes vorne sitzen (auf Stuhl/Bank), Jacke noch nicht ausgezogen, Tasche oder Gepäck wird irgendwo hingewuselt

- ich werde eher mager begrüsst: flüchtig, ohne viel Empahtie, wie angespannt

- die Person fängt eher gleich an zu erzählen, womöglich in "Kapitel 3", ohne Anfang, ohne Einleitung, gleich mit Annahmen, Voraussetzungen, mitten drinn, für mich erst einmal kaum erfassbar

- in Lokalen können solche Personen kaum etwas bestellen. Das Servierpersonal steht da und fragt nach Getränken oder Essen und die Person kann das Personal kaum wahrhaben, weiss dann nicht, was sie bestellen will und ordert irgendwie. Eine Speisekarte bekommt kaum aufmerksamkeit bzw. kann kaum konzentriert gelesen werden. Alles geschieht hastig und zerfahren.

- Wie es mir geht, auch jetzt, wird nicht wahrgenommen, hat irgendwie keinen Platz.

- Würde ich mich nicht vehement einschalten, unterbrechen, das Gespräch strukturieren, es würde ein schier nicht erkennbares Durcheinander von Wirklichkeiten, welche einzig dem Kopf (und der übervollen Seele) der sprechenden Person entweichen.

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Und dann kommt das nicht ganz schadenlose Ende des Gesprächs:

Ich beobachte dann ein hastiges Aufbrechen und Verabschieden, irgendwie und wo und tschüss ... spüre aber in jenem Moment (meine Wahrnehmung) folgendes:

Es entsteht just in dem Moment ein von der anderen Person ausgehendes Gefühl von Traurigkeit, nun doch zu vermissen, dass wir nicht miteinander im Kontakt standen. Erst jetzt flimmert so etwas wie Aufmerksamkeit, Zuneigung, Kontakt, Empathie auf, irgendwie verzweifelt meinend: "Dass ich so viel gequasselt habe ist nicht, was ich dir sagen / zeigen / zu spüren geben wollte, sondern mein Überlaufen hätte so gerne, angenommen / verstanden / gesehen / gefühlt zu werden." Plötzlich spürt die gehende Person, dass sie es sich mit all dem Gequassel "versemmelt" hat, einen Moment des Beisammeseins entstehen zu lassen, der so viel wichtiger und ersehnter wäre, als der Wasserlass des zu viel Gesprochenen. Dabei war man gekommen, um genau dieses Verstehen abzuholen, diese mir mögliche Fähigkeit, "dich zu hören" - auch wenn du kein Wort sagen würdest.

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Ich bin über viele Jahre als Gesprächsberater ausgebildet. Ob privat oder beruflich kann ich nicht nur enorm zuhören, sondern ich kenne mich durch und durch damit aus, was im Geben und Nehmen von Hören und Sprechen abläuft. Für dien hiesigen Fall gilt kurz gesagt:

Stell dir das überquellende Cola-Glas vor. Stell es dir vor, wie es überläuft und verschüttet und klebt. Und dann frag dich, WIE soll jemand nun an das Glas kommen? WIE soll in der Situation irgendetwas bis an dich gelangen? Ob gefühlt, gehört, gezeigt?

Es ist nicht so, dass von der Gegenseite (hier: ich bzw. von mir) keine Achtsamkeit, keine Empathie, kein Verstehen da ist. Nein, das ist alles da und durch und durch angeboten. Doch meine Beobachtung ist es, dass das angestaute Überquellende die Person selber verhindert, von jenem etwas für sich herübernehmen zu können, was wegen der Überfülle so sehr ersehnt würde.

Ich empfehle daher:

1. Phase (vor der Begegnung): Kann ich meinen Gesprächfreund entgegennehmen?

2. Phase: Kann ich mich ein Stück weit leer machen (keine Gedanken, keine Ideen, keine Themen - vielmehr Zeit, Stille, Ruhe, ohne Gespräch im Moment verbleiben, allenfalls Empathie anbieten, selber zuhören)

3. Phase: Kann ich fühlen, was ich gerade fühle? Kann ich orten, ob ich ein Thema besprechen möchte, ODER OB ICH VIEL MEHR FÜR DIE IDEE DES THEMAS JEMANDEN MÖCHTE, DER MICH VERSTEHT, DER MICH ANNIMMT?

4. Phase: Könnte ich allenfalls sagen: Egal, was alles ich an Ideen und Projekten ich dir hier zeigen und mitteilen möchte, eigentlich möchte ich hierfür viel mehr verstanden, angenommen, aufgenommen werden. Mir ist mehr nach menschlichem Mitgefühl als nach Durchkauen obliegender Gedankenfeuerwerke?

RUNTER VOM GAS.

Dann klappt's nämlich auch mit dem Nachbarn.

> Versprochen.

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Kennt ihr das?

Kennt ihr das als Zuhörende?

Kennt ihr euch selber "so"?

Kann es sein, dass der Wunsch nach Annahme einem zum Ablassen aller inneren Aktualitäten knüppelt, obwohl das sich nicht eignet, von jemandem angenommen werden zu können?

Kann es sein, dass meine Landebahn so voller eigener Flugzeuge verstellt ist, dass niemand hier noch landen könnte? Bleibe ich daher ungesehen?

Stehe ich mir allenfalls genau selber im Weg?

Herzlich fragt

Jona Jakob

07.01.2013

Hochbegabung Typ 1 und 2 - von Jona Jakob

Guten Morgen

In meiner Arbeit mit Hochbegabten Erwachsenen, welche sowohl hochsensibel oder nicht hochsensibel sind, haben sich für mich zwei Typen von Prägungen durch Hochbegabungslebensläufe herausgestellt: 


Ich unterscheide 


Hochbegabung Typ 1: Der Intelligente
Von Geburt mit hohem Intelligenzquotient geboren, lernt, besteht Abschlüsse, arbeitet erfolgreich, entwickelt sich als Mensch unter normalen Umständen, schlägt voraussichtlich eine akademische Laufbahn ein, lebt mit einem klugen, allenfalls wissenschaftlichen Kopf. Ich verbinde mit diesem Typ eher keine Hochsensibilität.

Hochbegabung Typ 2: Sensitive Frühverantwortliche oder «Checker-Typ»
Kindheit und Jugend sind geprägt durch übermässige Frühverantwortung, sei es wegen familiärer Probleme, Resilienzentwicklung oder zu frühe Übertragung von Verantwortung, was vom Auftragerteiler wie vom Kind positiv erlebt wird, aber doch überfordert, so dass das Kind zum Checker wird. Hier verbinde ich eher Hochsensibilität: Weil das Kind auf Fragen keine Antworten findet, muss es fühlen/erahnen/checken, was gut sein könnte. Es entwickelt sich
und seine Intelligenz aufgrund eines 10 – 30 Jahre dauernden «Gedankenkarussells» von Denken, Fühlen, Unsicherheit und mangelnder Rückbestätigung.  


Hochbegabung Erwachsene Typ 1 und Typ 2 / by Jona Jakob, Schlieren bei Zürich, 2013
                                                                                      


Diese beiden Typen unterscheiden sich stark in ihrer
- Lebensgeschichte
- Grundvertrauen
- Persönlichkeitsentwicklung
- Orientierungen

Damit verbunden sind höchst unterschiedliche Coachinganliegen sowie Lösungswege wie Strategien für die Zielerreichung in Coachings.


Beide Typen haben sowohl unterschiedliche Stärken wie Schwächen, Chancen und Gefahren.


Beide Typen können ihre Kindheit und Jugend als "stärkend/positiv" oder als "belastend/negativ" erlebt haben, was nochmals sehr unterschiedliche prägen kann.


Besten Dank.


Jona Jakob


31.12.2012

Wenn geschaffenes Verstehen die Prägungen einer Hochbegabung wettmacht! Ideal.


Angekommen?

Ich danke dem Autoren für die Erlaubnis, den Text hier publizieren zu dürfen. Es handelt sich um eine persönliche Vorstellung in einem Internetforum zum Thema Hochbegabung. Der Autor steht mitten im Leben, ist also gestanden Erwachsener und ist beruflich engagiert.  
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Ich bin neu hier und daher ist es zunächst einmal angebracht, sich in wenigen Worten vorzustellen. Nur wer ist man selber eigentlich? Vermutlich denke ich viel zu viel, zumindest wird mir das andauernd nachgesagt. In der Arbeit muss ich zum Beispiel Fachkonzepte lesen, teils im Rahmen einer Qualitätssicherung, teils weil sie auch für mich eine Arbeitsgrundlage darstellen. Natürlich mache ich so etwas nicht völlig alleine, und so errege ich immer wieder Aufmerksamkeit durch meine Fragen. Irgendwo entdecke ich eben doch immer wieder die Lücken in einer längeren Argumentationskette oder mir fällt auf, dass feststehende Fachbegriffe etwas unorthodox angewendet werden. Nun, etwas als falsch hinzustellen, das kommt nicht immer gut an, also lasse ich es besser. Schließlich möchte ich nicht in die Rolle des ewigen Besserwissers geraten. Stattdessen bemühe ich mich bei Kritiken um einen "sokratischen" Ansatz, das heißt also Fragen stellen, um dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, seinen Fehler in Grazie bemerken und ausmerzen zu können. 

Was von mir erwartet wird ist die Fähigkeit, in (formalen) Modellen zu denken. Das hört sich einfach an, macht sogar Spaß, zumindest mir. Nun bin ich aber auch realistisch genug, von anderen keine ungeteilte Zustimmung zu erwarten. Modelle haben nun einmal als wesentliche Elemente Syntax und Semantik, sodass das Arbeiten mit ihnen Disziplin, aber auch sehr viel Vorstellungsvermögen erfordert. Und so ist es letztlich kein Wunder, dass das Arbeiten mit Modellen bei den meisten Menschen nicht gar so gut ankommt. Dabei hat das Modellieren auch ein sehr spielerisches Element. Gedanken und Ideen als Spielzeug, warum eigentlich nicht?  

Mir fällt generell auf, dass in vielen Diskussionen mit Vokabeln um sich geschmissen wird, deren Bedeutung offensichtlich nicht richtig verstanden wurde. Meist reicht ja schon eine ganz simple Verständnisfrage, um anschließend die merkwürdigsten Reaktionen erleben zu dürfen. Okay, ich nehme alles viel zu akribisch genau, kann mich in Details festbeißen - aber doch nur im Bemühen, das mir Gesagte verstehen zu wollen. Wer "Sherlock Holmes" gelesen hat, dem ist doch nur zu gut bekannt, dass sein Freund Dr. Watson sicherlich keine schlechten Beobachtungen macht und auch seine Schlussfolgerungen an sich nicht falsch sind. Das Dumme ist eben nur, dass er scheinbar unwichtigen Details nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenkt.  

Auf der anderen Seite ist gerade das Weglassen von Details eines der wesentlichen Erfolgsgeheimnisse physikalischer Modellbildung. Es gibt eben nicht den EINEN Denkansatz, mit dem sich alle Probleme lösen lassen. Teilweise ist es völlig angemessen, mit schlichtem "Hand Waving" zu argumentieren während man sich an anderer Stelle wohl oder übel um das Detail bemühen muss. In mathematischen Beweisen ist dieser schnelle Wechsel absolut keine Seltenheit. 

Eine weitere Beobachtung: Ich interessiere mich für Informatik, (Versicherungs)mathematik und juristische Fragestellungen gleichermaßen. Eigentlich sollte diese Vielseitigkeit für den Arbeitgeber eine tolle Sache sein. Gleich drei Qualifikationen gegen die Zahlung eines einzigen Gehalts? So ein Angebot müsste doch eigentlich ein verlockendes Geschäft sein. Nur wird daraus leider nichts, denn im Fachbereich darf ich keine Informatik treiben und in der Anwendungsentwicklung keine Versicherungsmathematik. Zugegeben, ich vergaß einfach die Schubladen, wohl eher unter dem Begriff "Stellenbeschreibung" bekannt.  

Entgegen gängigen Vorurteilen interessiere ich mich auch noch für Sprachen, aber nicht so sehr für Fremdsprachen, sondern eher für die geschichtliche Entwicklung von Sprachen. Dabei kommt man dann sehr schnell darauf, das es sich bei Latein keineswegs um eine "tote" Sprache handelt. Sie hat sich eben nur weiterentwickelt, wobei sich dann die modernen romanischen Sprachrn herauskristallisiert haben. Vermutlich verhält sich,wenn man so will,  Französisch zu Latein wie Neuhochdeutsch zu Althochdeutsch. 

Gut, das war jetzt eine kleine Abschweifung, denn Thema diese Beitrags ist ja nicht Sprachgeschichte, sondern die Vorstellung des neuen Mitglieds.  

Sie sehen, ich habe bisher das Wort "Hochbegabung" nicht in den Mund genommen. Eigentlich ist es mir auch völlig egal, ob ich nun die Kriterien eines Hochbegabten erfülle. Ich bin nun einmal so wie ich bin. Sicher, In den Augen vieler Bekannter und Freunde durchdenke ich zu viele Entscheidungen, wohlwissend, dass es im Grunde genommen gar nicht einmal so schrecklich viele Überraschungen gibt, wie man gemeinhin annimmt. Wohl gemerkt, ich habe damit jetzt nicht gesagt, dass das Leben frei von Überraschungen sei. Aber mit etwas Nachdenken (jetzt werde ich vermutlich belächelt), lassen sich viele sogenannte Überraschungen aus dem Wege räumen oder zumindest naheliegende Vorkehrungen treffen. Ein möglicher Einwand gegen eine als "übertrieben" angesehene Vorausplanung seiner Handlungen könnte etwa lauten, dass man sich damit des eigentlich Spannenden im Leben beraubt. Ein derartiger Einwand ist ja gar nicht einmal von der Hand zu weisen, reicht mir persönlich aber nicht aus, eingefleischte Gewohnheiten abzulegen. Wem Nachdenken Spass macht, der wird es sich nun einmal nicht mehr abgewöhnen wollen.  

Was erwarte ich in dieser Gruppe? - Im Grunde genommen nur, Menschen kennenlernen zu dürfen, die über den doch sehr engen Tellerrand des Alltäglichen hinausdenken, die im Sinne der Aufklärung den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Wann immer ich glaube, eine Mehrheitsmeinung zu teilen, dann kann ich mich einer gewissen Skepsis kaum noch erwehren. Irgend etwas scheine ich dann vermutlich nicht bedacht zu haben. Den Mut zum Anderssein, den möchte ich mir einfach nicht nehmen lassen. Dennoch, ein paar wenige Gleichgesinnte schaden nicht. In diesem Sinne freue ich mich auf diese Gruppe und viele anregende Diskussionen. 

Liebe Grüße, 


Ich hatten den Wunsch, diesen Text hier zu veröffentlichen, weil an ihm mE relevante Aspekte erkennbar werden:

1: Der Autor pflegt mE ein engagiertes, waches Bewusstsein für sich selbst, aber auch hinsichtlich seines Umfeldes. Das ist die Form, wie ich mir als Coach einen Umgang mit dem Thema Hochbegabung vorstelle: keine Stigmatisierung sondern bewusster Umgang hin zum konkreten Handeln.

2: Man kann im Text erkennen, was die Normalowelt braucht, damit etwas brauchbar wird - man sieht aber auch, was man noch nutzen und potentieren könnte - wo also noch Chancen stecken, nimmt man sich die Mühe, einem Hochbegabten länger zuzuhören, bis man ihn verstanden hat. Das ist für die Normalowelt anstrenged, aber vielleicht gerade das Alleinerkennungsmerkmal innovativer Lösungen. 

3: Der Beitrag erzeugt mE eine Stimmung, eine Embiance, wo niemand bewertet wird. So können HB-Geprägte und Normalos einen guten Weg miteinander finden. Solcher Umgang, so mein Credo, fördert das gegenseitige Verständnis und damit das Vertrauen - .. und es macht Spass.

Herzlichen Dank.

Jona Jakob